Bitcoin Dominanz verstehen: So steuerst du dein Krypto-Portfolio

Der Kryptowährungsmarkt ist ein ewiger Wettstreit zwischen Bitcoin als ältester und dominantesten digitalen Währung und einer großen Masse an mehr oder weniger erfolgreichen Altcoins. Die Kennzahl der Bitcoin-Dominanz ist sozusagen das „Wetterradar“ für den Kryptomarkt. Der wichtigste Marko-Indikator zeigt, wohin das Geld im Markt fließt. Wer lernt, das Verhältnis zwischen Branchenprimus und dem Rest des Marktes zu verstehen, erkennt frühzeitig entscheidende Trends. In diesem an Börseneinsteiger gerichteten Ratgeber erfährst du alles Wissenswerte rund um die Bitcoin-Dominanz und wie du sie zu deinem eigenen Vorteil in der Portfoliosteuerung einsetzen kannst.

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Bitcoin-Dominanz beschreibt das Verhältnis der Bitcoin-Marktkapitalisierung zum Marktwert aller Altcoins.
  • Sie ist der wichtigste Indikator der Kryptoszene und bringt die aktuelle Marktstimmung zum Ausdruck.
  • Nicht zu verwechseln mit der Bitcoin-Dominanz ist der Begriff "Bitcoin-Seasons", der sich auf den Kurs von Bitcoin und Altcoins bezieht.
  • Die Bitcoin-Dominanz schwankte in den letzten Jahren zwischen ca. 35 und 85% auf und ab.
  • Die Dominanz des Bitcoins wird von verschiedenen markttechnischen, technologischen und psychologischen Faktoren beeinflusst, wie zum Beispiel dem Risikoappetit, der Kursentwicklung, Innovationen und der institutionellen Nachfrage.
  • Die Kennzahl lässt sich praktisch einsetzen, um rechtzeitig Kapitalumschichtungen und folglich Kursbewegungen von Kryptowährungen zu antizipieren.
  • Die Bitcoin-Dominanz ist in der Praxis allerdings mit einigen Fallstricken verbunden.

Was ist die Bitcoin Dominanz?

Wie der Begriff bereits zum Ausdruck bringt, beschreibt die Bitcoin Dominanz den Status der ältesten Kryptowährung im Verhältnis zu allen anderen digitalen Währungen (in Summe als „Altcoins“ bezeichnet).

Konkret ist die Bitcoin-Dominanz eine Kennzahl, mit der die Marktkapitalisierung des Bitcoins ins Verhältnis zur gesamten Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen gesetzt wird. Einfacher ausgedrückt: Diese Kennzahl gibt an, wie viel Prozent des gesamten Geldes, das in Kryptowährungen investiert ist, in Bitcoin steckt.

Wie wird die Bitcoin-Dominanz berechnet?

Die Formel zur Berechnung der Bitcoin-Dominanz ist sehr einfach. Sie lautet:

Marktkapitalisierung des Bitcoins / Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen

Am 20. Januar 2026 hätte die Rechnung wie folgt ausgesehen:

1,81 Mrd. US$ / 3,15 US$ = 0,575

Das bedeutet, dass der Bitcoin zu diesem Zeitpunkt 57,5% der Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen ausmacht.

Was sagt die Bitcoin-Dominanz aus?

Die Kennzahl der Bitcoin-Dominanz ist einer der wichtigsten Indikatoren für die gesamte Kryptobranche. Sie bringt das aktuelle Marktsentiment in der Branche zum Ausdruck.

Eine steigende Bitcoin-Dominanz bedeutet, dass Anleger Kapital aus riskanteren Altcoins abziehen und in Bitcoin umschichten (die sogenannte „Flucht in Qualität“). Diese Entwicklung ist oftmals in unsicheren Marktphasen zu beobachten, wenn Anleger ihr Risiko durch eine Umschichtung in Bitcoin verringern wollen. In der Praxis wird diese Entwicklung häufig als „Bitcoin Season“ bezeichnet.

Im Gegensatz dazu ist eine sinkende Bitcoin-Dominanz ein Anzeichen für einen Kapitalabfluss von Bitcoin zu Altcoins. Dieses Phänomen zeigt sich vor allem in Phasen, in denen die Kurse von Kryptowährungen allgemein steigen und viele neue und interessante Kryptos auf den Markt kommen. Diese Entwicklung wird häufig als „Altcoin Season“ bezeichnet.

Was sind die Bitcoin Season und die Altcoin Season?

Häufig werden die beiden Begriffe „Bitcoin Dominanz“ und „Bitcoin Season“ synonym verwendet. Dies ist jedoch ein Irrtum, denn sie bringen unterschiedliche Dinge zum Ausdruck. Während sich die Bitcoin-Dominanz auf den Marktanteil bezieht, sagt die Bitcoin Season etwas über die Kursentwicklung aus.

Bei der Bitcoin Season handelt es sich um eine Phase im Kryptomarkt, in der sich der Bitcoin deutlich besser entwickelt als Altcoins. Das Gegenteil dazu ist die Altcoin Season.

Es gibt sogar eine mathematisch genaue Definition der beiden Seasons. Eine Altcoin-Season liegt vor, wenn 75% der Top-100-Kryptowährungen (nach Marktkapitalisierung) in den letzten 90 Tagen eine bessere Performance erzielt haben als Bitcoin. Wenn Bitcoin hingegen in diesem Zeitraum eine bessere Performance als 75% der Top-100-Coins gezeigt hat, spricht man von einer Bitcoin-Season. Werte dazwischen werden als ausgeglichener Markt bezeichnet.

Wie hat sich die Bitcoin Dominanz im Zeitverlauf entwickelt?

Die Bitcoin-Dominanz unterlag in den letzten Jahren starken Schwankungen. In den Entstehungsjahren der Kryptobranche lag die Dominanz der ersten digitalen Währung der Welt bei nahezu 100%. Bitcoin war seinerzeit gleichbedeutend mit „Krypto“. Altcoins wie Litecoin (seit 2011 auf dem Markt) oder XRP (seit 2012) machten nur Bruchteile des Marktes aus. Selbst nach dem Start von Ethereum, der heute nach Bitcoin zweitwichtigsten Kryptowährung, im Jahr 2015 blieb die Bitcoin Dominanz vorerst bei über 85%.

In den Jahren 2017 und 2018 kam es jedoch zu einer dramatischen Veränderung der Dominanz des Bitcoins. In diesem Zeitraum brach die Kennzahl von ca. 85 auf 35% ein. Grund für die seinerzeit massiv schwindende Vorherrschaft des Bitcoins war der ICO-Hype (Initial Coin Offerings), also der Markteintritt Hunderter neuer Kryptowährungen. Viele der neuen digitalen Währungen liefen auf der damals noch jungen Ethereum-Blockchain, was auch zur steigenden Popularität der Kryptowährung Ether beitrug.

Nach dem Platzen der ICO-Blase verschwanden viele kleine Kryptoprojekte wieder vom Markt und Anleger suchten Sicherheit im Bitcoin. In den Jahren 2019 und 2020 festigte die älteste Kryptowährung ihren Ruf als „digitales Gold“ und die Bitcoin Dominanz stieg wieder auf deutlich über 60%.

In den Jahren 2021 und 2022 kam es zu einem erneuten Innovationszyklus in der Kryptobranche, in dessen Zuge zahlreiche neue Anwendungsformen in den Bereichen Dezentrale Finanzen, Smart Contracts und Non-Fungible Token entstanden. Zudem entwickelten sich in diesem Zeitraum neue, innovative Blockchains wie Avalanche und Solana, was zu einem massiven Kapitalabfluss von Bitcoin zu Altcoins führte. Aufgrund dieser Entwicklungen sank die Bitcoin-Dominanz Ende 2022 auf unter 40%.

Ab 2023 ging es mit der Bitcoin-Dominanz allerdings wieder nach oben. Hauptgrund für die Rückgewinnung an Boden der ältesten Kryptowährung war die beginnende institutionelle Annahme des Bitcoins.

Anfang 2024 wurden zum ersten Mal Spot-ETFs auf Bitcoin zugelassen. Diese Exchange-traded Funds sorgten für ein stark wachsendes Interesse von Anlegern und Fondsgesellschaften am Bitcoin. Bis Ende 2025 stieg die Bitcoin Dominanz wieder auf knapp 60%. Im gleichen Atemzug verloren Ethereum und andere Altcoins deutlich an Marktanteilen.

Welche Faktoren beeinflussen die Bitcoin Dominanz?

Die Bitcoin Dominanz wird von verschiedenen markttechnischen, technologischen und psychologischen Faktoren beeinflusst. Nachfolgend findest du eine Auflistung der wichtigsten Einflussfaktoren:

Marktstimmung und Risikoappetit

Sie sind wahrscheinlich einer der wichtigsten Einflussfaktoren auf die Bitcoin-Dominanz. In unsicheren Zeiten, beispielsweise bei sich anbahnenden Kriegen oder Handelskonflikten, fließt Kapital in (vermeintlich) sichere Häfen. Im Kryptosektor ist der Bitcoin der einzige Hafen, der von Anlegern als halbwegs sicher angesehen wird. Vor diesem Hintergrund nimmt in Krisenzeiten die Dominanz des Bitcoins in der Regel zu.

Der gegenteilige Effekt tritt in euphorischen Marktphasen ein. Anleger haben dann einen meist ausgeprägteren Risikoappetit und allokieren größere Kapitalanteile in Altcoins. Diese bullische Marktstimmung führt meist zu einer sinkenden Bitcoin-Dominanz.

Performance von Bitcoin und Altcoins

Selbstverständlich beeinflusst auch die Kursentwicklung von Bitcoin und Altcoins die jeweilige Dominanz. In Zeiten, in denen sich der Bitcoin-Kurs besser entwickelt als die Kurse der wichtigsten Altcoins (Bitcoin Season), schichten Anleger meist in die Kryptowährung Nummer 1 um und erhöhen damit die Bitcoin-Dominanz.

Andersrum ist es bei einer generell besseren Performance von Altcoins (Altcoin Season). Sie führt zu verstärkten Investitionen in Ethereum & Co. und senkt die Bitcoin-Dominanz.

Innovationen bei Altcoins

Innovationen bei Altcoins können neue Trends auslösen. Diese frischen Narrative sorgen im Regelfall dafür, dass Anleger mehr Geld in Altcoins investieren und dadurch die Bitcoin-Dominanz verringern.

Die Ausgabe neuer Altcoins kann insgesamt das Anlegerinteresse an Kryptowährungen erhöhen und die Gesamtmarktkapitalisierung der Kryptobranche in die Höhe treiben. Dadurch kann die Dominanz des Bitcoins sogar sinken, ohne dass der Bitcoin-Kurs fällt.

Institutionelle Nachfrage

Die Nachfrage institutioneller Investoren, wie Banken, Fondsgesellschaften und Unternehmen, ist in den letzten Jahren einer der größten Einflussfaktoren auf den Bitcoin-Kurs geworden. Während der Kurs der dominanten Kryptowährung früher primär von Privatanlegern getrieben wurde, bestimmen heute Fondsmanager und Banker die Richtung.

Schätzungen zufolge befinden sich inzwischen mehr als 4,2 Millionen BTC in institutioneller Hand. Das sind knapp über 20% des gesamten umlaufenden Bitcoin-Angebots. Neben Banken und Fondsgesellschaften halten auch zunehmend Unternehmen, allen voran Strategy, große Bestände an Bitcoins.

Diese institutionelle Nachfrage erhöht tendenziell die Bitcoin-Dominanz. Neben Bitcoin gibt es derzeit mit Ether und XRP nur zwei Altcoins, die ebenfalls über einen geklärten rechtlichen Status verfügen. Dieser ist eine Grundvoraussetzung für Investitionen durch institutionelle Anleger.

Strategische nationale Reserve

Die strategische nationale Reserve kann man als ganz besondere Form der institutionellen Bitcoin-Nachfrage sehen, schließlich handelt es sich dabei um die Nachfrage durch Notenbanken. Inzwischen ist die älteste Kryptowährung von einigen Notenbanken als strategische Reserve anerkannt. Den Anfang dieser Entwicklung machte das kleine mittelamerikanische Land El Salvador im Jahr 2021.

Im März 2025 haben auch die USA mit einem Dekret von Präsident Trump den Grundstein für die Errichtung einer strategischen nationalen Bitcoin-Reserve gelegt. In den kommenden fünf Jahren wollen die Vereinigten Staaten bis zu 1 Million BTC erwerben, um ihre Staatsverschuldung langfristig abzusichern.

Neben El Salvador und den USA planen auch Brasilien, die Ukraine und Tschechien, einen Teil ihrer Zentralbankreserve in Bitcoin zu investieren. Weitere Länder dürften in den kommenden Jahren folgen.

Hauptgrund für das Interesse von Notenbanken in aller Welt an Bitcoin-Reserven dürfte der Inflationsschutz der Kryptowährung sein. Bei seiner Ausgabe wurde Bitcoin dauerhaft auf 21 Millionen Einheiten beschränkt. Die älteste digitale Währung der Welt hat demnach eine deflationäre Grundeigenschaft.

Wie lässt sich die Bitcoin-Dominanz praktisch anwenden?

Die Bitcoin-Dominanz wird in der Praxis von vielen Kryptoanlegern bei der Kapitalallokation genutzt. Durch ein frühzeitiges Erkennen von Änderungen in der Dominanz versuchen viele Anleger, rechtzeitig Kursbewegungen von Kryptowährungen zu antizipieren.

Wenn die Bitcoin-Dominanz an einem markanten Widerstand (beispielsweise bei 60%) abprallt und im Anschluss sinkt, während der Bitcoin-Kurs stabil bleibt oder sogar leicht steigt, ist das ein klassisches Signal für den Beginn einer Altcoin-Season. Gewinne aus dem Bitcoin-Handel werden in solchen Situationen oft in Altcoins umgeschichtet.

Ein weiteres Handelssignal der Bitcoin-Dominanz ist die Situation, wenn bei fallenden Kryptokursen die Bitcoin-Dominanz steigt. Dies signalisiert, dass Anleger ihre riskanteren Altcoins deutlich schneller abstoßen als Bitcoin. In so einer Situation signalisiert die steigende Bitcoin-Dominanz eine Verringerung des Engagements in Altcoins.

Nicht zuletzt stellen auch Extremwerte bei der Bitcoin-Dominanz häufig Handelssignale dar. Erreicht die Dominanz des Bitcoins beispielsweise ein sehr hohes und markantes Niveau, wird das oft als Zeichen für eine Überhitzung der Bitcoin-Rallye gewertet. In diesem Fall beginnen Anleger mit der Rotation von Kapital in Altcoins.

Was sind die Grenzen der Bitcoin Dominanz?

Als Anleger solltest du die Kennzahl der Bitcoin-Dominanz nicht überbewerten. Sie ist in der Praxis nämlich mit den vier folgenden Grenzen und Fallstricken verbunden.

Die Stablecoin-Verzerrung

Eine große Schwäche der Unterteilung des Marktes in Bitcoin und Altcoins ist die Tatsache, dass Stablecoins dem Altcoins-Markt zugerechnet werden. Wenn Anleger Bitcoin verkaufen und in Stablecoins umschichten, sinkt die Bitcoin-Dominanz rechnerisch, obwohl kein Geld in klassische Altcoins fließt (sondern nur in Stablecoins).

Der „Friedhof der Altcoins“

Die Marktkapitalisierung des gesamten Kryptomarktes wird durch Tausende von toten oder bedeutungslosen Coins aufgebläht. Jede neue Kryptowährung, die per Airdrop oder Lifting entsteht, erhöht die Marktkapitalisierung und drückt die Bitcoin Dominanz automatisch nach unten, selbst wenn kein einziger Euro aus Bitcoin abgeflossen ist. Die Kennzahl spiegelt demnach nicht die Qualität des Marktes wider, sondern nur die mathematische Menge an existierenden Coins.

Das Ende der Zyklen

In der Vergangenheit stieg und fiel die Bitcoin Dominanz über die Jahre. Dieses zyklische Verhalten könnte sich durch die Einführung von Spot-ETFs dauerhaft ändern. Institutionelles Geld fließt fast ausschließlich in Bitcoin-ETFs. Da institutionelle Anleger in der Regel keine Spekulanten sind, bleibt das Geld dort investiert. Das bedeutet, dass die Bitcoin Dominanz in Zukunft wahrscheinlich auf einem relativ hohen Niveau verharren wird. Die klassische, regelmäßige Rotation in Altcoins wird es in Zukunft voraussichtlich nicht mehr in ausgeprägter Form geben.

Die Altcoin-Konzentration

Neben dem Bitcoin hat sich die Altcoin Ether als klare Nummer 2 unter den Kryptowährungen der Welt etabliert. Mit Tether, Binance, XRP (Ripple), USDC (Circle) und Solana gibt es fünf weitere mittelgroße Altcoins. Alle anderen Altcoins haben eine deutlich geringere Marktkapitalisierung. Das bedeutet, dass die Bitcoin-Dominanz nur eine begrenzte Aussagekraft hat. Vielmehr empfiehlt es sich, die Dominanz von Bitcoin gegenüber diesen sechs führenden Altcoins ins Verhältnis zu setzen.