So profitieren Sie maximal von einem steigenden Ölpreis

Aktuell werden Ölproduzenten und verwandte Industrien von Anlegern immer noch verschmäht. Bei großen Fonds liegt das nicht zuletzt auch daran, dass sie ihre ESG-Ratings verbessern wollen und daher ihre »schmutzigen« Investments verkaufen.

Öl - eine unterschätzte Anlagechance?

Öl - eine unterschätzte Anlagechance? (Foto: stock.adobe.com/Igor_Hotinsky)

Das Gleiche tun auch einige westliche Ölmultis wie z. B. Shell oder BP. Diese verkaufen bzw. besser verschleudern einige Projekte mit besonders hohem CO2-Ausstoß, um so ihre Klimabilanz zu verbessern. In öffentlichkeitswirksamen Nachhaltigkeitsberichten können wir dann lesen, um wie viele Tonnen Treibstoffgase Shell seine Emissionen im letzten Geschäftsjahr gesenkt hat.

Greenwashing der Öl-Multis

Das Problem ist nur: Das verkaufte Projekt existiert ja immer noch. Es besitzt jetzt nur ein weniger bekanntes Unternehmen, welches vielleicht keine Nachhaltigkeitsberichte verfassen muss. Erste Studien, die sich mit dem »Greenwashing« der großen Öl-Multis beschäftigen, kommen zu dem Ergebnis, dass die Emissionen sogar zunehmen, wenn Projekte in die Hände kleinerer Ölproduzenten gegeben werden …

Wie dem auch sei: Ein derart feindliches Umfeld führt zu äußerst günstigen Unternehmensbewertungen von vielen Ölproduzenten. Deswegen muss der Ölpreis mit den richtigen Aktien vom aktuellen Niveau aus nicht einmal großartig steigen, damit die Unternehmen und damit auch Sie als Aktionäre großartige Gewinne einfahren. Steigt der Ölpreis dann doch noch weiter an, kommen überproportionale Kursgewinne für Sie dazu. Bis dahin können Sie sich Ihre Wartezeit versüßen lassen und kassieren Dividenden im zweistelligen Renditebereich.

Dass der Ölpreis zukünftig wieder steigen muss, ist aber ein sehr realistisches Szenario. Von den Verkäufen aus den strategischen Ölreserven habe ich bereits berichtet. Experten schätzen den Einfluss dieser Verkäufe auf 30–40 US$ je Barrel. Ohne staatliche Markteingriffe würde der Ölpreis vermutlich schon jetzt über 100 US$ notieren.

Preise über 100 US$ besitzen eine ganz andere Signalwirkung an die Marktteilnehmer, die geförderten Reserven auch wieder durch mehr Exploration zu ersetzen. Durch die Preisverzerrung ist davon bisher nicht viel zu sehen.

So steigt die Nachfrage in den nächsten 20 Jahren

Doch die Nachfrager interessiert die Frage »Woher soll das Öl denn kommen?« natürlich nicht. In den Industrieländern leben 17 % der Weltbevölkerung, die durchschnittlich 170 Gigajoule Energie pro Jahr und Kopf verbrauchen. Die übrigen 83 % – oder 7 Milliarden – konsumieren derzeit noch 60 Gigajoule pro Kopf und Jahr. Die Glücklichen – und es sind jedes Jahr Millionen –, die aus dieser Gruppe den Sprung in die Mittelschicht schaffen, vervielfachen ihren Energiebedarf. Dieser Trend wird der maßgebliche Treiber für das Nachfragewachstum über die nächsten 20 Jahre sein.

Energiewende macht Öl kurzfristig nicht zum Auslaufmodell

Die Energiewende in den westlichen Ländern und auch in China wird diese Entwicklung in den nächsten 20–30 Jahren nicht aufhalten können. Auch nicht die steigende Energieeffizienz der Industrieländer. In den OECD-Ländern sank in den letzten 15 Jahren mit steigender Effizienz der Pro-Kopf-Verbrauch für Energie um 11 %. Doch die Non-OECD-Länder hatten im gleichen Zeitraum ein Wachstum von 25 % zu verzeichnen, sodass unterm Strich ein Nachfragewachstum von 5 % stand.

Zumindest für die nächsten 20 bis 30 Jahre sind traditionelle Energiequellen kein Auslaufmodell, wie die Nachfrage seitens China und der Schwellenländer beweist.

Öl-Aktien unter dem Durchschnitt

Es ist daher unverständlich, dass Anleger an diesen so wenig Interesse zeigen. Dies führte dazu, dass Börsengänge und Kapitalerhöhungen stark rückläufig sind. Die Energie-Aktien machen mit ihrer Marktkapitalisierung im S&P 500 4 Prozent des gesamten Wertes aus – zwei Drittel unterhalb ihres langfristigen Durchschnitts.

Gewinne locken

Weitsichtige Investoren wie Warren Buffett haben daher folgerichtig ihre Positionen in Unternehmen wie Chevron oder Occidental Petroleum aufgestockt. Aber die Masse wird erst wieder mit Interesse auf den Energie-Sektor schauen, wenn dieser attraktive Renditen verspricht.

Mit anderen Worten: Energie-Aktien müssen erst um 50–100 % steigen, bevor der Markt davon Notiz nimmt. Erst dann fließt auch wieder dringend benötigtes Kapital in den Sektor, um die notwendigen Investitionen der vergangenen Jahre nachzuholen. Vorher kann die Angebotsseite gar nicht reagieren, sodass diese Gewinne über die nächsten Jahre quasi garantiert sind.

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