Solarworld: Keine Chance für die Aktie, aber Anleihen-Potenzial?

von Redaktion  /   09. Januar 2017, 19:47  /   unter Aktien, Top-Stories  /   Keine Kommentare

Eine ausgezeichnete Kursentwicklung zeigte in den letzten Tagen und Stunden die Aktie der Solarworld AG (WKN: A1YCMM). Allein am heutigen Handelstag legt das Papier im Xetra-Handel 17% zu. In den vergangenen zwei Handelswochen stieg die Aktie um 158%, von 2,40 auf 6,20 €. Steckt da mehr als heiße Luft dahinter?

Erstaunlich beim Solarworld-Anstieg ist der Umstand, dass dieser unter ungewöhnlich hohem Handelsvolumen, aber ohne unternehmensrelevante Nachrichten erfolgte. Trotzdem brodelt die Gerüchteküche, denn der einstige deutsche Solar-Vorzeigekonzern befindet sich inmitten eines Rechtsstreits in den USA, dessen Ausgang für die Solarworld bestandsgefährdend sein könnte.

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Kursverlauf der letzten 10 Handelstage. Quelle: comdirect.de

Hemlock will fast 800 Mio. US$ kassieren

Es geht darum, dass Solarworld in den Boomjahren Silizium von Hemlock bestellte, das man dann wegen des Preisverfalls und der eigenen Umsatzeinbrüche nicht mehr zu den vereinbarten Konditionen abnehmen konnte. Solarworld sieht die Abnahmeverpflichtung von Hemlock durch seine getätigte Vorauszahlung über 100 Mio. US$ als erledigt an. Hemlock will entgangene Gewinne und Schadensersatz über insgesamt 793 Mio. US$ geltend machen.

Ein Blick in die zum 3. Quartal veröffentlichte Bilanz zeigt, dass diese Schadenssumme das Eigenkapital von 146 Mio. € und die Barmittel von knapp 84 Mio. € massiv übersteigen würde.

Solarworld-Vorstandschef Frank Asbeck betont seit Sommer, dass man an einer außergerichtlichen Einigung interessiert sei und Hemlock dürfte daran möglicherweise sogar ein Interesse haben, weil man wohl sonst auf die künftige Konkursmasse angewiesen wäre.

Insofern sind die Hoffnungen der Anleger auf ein mögliches Ende des existenzbedrohlichen Rechtsstreits nicht ganz unbegründet.

Doch rechtfertigt dies einen derartigen Kursanstieg?

Operatives Geschäft stark defizitär

Es ist schwer vorstellbar, wie Solarworld überhaupt überleben soll, zumal man weiterhin eine Nettoverschuldung von 315 Mio. € besitzt. Das 3. Quartal erreichte 205 Mio. € Umsatz. Doch allein Material- und Personalaufwand waren mit 210 Mio. € höher als die Erlöse und der Konzernverlust lag bei 37 Mio. €.

Anleger sollten sich daher nicht von dem aktuellen Shortsqueeze blenden lassen und stattdessen eher auf die Anleihen schielen.

Aktien wertlos, Anleihen eine Möglichkeit für Zocker

Die beiden börsennotierten Solarworld-Anleihen 2014-2019 (WKN: A1YDDX) und (WKN: A1YCN1) erhielten jüngst eine Nennwerterhöhung um aufgelaufene Zinsen (10% p.a. +3M EURIBOR min. 1%) und stehen aktuell bei lediglich circa 25% ihres Nennbetrags von mehr als 300 € pro Stück. Hier wäre eine weitere Erholung denkbar.

Sollte es zu einer Insolvenz kommen beziehungsweise diese unmittelbar bevorstehen, so wäre vorstellbar, dass Solarworld wie zuletzt 2013 einen weiteren Debt Equity Swap vollzieht.

Der jüngste Anstieg der Anleihenkurse von 50 auf 80 € könnte andeuten, dass sich der Kapitalmarkt mit diesem Szenario anfreunden könnte.

Auch die Solarworld-Anleihen befindet sich im Aufwind

Auch die Solarworld-Anleihen befinden sich im Aufwind

Fazit

Selbst wenn das operative Geschäft den Turnaround schafft, bliebe nach Schuldenabbau nicht mehr viel für die Aktionäre übrig.

Die Aktie von Solarworld besitzt keinen fundamental gerechtfertigten Gegenwert und ist verglichen mit den Anleihen – nicht zuletzt aufgrund der jüngsten Performance – massiv überbewertet. Der jüngste Anstieg dürfte insbesondere auf Eindeckungen von Leerverkäufern zurückzuführen sein.

Noch immer investierte Anleger sollten spätestens jetzt die Möglichkeit zum Verkauf der Aktie nutzen und stattdessen eher in die Anleihen investieren, um im Falle eines Konkurses oder einer Restrukturierung nicht leer auszugehen.

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