Edelmetall Silber

Wenn Sie mich fragen, ist Silber das am meisten unterschätzte der drei Edelmetalle. Ich bin überzeugt davon, dass Sie neben Gold unbedingt auch auf Silber setzen sollten, wenn Sie Ihre Gewinne im aktuellen Super-Zyklus der Rohstoffe maximieren möchten.

Kaum ein Metall wird so vielseitig eingesetzt wie Silber. Das hat mehrere Gründe. So ist Silber das zweitwichtigste Währungsmetall nach Gold. Diese Stellung hat es sich über Jahrtausende erarbeitet. Seit vorbiblischen Zeiten wurde Silber als Währung akzeptiert. Bevor der Goldstandard weltweit maßgeblich wurde, war der Silberstandard mindestens so bedeutend. Auch wenn sich die Welt Ende des 19. Jahrhunderts davon löste, spielt Silber immer noch eine Rolle als das „vergessene“ Währungsmetall.

Präsident Kennedy besiegelte 1963 das Ende des US-Silberstandards auf Bundesebene. Doch der Staat Utah führte ihn am 10. März 2011 mit dem „Utah Legal Tender Act“ wieder klammheimlich ein. Dieser erkennt Gold- und Silbermünzen als gesetzliches Zahlungsmittel im Bundesstaat Utah an. Darum möchte ich festhalten: Was für Gold als Währungsmetall gilt, das gilt in abgeschwächter Form auch für Silber.

Doch das ist nur eine Eigenschaft von Silber: Es ist darüber hinaus auch ein unverzichtbares Industriemetall. Die einzigartigen physikalischen Eigenschaften machen Silber zu einem beliebten Metall in der Industrie, ganz gleich in welcher Branche. Kein anderes Metall weist eine so hohe elektrische Leitfähigkeit wie auch Wärmeleitfähigkeit auf wie Silber.

Die Tatsache, dass Silber sowohl als Investment wie auch in der Industrie genutzt wird, macht es zu einem sehr komplexen Rohstoff. Deswegen gilt Silber auch als das vielseitigste aller Metalle.

Der höchste Preis, der je für eine Feinunze Silber bezahlt wurde, lag bei 49,45 US$ pro Feinunze. Das war bereits im Jahr 1980. Im April 2011 erreichte der Silberpreis im Zuge der Auswirkungen der globalen Finanzkrise ähnlich hohe 47,94 US$.

Ich bin überzeugt, dass wir in absehbarer Zukunft erneut in diese Preisregionen vorstoßen werden. Dafür gibt es gute Gründe.

Über die Hälfte der Nachfrage für Silber stammt aus der Industrie. Die einzigartigen physikalischen Eigenschaften machen Silber zu einem beliebten Metall zur industriellen Fertigung, ganz gleich in welcher Branche. Silber ist deswegen Bestandteil in der Wertschöpfungskette vieler Schlüsselindustrien.

Kein anderes Metall weist eine so hohe elektrische Leitfähigkeit wie auch Wärmeleitfähigkeit auf wie Silber. Deswegen eignet es sich hervorragend, um elektrische Kontaktstellen zu beschichten. Ein Ersatzrohstoff ist nicht in Aussicht.

Diese Eigenschaften machen Silber zum äußerst begehrten Rohstoff in der Elektro-, Solar wie auch in der Hightechindustrie. Es wird in Smartphones, Computern, Automobilen und (Licht)Schaltern und in der Medizintechnik verwendet, sogar in E-Autos wird es verbaut.

Elektro-Autos und Solarzellen treiben die Nachfrage

Die Solarbranche steht mittlerweile für rund ein Zehntel der Silbernachfrage und es ist mit einer anhaltend hohen Nachfrage die nächsten Jahre zu rechnen. Der Ausbau von Anlagen zur Nutzung der Sonnenenergie befindet sich auf einem globalen Siegeszug und die Installationen sind auf einem immer höheren Rekordniveau. Aktuell benötigt ein Solarmodul rund 2/3 Silberunze, also rund 20 Gramm.

Allein so soll die Silbernachfrage der Solarindustrie auf 148 Millionen Unzen jährlich wachsen. Das entspricht aktuell fast der Gesamtnachfrage nach Silber.

Die Nachfrage nach Solarzellen und somit nach Silber explodierte im neuen Jahrtausend. Ähnlich wird es mit der E-Autobranche laufen, die Silber in rauen Mengen für die ganzen elektronischen Schaltkreise und Steuerelemente wie das Batteriemanagement benötigt.

Damit ist die Industrie der Nachfrage-Faktor Nummer eins. Aber die Investmentnachfrage ist dennoch ebenso relevant. Aktuell macht sie ein Viertel der Gesamtnachfrage nach Silber aus.

Minen dominieren Angebotsseite

Kommen wir zur Angebotsseite. Diese wird durch Minen dominiert.

2017 produzierten alle Silberminen auf der Welt nach Angaben des World Silver Survey insgesamt 852 Millionen Unzen, das entspricht 26.500 Tonnen. Das meiste Silber stammt aus Minen, aber auch die Recycling-Industrie spielt eine Rolle. Mit fallendem Silberpreis wird letzteres allerdings zunehmend weniger attraktiv.

Silber weist schon seit rund zehn Jahren ein fast „obligatorisches“ Angebotsdefizit aus, da die Minenproduktion die physische Nachfrage kaum decken kann und in den vergangenen Jahren, vor allem während der Silberbaisse, zu wenig Kapital für neue Projekte in den Sektor floss. Das macht sich nun bemerkbar.

Aufgrund von jahrelangen Fehl- und Unterinvestitionen steht die Silberbranche an einem Wendepunkt. Auch für Investoren bietet sich im Zusammenspiel mit dem Silberpreis die Gelegenheit, am Boden einzusteigen.

In anderen Worten: Silber wird sowohl von Investoren gekauft in der Erwartung steigender Preise wie auch für eine ganze Reihe industrieller Anwendungen.

Silber orientiert sich am Goldpreis

Wie es sich für Verwandte gehört, hängen Silber und der „große Bruder Gold“ am gleichen Strick. Geldpolitik, Notenbanken, Zinsen, Inflation und so weiter und so fort. Untereinander gibt aber Gold den Ton an.

Genauer gesagt: Silber hängt wie ein siamesischer Zwilling am Gold. Das sogenannte „Gold-Silber-Ratio“ bezeichnet das Verhältnis zwischen dem Gold- und dem Silberpreis.

Es ist ein wichtiges Hilfsmittel zur Bestimmung der Über- bzw. Unterbewertung beider Rohstoffe und wie stark oder schwach diese ausgeprägt ist. Es ist denkbar einfach konzipiert: Der Preis für eine Unze Gold wird durch den von einer Unze Silber geteilt. Bei einem Goldpreis von rund 1.300 US-Dollar und einem Silberpreis von 17 US-Dollar ergibt sich ein Verhältnis von 1:76.

Das heißt: Je höher der Preisdifferenz, desto höher das Verhältnis. Und umso höher die Investmentchancen – normalerweise!

Eine hohe Ratio deutet auf eine gute Investitionschance hin. Denn es besteht die Tendenz, dass große Diskrepanzen mit der Zeit reduziert werden.

Je stärker die Unter- oder Überbewertungen ausgeprägt sind, desto wahrscheinlicher wird das zu einer Korrektur durch den Markt führen.

Wer kein Gold und Silber besitzt, vertraut den Notenbanken und ihrer stark schwankenden Bereitschaft, Geld zu drucken.

Im Falle eines Wirtschaftsabschwungs werden Gold und Silber als monetäre Edelmetalle dann diametral gegensätzlich stark ansteigen und durch erhöhte Nachfrage werden die Preise nicht nur nominal, sondern auch real stark zulegen.

Sie können sich darum alternativ zum Gold bei einem hohen Gold-Silber Ratio verstärkt mit Silber eindecken. Sie müssen aber bereit sein, eine größere Schwankungsbreite zu verkraften. Das scheint zunächst dem Depotstabilisierungseffekt zu widersprechen, weil Ihr Depot durch Silber eine höhere Volatilität erreicht.

Doch wenn Sie es langfristig durchdenken und Zeit haben, lange genug zu halten, dann wird in starken Preiszyklen Silber voraussichtlich immer deutlich besser abschneiden als Gold und Ihr Depot deutlich positiver beeinflussen.

Ich habe Ihnen bereits die größten Kurstreiber für den Silberpreis genannt: Zu wenig Investitionen in den Sektor kombiniert mit einer anhaltend hohen physischen Nachfrage. Es ist anzunehmen, dass sich diese Dynamik in den kommenden Jahren verstärkt und den Silberpreis nach oben treibt.

Selbst wer keine langfristige Anlage sucht, dürfte hier aus antizyklischer Sicht relativ schnell ein paar Gewinne machen können. Bei Schwächephasen wie im Herbst 2018 und einem Silberpreis von knapp über 14 US$ bietet es sich an, mit gestaffelten „Abstauber-Limits“ zu arbeiten, um einen günstigen Durchschnittskurs zu bekommen.

In den nächsten Jahren besitzt Silber eine ähnlich hervorragende Ausgangslage, um sich erheblich zu verbessern. Durch den bevorstehenden Superzyklus und die historisch hohe Gold-Silber-Ratio ist das Potenzial für Kursgewinne mit Silber so hoch wie schon lange nicht mehr. Preise über 21 US$ sind dann mehr als wahrscheinlich.

So profitieren Sie vom Rohstoff Silber

Wie so häufig führen mehrere Wege nach Rom. Wenn Sie vom bevorstehenden Kursanstieg des Silbers profitieren wollen, bieten sich Ihnen mehrere Möglichkeiten mit unterschiedlichem Ertrags-/Risikoprofil.

Neben physischem Silber, auf welches in Deutschland leider (zumindest aktuell) Mehrwertsteuer erhoben wird, bieten Münzen und Medaillen den sichersten Einstieg. Unter diesen gibt es auch besondere Exemplare, die neben dem Materialwert auch einen Sammlerwert aufweisen können. Für ein Investment eignen sich die Sammlerstücke jedoch nur bedingt, da hier die Wertentwicklung nicht 1:1 vom Silberpreis abhängt.

Sollten Sie die Möglichkeit haben, umsatzsteuerfrei Silber zu erwerben, so rate ich ausdrücklich zu physischem Silber, jedoch nicht in solchen Maßen wie beim Gold. Die Wertdichte beim Silber ist fast 100-Mal kleiner, so dass Sie nicht so leicht größere Mengen einlagern können.

In London, wo der Mittelpunkt des physischen Silberhandels ist, sowie an der COMEX in New York werden die meisten Papiergeschäfte getätigt, können Sie ebenfalls Investitionen tätigen.

Zu guter Letzt gibt es auch einige Zertifikate, welche direkt mit Silber besichert werden. Dazu gehört unter anderem der ZKB Silber ETF (ISIN: CH0183135976). Diese können Sie jederzeit in echtes Silber umtauschen, ersparen sich aber bis dahin die Lagerkosten und eventuelle steuerliche Zusatzkosten (Mehrwertsteuer).

Wenn Sie ein wenig Schwankung vertragen, geht es allerdings noch deutlich chancenreicher.

Deshalb sind Minen-Aktien meine Favoriten, um von der Silberrallye zu profitieren. Silberaktien sind im Vergleich zu Goldaktien dynamischer, schwankungsintensiver und gewinnträchtiger. Deshalb müssen Sie hier noch stärker auf das Timing achten, um den richtigen Einstiegspunkt zu erwischen.

Genauso wie im Goldminensektor suche ich gezielt nach Silberminenaktien mit einem starken Geschäftsmodell, solider Bilanz, hochwertigen Produktionsanlagen und exzellenten Wachstumsperspektiven, die sie auch für eine lukrative Übernahme interessant wären.

Es gibt wenig exklusive Silberförderer. Das macht die Branche aber nicht uninteressanter, sondern erfordert lediglich etwas mehr Recherchearbeit.

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