Dividendenstrategie: Wie funktioniert das?

Du willst einen stetigen Geldstrom ins Depot fließen lassen, ohne Dich täglich mit deinen Investments beschäftigen zu müssen? Dann könnte eine Dividendenstrategie perfekt für Dich sein. Wir erklären Dir, wie Du profitierst.

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Was eine Dividendenstrategie ist

Wer sein Geld in Aktien investiert, kann prinzipiell auf zwei Arten profitieren:

  • Erstens: Der Kurs steigt, er verkauft seine Wertpapiere also teurer, als er sie gekauft hat.
  • Zweitens: Er partizipiert an möglichen Ausschüttungen des Unternehmens, dessen Anteile er erworben hat, bekommt also Dividenden.

Anlegerinnen und Anleger, die eine Dividendenstrategie verfolgen, investieren gezielt in solche Aktiengesellschaften, die möglichst hohe Dividenden ausschütten. Wenn das dann auch noch regelmäßig geschieht, fließt ein stetiger Geldstrom aufs Konto. So wird ein passives Einkommen außerhalb des normalen Jobs generiert, ohne etwas tun zu müssen – zumindest in der Theorie. Gerade in der seit Jahren anhaltenden Niedrigzinsphase, bei der man weder mit dem Sparbuch noch mit Tagesgeld noch mit Festgeld nennenswerte Renditen erzielen kann, finden Dividendenstrategien viele Anhänger.

Maßgebliches Auswahlkriterium

Ein maßgebliches Auswahlkriterium für diese Anlagestrategie ist die Dividendenrendite, wenngleich diese allein keine endgültigen Schlüsse darüber zulässt, wie attraktiv eine Aktie insgesamt ist. Die Dividendenrendite gibt an, wie hoch die Ausschüttung im Verhältnis zum Aktienkurs ist. In der Regel liegt sie bei den meisten Aktien im Dax zwischen 2 und 4 Prozent. Viele Unternehmen zahlen allerdings keine Dividende, weil sie lieber in Forschung und Entwicklung oder neue Produkte investieren.

Die Dividendenrendite errechnet man, in dem man die Dividendenzahlung je Aktie mit 100 multipliziert und dann durch den Aktienkurs teilt. Anleger sollten sich dabei nicht von veröffentlichten Angaben zur Dividendenrendite eines Unternehmens blenden lassen. Denn maßgeblich für sie ist allein ihr eigener Einstiegskurs. Beispiel: Sie haben eine Aktie für 50 Euro gekauft. Die Dividende beläuft sich auf 2 Euro. Ihre Dividendenrendite: 4%.

Woher die Dividendenstrategien kommen

Der legendäre US-Wirtschaftswissenschaftler und Investor Benjamin Graham (1894-1976) gilt als Begründer des Value Investing und der Dividendenstrategie. Er war Lehrmeister des berühmten Star-Investors Warren Buffett. Graham veröffentlichte 1934 das Buch „Security Analysis“ und 1949 das Buch „The Intelligent Investor“, die bis heute als Standardwerke für Value-Investoren gelten.

Im Rahmen seiner fundamentalen Wertpapieranalyse war die Dividendenrendite eine Kennzahl, mit der Graham Aktien bewertete. Einer seiner meist zitierten Sätze lautet: „Ein Investment liegt immer dann vor, wenn nach einer gründlichen Analyse in erster Linie Sicherheit und erst im Anschluss daran eine zufriedenstellende Rendite steht.“

Graham empfahl damals, die zehn dividendenstärksten Aktien mit dem niedrigsten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im Dow Jones zu kaufen und jedes Jahr auszutauschen, sofern es dann Aktien mit einer höheren Dividendenrendite gibt. Ziel: Eine bessere Performance erzielen als der Gesamtmarkt. Diese Strategie nennt sich „Dogs of the Dow“. Der Begriff „dogs“ (Hunde) bezeichnet in der US-amerikanischen Umgangssprache eine wertlose Sache. Hier meint er stark unterbewertete und unpopuläre Aktien.

Weltweit tüfteln Strategen

Ein anderer Name, der maßgeblich für die Dividendenstrategie steht: Michael B. O’Higgins. 1978 gründete er seine eigene Investmentgesellschaft O’Higgins Asset Management mit Sitz in Miami Beach, Florida. Er verfeinerte die „Dogs of the Dow“ Strategie von Benjamin Graham, indem er die zehn Dow-Jones-Werte mit der höchsten Dividendenrendite nach dem optisch niedrigsten Börsenkurs sortierte und auf fünf Werte reduzierte. Grund: O’Higgins war der Ansicht, Aktien mit optisch niedrigeren Notierungen hätten mehr Kurspotenzial als solche mit hohen Notierungen. Er riet Anlegerinnen und Anlegern, ihr Kapital gleichmäßig auf diese fünf Werte zu verteilen. Daher wird diese Strategie als „Low Five“ bezeichnet.

Nachdem Grahams und O’Higgins Dividendenstrategien nachweislich erfolgreich waren – viele Anlegerinnen und Anleger setzen immer noch darauf – gab und gibt es etliche andere Versuche mit dem gleichen Ziel. Weltweit tüfteln professionelle Strategen diverser Fonds an solchen Strategien, mit denen sie höhere Renditen erzielen wollen als der Marktdurchschnitt.

Das sind die Vor- und Nachteile einer Dividendenstrategie

Der vielleicht größte Vorteil einer Dividendenstrategie besteht darin, dass sie ein gefühlt stabiles Element darstellt. Stabil deshalb, weil sichere und kontinuierliche Dividendenzahler meist große und ertragskräftige Unternehmen sind, die aufgrund ihrer starken Marktposition weniger Kursbewegungen ausgesetzt sind – jedenfalls solange es keine gravierenden Wirtschaftskrisen wie die aktuelle infolge der Corona-Pandemie gibt.

Beispiele hier wären Coca Cola, der größte US-Telekommunikationskonzern AT&T, Pharmagigant Johnson & Johnson, Konsümgüterproduzent Procter & Gamble oder McDonald’s. Hier droht in der Regel auch kein Totalverlust des Kapitals.

Auf der anderen Seite vermitteln Dividenden ein trügerisches Gefühl der Sicherheit. Denn sie sind immer freiwillige Leistungen des Unternehmens, es gibt dafür also keine Garantien, sie sind grundsätzlich nicht mit Zinseinnahmen vergleichbar, weil es sich um verschiedene Ertragsquellen handelt. Wenn also viele Banken mit der Devise „Dividenden sind die neuen Zinsen“ locken, sollte man sich davon nicht täuschen lassen.

Gerade in der aktuellen Corona-Krise haben viele Unternehmen ihre Dividenden gestrichen oder zumindest gekürzt, das gilt selbst für einen so genannten „Dividenden-Aristokraten“ wie den Öl-Riesen Shell, der seit 1945 kontinuierlich Jahr für Jahr (höhere) Dividenden ausgeschüttet hatte.

Für wen die Dividendenstrategie geeignet ist

Eine Dividendenstrategie kann für konservative und sicherheitsorientierte Anlegerinnen und Anleger sinnvoll sein, die wenig Zeit für die Börse haben oder sich nicht mit dem ständigen Auf und Ab der Märkte beschäftigen wollen. Gezielt in dividendenstarke Titel zu investieren und regelmäßig zu kassieren, trägt sicherlich auch dazu bei, panikartige Verkäufe von Aktien zu vermeiden, wenn man gerade marktbedingt stark im Minus ist, bietet also einen psychologischen Vorteil. Und langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger fahren statistisch belegt besser als hektische Hin-und-Her-Trader.

Die Renditen, die sich im Schnitt mit Dividenden erzielen lassen, liegen ferner seit Jahren deutlich über denen von zwar sicheren, aber sehr mageren Festzinsanlagen. Wer zum Beispiel ein nettes Zubrot für den Ruhestand generieren oder Ausbildung/Studium des Nachwuchses entspannt finanzieren möchte und nicht ausschließlich auf eine maximale Gesamtrendite schielt, dürfte also in diesem Bereich gut aufgehoben sein.

Auf der anderen Seite dürfen Anlegerinnen und Anleger nicht vergessen, dass ihre Investitionsgewinne in Aktien immer aus Kurssteigerungen und Dividendenerträgen bestehen. Nur auf die Dividendenrendite zu schauen und die Kursentwicklung außer Acht zu lassen, wäre deshalb ein fataler Fehler. Ob eine Dividendenstrategie erfolgreich ist, hängt letztlich von der Auswahl der einzelnen Aktien ab und von den Kriterien, nach denen man diese auswählt. Konstante Ausschüttungen oder sogar konstant höhere Ausschüttungen über einen längeren Zeitraum wären hier etwa zu betrachten.

Zum Schluss wollen wir noch ein bisschen zum Schmunzeln anregen mit einem Zitat des deutschen Bankiers Carl Fürstenberg (1850-1933): „Aktionäre sind dumm und frech: Dumm, weil sie Aktien kaufen, und frech, weil sie Dividende haben wollen.“

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