Gerry Weber: Will es die Aktie nochmal wissen?

von (mh)  /   07. Februar 2019, 18:36  /   unter Small Caps  /   Keine Kommentare

Zahlen sagen mehr als Worte: Die Aktie des europaweit bekannten und in 60 Ländern tätigen Modehauses Gerry Weber (WKN: 330410) rutschte von über 39 Euro im Juni 2014 auf jetzt nur noch rund 50 Cent. Heute meldet Gerry Weber, dass man für die Tochtergesellschaft Hallhuber in Gesprächen mit einem Investor über einen Verkauf ist. Eine Brückenfinanzierung soll erstmal den weiteren Geschäftsbetrieb sichern. 

Nachdem Tom Tailor mit Herausforderungen zu kämpfen hat, folgt mit Gerry Weber nun die nächste große deutsche Modekette. Ein kurzer Blick zurück: Am 7. Dezember kam das, was zu erwarten war. Gerry Weber verkündete für das Geschäftsjahr 2017/18 (Ende 30. September) einen Fehlbetrag in Höhe von 148 Millionen Euro, der Mitte Januar noch einmal auf 192 Millionen Euro erhöht wurde. Am 25. Januar dann der Schock: Gerry Weber stellt einen Insolvenzantrag. Bei einem Jahresumsatz von noch immer 795 Millionen Euro ist es kaum vorstellbar, dass die Aktie nur noch 25 Millionen Euro wert ist. Kommt hier ein erfolgreicher „Inso-Zock“?

Wenn Anblicke töten könnten: Die neue Modelinie von Gerry Weber wirkt etwas aus der Zeit gefallen, obwohl „oldschool“ wieder in ist. Quelle: Gerry Weber

Will es die Aktie nochmal wissen oder kommt der Pleitegeier?

Grundsätzlich bereitet der Umstand Gerry Weber Probleme, dass die Marken einen altbackenen Eindruck machen und das Image etwas eingestaubt ist. Das Markenportfolio besteht vorrangig aus Gerry Weber, Taifun, Samoon und Hallhuber. Vor allem die Marke Gerry Weber wirkt, als könnte man darauf wetten, das sie jedes Jahr ein paar Prozent Kunden verliert und das tat sie dann auch.

Die eingeleiteten Optimierungsprogramme namens Performance Programm wie auch das FIT4GROWTH-Programm konnten die operative Talfahrt nicht stoppen. Zwar wurde das bereits vor Jahren implementierte FIT4GROWTH-Programm nach Unternehmensangaben „erfolgreich beendet“, aber die suggerierte „Modernisierung der Marken“ ist unserer Meinung nach fragwürdig. Im Gegenteil, sie führten letztendlich zu Zusatzbelastungen und sogar Umsatzverschiebungen in 2019.

Im Gesamtbild reduzierte sich das EBITDA in den ersten 9 Monaten 2017/2018 von 35,1 auf 24,2 Millionen Euro, im Q3 rutschte es endgültig in den negativen Bereich. Die EBIT-Marge war die vergangenen Quartale immer stark unter Druck und in Nähe der 0-Prozent-Schwelle.

Damals war Mode by Gerry Weber noch „sehenswert“. Tennisfans erinnern sich gerne an die Gerry Weber Open, als Tennisstars wie Andre Agassi aufschlugen und die große Bühne für Modenshows genutzt wurde. Auch 2019 findet das Tennisturnier voraussichtlich statt. Quelle: Gerry Weber

Fazit

Beim Cashflow schaute es bis zuletzt gar nicht so übel aus. Allerdings verringerten sich die liquiden Mittel Stand Ende Juli auf circa 20 Millionen Euro. Somit wurde es wohl zu schwer, die Verbindlichkeiten zu bedienen. Im Januar hätte man durchaus nochmal den Kapitalmarkt anzapfen können. Der Knackpunkt war vermutlich, dass der Umsatz trotz mehrerer strategischer Neuausrichtungen in kurzer Zeit weiter wegbrach.

Für liquide Mittel könnte nun die heute verkündete Brückenfinanzierung sorgen, derzufolge über eine Brückenfinanzierung mitsamt möglicher Kaufoption für  die HALLHUBER GmbH verhandelt wird. Mit den „angestrebten Mitteln aus der Brückenfinanzierung soll der fortlaufende Geschäftsbetrieb von HALLHUBER bis auf Weiteres sichergestellt werden.“

Nachdem die Gerry Weber AG ihren Insolvenzantrag am 25. Januar einreichte, stellt heute mit der Gerry Weber Retail GmbH & Co.KG die erste Tochtergesellschaft ihren Insolvenzantrag.

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