Unterbewertete Aktien sind die verborgenen Schätze der Finanzmärkte, nach denen jeder Anleger sucht. Sie bieten Investoren die Chance, erstklassige Unternehmen mit einem Preisnachlass zu kaufen. Aber bei der Suche nach diesen Diamanten ist Vorsicht geboten, denn nicht jede günstige Aktie ist auch ein Schnäppchen. Meistens haben niedrige Aktienkurse auch einen guten Grund. Die Schatzsuche nach unterbewerteten Aktien fordert deshalb viel Knowhow, Disziplin und Geduld. In diesem Ratgeber erfährst Du, was unterbewertete Aktien sind, wie Du sie erkennst und wie Unterbewertungen an der Börse entstehen. Zudem lernst Du die Grundlagen des Value Investings kennen, das Börsenlegenden wie Warren Buffett groß gemacht hat, und bekommst einige Tipps und Tricks mit auf den Weg, die einen erfolgreichen Value Investor ausmachen.
Das Wichtigste in Kürze
- Unterbewertete Aktien sind Wertpapiere, deren aktueller Börsenkurs unter ihrem tatsächlichen inneren („fairen“) Wert liegt.
- Der innere Wert ist der theoretische, objektive Wert einer Aktie, losgelöst vom aktuellen Preis an der Börse.
- Das am häufigsten angewandte Verfahren zur Ermittlung des inneren Wertes ist das Discounted-Cashflow-Modell.
- Zudem helfen Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das Kurs-Umsatz-Verhältnis und die PEG-Ratio bei der Suche nach unterbewerteten Aktien.
- Value Investing ist eine Anlagestrategie, bei der Anleger gezielt unterbewertete Aktien kaufen.
- Unterbewertungen entstehen an der Börse durch eine Reihe von Ereignissen bzw. Phänomenen, wie zum Beispiel Euphorie und Panik, Herdentrieb, Informationsdefizite und externe Schocks.
- Das größte Risiko beim Investieren in unterbewertete Aktien ist ihre Verwechslung mit sogenannten „Value Traps“, also Aktien, die trotz eines niedrigen Kurses keine werthaltigen Investitionen sind.
Was sind unterbewertete Aktien?
Unterbewertete Aktien sind Wertpapiere, deren aktueller Börsenkurs unter ihrem tatsächlichen inneren („fairen“) Wert liegt. Vereinfacht gesagt besteht bei einer unterbewerteten Aktie die Möglichkeit, einen Anteil von 1 € am Markt für eine geringere Summe zu kaufen. In der Praxis werden solche Unternehmen deshalb oftmals als „Value Aktien“ oder „Schnäppchenaktien“ bezeichnet.
Der innere Wert ist der theoretische, objektive Wert eines Unternehmens oder einer Aktie, losgelöst vom aktuellen Preis an der Börse. Während der Marktwert (Aktienkurs) widerspiegelt, was Käufer jetzt gerade zu zahlen bereit sind, versucht der innere Wert zu bestimmen, was das Unternehmen basierend auf seinen Fundamentaldaten tatsächlich wert ist.
Für die Berechnung des inneren Wertes einer Aktie gibt es keine einzige richtige Formel, sondern verschiedene Ansätze. Der an den Finanzmärkten am häufigsten angewandte ist das sogenannte „Discounted Cashflow“-Verfahren. Es besagt, dass eine Aktie heute so viel wert ist wie die Summe aller in Zukunft zu erwartenden Cashflows — abgezinst auf den heutigen Tag.
Das Konzept des DCF-Modells mag objektiv erscheinen, ist in der Praxis aber sehr subjektiv. Es hängt maßgeblich davon ab, welche Annahmen man für die Zukunft trifft. Besonders die prognostizierten Cashflows und die erwartete Zinsentwicklung wirken sich erheblich auf das Ergebnis aus. Schon kleinere Änderungen an den Basisannahmen können den inneren Wert einer Aktie deutlich verändern. Das erklärt auch, warum es an der Börse auch unter Experten so viele verschiedene Meinungen zum Kurs von ein und derselben Aktie gibt.
Warum sollte man unterbewertete Aktien kaufen?
Unterbewertete Aktien zu kaufen, ist der Kern des Value Investings, einer Strategie, die durch Investmentlegenden wie Benjamin Graham und Warren Buffett berühmt wurde. Das Ziel dieser Investmentstrategie ist simpel: Du möchtest 1 € für weniger als 100 Cent kaufen. Es gibt vier gute Gründe, warum es sich auszahlen kann, gezielt nach solchen „Schnäppchenaktien“ zu suchen:
1. Die Sicherheitsmarge
Sie ist das wichtigste Konzept im Value Investing. Wenn Du eine Aktie kaufst, deren Kurs deutlich unter ihrem inneren Wert liegt, schaffst Du Dir einen Sicherheitspuffer. Selbst wenn Deine Analyse nicht zu 100% korrekt war und der Aktienkurs weiter sinkt, ist das Abwärtspotenzial oft begrenzt, da Dein Kaufpreis bereits niedrig war. Die Sicherheitsmarge verzeiht demnach kleinere Fehleinschätzungen des Marktes oder des Anlegers.
2. Höheres Renditepotenzial
In vielen Studien konnte nachgewiesen werden, dass die Finanzmärkte überreagieren — sowohl nach oben (Euphorie) als auch nach unten (Panik). Historisch gesehen tendieren Kurse aber dazu, langfristig zu ihrem fairen Wert zurückzukehren (die sogenannte „Mean Reversion“). Wenn der Markt erkennt, dass er ein Unternehmen zu niedrig bewertet hat, steigt der Kurs. Als Käufer einer unterbewerteten Aktie profitierst Du folglich nicht nur vom organischen Wachstum des Unternehmens, sondern zusätzlich von der Aufwertung der Aktie durch den Markt.
3. Attraktive Dividendenrenditen
Unterbewertete Unternehmen sind oft etablierte Firmen mit soliden Cashflows. Da die Dividendenrendite im Verhältnis zum Aktienkurs berechnet wird, führt ein niedriger Kurs automatisch zu einer höheren Ausschüttung für Dich als Käufer. Du kaufst Dir sozusagen die gleiche absolute Gewinnausschüttung zu einem niedrigeren Aktienkurs.
4. Psychologischer Vorteil
Wenn Du unterbewertete Aktien kaufst, handelst Du meist antizyklisch — also dann, wenn andere Marktteilnehmer generell Angst haben oder das Interesse an einem Unternehmen oder einer Branche verloren haben. Durch den Kauf einer „billigen“ Aktie vermeidest Du es, überteuerten Trends hinterherzulaufen. Value Investing fördert demnach eine disziplinierte, faktenbasierte Anlagestrategie anstatt emotionaler Entscheidungen.
Was ist Value Investing?
Wie bereits im letzten Abschnitt erwähnt, handelt es sich beim Value Investing um eine Anlagestrategie, bei der Du gezielt unterbewertete Aktien kaufst, also Unternehmen, deren Börsenkurs unter ihrem tatsächlichen (inneren) Wert liegt. Ein Value Investor sucht demnach an der Börse nach Aktien, die mit einem „Rabatt“ gehandelt werden — so wie Du im Supermarkt nach reduzierten Markenprodukten suchst, von deren Qualität Du überzeugt bist.
Die Grundidee hinter dem Value Investing ist einfach und einleuchtend: Der Markt liegt kurzfristig oft falsch, aber langfristig setzt sich immer der wahre Wert durch. Das bedeutet, dass Du durch den günstigen Kauf von Aktien langfristig überdurchschnittliche Renditen, die über dem Marktdurchschnitt liegen, erzielen kannst.
Die drei bis heute bekanntesten Value Investoren sind Benjamin Graham, Warren Buffett und Charlie Munger. Graham kann man als Urvater des Value Investings bezeichnen. Der Mentor von Warren Buffett hat mit seinem Buch „The Intelligent Investor“ die Bibel der wertorientierten Geldanlage geschrieben.
Sein Schüler Buffett ist die wahrscheinlich bekannteste Börsenlegende aller Zeiten. Er machte seine Beteiligungsholding Berkshire Hathaway zu einem Mekka für alle Fans des Value Investings. Mit einem Börsenwert von rund 1,1 Billionen US$ ist Berkshire Hathaway zum jetzigen Zeitpunkt (Ende April) das elftwertvollste Unternehmen der Welt. Buffett entwickelte Grahams Ansatz weiter, indem er nicht nur „billige“, sondern „großartige Unternehmen zu fairen Preisen“ erwarb.
Dieser Ansatz wäre ohne seinen langjährigen Partner Charlie Munger möglicherweise niemals entstanden. Munger war es, der Buffett davon überzeugte, sich auf Qualitätsaktien mit einem breiten Burggraben (Economic Moat) zu fokussieren.
So einfach das Konzept des Value Investings der Papierform nach ist, dessen Umsetzung erweist sich in der Praxis als recht komplex. Grundlage dieses Investitionsansatzes ist eine sehr gründliche Fundamentalanalyse von Unternehmen. Value Investoren lesen Geschäftsberichte und Finanzdaten im Detail und verstehen das Geschäftsmodell von Unternehmen in all seinen Facetten. Voraussetzung für diese Fundamentalanalyse ist ein tiefgehendes betriebswirtschaftliches Knowhow in Kombination mit einem hohen Zeitaufwand.
Darüber hinaus ist Value Investing nur eine Investmentstrategie für Anleger, die viel Geduld mitbringen. Value Investoren überstürzen niemals einen Kauf. Sie handelt sehr häufig antizyklisch — warten also, bis die allgemeine Marktstimmung schlecht ist und die Kurse fallen.
Was für den Kauf von Aktien gilt, wiederholt sich auch beim Verkauf. Value Investoren wissen, dass es oft Jahre dauert, bis der Markt den wahren Wert eines Unternehmens „erkennt“. Value Investing ist demnach eine sehr langfristige Anlagestrategie, die keinen schnellen Reichtum verspricht.
Mit welchen Kennzahlen findet man unterbewertete Aktien?
Für Privatanleger ist es in der Praxis nahezu unmöglich, den inneren Wert einer Aktie über ein Discounted Cashflow-Modell zu ermitteln. Ihnen fehlen im Regelfall die dafür notwendigen Informationen und die Berechnung ist sehr zeitaufwendig. Aus diesem Grund greifen Anleger auf der Suche nach unterbewerteten Aktien auf eine Reihe einfacher Kennzahlen zurück, deren wichtigste nachfolgend dargestellt sind:
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis
Das KGV ist die bekannteste und am weitesten verbreitete Kennzahl zur Aktienbewertung. Damit setzt Du den aktuellen Kurs einer Aktie ins Verhältnis zum Reingewinn des Unternehmens je Aktie. Im Klartext: Das KGV drückt aus, welches Vielfache des Gewinns Du beim Kauf einer Aktie bezahlen musst. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10 bedeutet demnach, dass Du bei einem Gewinn je Aktie von 1 € einen Marktpreis von 10 € je Aktie bezahlen musst.
Das KGV ist aber letztlich nur eine Kennzahl, die für sich genommen keine große Aussagekraft besitzt. Sinnvoll wird sie erst, indem Du sie in Bezug zu den historischen Werten des Unternehmens selbst oder zu den Kurs-Gewinn-Verhältnissen anderer Unternehmen setzt.
So kann ein steigendes KGV darauf hindeuten, dass die Aktie eines Unternehmens überbewertet ist. Das muss aber nicht zwangsläufig der Fall sein, denn es bedeutet schließlich auch, dass Anleger bereit sind, aufgrund besserer Umsatz- und Gewinnerwartungen einen höheren Marktpreis für eine Aktie zu bezahlen.
Am sinnvollsten ist deshalb die Interpretation des Kurs-Gewinn-Verhältnisses eines Unternehmens im Verhältnis zum KGV anderer Aktien derselben Branche. Über so einen KGV-Branchenvergleich kannst Du herausfinden, ob ein Unternehmen im Verhältnis zu seiner Peer Group über- oder unterbewertet ist. Hat ein Unternehmen beispielsweise ein KGV von 20 und der Branchendurchschnitt liegt bei 15, könnte eine Überbewertung der Aktie vorliegen. Eine besonders hohe Abweichung des KGV einer Aktie zum Durchschnittswert der Branche sollte Dich deshalb immer misstrauisch machen.
Das Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnis
Das normale Kurs-Gewinn-Verhältnis hat ein Problem: Es funktioniert in zwei Situationen nicht, die man an der Börse jedoch relativ häufig antrifft. Zum einen bei sehr wachstumsstarken Unternehmen und zum anderen bei Unternehmen, die sich in einer Sanierungsphase befinden. In beiden Situation liefert das KGV aufgrund der niedrigen (oder gar nicht vorhandenen) Gewinne im letzten Geschäftsjahr einen sehr hohen (oder negativen) Wert, der jedoch kein gutes Abbild der Wirklichkeit ist. Schließlich kannst Du davon ausgehen, dass die Gewinne bei einem wachstumsstarken bzw. sanierten Unternehmen in den Folgejahren kräftig wachsen.
Um dieses Problem zu lösen, solltest Du in diesen Situationen das Forward-KGV heranziehen. Forward bedeutet, dass Du bei der Berechnung nicht den Gewinn des letzten Geschäftsjahres verwendest, sondern die Gewinnprognose des aktuellen Jahres (manchmal sogar die des nächsten Jahres). Dadurch erhältst Du nicht nur einen niedrigeren KGV-Wert, sondern auch eine aussagekräftigere und besser vergleichbare Kennzahl.
Das Kurs-Umsatz-Verhältnis
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ergibt selbstverständlich nur bei profitablen Unternehmen einen Sinn. Bei Unternehmen, die (noch) keinen Gewinn erwirtschaften, musst Du deshalb auf das Kurs-Umsatz-Verhältnis ausweichen. Zur Berechnung des KUV setzt Du die Marktkapitalisierung (den Börsenwert) eines Unternehmens ins Verhältnis zu dessen Umsatz. Wie beim KGV gilt auch beim KUV, dass die Kennzahl erst im Vergleich zur historischen Entwicklung und zu anderen Unternehmen derselben Branche eine Aussagekraft entwickelt.
Die PEG-Ratio
Die PEG-Ratio (Price-Earnings to Growth Ratio) stellt eine Weiterentwicklung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses dar, indem sie eine entscheidende Schwäche des normalen KGV behebt: Sie berücksichtigt, ob ein hohes KGV durch ein entsprechend hohes Wachstum gerechtfertigt ist. Die PEG-Ratio setzt das KGV in Relation zum Gewinnwachstum eines Unternehmens.
Ein Vergleichsbeispiel macht deutlich, worum es hier geht. Stell Dir zwei Unternehmen vor:
Unternehmen A mit einem KGV von 20 und einem erwarteten Gewinnwachstum von 10%.
Unternehmen B mit einem KGV von 40 und einem erwarteten Gewinnwachstum von 50%.
Die PEG-Ratio von Unternehmen A beträgt 20 / 10 = 2,0
Die PEG-Ratio von Unternehmen B beträgt 40 / 50 = 0,8
Obwohl Unternehmen B auf den ersten Blick durch das KGV von 40 "teurer" aussieht, ist es nach der PEG Ratio "günstiger" bewertet, weil man für das enorme Wachstum im Verhältnis weniger bezahlt als bei Unternehmen A.
Als grobe Faustregel in der Finanzwelt gilt, dass Aktien mit einer PEG-Ratio kleiner 1 als unterbewertet gelten. Das Wachstum ist höher als das KGV, man bekommt also "viel Wachstum für wenig Geld“. Aktien mit einer PEG-Ratio von 1 gelten als fair bewertet. Liegt die PEG-Ratio allerdings über 1 gilt eine Aktie als überbewertet. Der Markt zahlt einen Aufschlag, der über das reine Gewinnwachstum hinausgeht.
Wie entstehen Unterbewertungen?
In einer perfekten Börsenwelt dürfte es gar nicht zu einer Unterbewertung von Aktien kommen. Die Effizienzmarkthypothese sorgt dafür, dass alle am Markt verfügbaren Informationen augenblicklich in den Kurs einer Aktie eingepreist werden. Ihr zufolge besteht somit keine Möglichkeit, schlauer zu sein als andere Marktteilnehmer.
Doch in der Praxis scheinen die Finanzmärkte alles andere als perfekt zu sein. Es gibt mehrere Gründe, weshalb Aktien tatsächlich unterbewertet sein können.
Euphorie und Panik
An der Börse spielen Angst und Gier eine große Rolle. Zu Zeiten mit allgemein starken Kursanstiegen reagieren Anleger oft euphorisch. Bei stark fallenden Kursen macht sich hingegen nicht selten Panik breit.
Diese Emotionen können dazu führen, dass Aktienkurse in Euphoriephasen zu hoch steigen und in Panikphasen zu tief fallen. Bei einer Börsenpanik werfen viele Anleger ihre Aktien auf den Markt aus Angst davor, zu einem späteren Zeitpunkt noch größere Verluste zu erleiden. Das führt nicht selten dazu, dass solide Aktien mit in die Tiefe gerissen und deutlich unter ihrem inneren Wert gehandelt werden.
Herdentrieb
Ein weiteres psychologisches Phänomen an der Börse ist der sogenannte Herdentrieb. Viele Anleger investieren ihr Geld in Trendthemen und Trendaktien, wie derzeit beispielsweise in Künstliche Intelligenz. Das führt oftmals dazu, dass Kapital aus anderen (langweiligeren) Branchen und Aktien abgezogen wird und dort zu Unterbewertungen führt.
Informationsdefizite und Fehlinterpretationen
Auf dem Papier mögen die Finanzmärkte eine perfekte Welt sein, in der allen Marktteilnehmern alle Informationen zur Verfügung stehen. In der Praxis ist das selbstverständlich nicht der Fall. Vor allem Privatanleger haben nicht die zeitlichen, finanziellen und informationstechnischen Ressourcen, um sich im Detail über alle Aktien zu informieren.
Informationsdefizite sind somit eher der Normalfall und nicht die Ausnahme an der Börse. Diese fehlende Informationen können bei Anlegern jedoch zu Fehlinterpretationen führen. Und diese Fehlinterpretationen sind nicht selten der Auslöser für eine Unterbewertung von Aktien.
Geringe Bekanntheit
Kleinere Unternehmen (Small Caps) führen an der Börse oft ein Mauerblümchendasein. Das liegt daran, dass in der Presse viel weniger über sie berichtet wird als über größere Unternehmen und sie zudem nur von wenigen Analysten beobachtet werden. Dies hat zur Folge, dass gute Nachrichten bei Kleinunternehmen oft langsamer vom Markt eingepreist werden, was zu einer Unterbewertung ihrer Aktien führen kann.
Geringe Liquidität
Mit dem vorherigen Punkt in Verbindung steht die geringere Liquidität von kleineren Unternehmen. Der Verkauf kleinerer Aktienpakete kann den Kurs eines Small Caps deutlich stärker negativ beeinflussen als dies bei einem Large Cap der Fall ist. Größere Verkäufe können deshalb zu einer unterbewerteten Aktie führen.
Komplexe Geschäftsmodelle
Manche Unternehmen haben sehr komplexe Geschäftsmodelle, die nicht von allen Anlegern verstanden werden. Solche „schwierigen“ Unternehmen - auch wenn sie wachsen und Geld verdienen - Was sind unterbewertete werden an der Börse nicht selten gemieden, was zu einer Unterbewertung ihrer Aktien führen kann.
Branchensippenhaft
Wenn ein großer Player einer Branche schlechte Zahlen liefert, zeigt sich oft das Phänomen der Branchensippenhaft. Andere Unternehmen der Branche werden zu diesem Anlass ebenfalls an der Börse mit Kursabschlägen bestraft, da Anleger davon ausgehen, dass auch bei ihnen schlechte Zahlen drohen.
Diese Branchensippenhaft führt in der Börsenpraxis sehr häufig zu unterbewerteten Aktien. Ein typisches aktuelles Beispiel für die Branchensippenhaft ist die sogenannte „SaaSpocalyse“, also die Angst, dass KI-Modelle die Geschäftsmodelle von Software-Unternehmen erodieren könnten, was in jüngster Vergangenheit zu deutlichen Kursabschlägen in dieser Branche geführt hat.
Externe Schocks
Externe Schocks wie Kriege, Pandemien oder Finanzkrisen führen in der Praxis oft zu einer Überreaktion der Märkte. Die Kurse aller Aktien sinken - auch die von Unternehmen, die vom externen Schock gar nicht betroffen sind oder sogar davon profitieren könnten. So entstehen besonders in den ersten Stunden oder Tagen von externen Schocks Unterbewertungen.
Was ist das Risiko unterbewerteter Aktien?
Eine niedrige Bewertung ist nicht automatisch eine gute Kaufgelegenheit. Manche Aktien sind aus gutem Grund günstig, etwa weil das Geschäftsmodell veraltet ist oder Schulden das Unternehmen erdrücken.
Das größte Risiko bei der Suche nach unterbewerteten Aktien ist demnach, in eine sogenannte „Value Trap“ („Wertfalle“) zu tappen. Eine Value Trap ist eine Aktie, die auf den ersten Blick günstig wirkt, aber in Wirklichkeit keine gute Investition ist, weil sich ihr Kurs dauerhaft verschlechtert oder nie erholt. Die Aktie ist also nicht unterbewertet, sondern ihr niedriger Preis ist durch eine Verschlechterung der fundamentalen Lage absolut gerechtfertigt.
Um eine Value Trap zu identifizieren, solltest Du auf einige typische Warnsignale achten:
- Struktureller Niedergang: Das Unternehmen ist in einer aussterbenden Branche tätig.
- Technologischer Rückstand: Das Unternehmen kann nicht mehr mit Entwicklungen von Wettbewerbern Schritt halten.
- Fehlendes Wachstum: Der Umsatz und die Gewinne stagnieren oder schrumpfen Jahr für Jahr.
- Hohe Verschuldung: Ein Großteil des Cashflows muss für Zinszahlungen aufgewendet werden.
- Keine Kurskatalysatoren: Es gibt keine überzeugenden Gründe, warum sich der Aktienkurs wieder erholen sollte.
Tipps und Tricks für Investments in unterbewertete Aktien
Das Value Investing in unterbewertete Aktien gehört zu den schwierigsten Investmentansätzen überhaupt. Es erfordert eine Mischung aus Geduld, Nervenstärke und Detektivarbeit. Value Opportunities gibt es nicht wie Sand am Meer und die Gefahr, auf der Suche nach einer Schnäppchenaktie in eine Value Trap zu tappen, ist groß. Die folgenden zehn Tipps und Tricks helfen Dir dabei, ein langfristig erfolgreicher Value Investor zu werden.
1. Schätze den inneren Wert richtig ein
Die wichtigste Aufgabe im Value Investing ist das Verständnis, was ein Unternehmen tatsächlich wert ist. Führe deshalb eine möglichst detaillierte Discounted-Cashflow-Analyse durch. Starinvestoren wie Warren Buffett achten dabei besonders auf stabile und vorhersehbare Cashflows.
2. Verlasse Dich nicht auf eine Kennzahl
Nutze möglichst viele quantitative Filter, um Schnäppchenaktien zu identifizieren. Die Kombination mehrerer Kennzahlen steigert die Qualität Deiner Vorauswahl und demnach auch Deine Erfolgschancen, ein echtes Schnäppchen zu finden.
3. Kaufe mit Sicherheitsmarge
Die Sicherheitsmarge schützt Dich vor Rechenfehlern, Fehlinterpretationen, Marktschwankungen und sonstigen unerwarteten Problemen. Kaufe deshalb nicht eine leicht unterbewertete Aktie, sondern besser eine deutlich unterbewertete.
4. Qualität geht vor Preis
Eine günstige Aktie ist nicht automatisch gut. Achte immer auf die Marktstellung und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Auch zu diesem Punkt eine Warren Buffett-Weisheit: Eine gute Firma zu einem fairen Preis ist besser als eine schlechte Firma zum Schnäppchenpreis.
5. Geduld ist Pflicht
Unterbewertungen entstehen oftmals sehr schnell, verschwinden aber selten über Nacht, Es kann Monate oder gar Jahre dauern, bis der Markt diese „aufholt“. In dieser Zeit ist Deine Geduld gefragt.
6. Ordne externe Schocks ein
Unterbewertungen entstehen oft durch Krisen an den Finanzmärkten. Frage Dich in Krisenzeiten immer, ob die Probleme dauerhaft oder nur temporär sind. Wenn sie zeitlich begrenzt sind und die Krise ein Ablaufdatum hat, stehen die Chancen für ein erfolgreiches Value Investment besser.
7. Suche Katalysatoren
Eine Aktie bleibt manchmal über einen längeren Zeitraum unterbewertet. Suche deshalb gezielt nach potenziellen Katalysatoren, die den Aktienkurs wieder in die Höhe treiben können. Dazu zählen beispielsweise die Entwicklung neuer Technologien, die Markteinführung neuer Produkte, die Übernahme anderer Unternehmen oder eine Restrukturierung des Unternehmens.
8. Vergiss die Diversifikation nicht
Selbst die besten Analysen können falsch sein und auch Star Value Investoren wie Warren Buffett haben sich schon mit dem einen oder anderen Investment geirrt. Streue deshalb Dein Kapital über verschiedene Unternehmen und Branchen, um Dich vor kostspieligen Fehlgriffen zu schützen.
9. Verstehe, was Du tust
Das Verständnis des Geschäftsmodells ist auch im Value Investing Pflicht. Wenn Du die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens nicht verstehst, lass die Finger von der Aktie. Unverständnis erhöht die Fehlerwahrscheinlichkeit – und genau dort entstehen oft Value Traps.
10. Umgehe Value Traps
Der wichtigste Tipp zum Schluss: Günstige Aktien sind in den meisten Fällen aus gutem Grund billig. Achte deshalb immer auf die zuvor genannten typischen Warnsignale einer Value Trap.