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SGL Carbon: Viel mehr als ein Autozulieferer

Simon / 10.01.22 / 10:28

Kaum ein deutsches Unternehmen hat im vergangenen Jahr derart positiv überrascht wie die SGL Carbon SE (WKN: 723530). Nach vielen Jahren der Krise hat CEO Torsten Derr den SDAX-Konzern in den vergangenen 18 Monaten umgekrempelt. 2021 wird er seine Gewinnerwartungen deutlich übertreffen, was Anleger mit einer Kursverdopplung belohnt haben. Analysten zweifeln jedoch an der Kostenstruktur des Unternehmens. Werden die hohen Rohstoff- und Energiepreise dem Vorstand des Kohlenstoff-Spezialisten noch einen Strich durch die Rechnung machen?

SGL Carbon stellt Produkte aus Kohlenstoff und Grafit her sowie glas- und kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe. Das 1992 entstandene Unternehmen mit Hauptsitz in Wiesbaden ist international ausgerichtet mit 29 Werken in Europa, Nordamerika und Asien sowie Niederlassungen in über 100 Ländern. Großaktionärin und Aufsichtsratsvorsitzende ist die als reichste Frau Deutschlands bekannte BMW-Erbin Susanne Klatten.

Wichtigster Absatzmarkt Halbleiterindustrie

Die Verbundwerkstoffe und Grafiterzeugnisse von SGL Carbon werden unter anderem in der Luft- und Raumfahrt, in der Automobil-Industrie und im Maschinenbau verwendet. Allein mit dem Geschäftsbereich „Graphite Solutions“ erwirtschafteten die Wiesbadener 2020 gut 400 Millionen € – fast die Hälfte des Konzernumsatzes.

Der wichtigsten Absatzmarkt des Unternehmens ist mittlerweile die Halbleiterindustrie. Die Produkte, die SGL für diesen Markt herstellt, sind nur selten sichtbar, aber im Alltag vieler Menschen indirekt präsent. So fertigt das Unternehmen spezielle Tiegel, in denen das Halbleiter-Element Silizium geschmolzen wird, das in Handy- und Computerchips verbaut wird.

Mit Sparprogramm aus der Krise

Strukturelle Veränderungen in den Abnehmerbranchen und ein schwaches Management haben SGL Carbon über Jahre schleichend in eine tiefe Krise geritten. Die Corona-Pandemie tat schließlich ihr Übriges. Der Niedergang ist abzulesen an der Kursentwicklung der SGL-Aktie: Von 50 € Ende 2011 ging es stetig abwärts, bis die Talfahrt schließlich im März 2020 bei 2 € endete.

Kurz darauf nahm Torsten Derr als neuer Vorstandsvorsitzender bei SGL die Zügel in die Hand und hat den angeschlagenen Konzern zügig umgekrempelt. Seit 2021 ist der Kohlenstoff- und Grafitspezialist in vier Geschäftsfelder unterteilt, um eine klarere Steuerung zu ermöglichen. Im Zuge der Umstrukturierung will das neue Management auch rund 500 Stellen abbauen – knapp ein Zehntel der Belegschaft.

Das Programm soll bis 2023 Einsparungen von mehr als 100 Millionen € bringen im Vergleich zu 2019. Zudem plant der Vorstand, in den kommenden Jahren schrittweise Schulden abzubauen und die Liquidität zu erhöhen. Auch bei diesen Zielen befindet sich der SDAX-Konzern auf einem aussichtsreichen Weg.

Gutes Jahr 2021

Das Sparprogramm hat die Effizienz der SGL Carbon SE signifikant erhöht und einen wesentlichen Teil dazu beigetragen, dass sich die Ergebnisse der Wiesbadener 2021 positiv entwickelt haben. So ist das bereinigte EBITDA im Vergleich zum Vorjahr um etwa 60 % auf 108,5 Millionen € gestiegen. Für das Gesamtjahr hat sich das Unternehmen beim Umsatz rund 1 Milliarde € und beim bereinigten EBITDA eine Spanne zwischen 130 und 140 Millionen € vorgenommen.

Durch die erfreuliche Umsatz- und Ergebnisentwicklung hat sich für den Konzern auch an der Börse das Blatt gewendet. Mit einem Kursplus von über 100% gehört der Kohlefaser-Spezialist 2021 im SDAX zu den Gewinnern des Jahres. Begleitet von zurückhaltenden Analystenstimmen hat der Kurs zum Jahresende hin jedoch merklich nachgegeben. Offenbar bremst die Aktie die Sorge, wonach der allgemeine Kostendruck dem Vorstand doch noch einen Strich durch die Rechnung machen könnte.

Neue Wachstumsmärkte sorgen für Kursfantasie

Trotz gestiegener Preise für Rohstoffe, Energie, Transport und Logistik bleiben die Wiesbadener mit Blick auf die kommenden Jahre jedoch zuversichtlich – aus guten Gründen. So hat CEO Derr für SGL neue Wachstumsmärkte ausgemacht, darunter etwa den zunehmenden Bedarf an Grafitanodenmaterial für E-Auto-Batterien oder auch den Einsatz von Karbonfasern bei immer größer werdenden Rotorblättern von Windrädern. Zudem wird die Chip-Industrie ungeachtet der aktuellen Engpässe langfristig wachsen. Als Zulieferer für die Produktion sieht sich SGL Carbon entsprechend gut aufgestellt.

Weitere Ergebnissteigerungen sind somit in den kommenden Jahren wahrscheinlich. Hinzu kommt: Sobald das Unternehmen „nachhaltig profitabler arbeitet“, plant es „die Zahlung einer ertragsabhängigen Dividende“, heißt es in einer Konzernmitteilung. Das macht das nach wie vor nicht billige SGL-Papier (KGV = 31) langfristig zu einem spannenden Investment.

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