27.05.16 / 13:01

SGL Carbon: Deutsche Aktien weiter im M&A-Fieber

Gerüchten zufolge ist mit SGL Carbon (WKN: 723530) ein weiterer deutscher Technologie-Konzern ins Visier chinesischer Investoren geraten. Großaktionärin Susanne Klatten, ebenfalls Ankeraktionärin bei BMW (WKN: 519000), soll nicht abgeneigt sein.

Deutsche Aktienhändler erleben aktuell eine hektische Zeit auf dem Börsenparkett: Kaum vergeht ein Tag, an dem nicht ein deutsches Unternehmen mit M&A-Aktivitäten in Verbindung gebracht wird. Heute ist es SGL Carbon, an dem der staatliche Chemiekonzern ChemChina konkretes Interesse besitzen soll. Mit Ankeraktionärin Susanne Klatten soll es schon konkrete Gespräche gegeben haben.

Unglücklicher Strategie-Schwenk hat SGL Carbon in Schieflage manövriert

Zu guten Zeiten wurden für den einstigen Börsenstar über 45 Euro pro Aktie gezahlt, zuletzt aber gerade einmal noch rund 11,70 Euro. SGL Carbon, bekannt geworden durch die Rotorblattproduktion und das Carbonfasergeschäft, ist in den letzten Jahren immer stärker ins Schlingern geraten. Das Unternehmen  schreibt seit Jahren rote Zahlen, das Eigenkapital ist stark angegriffen und ein Turnaround ist nicht in Sicht.

Schuld daran ist ein Strategieschwenk aus Ende 2013, als die SGL Carbon sich mit dem Verkauf der 100%igen Tochtergesellschaft SGL Rotec GmbH & Co. KG komplett aus der Rotorblattproduktion verabschiedete und sich anschließend nur noch auf das Hauptgeschäft Grafitelektroden fokussierte. Ein ruinöser Preiskampf in diesem Bereich hat mittlerweile das stattliche Eigenkapital schmelzen lassen, wie ein Eis unter der Sonne Mallorcas.

Verkauf strategisch sinnvoll

Die Organe der SGL Carbon werden um einen Verkauf der Gesellschaft, zumindest um das des Grafitelektrodengeschäfts, nicht drum herum kommen. Es sei denn Ankeraktionäre wie Susanne Klatten wären bereit, weiter frisches Eigenkapital in das Unternehmen zu pumpen. Einen solchen Schritt schätzen wir aufgrund der unklaren Zukunftsperspektiven aber derzeit als unrealistisch ein.

Der Chemchina-Konzern, der bereits vor fünf Jahren eine Beteiligung an Elkem eingegangen ist, würde mit einer (Teil-)Übernahme sein eigenes Grafitelektrodengeschäft stärken. Eine klassische Win-Win-Situation für beide Seiten. Die Spekulationen dürften weiter anhalten und in den kommenden Tagen den Kurs stärker bewegen.

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