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Was sind Aktien und wie funktionieren sie?

Legst Du Dein Geld noch auf einem Festgeldkonto an oder lässt Du es schon für Dich arbeiten? Wer langfristig Vermögen aufbauen will, kommt an Aktien nicht vorbei. Doch für viele Menschen wirkt der Einstieg in die Welt der Börse komplizierter, als er eigentlich ist. In diesem Ratgeber erfährst Du verständlich und ohne Fachchinesisch alles, was Du über Aktien wissen musst. Du lernst, was eine Aktie ist, warum es sie überhaupt gibt und was sie Dir bringt. Zudem bekommst Du übersichtlich die Chancen und Risiken von Aktien erklärt. Und natürlich erfährst Du ebenfalls, wie und wo man Aktien kaufen kann. Die abschließenden Tipps und Tricks helfen Dir, Schluss mit Deinem Niedrigzins-Frust zu machen und Deine finanzielle Zukunft an der Börse selbst in die Hand zu nehmen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Aktien sind Unternehmensanteile, die Dich rechtlich zum Miteigentümer einer Aktiengesellschaft machen.
  • Mit Aktien kannst Du Geld über Kurssteigerungen und Dividenden (Gewinnausschüttungen) verdienen.
  • Für Unternehmen sind Aktien eine gute Möglichkeit, sich Kapital zu beschaffen, Mitarbeiter zu entlohnen und andere Unternehmen zu übernehmen.
  • Je nach Ausgestaltung des Stimmrechtes und der Übertragbarkeit werden unterschiedliche Arten von Aktien unterschieden.
  • Aktien werden bereits seit dem 17. Jahrhundert an der Börse gehandelt.
  • Als Aktionär erhältst Du Vermögens- und Verwaltungsrechte sowie abhängig von Deinem Anteil auch Sonderrechte an einem Unternehmen.
  • Aktien kannst Du über einen Online-Broker an einer Vielzahl von Börsen handeln.

Was sind Aktien?

Aktien sind Anteile an einem Unternehmen. Wenn Du eine Aktie kaufst, gehört Dir ein kleiner Teil dieses Unternehmens, was Dich rechtlich zu einem Miteigentümer macht.

Stell Dir vor, ein Unternehmen wäre eine riesige Pizza. Da diese Pizza (in der Regel) zu groß und zu teuer ist, als dass eine Person sie allein kaufen könnte, wird sie in Abertausende kleine Stücke geschnitten. Diese Stücke sind die Aktien. Wenn Du Aktien kaufst, besitzt Du demnach einen winzigen Bruchteil dieser Pizza.

Eine Aktie ist somit kein Lottoschein, sondern eine Beteiligung an echter Substanz — an Gebäuden, Produktionsanlagen, Patenten, Marken und der Arbeitskraft von Menschen.

Was hast Du von Aktien?

Aktien zu kaufen ist kein Selbstzweck, sondern Du willst mit ihnen Geld verdienen. Das funktioniert über zwei Möglichkeiten:

Erstens: Kursgewinne. Wenn ein Unternehmen erfolgreich am Markt ist, steigen seine Umsätze und Gewinne und damit auch sein Gesamtwert. Das bedeutet, dass auch der Kurs jeder einzelnen Aktie steigt. Diese Wertsteigerung, also die Differenz zwischen dem Kauf- und dem Verkaufskurs, ist Dein Gewinn.

Zweitens: Dividenden. Manche Unternehmen schütten einen Teil ihres Gewinns regelmäßig an die Aktionäre aus. Solch eine Gewinnausschüttung ist eine Art Belohnung oder Zinszahlung dafür, dass Du dem Unternehmen Kapital zur Verfügung gestellt hast.

Warum geben Unternehmen Aktien aus?

Unternehmen benötigen ständig Kapital für verschiedene Zwecke. Dazu zählen beispielsweise der Bau neuer Produktionsanlagen, Investitionen in Forschung und Entwicklung oder die Übernahme anderer Unternehmen.

Grundsätzlich haben sie zwei Möglichkeiten, sich dieses Geld zu beschaffen: Bei Banken (Aufnahme von Krediten) oder über die Börse (Ausgabe von Aktien). Beide Kapitalarten haben ihre Vor- und Nachteile.

Der große Vorteil von Aktien gegenüber Krediten ist, dass das Unternehmen keine Zinsen an eine Bank zahlen muss. Zudem gehört das Geld, dass das Unternehmen durch die Ausgabe von Aktien von Investoren erhält, dauerhaft der Firma. Sie muss es den Aktionären nicht zurückzahlen. Unternehmen zahlen für ihre Finanzierung über die Börse allerdings einen Preis in Form von drei Gegenleistungen:

Erstens: Sie geben ihren Aktionären ein Mitspracherecht in allen wichtigen Fragen des Unternehmens. Zweitens: Sie müssen bereit sein, ihre zukünftigen Gewinne mit den Aktionären zu teilen (zum Beispiel durch Dividendenzahlungen). Drittens: Sie müssen als börsennotierte Aktiengesellschaften hohe Anforderungen in puncto Finanzbuchhaltung und Transparenz erfüllen.

Es gibt noch drei weitere Gründe für die Ausgabe von Aktien, die vor allem für jüngere Unternehmen in der Praxis eine große Rolle spielen. Viele Firmen nutzen Aktien, um Mitarbeiter über Optionen am Erfolg zu beteiligen. Zudem können Unternehmen mit Aktien frühere Investoren, die keine Beteiligung mehr halten wollen, auszahlen. Und nicht zuletzt können Unternehmen mit geringen liquiden Mitteln ihre eigenen Aktien nutzen, um andere Unternehmen zu kaufen.

Welche Arten von Aktien gibt es?

Aktie ist nicht gleich Aktie. Je nachdem, welche Rechte Du als Käufer hast oder wie sie übertragen werden, unterscheidet man verschiedene Arten. Hier ist eine Übersicht der gängigsten Kategorien:

Nach Stimmrechten

Stammaktien (Common Stocks): Sie sind der Standard unter den Aktien. Eine Stammaktie gibt Dir ein Stimmrecht auf der Hauptversammlung und Du darfst über wichtige Entscheidungen mitbestimmen. Zudem hast Du Anspruch auf eine Dividende.

Vorzugsaktien (Preferred Stocks): Hier verzichtest Du auf dein Stimmrecht. Als Entschädigung erhältst Du meist eine höhere Dividende als die Stammaktionäre. Zudem wirst Du bei der Gewinnausschüttung bevorzugt behandelt.

Zahlreiche Unternehmen bieten beide Aktienarten an, sodass Du Dich entscheiden kannst, ob Dir das Stimmrecht oder die Dividende wichtiger ist.

Nach Übertragbarkeit

Inhaberaktien: Die Aktie gehört demjenigen, der sie in seinem Depot hält. Das Unternehmen weiß nicht namentlich, wer seine Anteilseigner sind. Inhaberaktien sind deshalb sehr leicht und schnell an der Börse handelbar.

Namensaktien: Hier wirst Du namentlich in das Aktienregister des Unternehmens eingetragen. Die Aktiengesellschaft weiß also genau, wer ihre Miteigentümer sind.

Vinkulierte Namensaktien: Sie stellen eine Sonderform der Namensaktien dar, bei der das Unternehmen der Übertragung der Aktie zustimmen muss. Das dient meistens dazu, sich vor feindlichen Übernahmen zu schützen.

Was ist eine Aktie wert?

Die Antwort auf diese Frage ist nicht eindeutig, sondern zweideutig. Bei Aktien unterscheidet man nämlich zwei Arten von Wert: Den Marktpreis, den Du an der Börse aktuell für eine Aktie bezahlen musst, und den inneren Wert — den Wert, der sie eigentlich wert sein sollte.

In einer idealen Welt würde es keinen Unterschied zwischen dem Marktpreis und dem inneren Wert geben. Aber die Börse ist in der Praxis keine ideale Welt. Wertabweichungen stehen an der Tagesordnung.

Das liegt daran, das es keine eindeutige Formel zur Ermittlung des inneren Werts einer Aktie gibt. In der Praxis wird das Discounted Cashflow-Modell am häufigsten zur Bestimmung dieses Wertes genutzt. Es zinst alle zukünftigen Cashflows eines Unternehmens auf den heutigen Tag ab. Der Wert ist aber letztlich sehr stark von den getroffenen Modellannahmen abhängig.

Sogenannte „Value Investoren“ investieren an der Börse gezielt in Aktien, bei denen sie eine deutliche Abweichung zwischen Marktpreis und innerem Wert feststellen. Das Value Investing ist sozusagen die Suche nach den vergrabenen Trüffeln an den Finanzmärkten.

Welche Chancen geben Dir Aktien?

Aktien bieten Dir eine der effektivsten Möglichkeiten, am wirtschaftlichen Fortschritt und der ökonomischen Entwicklung der Welt teilzuhaben. Während Du als Angestellter für ein festes Gehalt arbeitest, erlauben Dir Aktien, Dein Geld für Dich arbeiten zu lassen. Hier sind die sieben zentralen Chancen von Aktien:

1. Vermögensaufbau durch Kurssteigerungen

Historisch gesehen haben Aktienmärkte über längere Zeiträume (von über zehn Jahren) eine durchschnittliche Rendite von etwa 7 bis 9% pro Jahr erzielt. Das ist erheblich mehr, als Du normalerweise auf einem Festgeld- oder Sparkonto oder bei anderen Anlageformen erhältst.

2. Passives Einkommen durch Dividenden

Viele Unternehmen zahlen regelmäßig Dividenden, also einen Teil ihres Gewinns an die Aktionäre. Du kannst diese Gewinnausschüttungen zu einem kontinuierlichen Einkommensstrom machen, ohne jemals eine Aktie zu verkaufen. Manche Anleger bauen sich über die Zeit sogar Portfolios auf, von deren Ausschüttungen sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können.

3. Der Zinseszinseffekt

Wenn Du Deine Gewinne und Dividenden nicht ausgibst, sondern wieder anlegst, profitierst Du vom Zinseszinseffekt. Über Jahrzehnte hinweg führt das zu einem exponentiellen Wachstum Deines Kapitals. Aus 10.000 € werden beispielsweise bei 8% Zinsen nach 30 Jahren über 100.000 € – ganz ohne weitere Einzahlungen.

4. Schutz vor Inflation

Aktien sind Sachwerte. Wenn die Preise für Produkte steigen (Inflation), steigen oft auch die Umsätze und Gewinne der Unternehmen. Erfolgreiche Firmen können höhere Kosten an ihre Kunden weitergeben. Dadurch behält Dein investiertes Geld seine Kaufkraft besser als Bargeld oder eine Festgeldanlage.

5. Beteiligung an Innovationen

Aktien geben Dir die Chance, Miteigentümer der innovativsten Unternehmen der Welt zu sein. Ob Künstliche Intelligenz, grüne Energie oder neue Krebstherapien — Du profitierst direkt vom Erfolg der klügsten Köpfe und deren Erfindungen, ohne selbst im Labor stehen zu müssen.

6. Hohe Flexibilität und Liquidität

Im Gegensatz zu anderen Geldanlagen wie Sparbüchern, Immobilien oder Kunstgegenständen, kannst Du Aktien fast jederzeit innerhalb von Sekunden per Mausklick verkaufen und sie zu Bargeld machen. Du bist nicht langfristig an sie gebunden und kannst sie so flexibel einsetzen wie keine andere Anlage.

7. Niedrige Einstiegshürden

Aktien sind längst nicht mehr eine Geldanlage für vermögende Personen. Schon mit kleinsten Beträgen kannst Du heutzutage in Aktien investieren. Die Einstiegshürden an der Börse sind so niedrig wie sonst nirgendwo.

Welche Risiken haben Aktien?

Wo Chancen sind, gibt es immer auch eine Kehrseite. Eine Investition in Aktien ist auch mit einer Reihe von Risiken verbunden, derer Du Dir im Vorfeld bewusst sein solltest. Hier sind die sieben zentralen Risiken von Aktien:

1. Das Kursänderungsrisiko

Aktienkurse schwanken ständig. Politische Ereignisse, schlechte Wirtschaftsnachrichten oder einfach nur die Stimmung an der Börse können dazu führen, dass der Kurs deiner Aktie sinkt. Wenn Du kurzfristig Geld benötigst und im falschen Moment Aktien verkaufen musst, machst Du Verlust.

2. Das Unternehmensrisiko

Als Miteigentümer bist Du voll am Schicksal eines Unternehmens beteiligt. Bei einer Insolvenz können dessen Aktien wertlos werden. Auch Missmanagement oder verpasste Trends können den Wert einer Aktie dauerhaft verringern.

3. Das Marktrisiko

Manchmal fällt nicht nur der Kurs einer Aktie, sondern der gesamte Markt – wie beispielsweise in der Finanzkrise 2008 oder zu Beginn der Corona-Pandemie 2020. In solchen Phasen verringert sich oft auch der Wert von Unternehmen, die erfolgreich am Markt tätig sind.

4. Das Währungsrisiko

Wenn Du Aktien kaufst, die in einer anderen Währung gehandelt werden, schwankt Dein Gewinn mit dem Wechselkurs. Selbst wenn der Aktienkurs steigt, kann Dein Gewinn in Euro schrumpfen, wenn die Fremdwährung gegenüber dem Euro an Wert verliert.

5. Das Dividendenrisiko

Anders als Zinsen bei einer Bank ist eine Dividende freiwillig. Wenn es einem Unternehmen schlecht geht, kann es die Gewinnausschüttung jederzeit kürzen oder komplett streichen. Du kannst Dich somit nie zu 100% auf dieses Einkommen verlassen.

6. Psychologisches Risiko

Der Handel von Aktien an der Börse ist mit zahlreichen Emotionen, wie beispielsweise Gier und Panik verbunden. Viele Anleger lassen sich von diesen Emotionen zu Fehlentscheidungen bei ihrer Geldanlage verleiten. Typische Fehler sind Panikverkäufe bei Kursverlusten oder Übermut bei steigenden Kursen.

7. Das Liquiditätsrisiko

Grundsätzlich ist die Börse sehr liquide, das heißt, Du kannst Aktien jederzeit in ausreichender Zahl kaufen und verkaufen. Bei besonders kleinen Unternehmen oder wenig gehandelten Werten kann es jedoch zu Liquiditätsengpässen kommen und der Ausführungskurs an der Börse stark von Deinem Wunschpreis abweichen.

Seit wann gibt es Aktien?

Die Geschichte der Aktie ist eng mit der europäischen Seefahrt und dem Beginn des Überseehandels verknüpft. Die erste „echte“ Aktiengesellschaft der Welt im modernen Sinne war die im Jahr 1602 Vereinigte Ostindische Kompagnie (V.O.C.) aus den Niederlanden. Schiffsreisen nach Asien waren seinerzeit extrem teuer und riskant. Nicht selten fielen die aus Übersee importierten Produkte Stürmen oder Piraten zum Opfer. Um das Risiko zu verteilen, konnten Bürger Anteile kaufen.

Die V.O.C. war das erste Unternehmen der Welt, deren Anteile man an einer Börse frei an Dritte weiterverkaufen konnte. 1611 wurde dafür eigens die Amsterdamer Börse gebaut. Interessant zu wissen ist, dass Aktionäre damals ihren Gewinn nicht in Form von Geld, sondern von Naturalien ausbezahlt bekamen. Die ersten Aktionäre der V.O.C. erhielten ihre Gewinnausschüttungen in Form von Pfeffersäcken.

Aktien im Sinne von Unternehmensbeteiligungen gibt es allerdings schon seit dem 13. Jahrhundert. Der älteste Beleg für eine unternehmerische Beteiligung ist die Kupfermine im schwedischen Falun. Sie gab bereits im Jahr 1288 Urkunden über Anteilsbesitz aus.

Die erste deutsche Aktiengesellschaft war übrigens die von Großen Kurfürst Friedrich Wilhelm 1682 gegründete Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie (BAC). Sie handelte mit Gold, Elfenbein und leider auch mit Sklaven.

Ihren großen Durchbruch feierten Aktien allerdings im 19. Jahrhundert mit dem Bau der Eisenbahnen. Da kein einzelner Adeliger oder Bankier den Bau von tausenden Kilometern Schienen finanzieren konnte, sammelte die Eisenbahngesellschaften Kapital über den Aktienmarkt ein.

Wie kommen Aktien an die Börse?

Aktien kommen nicht einfach „so“ an die Börse – dahinter steckt ein klar geregelter Prozess. Der klassische Weg ist der Börsengang (Englisch: Initial Public Offering oder IPO).

Bevor ein Unternehmen an die Börse gehen kann, muss es zahlreiche Vorbereitungsarbeiten erledigen, die in der Regel sechs bis zwölf Monate in Anspruch nehmen. In Deutschland muss ein Unternehmen seine Rechtsform in eine AG, SE oder KGaA ändern.

Parallel sucht es sich eine oder mehrere Bank(en), die als sogenannte „Underwriter“ für den Börsengang fungieren. In der Regel handelt es sich dabei um auf Börsengänge spezialisierte Investmentbanken. Sie prüfen die Bücher des Unternehmens, führen eine Unternehmensbewertung durch und garantieren zudem in der Regel den Verkauf der Aktien.

Darüberhinaus erstellt der Underwriter den IPO-Prospekt. Dabei handelt es sich um ein oft hunderte Seiten dickes Dokument, in den das an die Börse gehende Unternehmen in allen Details und mit all seinen Chancen und Risiken dargestellt wird. In Deutschland muss dieser Prospekt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht genehmigt werden.

Die wichtigste Aufgabe eines Unternehmens vor einem Börsengang ist es selbstverständlich, Investoren für einen Kauf seiner Aktien zu begeistern. Zu diesem Zweck geht das Management in der Regel auf eine sogenannte „Roadshow“, also eine Art Tournee, um Investoren zu überzeugen. Roadshows richten sich vor allem an institutionelle Großinvestoren wie Banken, Investmentfonds und Versicherungen.

Vor dem eigentlichen Börsengang geben interessierte Investoren Gebote für die Aktien ab. Aus diesen Geboten errechnet sich eine Preisspanne für die Aktien. Auf Basis dieser Spanne legen das Unternehmen und der Underwriter den finalen Emissionspreis fest.

Neben institutionellen Investoren haben auch Privatanleger die Möglichkeit, Aktien eines Unternehmens vor dessen Börsengang zu zeichnen. Meist ist dies ein bis zwei Wochen vor dem IPO möglich. Wenn mehr Investoren Aktien wollen als vorhanden sind, es also zu einer Überzeichnung kommt, bekommt jeder Investor nur einen Teil der bestellten Menge.

Am ersten Handelstag der Aktie wird der erste Kurs auf dem Parkett ermittelt. Ab diesem Moment können die Aktien frei von jedermann gekauft und verkauft werden.

An jeder Börse gibt es übrigens unterschiedliche Regeln für eine Listung einer Aktie. Um an der Frankfurter Börse im Top-Segment Prime Standard gelistet zu werden, muss ein Unternehmen mindestens drei Jahre bestehen, ein Eigenkapital von über 1,25 Millionen € besitzen und mindestens 25% der Aktien im Streubesitz haben.

Welche Rechte haben Aktionäre?

Wie zuvor erwähnt, wirst Du durch den Kauf einer Aktie zum Miteigentümer eines Unternehmens. Damit sind spezifische Rechte verbunden, die in Deutschland im Aktiengesetz geregelt sind. Diese Rechte werden klassischerweise in zwei Kategorien unterteilt: Vermögensrechte und Verwaltungsrechte.

Vermögensrechte

Diese Rechte sichern Deinen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Dazu gehören:

  • Das Recht auf Dividende: Du hast Anspruch auf einen Teil des Bilanzgewinns, sofern die Hauptversammlung eine Gewinnausschüttung beschließt.
  • Das Bezugsrecht: Wenn das Unternehmen neue Aktien ausgibt (also eine Kapitalerhöhung durchführt), hast du das Vorrecht, neue Anteile zu kaufen. So kannst Du verhindern, dass Dein prozentualer Anteil am Unternehmen verwässert wird.
  • Das Anteilsrecht am Liquidationserlös: Sollte das Unternehmen aufgelöst werden, hast Du Anspruch auf einen Teil des verbleibenden Vermögens (nachdem alle Schulden beglichen sind).

Verwaltungsrechte

Diese Rechte erlauben es Dir, die Geschicke des Unternehmens (zumindest theoretisch) mitzugestalten. Dazu zählen:

  • Das Teilnahmerecht an der Hauptversammlung: Du darfst (bei Namensaktien nach Anmeldung) an der jährlichen Versammlung der Aktionäre teilnehmen.
  • Das Stimmrecht: Jede Stammaktie gibt Dir in der Regel eine Stimme. Damit entscheidest Du über die Verwendung des Gewinns, die Wahl des Aufsichtsrats oder die Entlastung des Vorstands.
  • Das Auskunftsrecht: Während der Hauptversammlung muss der Vorstand Dir auf Verlangen Auskunft über die Angelegenheiten der Gesellschaft geben, soweit dies für eine sachgemäße Beurteilung der Tagesordnung nötig ist.
  • Das Antrags- und Wahlvorschlagsrecht: Du kannst Gegenanträge zu den Vorschlägen der Verwaltung stellen oder eigene Wahlvorschläge (zum Beispiel für den Aufsichtsrat) einreichen.

Sonderrechte

Wenn Du eine größere Beteiligung an einem Unternehmens hältst, kommst Du in Deutschland in den Genuss bestimmter Sonderrechte. Diese sind:

  • Bei 5% der Aktien: Du hast das Recht, die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung zu verlangen oder Punkte auf die Tagesordnung setzen zu lassen.
  • Bei 10% der Aktien: Du hast das Recht auf eine Sonderprüfung durch externe Prüfer (bei Verdacht auf Unregelmäßigkeiten).
  • Bei 25% + 1 Aktie: Du hältst eine Sperrminorität mit der Du wichtige Satzungsänderungen oder Kapitalmaßnahmen verhindern kannst.

Wo kauft man Aktien?

Aktien kannst Du an einer Vielzahl von Börsen kaufen, die sich in drei Gruppen einteilen lassen: elektronische Handelsplattformen, Präsenzbörsen und Auslandsbörsen. Je nachdem, bei welchem Broker Du ein Wertpapierhandelskonto führst, hast Du Zugriff auf ein unterschiedliches Spektrum dieser Börsen. Während bei großen Brokern das Angebot meist sehr breit ist, bist Du bei kleinen und Neo-Brokern oft an einen Handelsplatz gebunden.

Die wichtigste Präsenzbörse in Deutschland ist die Frankfurter Wertpapierbörse. Darüber hinaus gibt es hierzulande eine Reihe von Regionalbörsen (Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, München und Stuttgart), die sich auf bestimmte Produktarten spezialisiert haben oder sich gut für den Handel von weniger liquiden Nebenwerten eignen.

Die meisten Privatanleger kaufen und verkaufen Aktien jedoch über eine elektronische Handelsplattform wie Tradegate, Gettex oder LS Exchange. Grund für die Beliebtheit dieser elektronischen Börsen ist ihre hervorragende Kombination aus breitem Aktienangebot, niedrigen Handelsgebühren und langen Handelszeiten.

Manche Aktien kannst Du jedoch nicht über deutsche Präsenzbörsen oder elektronische Handelsplattformen handeln. In diesem Fall bleibt Dir nur der Weg über eine ausländische Börse. Die beiden international wichtigsten Börsen sind die New York Stock Exchange und die Technologiebörse Nasdaq in den USA.

Wie kauft man Aktien?

Der Kauf einer Aktie ist heutzutage ein kinderleichtes Unterfangen und nicht schwieriger als der Kauf eines Produktes in einem Online-Shop. Beim Kauf von Aktien durchläufst Du bei allen Brokern einen vierstufigen Prozess.

1. Eröffnung eines Depots

Grundvoraussetzung, um Aktien zu kaufen, ist ein Wertpapierdepot (oft auch „Wertpapierhandelskonto“ genannt) bei einem Online-Broker. Dieses Depot ist sozusagen ein spezielles Konto für Deine Wertpapiere. Der Prozess zur Eröffnung eines Wertpapierdepots ist bei allen Anbietern nahezu identisch und dauert in der Regel nur ein bis zwei Werktage. Sobald der Broker Dein Depot eingerichtet hat und Du Geld darauf überwiesen hast, kannst Du Deine erste Aktie kaufen.

2. Auswahl einer Aktie

Über die Suchfunktion Deines Brokers kannst Du eine bestimmte Aktie auswählen. Dazu gibst Du entweder den Namen des Unternehmens, die Wertpapierkennnummer (WKN) oder die ISIN (International Securities Identification Number) ein.

3. Aufgabe der Order

Sobald Du die gewünschte Aktie gefunden hast, klickst Du auf die Schaltfläche „Kaufen“. Dadurch öffnet sich eine sogenannte Ordermaske (ein Formular), das bei allen Brokern eine ähnliche Struktur hat. Über diese Maske gibst Du die Anzahl der Aktien ein, die Du kaufen willst und den Handelsplatz, über den Du Aktien erwerben möchtest. Darüber hinaus kannst Du darüber noch bei Bedarf weitere Orderdetails festlegen.

4. Bestätigung der Order

Vor der verbindlichen Bestätigung der Order bekommst Du in einer Übersicht noch einmal alle Daten und die mit dem Kauf verbundenen Kosten angezeigt. Durch einen Klick auf die Schaltfläche „Order ausführen“ bestätigst Du die Kauforder final.

Tipps und Tricks zum Start mit Aktien

In Aktien zu investieren, ist kein Hexenwerk. An der Börse gibt es drei wesentliche Erfolgsfaktoren: Geduld, Disziplin und Streuung. Nur die wenigsten Anleger werden an der Börse schnell reich. Es gewinnen diejenigen, die langfristig denken, ruhig bleiben und konsequent investieren. Wenn Du die folgenden zehn Tipps und Tricks beherzigst, wird Deinem langfristigen Erfolg an der Börse fast nichts entgegenstehen.

Verstehe, worin Du investierst

Investiere in Aktien von Unternehmen, deren Geschäft Du verstehst. Blinde Investments in Hype-Aktien können Dich viel Geld kosten.

Investiere nur, was Du nicht brauchst

Investiere niemals Geld, das Du zur Deckung Deiner Lebenshaltungskosten benötigst. Das könnte dazu führen, dass Du Aktien mit Verlust verkaufen musst.

Setze nicht alles auf eine Karte

Diversifikation ist einer der größten Schlüssel zum Erfolg an der Börse. Durch die Streuung Deines Geldes über verschiedene Unternehmen und Branche reduzierst Du Dein Risiko erheblich und erhöhst die Wahrscheinlichkeit, in Gewinneraktien zu investieren.

Fange klein an

Auch wenn Du über ein größeres frei verfügbares Vermögen verfügst, empfiehlt es sich, an der Börse klein anzufangen. So lernst Du die Spielregeln am Aktienmarkt und auch Deine Emotionen bei Gewinnen und Verlusten besser kennen.

Denke langfristig

Erfolg an der Börse ist niemals ein Sprint, sondern immer ein Marathon. Blende kurzfristige Kursschwankungen aus und konzentriere Dich auf die langfristige Kursentwicklung von Aktien.

Achte auf Gebühren

Höhe Gebühren für den Aktienhandel können einen nennenswerten Anteil Deiner Rendite auffressen. Achte deshalb auf möglichst kostengünstige Broker, Börsen und Produkte.

Kontrolliere Deine Emotionen

Die Börse löst bei den meisten Anlegern große Emotionen aus, die jedoch oftmals zu Fehlentscheidungen führen. Lerne deshalb, Deine Emotionen so gut wie möglich zu kontrollieren.

Folge nicht jedem Hype

Lass Dich nicht zu stark von der Presse oder sozialen Medien bei Anlageentscheidungen beeinflussen. Sie fokussieren sich oft auf Trendaktien, die meist zu sehr hohen Bewertungen gehandelt werden.

Investiere nicht auf Pump

Kaufe niemals Aktien auf Kredit. Die Zinslast und der psychologische Druck bei fallenden Kursen führen fast immer zu Fehlentscheidungen.

Sei bescheiden

Jeder will an der Börse den Markt schlagen, aber nur den wenigsten gelingt es langfristig. Sei deshalb bescheiden und gib Dich langfristig mit der Durchschnittsrendite des Aktienmarktes (also ca. 7 bis 9% pro Jahr) zufrieden.