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17.07.19 / 13:10

Gerry Weber: Der Pleitegeier kreist nicht - er hat zugeschlagen

Die Gerry-Weber-Aktie (WKN: 330410) stürzt am Dienstag weiter ab. Der Kurs fällt um -61% auf 0,052 Euro. Die zwischen Muttergesellschaft und Investoren unterzeichnete verbindliche Investmentvereinbarung sieht vor, dass von Robus Capital und Whitebox Advisors verwaltete Fonds zur finanziellen Sanierung im Rahmen eines Insolvenzplans 49,2 Millionen Euro bereitstellen.

Die Rettung nimmt damit Konturen an. Aktionäre verabschieden sich jedoch, weil sie keine Hoffnung mehr sehen. Nach der neuen Wasserstandsmeldung ist das verständlich. Zu den Maßnahmen der am Montag bekannt gegebenen Entscheidung gehört ein aus unserer Sicht "scharfer" Kapitalschnitt gegenüber Altaktionären. Diese werden künftig keine Rolle mehr spielen.

Das bedeutet der Deal für Aktionäre - Teilweiser Schuldenschnitt für Gläubiger

Für Aktionäre ist der Deal eine vergleichsweise harte Nummer, liefert dem Unternehmen aber die dringend benötigte Liquidität. Bestehende Aktionäre werden künftig keine Rolle mehr spielen und quasi enteignet. Dieser Umstand lässt die Gerry-Weber-Aktie gerade ins Bodenlose rauschen. Am Ende stehen den Altaktionären keine Vermögenswerte der Firma mehr zu.

Aber auch Gläubiger müssen Abstriche machen und "sollen auf Forderungen verzichten" in Höhe von 60%. 40% werden in eine verzinste Anleihe mit Laufzeit 2022 gewandelt. Darüber hinaus können sich Gläubiger für eine Barabfindung entscheiden. In einem weiteren Schritt besteht die Option für Gläubiger, Wandelschuldanleihen zu zeichnen. Laut Gerry-Weber-Chef Johannes Ehling sei das eine Konstellation, die es so bei einer Insolvenz noch nie gegeben habe.

Über eine Kapitalherabsetzung mit anschließender Kapitalerhöhung werden Robus und Whitebox zu den bestimmenden Aktionären aufsteigen.

Eine Ikone der Fußgängerzone verabschiedet sich von seinen Aktionären

Zum Gerry-Weber-Konzern gehören eine Reihe bekannter Modeläden und Marken wie Gerry Weber und Taifun. Vor Kurzem hatte das Unternehmen die auf eine jüngere Zielgruppe ausgerichteten Hallhuber-Geschäfte an Robus Capital verkauft.

Die Glanzzeiten des weltweit aktiven Konzerns liegen nur ein paar Jahre zurück. Der einst hocherfolgreiche Modeschöpfer aus Halle/Westfalen schüttete ab 2004 jährlich eine Dividende aus. 2011 betrug diese sogar 1,10 Euro pro Aktie.

Quelle: Gerry Weber

Der demographische Wandel, die damit verbundene ausbleibende Kundschaft und sich wandelnde Modevorlieben bei jüngeren Generationen dürften dem Konzern nicht gerade in die Karten gespielt haben.

Läden von Gerry Weber werden weiter in den Fußgängerzonen zu finden sein. Denn die neuen Investoren planen eine Fortführung des "bereits in Umsetzung befindlichen Sanierungskonzepts."

Wie geht es weiter mit der Aktie?

Die Gerry-Weber-Aktie ist aktuell ein gefundenes Fressen für Shortseller. Damit können hochspekulativ gesinnte Anleger auf Glattstellungen der Short-Positionen und auf Gegenbewegungen hoffen.

SD-Leser wieder mal in der Pole Position

Vor vielen anderen Börsianern wussten SD-Leser bereits nach unserem Februar-Update bei Kursen von über 0,50 Euro Bescheid, dass eine Rettung von Gerry Weber - beziehungsweise seiner Aktie - nur unter besonderen Umständen gelingen hätte können. Die Bilanz ließ bereits damals Schlimmeres erahnen, die erheblichen Insider-Transaktionen von Ralf Weber in den Folgemonaten trübten das Bild weiter.

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