Wer clever investiert, schaut nicht nur auf das Wertpapier und den Kurs, sondern achtet auch auf den Handelsplatz. Falls nicht, verschenkst Du höchstwahrscheinlich Geld. Doch das Dickicht an unterschiedlichen Börsen ist für viele Anleger undurchschaubar geworden. Xetra, Tradegate, Lang & Schwarz und Gettex - wer heute an den Börsen unterwegs ist, wird vom Angebot an Handelsplätzen regelrecht erschlagen. Wir bringen mit unserem Ratgeber Licht ins Dunkel und erklären Dir alles Wissenswerte rund um das Thema Handelsplätze. Welche Arten gibt es, was sind die wichtigsten in Deutschland und im Ausland und was ist der Unterschied zwischen börslichem und außerbörslichem Handel? Und natürlich bekommst Du zum Abschluss auch einige wertvolle Tipps und Tricks an die Hand, die Dir bei der Auswahl des richtigen Handelsplatzes helfen.
Das Wichtigste in Kürze
- Handelsplatz, Börse und Börsenplatz werden von vielen Anlegern synonym verwendet, bezeichnen aber unterschiedliche Dinge.
- Die drei Kernfunktionen einer Börse sind die Bereitstellung von Preisen, Liquidität und Sicherheit im Handel.
- Handelsplätze lassen sich in die drei Gruppen Präsenzbörsen, Regionalbörsen und elektronische Handelsplätze untergliedern.
- Der wichtigste deutsche Handelsplatz ist Xetra, das elektronische Handelssystem der Deutsche Börse AG in Frankfurt.
- Neben Xetra spielen auch die elektronischen Handelsplätze Tradegate, Gettex, LS Exchange und Quotrix eine wichtige Rolle für Privatanleger.
- Die wichtigsten internationalen Börsen sind die New York Stock Exchange und die US-Technologiebörse Nasdaq.
- Im außerbörslichen Handel werden Wertpapiere direkt zwischen zwei Marktteilnehmern gehandelt, ohne dass eine Börse dazwischengeschaltet ist, was Anlegern die Vorteile geringerer Kosten, längerer Handelszeiten und sofortiger Preissicherheit bringt.
Was ist ein Handelsplatz?
Ein Handelsplatz ist ein organisierter, staatlich regulierter Marktplatz, auf dem Käufer und Verkäufer zusammenkommen, um standardisierte Wirtschaftsgüter zu handeln. Das können Wertpapiere (Aktien, Anleihen, Fonds), Rohstoffe (Gold, Öl, Weizen), Devisen (Währungen) oder Derivate (Optionen, Zertifikate) sein.
Das Grundprinzip eines Handelsplatzes ist dasselbe wie auf einem mittelalterlichen Wochenmarkt - nur dass heute fast alles digital abläuft: Wer etwas verkaufen will, nennt seinen Preis (Briefkurs oder Ask), und wer etwas kaufen will, nennt sein Gebot (Geldkurs oder Bid). Stimmen die Preise überein, kommt das Geschäft zustande.
Was ist der Unterschied zwischen Handelsplatz, Börse und Börsenplatz?
Im alltäglichen Sprachgebrauch werden die Begriffe Börse, Börsenplatz und Handelsplatz zwar oft als Synonyme verwendet, was aber nicht ganz richtig ist, denn im Detail gibt es feine, aber wichtige Unterschiede in der Bedeutung.
Die „Börse“ ist der übergeordnete Begriff. Sie bezeichnet das rechtliche und organisatorische System, das Unternehmen (wie die Deutsche Börse AG) betreiben, um den Handel zu ermöglichen. Die Börse stellt das Regelwerk auf, sorgt für die staatliche Überwachung und stellt die Software für den Handel bereit.
Der „Börsenplatz“ betitelt den konkreten geografischen oder physischen Standort, an dem die Institution ansässig ist. Historisch gesehen war das die Stadt, in der das Gebäude mit dem Parkett stand.
Und der „Handelsplatz“ ist der spezifische Kanal oder die Plattform, auf der Deine Wertpapierorder tatsächlich ausgeführt wird. Eine einzige Börse an einem Börsenplatz kann nämlich mehrere Handelsplätze betreiben.
Am einfachsten lässt sich der Unterschied zwischen diesen drei Begriffen anhand eines anschaulichen Beispiels verdeutlichen. Die Börse ist das Unternehmen Deutsche Börse AG. Sie sitzt am Börsenplatz Frankfurt. Als Handelsplätze stehen Dir an dieser Börse das elektronische System Xetra und der klassische Spezialistenhandel der Börse Frankfurt zur Auswahl.
Wenn Du Dich bei Deinem Online-Broker bei einer Order für eine Börse entscheiden sollst, dann wirst Du streng genommen nach dem Handelsplatz für deren Durchführung gefragt.
Was sind die Kernfunktionen einer Börse?
Eine Börse ist nicht einfach nur ein einfacher Raum oder ein Server, an dem Käufer und Verkäufer physisch oder digital zusammenkommen. Sie erfüllt drei fundamentale Aufgaben für eine funktionierende Wirtschaft:
- Die Preisfindung: Die Börse führt alle Kauf- und Verkaufsaufträge (Orders) in einem zentralen Orderbuch zusammen. Der aktuelle Kurs einer Aktie ist nichts anderes als der Preis, bei dem im jeweiligen Moment der größte Umsatz zwischen Käufern und Verkäufern erzielt werden kann.
- Die Liquidität: Weil sich tausende Marktteilnehmer am selben Ort tummeln, ist es sehr wahrscheinlich, dass Du ein Wertpapier jederzeit extrem schnell kaufen oder verkaufen kannst, ohne tagelang nach einem Handelspartner suchen zu müssen.
- Die Sicherheit: Börsen unterliegen strengen Gesetzen und staatlicher Überwachung (in Deutschland durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht). Das stellt sicher, dass alle Marktteilnehmer die gleichen Informationen zur gleichen Zeit erhalten, Insiderhandel bestraft wird und die Abwicklung (Geld gegen Aktie) reibungslos und garantiert funktioniert.
Welche Arten von Handelsplätzen gibt es?
Handelsplätze werden heutzutage primär nach der Art des Zugangs und der Technologie unterschieden. Man kann sie in drei Gruppen unterteilen:
Präsenzbörsen
Sie sind der klassische Handelsplatz, wie man ihn aus Filmen kennt: Händler stehen auf dem „Parkett“ und tauschen Preise über Zurufe und Handzeichen aus. Diese Form des Börsenhandels ist fast vollständig ausgestorben. Die Börse Frankfurt oder die New York Stock Exchange haben zwar noch ein Fernsehstudio auf dem Parkett, der eigentliche Handel läuft aber auch dort längst digital.
Regionalbörsen
Neben dem mit Abstand wichtigsten Börsenplatz Frankfurt gibt es in Deutschland die historische Besonderheit sehr vieler Regionalbörsen. Mit Düsseldorf, Hamburg, Hannover, München und Stuttgart existieren in der Bundesrepublik aktuell noch fünf aktive Regionalbörsen. Auch sie werden in der Regel als „Präsenzbörsen“ bezeichnet, obwohl der Handel auch dort mittlerweile fast ausschließlich elektronisch abläuft. Jede dieser Regionalbörsen hat sich im Laufe der Zeit eine eigene Spezialisierung aufgebaut, um neben dem übermächtigen Finanzzentrum Frankfurt mit dem elektronischen Xetra-System zu bestehen.
Stuttgart ist die mit Abstand größte und erfolgreichste deutsche Regionalbörse. Sie ist der europäische Marktführer für den Handel mit Anleihen und Hebel- bzw. Anlagezertifikaten (der Handelsplatz heißt hier Euwax). Privatanleger, die aktiv mit Derivaten handeln, landen fast immer direkt oder indirekt in Stuttgart. Zudem betreibt die Börse Stuttgart mit der Plattform BISON ein sehr erfolgreiches Krypto-Handelssegment.
Die Börse München betreibt erfolgreich den elektronischen Handelsplatz Gettex. Viele Neo-Broker wie finanzen.net zero oder Scalable Capital leiten die Orders ihrer Kunden an dieses System der Börse München weiter.
Auch die Börse Düsseldorf betreibt mit Quotrix ein vollelektronisches Handelssystem, das von vielen etablierten Banken und Brokern als günstiger Handelsplatz für Privatanleger genutzt wird.
Die Börse Hamburg, die sich mit der Börse Hannover zusammengeschlossen hat, ist die älteste deutsche Börse (gegründet 1558) und hat ihren traditionellen Schwerpunkt im Seehandel. Sie ist führend beim Handel mit Schiffsfonds und geschlossenen Fonds (Zweitmarkt) sowie bei Fondsanteilen allgemein (Fondsbörse Deutschland). Die Börse Hannover ist hingegen bekannt für ihren Global Challenges Index (GCI), der gezielt strenge Nachhaltigkeitskriterien für Unternehmen anlegt.
Frankfurt ist übrigens keine Regionalbörse. Die Börse Frankfurt (inklusive des Systems Xetra) ist die deutsche Leitbörse, an der über 90% des gesamten deutschen Aktienvolumens abgewickelt werden.
Elektronische Handelsplätze
Hier übernimmt ein vollautomatisches Computersystem das Matching von Käufern und Verkäufern. Der bekannteste elektronische Handelsplatz in Deutschland ist Xetra, das elektronische Handelssystem der Deutschen Börse. Wie zuvor erwähnt gibt es neben dem zentralen Xetra-System der Börse Frankfurt aber auch einige Regionalbörsen und unabhängige Anbieter, die eigene elektronische Handelsplätze betreiben.
Was sind die wichtigsten elektronischen Handelsplätze in Deutschland?
In Deutschland gibt es heutzutage fünf bedeutende elektronische Handelsplätze, über die Du bei den meisten Online-Brokern Deine Orders abwickeln kannst.
- Xetra: Xetra (Exchange Electronic Trading) wird von der Deutschen Börse AG in Frankfurt betrieben und ist das Herzstück des deutschen Finanzsystems. Über Xetra laufen rund 90% des gesamten Aktienhandels in Deutschland. Es ist zudem der europaweit größte Handelsplatz für ETFs. Xetra ist der sogenannte Referenzmarkt. Das bedeutet: Die dort gebildeten Kurse sind so liquide, dass sich alle anderen Handelsplätze in Deutschland während der Öffnungszeiten gesetzlich daran orientieren müssen.
- Tradegate Exchange: Tradegate gehört mehrheitlich ebenfalls zur Gruppe Deutsche Börse und hat sich gezielt als elektronische Börse für Privatanleger etabliert. Nach Xetra ist Tradegate die Nummer 2 in Deutschland beim Handelsvolumen bei Privatanlegern. Bei vielen Online-Brokern werden Orders standardmäßig über Tradegate abgewickelt. Auf Tradegate fallen keine Maklergebühren (Courtage) an, was den Handel günstig macht. Zudem ist das System für die Ausführung von kleineren Ordergrößen optimiert.
- Gettex: Gettex wird von der Bayerischen Börse AG (Börse München) betrieben und basiert auf einem Market-Maker-Modell. Die Abwicklung im Hintergrund wird in der Regel durch die Baader Bank sichergestellt. Gettex hat in den letzten Jahren einen rasanten Aufstieg erlebt, weil es der exklusive Partner-Handelsplatz von populären Neo-Brokern wie Scalable Capital oder finanzen.net zero ist. Gettex verzichtet komplett auf börseneigene Entgelte und besitzt mit Öffnungszeiten von 7:30 bis 23:00 Uhr sehr lange Handelszeiten.
- LS Exchange: Die LS Exchange wurde vom Düsseldorfer Finanzdienstleister Lang & Schwarz in Kooperation mit der Börse Hamburg ins Leben gerufen. LS Exchange ist der Handelsplatz, über den alle Orders des großen Neo-Brokers Trade Republic abgewickelt werden. Auch dieser elektronische Handelsplatz bietet einen kommissionsfreien und sehr langen Handel (von 7:30 bis 23:00 Uhr).
- Quotrix: Quotrix ist ein rein elektronisches System, das direkt von der Börse Düsseldorf betrieben wird. Der Handelsplatz wird von vielen klassischen Online-Brokern als günstige, neutrale Alternative zu Tradegate angeboten.
Was ist der Unterschied zwischen börslichem und außerbörslichem Handel?
Wenn Du Wertpapiere nicht über einen offiziellen Handelsplatz kaufst, spricht man vom außerbörslichen Handel oder OTC-Handel (Englisch „Over-The-Counter“). Im Gegensatz zum Börsenhandel werden hier Wertpapiere direkt zwischen zwei Marktteilnehmern gehandelt, ohne dass eine offizielle Börse dazwischengeschaltet ist. Während bei einer normalen Börsenorder das Computersystem im Hintergrund anonym Käufer und Verkäufer zusammenführt, läuft das Geschäft beim außerbörslichen Handel direkt über eine Bank, einen Online-Broker oder einen sogenannten Market Maker (Wertpapierhandelshaus).
Beim außerbörslichen Handel unterscheidet man zwei Formen:
- Der Direkthandel für Privatanleger: Wenn Du bei Brokern wie Trade Republic, Scalable Capital oder Deiner Hausbank eine Aktie kaufst, wählst Du oft Handelspartner wie die Baader Bank, Lang & Schwarz oder Tradegate aus. Rechtlich gesehen ist das ein außerbörslicher Direkthandel. Du stellst eine Anfrage, der Partner nennt Dir in Sekundenschnelle einen verbindlichen Preis (Kauf- und Verkaufskurs), und Du schlägst ein oder lehnst ab.
- Der institutionelle OTC-Handel: Große Adressen wie Banken, Hedgefonds und Unternehmen wickeln gigantische Wertpapiergeschäfte direkt untereinander ab. Wenn ein institutioneller Kunde Aktien oder Anleihen im Millionen- oder Milliardenwert kauft, rufen sich die Händler direkt an oder nutzen geschlossene Netzwerke. Diese riesengroßen Orders tauchen in keinem öffentlichen Orderbuch auf.
Welche Vorteile hat der außerbörsliche Handel?
Der Kauf und Verkauf von Wertpapieren im außerbörslichen Handel bietet Dir als Privatanleger vier Vorteile gegenüber einem regulären Handelsplatz:
- Längere Handelszeiten: Die deutsche Hauptbörse Xetra hat starre Öffnungszeiten von 9 bis 17:30 Uhr. Wer berufstätig ist, hat bei diesen Zeiten oft keine Möglichkeit, seine Order durchzuführen. Handelspartner im außerbörslichen Handel bieten teilweise deutlich längere Handelszeiten an, meist von 8 bis 22 Uhr. Manche Produkte (wie Zertifikate) sind sogar am Wochenende handelbar. So kannst Du beispielsweise noch auf Nachrichten aus den USA reagieren, wenn Xetra bereits geschlossen ist.
- Geringere Kosten: Wenn Du über einen traditionellen Handelsplatz handelst, zahlst Du neben den Gebühren Deiner Bank meist auch ein Handelsplatzentgelt oder die sogenannte Makler-Courtage. Im außerbörslichen Handel fällt die Börse als Zwischenstation weg. Du kaufst direkt vom Market Maker. Viele Neo-Broker, die die Orders ihrer Kunden über den außerbörslichen Handel abwickeln, verlangen deshalb für Transaktionen nur eine Pauschale von maximal 1 €.
- Sofortige Preissicherheit: An einer regulären Börse gibst Du eine Order ab und das System schaut im Orderbuch, ob ein passender Partner da ist. In turbulenten Marktphasen kann sich der Preis in dieser Millisekunde verändern (Slippage). Beim außerbörslichen Direkthandel gilt jedoch das Quote-Prinzip. Dein Handelspartner liefert Dir innerhalb von Sekunden einen absolut verbindlichen Preis an. Du weißt also vor dem Klick auf den Kaufen-Button auf den Cent genau, wie viel Geld Du bezahlst oder wie viel Du beim Verkauf erhältst.
- Handel von Bruchstücken: An einer klassischen Börse kannst Du Aktien immer nur als ganze Stücke kaufen. Wenn eine Aktie mehrere hundert Euro kostet, sprengt das oft das Budget von Kleinanlegern. Der außerbörsliche Handel ermöglicht hingegen Aktiensparpläne. Dein Broker kauft große Mengen an Aktien und teilt diese intern in Bruchstücke auf. So kannst Du auch geringe Summen in „teure“ Aktien investieren.
Was sind die international wichtigsten Börsen?
Die USA
Obwohl die Frankfurter Börse das Schwergewicht unter den deutschen Börsen ist, gehört sie im internationalen Vergleich nur zu den mittelgroßen Playern. Dominiert wird der internationale Finanzmarkt von den USA. Die beiden unangefochtenen Giganten der globalen Börsenszene, die New York Stock Exchange und die Nasdaq, haben ihren Sitz in der Finanzmetropole New York City.
Die NYSE ist die traditionelle Heimat der Old Economy. Viele Aktien aus alteingesessenen Branchen, wie dem Bank- und Versicherungswesen, der Konsumgüterindustrie und dem Pharmasektor, sind hier notiert. Derzeit sind rund 2.500 Unternehmen an der NYSE gelistet. Bekanntester Leitindex der New York Stock Exchange ist der Dow Jones Industrial.
Die Nasdaq ist die weltweit erste rein elektronische Börse und das Epizentrum der Tech-, Biotech- und Krypto-Branche. Hier schlägt das Herz von Tech-Giganten wie Alphabet, Apple, Amazon, Microsoft und Nvidia, aber auch Hunderte kleinere und mittelgroße Technologieunternehmen notieren an der Nasdaq. In Summe sind an der Technologiebörse inzwischen über 4.000 Unternehmen gelistet. Wichtigster Index ist der Nasdaq 100.
Und es gibt noch eine weitere US-Börse von internationaler Bedeutung, und zwar die Börse von Chicago (besser bekannt unter dem Namen ihres Mutterkonzerns CME Group / Chicago Mercantile Exchange). Sie ist das unangefochtene, weltweite Epizentrum des globalen Risikomanagements. Während in New York (NYSE und Nasdaq) die Könige des klassischen Aktienhandels sitzen, ist Chicago der absolute Weltherrscher bei Derivaten, Termingeschäften (Futures) und Optionen.
Hinzu kommt, dass Chicago die Geburtsstätte der modernen Rohstoffbörse ist. Über die verschiedenen Sparten der CME werden die Weltmarktpreise für die wichtigsten Agrargüter der Erde festgelegt (wie beispielsweise Weizen, Mais, Sojabohnen, Reis und Lebendvieh). Zudem werden hier Erdöl (Sorte WTI) und Erdgas über Terminkontrakte bepreist und Metalle wie Gold, Silber, Kupfer und Aluminium gehandelt.
Asien
Asien hat aufgrund seiner rasanten wirtschaftlichen Entwicklung in den letzten Jahrzehnten in Sachen Börsenwert enorm aufgeholt. Vor allem China hat sich neben den USA und Europa als dritter Kraftpol der internationalen Finanzmärkte etabliert.
Die beiden wichtigsten chinesischen Festlandbörsen sind die Shanghai Stock Exchange (SSE) und die Shenzhen Stock Exchange (SZSE) - das sogenannte Festlandchina-Duo. Während Shanghai eher die großen, staatlich geprägten Konzerne (Banken, Öl) beherbergt, ist Shenzhen stärker auf Tech- und Wachstumsunternehmen ausgerichtet. Der dritte Börsenplatz im Bunde Chinas ist die Hong Kong Stock Exchange (HKEX). Sie gilt traditionell als das "Tor zu China" für westliche Investoren, da der dortige Handel freier reguliert ist als auf dem chinesischen Festland.
Neben den chinesischen Börsen ist seit jeher die Tokyo Stock Exchange (TSE) das Schwergewicht unter den asiatischen Handelsplätzen. Die wichtigste Börse Japans ist Heimat zahlreicher japanischer Großkonzerne wie Toyota, Hitachi und Sony. Der Leitindex Nikkei 225 gehört zu den wichtigsten internationalen Börsenindizes.
Erwähnenswert unter den asiatischen Börsen ist inzwischen auch die National Stock Exchange of India (NSE). Der indische Aktienmarkt ist in den letzten Jahren rasant gewachsen und hat viele europäische Börsen beim Handelsvolumen längst überholt.
Europa
In Europa ist die Börsenlandschaft aufgrund der zahlreichen, kleinen Nationalstaaten stark fragmentiert, weshalb sich die Börsen einiger Länder in den letzten Jahren zu Plattformen zusammengeschlossen haben. Die größte dieser paneuropäischen Börsenplattformen ist die Euronext. Sie verbindet die Handelsplätze von Paris, Amsterdam, Brüssel, Lissabon, Dublin, Oslo und Mailand. Vor allem aufgrund der Bedeutung der Börse in Frankreich, Italien und den Niederlanden sind an der Euronext einige der größten europäischen Konzerne notiert.
Die London Stock Exchange (LSE) ist das historische Finanzzentrum Europas. Die LSE ist bis heute ein Knotenpunkt der internationalen Finanzmärkte geblieben, besonders für Rohstoff- und Finanzwerte. Der britische Leitindex FTSE 100 zählt ebenfalls zu den bedeutendsten Aktienindizes der Welt.
Was sind die wichtigsten elektronischen Handelssysteme der Welt?
Wenn man von elektronischen Handelssystemen spricht, muss man die Finanzwelt in zwei Bereiche teilen: die Marktplätze der Börsen, auf denen Aktien und Derivate gematcht werden, und die institutionellen Handelsplattformen, auf denen Banken, Fonds und Staaten Billionen im außerbörslichen Handel mit Währungen und Anleihen bewegen. Für Dich als Privatanleger spielen lediglich die Börsensysteme eine Rolle.
Das Xetra-System der Deutschen Börse wurde bereits in einem der vorangegangenen Abschnitte vorgestellt. Es ist ein weltweit lizenziertes Referenzsystem. Über 90% des gesamten Aktienhandels an deutschen Börsen und der Großteil des europäischen ETF-Handels laufen vollautomatisch über diese Technologie. Neben Xetra gibt es international noch drei weitere bedeutende elektronische Handelssysteme:
Optiq, die Handelsplattform der Börsengruppe Euronext, steuert das Matching von Aktien und Derivaten in Paris, Amsterdam, Brüssel, Lissabon, Dublin, Oslo und Mailand und gilt als eines der schnellsten Systeme Europas. Die Millennium Exchange der London Stock Exchange Group treibt nicht nur den Handel in London an, sondern wird auch von zahlreichen Partnerbörsen weltweit als technische Plattform eingekauft. Und INET, das technologische Fundament der US-Technologiebörse Nasdaq, gilt als Pionier des elektronischen Handels. Es zeichnet sich durch extrem geringe Latenzzeiten aus und verarbeitet in Spitzenzeiten Milliarden von Trades pro Tag.
Zwei weitere Systeme sind an dieser Stelle noch erwähnenswert, und zwar die Terminal-Systeme von Bloomberg und BlackRock. Es handelt sich nicht um reine Börsen, sondern vielmehr um die Infrastruktur, ohne die an der Wall Street oder in Frankfurt kaum ein Trade zustande kommt.
Das Terminal von Bloomberg, dem weltgrößten Finanznachrichtendienst, ist weit mehr als eine Datenquelle. Über die integrierten Module wie FIT oder AIM werden täglich gigantische Summen an Aktien, Währungen und Anleihen direkt über die Tastaturen der Händler rund um den Globus exekutiert.
Aladdin des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock ist eigentlich ein Risikomanagementsystem, fungiert heute aber als das mächtigste Betriebssystem der globalen Vermögensverwaltung. Es kontrolliert und routet die Handelsentscheidungen für Vermögenswerte im Wert zweistelliger Milliardenbeträge.
Tipps und Tricks zur Auswahl des richtigen Handelsplatzes
Bei vielen Online-Brokern hast Du die Qual der Wahl zwischen einer Vielzahl an Handelsplätzen im In- und Ausland. Mit der Auswahl des richtigen Handelsplatzes kannst Du ein Wertpapier zum richtigen Zeitpunkt zum richtigen Kurs kaufen, Kosten sparen und Deine Rendite erhöhen. Die folgenden Tipps und Tricks helfen Dir dabei.
Wo wird mein Wertpapier gehandelt?
Nicht alle Wertpapiere werden an allen Börsen gehandelt. Das gilt besonders für Aktien. Vor allem Nebenwerte oder ausländische Aktien kannst Du nicht über alle elektronischen Handelsplätze oder Regionalbörsen in Deutschland handeln. Bevor Du also eine bestimmte Aktie kaufen oder verkaufen willst, musst Du Dich informieren, an welcher Börse das überhaupt möglich ist.
Wie liquide ist der Handel?
Auch wenn ein bestimmtes Wertpapier an einer Börse gehandelt wird, muss das noch nicht heißen, dass die Liquidität besonders hoch ist. Eine niedrige Liquidität bedeutet, dass es für dieses Wertpapier nur wenige Käufer und Verkäufer gibt. Sie äußert sich dadurch, dass Du nur wenige Stück pro Transaktion kaufen kannst. Auf einem illiquiden Handelsplatz bist Du möglicherweise gezwungen, mehrere Transaktionen durchzuführen, um die von Dir gewünschte Stückzahl zu kaufen der zu verkaufen.
Mit welchen Kosten muss ich rechnen?
Die Kombination aus elektronischen Handelsplätzen und Neobrokern hat die Kosten für den Wertpapierhandel in den letzten Jahren deutlich gesenkt. Aber wie zuvor erwähnt, kannst Du nicht über alle Börsen alle Wertpapiere handeln. Manchmal musst Du auf ausländische Börsen ausweichen, bei denen die Transaktionskosten wesentlich höher ausfallen können. Besonders bei kleineren Orders können sie besonders stark ins Gewicht fallen.
Wie hoch ist der Spread?
Mit Spread wird die Spanne zwischen dem Kauf- und dem Verkaufspreis eines Wertpapiers bezeichnet. Bei liquiden Wertpapieren ist der Spread zu Börsenzeiten in der Regel sehr gering. Bei illiquiden Wertpapieren und außerhalb der Öffnungszeiten der Hauptbörse (in Deutschland Xetra) kann der Spread allerdings deutlich höher ausfallen. Achte deshalb beim Kauf oder Verkauf immer darauf, dass ein zu hoher Spread nicht zu stark zulasten Deiner Rendite geht.
Wann ist die beste Zeit zum Handeln?
Wenn Du ein Wertpapier kaufen oder verkaufen willst, empfiehlt es sich immer, dies zu den Handelszeiten der jeweiligen Hauptbörse zu tun. Wenn Du beispielsweise eine deutsche Aktie kaufen möchtest, empfiehlt es sich, den Kauf zu den Handelszeiten von Xetra durchzuführen. Wenn Du hingegen eine US-Aktie verkaufen willst, solltest Du das zu den Öffnungszeiten der NYSE oder der Nasdaq tun. In diesen Zeiten sind die Handelsplätze am liquidesten und die Spreads am niedrigsten.
Das bedeutet, dass Du deutsche oder europäische Aktien am besten im Zeitraum zwischen 9 und 17:30 Uhr über die elektronischen Handelsplätze Tradegate, Lang & Schwarz oder Gettex handelst. Sie orientieren sich strikt an den Kursen der Leitbörse Xetra, kosten aber weniger Gebühren. Bei sehr großen Ordervolumina ist es oftmals empfehlenswert, direkt über Xetra zu ordern, weil Du nur dort ein ausreichend großes Handelsangebot vorfindest.
US-Aktien handelst Du am besten im Zeitraum von 15:30 bis 22 Uhr über Tradegate, Lang & Schwarz oder Gettex. Wenn Du sehr große Volumina ordern willst, die nicht auf deutschen Handelsplätzen verfügbar sind, musst Du zwangsläufig auf eine US-Börse ausweichen.