Die fünf Staaten der BRICS-Gruppe (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) haben sich in den letzten Jahrzehnten zu politischen und vor allem wirtschaftlichen Schwergewichten auf der Weltbühne entwickelt. Heute vereinen die fünf BRICS-Staaten fast die Hälfte der Weltbevölkerung und rund 40% der kaufkraftbereinigten Weltwirtschaftsleistung. Viele Konzerne aus den fünf Staaten gehören zu den größten und einflussreichsten der Welt. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Staatenbund? Welcher Zukunft sieht er entgegen? Und welche Chancen und Risiken bringen Investitionen in BRICS-Aktien mit sich? In diesem Beitrag findest Du Antworten auf diese und weitere Fragen rund um das Thema BRICS und Du lernst zehn der wichtigsten BRICS-Aktien kennen.
Das Wichtigste in Kürze
- BRICS ist ein Akronym für eine lose Staatengruppe, die aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika besteht.
- Die informelle Staatenvereinigung wurde 2006 gegründet und versteht sich als politisches und wirtschaftliches Gegengewicht zu Amerika und Europa.
- 2025 wurde die Gruppe um Ägypten, Äthiopien, Indonesien, den Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate zur BRICS plus erweitert.
- Die BRICS-Staaten haben vor allem aufgrund ihrer großen Bevölkerungen, ihres Rohstoffreichtums und ihrer Atomwaffen eine große wirtschaftliche und politische Bedeutung.
- Investitionen in BRICS-Aktien versprechen Anlegern ein teilweise höheres Renditepotenzial und eine bessere Diversifizierung ihrer Portfolien.
- Sie sind jedoch mit politischen Risiken und größeren Kursschwankungen verbunden.
- Neben Investments in Einzelaktien können Anleger auch über Emerging Markets ETFs und Investmentfonds in BRICS-Aktien investieren.
Liste zehn wichtiger BRICS-Aktien
Alibaba
Die Alibaba Group ist einer der größten E-Commerce-Konzerne Chinas. Das Unternehmen hat sich in den letzten Jahren zu einer riesigen Firmengruppe mit zahlreichen Tochterunternehmen entwickelt. Kerngeschäft von Alibaba sind die Online-Marktplätze Alibaba, AliExpress, Taobao und Tmall. Darüber hinaus bietet der Konzern Cloud-Services, Logistik- und Finanzdienstleistungen an.
CATL
CATL (Contemporary Amperex Technology Co. Limited) ist der größte chinesische Hersteller von Lithium-Ionen-Akkumulatoren und der weltweit mit Abstand größte Hersteller von Batterien für Elektroautos. Mit einem Marktanteil von knapp 30% ist CATL der global führende Produzent von Energiespeichern.
ICBC
Die Industrial and Commercial Bank of China ist die größte Bank der Volksrepublik China. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie sogar das größte Kreditinstitut der Welt. Die ICBC besitzt über 16.000 Filialen im In- und Ausland und betreut rund 740 Millionen Privatkunden und ca. 12 Millionen gewerbliche Kunden.
Infosys
Infosys ist eines der größten IT-Unternehmen Indiens. Die drei Kerngeschäftsfelder des IT-Konzerns sind IT-Services, Consulting und Outsourcing. Im Bereich der Information Technology Services bietet der Konzern ein breites Spektrum an IT-Dienstleistungen, von Softwareentwicklung über Systemintegration bis zu Application Management Services. Das Consulting-Segment umfasst Beratungsdienstleistungen zur digitalen Optimierung von Geschäftsprozessen. Und der Bereich Outsourcing unterstützt Unternehmen bei der Auslagerung von IT-Prozessen.
Petrobras
Die brasilianische Petrobras (kurz für Petróleo Brasileiro) ist ein integrierter Öl-, Gas- und Energiekonzern, der in der Exploration, Förderung, Raffination, Vermarktung und im Transport von Erdöl, Erdgas und deren Nebenprodukten tätig ist. Darüber hinaus ist Petrobras im Bereich der Petrochemie aktiv, stellt Biokraftstoffe her und entwickelt Wind- und Solarenergieprojekte. Der brasilianische Öl- und Gaskonzern besitzt außerdem ein Netzwerk an Pipelines, Tankern und Terminals für den Rohstofftransport.
Reliance Industries
Reliance Industries aus Indien ist einer der größten Mischkonzerne der Welt. Die Hauptgeschäftsfelder von Reliance sind Erdölgewinnung und -raffination, Petrochemie, Textilherstellung, Telekommunikation und Einzelhandel. Darüber hinaus ist der indische Mischkonzern in den Bereichen Biotechnologie, Infrastruktur, Medien, Pharma und Solarenergie aktiv. Reliance Industries ist das umsatzstärkste und wertvollste Unternehmen Indiens.
Sibanye Stillwater
Sibanye Stillwater ist ein südafrikanischer Bergbaukonzern, der zu den wichtigsten Edelmetallförderern der Welt gehört. Der Konzern ist der größten Goldproduzent Südafrikas und einer der größter Gold-, Platin- und Palladiumproduzenten der Welt. Die meisten Minen von Sibanye Stillwater befinden sich in Südafrika. Der Konzern fördert aber auch in den USA Edelmetalle und betreibt dort eine Recyclinganlage zur Wiedergewinnung von Platingruppenmetallen.
Tencent
Tencent ist einer der größten Technologie- und Internetkonzerne Chinas und das gegenwärtig wertvollste Unternehmen des Landes. Zu den breitgefächerten Geschäftsaktivitäten von Tencent zählen soziale Netzwerke, Sofortnachrichtendienste, Gaming, Online-Medien, Internet-Mehrwertdienste, Online-Handel und Online-Werbung. Bekannt ist der Konzern vor allem für seine Social-Media-Plattform WeChat.
Vale
Vale aus Brasilien ist neben BHP und Rio Tinto einer der drei großen global agierenden Rohstoffkonzerne. Das Bergbauunternehmen ist weltweit der größte Produzent von Eisenerz, spielt aber auch bei der Förderung von Kohle, Kupfer, Nickel und anderen Metallen eine wichtige Rolle. Zudem betreibt Vale ein umfangreiches Logistiknetzwerk aus Eisenbahnen, Schiffen und Häfen. Nicht zuletzt hält der Rohstoffkonzern auch Anteile an Stahlwerken.
Xiaomi
Xiaomi ist ein chinesischer Technologiekonzern, der Smartphones, Notebooks, Smartwatches und weitere Elektrogeräte wie Saug- und Wischroboter herstellt. Derzeit ist Xiaomi hinter Apple und Samsung der drittgrößte Smartphone-Hersteller der Welt. Zudem entwickelt der Konzern ein eigenes Betriebssystem für die Vernetzung von Elektrogeräten. Seit 2024 ist Xiaomi auch ein Autohersteller und brachte eine Elektrolimousine auf den Markt. 2025 folgte mit einem Elektro-SUV ein zweites Modell.
Wer sind die BRICS-Staaten?
„BRICS“ ist ein Akronym für eine Staatengruppe, die aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika besteht. Der Begriff „BRIC“ wurde durch den ehemaligen Chefvolkswirt der Investmentbank Goldman Sachs, Jim O’Neill, im Jahr 2001 geprägt. Nach Einschätzung von O’Neill hatten die Länder Brasilien, Russland, Indien und China (damals noch ohne Südafrika) das Potenzial, zu den bedeutendsten Volkswirtschaften der Welt aufzusteigen. Der Volkswirt wählte die Staaten auf Grundlage ihrer Bevölkerungsgröße, ihres Wirtschaftswachstums und ihrer geopolitischen Bedeutung aus.
2006 gründeten die vier BRIC-Staaten am Rande einer UN-Generalversammlung eine informelle Staatenvereinigung. Seitdem treffen sich die Staats- und Regierungschefs der vier Länder einmal jährlich zu Gesprächen, um internationale Themen wie Entwicklungszusammenarbeit, Geopolitik, Handel und Investitionen zu besprechen.
2010 stieß Südafrika als fünftes Land zur BRICS-Gruppe hinzu. 2025 erfolgte schließlich eine große Erweiterungsrunde der Staatengruppe um Ägypten, Äthiopien, Indonesien, den Iran und den Vereinigten Arabischen Emirat zur sogenannten „BRICS plus“. Auch Argentinien und Saudi-Arabien wurden zur Teilnahme an BRICS plus eingeladen. Argentinien hat eine Teilnahme allerdings abgelehnt und Saudi-Arabien den Beitritt bislang noch nicht formell vollzogen.
Was ist das Ziel von BRICS?
Eine formelle Charta der BRICS-Staaten gibt es nicht. Bis heute handelt es sich um eine lose Allianz sehr unterschiedlicher Länder, die lediglich das Ziel eint, die Dominanz des Westens auf der internationalen Bühne zu brechen. Die BRICS wollen demnach ein Gegengewicht zu den G7 darstellen, der Vereinigung der sieben größten demokratisch regierten Volkswirtschaften der Welt (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA).
Im Unterschied zu den G7 sind die BRICS ein recht fragiles und pragmatisches Staatenbündnis. Die BRICS-Staaten eint weder ein politisches System noch eine zivilisatorische Grundlage. Während Brasilien, Indien und Südafrika Demokratien sind, handelt es sich bei China und Russland um Diktaturen.
Bislang konnten sich die BRICS-Staaten nur auf zwei gemeinsame Institutionen einigen. Im Jahr 2014 gründeten sie gemeinsam die Neue Entwicklungsbank. Sie soll Infrastrukturprojekte in den BRICS-Ländern und anderen aufstrebenden Volkswirtschaften finanzieren und wurde bewusst als Gegengewicht zur westlich dominierten Weltbank geschaffen. Zudem richteten die Staaten den BRICS-Reservefonds ein, der als Schutzmechanismus gegen finanzielle Instabilität und Währungskrisen dienen soll. Auch der Reservefonds ist ein bewusstes Gegengewicht zum westlich beherrschten Internationalen Währungsfonds.
Welche geopolitische Bedeutung haben die BRICS-Staaten?
Die geopolitische Bedeutung der BRICS-Staaten ist seit jeher sehr groß und hat in den vergangenen Jahren noch deutlich zugenommen. Mit China, Indien und Russland sind drei der vier Gründungsmitglieder Atommächte. China und Russland sind zudem ständige Mitglieder im mächtigen UN-Sicherheitsrat. Darüber hinaus besitzen China und Russland die nach den USA stärksten Streitkräfte der Welt.
China und Indien haben als die beiden mit großem Abstand bevölkerungsreichsten Staaten der Welt ein großes geopolitisches Gewicht. In Summe lebten 2024 fast die Hälfte der Weltbevölkerung in den BRICS-Staaten. Vor allem Indien ist mit seiner im Schnitt sehr jungen Bevölkerung ein starker Treiber des globalen Bevölkerungswachstums.
Die BRICS-Staaten haben aber nicht immer ähnliche geopolitische Vorstellungen und Interessen. Vor allem zwischen China und Indien kommt es zu regelmäßigen Spannungen, unter anderem wegen ungelöster Grenzkonflikte. Auch die militärische Aggression Russlands gegenüber der Ukraine wird nicht von allen BRICS-Staaten gutgeheißen.
Was ist die wirtschaftliche Bedeutung der BRICS-Staaten?
Die wirtschaftliche Bedeutung der BRICS-Staaten hat in den beiden letzten Jahrzehnten aufgrund ihrer zum Teil sehr hohen Wachstumsraten stark zugenommen. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die BRICS-Länder rund 39% der weltweiten Wirtschaftsleistung (auf Basis der kaufkraftbereinigten Bruttoinlandsprodukte). Zum Vergleich: Die G7-Mitglieder kamen 2024 auf einen Anteil von 29% des globalen BIP.
Allerdings gibt es innerhalb der BRICS ein sehr starkes wirtschaftliches Ungleichgewicht zwischen den Ländern. China erwirtschaftet mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts der Staatenvereinigung und ist somit die einzige Weltwirtschaftsmacht unter den BRICS-Staaten. Die wirtschaftliche Bedeutung Brasiliens und vor allem Indiens hat aber in den letzten Jahren deutlich zugenommen.
Die Wirtschaftskraft der BRICS-Staaten basiert zudem auf ihren Rohstoffvorkommen. Alle fünf BRICS-Staaten gehören den rohstoffreichsten Ländern der Welt und üben darüber einen großen Einfluss auf die Weltmärkte aus. Vor allem China und Russland besitzen bei vielen bedeutenden Rohstoffen die größten Vorkommen der Welt.
Nicht zuletzt sind die Mitglieder der BRICS-Gruppe auch wichtige Akteure im Welthandel. China hat sich zur größten Exportnation der Welt entwickelt und erzielt Jahr für Jahr gewaltige Handelsbilanzüberschüsse.
Wie sieht die Zukunft der BRICS aus?
Die Zukunft der BRICS-Staatengruppe lässt sich nicht pauschal vorhersagen, viel zu heterogen sind die fünf Länder. Zudem ist die weitere wirtschaftliche und politische und wirtschaftliche Entwicklung vor allem von China und Russland schwer vorherzusagen.
Russland hat sich durch seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine weltpolitisch ins Abseits manövriert und zum Feind der westlichen Welt gemacht. Neben dem politischen Schaden ist auch der wirtschaftliche Schaden des flächenmäßig größten Landes der Welt immens. Die Sanktionen des Westens gegen Russland und die enormen Kosten des Krieges haben der Wirtschaft des Riesenreiches in den letzten drei Jahren schwer zugesetzt. Ob sich Russland irgendwann zu einer Friedenslösung in der Ukraine bereit erklärt und sich die Beziehungen zu Europa und Amerika wieder normalisieren, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorhersehen.
In China steht die wirtschaftliche Zukunft zunehmend auf wackeligen Beinen. Nach Jahrzehnten gewaltigen Wirtschaftswachstums sind die Wachstumsraten auch in der Volksrepublik in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Die chinesische Wirtschaft leidet unter einer riesengroßen Immobilienkrise, einer schlechten Verbraucherstimmung und einer schrumpfenden Bevölkerung. Besonders die rückläufige Bevölkerungsentwicklung aufgrund der jahrzehntelangen Ein-Kind-Politik und der Überalterung der Gesellschaft könnte sich zu einem riesengroßen Problem für die chinesische Wirtschaft auswachsen. Nicht zuletzt bedrohen neue Zölle aus Europa und den USA die exportorientierte Industrie der Volksrepublik.
Indien hat von allen fünf BRICS-Staaten die wahrscheinlich besten wirtschaftlichen Perspektiven. Das liegt vor allem in der stark wachsenden und relativ jungen Bevölkerung des bereits heute bevölkerungsreichsten Landes der Welt. Zudem ist die indische Wirtschaft relativ stark diversifiziert und weniger als die chinesische auf Exporterfolge angewiesen.
Brasilien und Südafrika besitzen ebenfalls gute Zukunftsperspektiven. Beide Länder sind reich an natürlichen Ressourcen und haben eine leicht wachsende Bevölkerung. Wachstumshemmnis ist sowohl in Brasilien als auch in Südafrika die teilweise Instabilität des politischen Systems.
Welche BRICS-Indizes gibt es?
Heutzutage bilden eine Reihe von BRICS-Börsenindizes die Performance der wichtigsten Unternehmen aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika ab. Dazu gehören beispielsweise der DAXglobal BRIC Index, der FTSE BRIC 50 und der MSCI BRIC Index. Aufgrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und der daraus resultierenden Nichthandelbarkeit russischer Aktien an internationalen Börsen, sind russische Unternehmen derzeit nicht mehr Teil dieser Indizes.
Welche Chancen bieten Investitionen in BRICS-Aktien?
In erster Linie bieten Dir BRICS-Aktien als Anleger eine Chance auf höhere Renditen. Die BRICS-Staaten haben gegenüber den westlichen Industriestaaten ein mehr oder weniger großes Aufholpotenzial und dementsprechend höhere Wachstumsraten. Dieses stärkere Wirtschaftswachstum kann, muss sich aber nicht zwangsläufig in einer besseren Performance der Aktienkurse niederschlagen.
Eine weitere Investmentchance von BRICS-Aktien ist die Diversifikation Deiner Geldanlage. Die fünf BRICS-Staaten sind in sehr unterschiedlichen Wirtschaftssektoren aktiv. Das Schwergewicht von Brasilien liegt im Agrarsektor. Russland ist ein globales Schwergewicht in der Rohstoffbranche. Indien hat seinen Fokus in der Informationstechnologie und im verarbeitenden Gewerbe. China ist ein globales Technologieschwergewicht und die „Werkbank“ der Welt. Und Südafrika ist eines der wichtigsten Bergbauländer der Welt.
Durch ein Investment in die BRICS-Staatengruppen kannst Du Dein Kapital folglich über viele verschiedene Industrien streuen. Das gilt gleichermaßen in Bezug auf Währungen. Alle fünf BRICS-Staaten haben ihre eigene Währung (der brasilianische Real, der russische Rubel, die indische Rupie, der chinesische Yuan und der südafrikanische Rand). Zwar ist keine dieser Währungen eine internationale Leitwährung, die ein ähnliches Gewicht wie der US-Dollar, der Euro oder der japanische Yen besitzt. Aber der Yuan und die Rupie haben aufgrund der Größe und des Wachstums von China und Indien deutlich an Bedeutung gewonnen.
Hinzu kommt die Tatsache, dass die Kurse dieser Währungen oftmals nicht stark mit denen von US-Dollar, Euro oder Yen korrelieren. Damit genießt Du bei einem Investment in BRICS-Aktien den Vorteil, Dich auch hinsichtlich der Währungen stärker zu diversifizieren.
Welche Risiken haben Investitionen in BRICS-Aktien?
Der Kauf von BRICS-Aktien birgt vor allem ein geopolitisches Risiko. Russland hat sich durch den Angriff auf die Ukraine zu einem Feind der westlichen Welt gemacht. Die politischen und wirtschaftlichen Spannungen zwischen China auf der einen und den USA sowie Europa auf der anderen Seite nehmen kontinuierlich zu. Vor allem die USA sehen im einstigen Partnerland eine zunehmende Bedrohung. Brasilien, Indien und Südafrika haben ein geringeres geopolitisches Gewicht, sind aber in vielen Fragen nicht auf einer Linie mit dem Westen.
Das hat zur Folge, dass Du mit einem Investment in die BRICS-Gruppe in Unternehmen aus Ländern investierst, die in vielen Fragen gegensätzliche Positionen zu Europa und den USA vertreten. Der Fall Russland hat verdeutlicht, welches Risiko damit verbunden ist. Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine verloren russische Aktien dramatisch an Wert und wurden vom Handel auf europäischen und amerikanischen Börsen ausgeschlossen. Wer seine Positionen zu spät verkauft hat, musste massive Wertverluste in Kauf nehmen.
Ein ähnliches Szenario ist bei einer militärischen Aggression Chinas gegenüber Taiwan denkbar. Die westliche Welt könnte darauf mit drastischen Wirtschaftssanktionen reagieren, wie zum Beispiel einem Handelsausschluss von Aktien an den wichtigsten internationalen Börsen.
Neben dem politischen Risiko ist ein Investment in BRICS-Aktien auch mit einem erhöhten Volatilitätsrisiko verbunden. Die Aktienkurse von Unternehmen aus der Staatengruppe schwanken in der Regel stärker als die Kurse amerikanischer oder europäischer Aktien. Hinzu kommen die höheren Kursschwankungen der BRICS-Währungen. Im schlimmsten Fall wirst Du zeitgleich von Aktien- und Währungskursverlusten getroffen.
Wie kann man in BRICS-Aktien investieren?
Außer Einzelaktien zu kaufen, hast Du nur sehr begrenzte Möglichkeiten, direkt in BRICS-Aktien zu investieren. Mit dem iShares BIC 50 UCITS ETF und dem Templeton BRIC Fund gibt es lediglich einen ETF und einen Investmentfonds, über die Du gleichzeitig Dein Kapital über alle fünf BRICS-Staaten streuen kannst. Wobei man der guten Ordnung halber sagen muss, dass russische Aktien nicht mehr Bestandteil dieser Fonds sind.
Alternativ kannst Du jedoch Dein eigenes BRICS-Portfolio über ETFs und Investmentfonds zusammenstellen. Für alle fünf Staaten (mit Ausnahme Russlands) werden mehrere Fonds angeboten, die ihr Geld in die wichtigsten Unternehmen des jeweiligen Landes investieren. Durch eine Kombination dieser Fonds kannst Du schneller und einfach als über Einzelaktien Dein persönliches BRICS-Portfolio kreieren.
Eine weitere Alternative, Dein Geld in BRICS-Aktien anzulegen, sind sogenannte „Emerging Markets“-Fonds. Sie investieren ihr Geld in Schwellenländer weltweit. Bei vielen Fonds haben die BRICS-Staaten, allen voran China und Indien, das größte Anlagegewicht. Durch eine Kombination dieser Schwellenländerfonds kannst Du folglich ebenfalls ein BRICS-Portfolio zusammenstellen.
Tipps und Tricks zum Investieren in BRICS-Aktien
Erfolgreich in BRICS-Aktien zu investieren, ist alles andere als trivial. Wie in diesem Ratgeber dargestellt, sind die fünf Staaten sehr unterschiedlich, was die Auswahl von Investitionsschwerpunkten und einzelnen Aktien nicht einfach macht. Wenn Du mit einem Investment in die BRICS-Staaten liebäugelst, solltest Du die folgenden vier Tipps und Tricks beherzigen.
Auf die Internationalität achten
Grundsätzlich empfiehlt es sich, in BRICS-Aktien zu investieren, die nicht nur auf ihren Heimatmärkten aktiv sind, sondern auch im Ausland Erfolg haben. Unternehmen, die sich erfolgreich mit Wettbewerbern auf dem Weltmarkt messen können, haben den Beweis ihrer Konkurrenzfähigkeit erbracht.
Die Diversifikation berücksichtigen
Viele der größten Unternehmen aus den fünf BRICS-Staaten kommen aus ähnlichen Branchen. In China sind es Banken, Technologie- und Autokonzerne. In Brasilien, Russland und Südafrika sind es Öl- und Rohstoffkonzerne. Als Anleger solltest Du bei Investitionen in BRICS-Aktien deshalb auf eine ausreichende Diversifikation achten. Die Aktienkurse von Unternehmen aus einer Branche weisen oft eine starke Korrelation zueinander auf.
Die Politik im Hinterkopf haben
Bei Investitionen in BRICS-Aktien spielt auch immer die Politik eine Rolle. Wie einleitend dargestellt, hat sich die Staatengruppe zusammengeschlossen, um ein internationales Gegengewicht zu den USA und Europa zu bilden. Im Falle Chinas und Russlands ist dieses Gegengewicht inzwischen in offene Feindseligkeit umgeschlagen. Diese geopolitische Gegnerschaft zwischen dem Westen und Teilen der BRICS-Staatengruppe kann massive Auswirkungen auf die Aktienkursentwicklung von BRICS-Unternehmen haben.
Die Zukunft der Länder analysieren
Wie im Abschnitt zur Zukunft der BRICS dargestellt, haben die fünf Länder sehr unterschiedliche Perspektiven. Das beginnt bereits bei der Bevölkerungsentwicklung. Während die Einwohnerzahl von China und Russland stark sinkt, ist Indien ein nach wie vor stark wachsendes Land. Auch Brasilien und Südafrika weisen ein leichtes Bevölkerungswachstum auf. Diese sehr unterschiedlichen Entwicklungspfade werden sich stark auf die wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen Länder auswirken. Zudem macht ihre unterschiedliche industrielle Aufstellung die einzelnen BRICS-Staaten mehr oder weniger widerstandsfähig gegen Schwankungen der Weltkonjunktur.