Qualcomm: Auf und nieder, immer wieder…

von (sh)  /   23. Mai 2019, 21:41  /   unter Dividenden-Aktien, Technologie-Aktien  /   Keine Kommentare

Lange Zeit war die Aktie des Chiphersteller Qualcomm (WKN: 883121) eher ein Underperformer an der NASDAQ. Grund hierfür war insbesondere ein Rechtsstreit mit Großkunde Apple. Dabei verklagte Apple seinen Zulieferer wegen unlauterer Geschäftspraktiken, worauf Qualcomm mit einer Gegenklage wegen Patentverletzungen reagierte. Insbesondere in Deutschland, vor dem Landgericht München, bekam Qualcomm Recht – nachdem ein Gutachter ausgesagt hatte, dass er „nicht wisse, wie Apple bestimmte Funktionen realisiert haben wolle ohne dabei Qualcomm Patente zu verletzen“.

Das wichtigste Gerichtsverfahren hätte jedoch eigentlich in den USA stattfinden sollen. Doch kurz bevor es zur Eröffnung des Prozesses kam, einigten sich Apple und Qualcomm plötzlich einvernehmlich (wir berichteten). Im Zuge der Einigung wurde einerseits vereinbart, dass Qualcomm mehrere Jahre lang wichtige 5G-Chips an Apple liefern soll. Sondern andererseits auch, dass Apple im Gegenzug eine Milliarden US-Dollar Zahlung an Qualcomm zu leisten habe. Ansonsten haben beide Konzerne alle Rechtsstreitigkeiten für beendet erklärt.

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Wie schon im oben verlinkten Artikel geschrieben, hat Apple Qualcomm mit dieser außergerichtlichen Einigung geadelt. Denn auf eine solche Einigung wäre man in Cupertino nicht eingegangen, wenn man nicht auf die 5G-Chips von Qualcomm angewiesen wäre. Da passt es dann auch ins Bild, dass kurz nach dieser Einigung von Apple und Qualcomm der eigentlich als Zulieferer von 5G-Chips vorgesehene, weltgrößte Chiphersteller, Intel die Einstellung dieser Sparte verkündete.

Nur die US-Handelsaufsichtsbehörde FTC blieb weiter am Ball

Anders als Apple, die letztlich auf die 5G-Chips von Qualcomm angewiesen sind, machte die US-amerikanische Handelsaufsichtsbehörde FTC (Federal Trade Commission) jedoch keinen Rückzieher vor Gericht. Vielmehr blieb die Behörde am Ball und zog die Klage wegen unlauterer Geschäftspraktiken durch. Ein wenig überraschend folgte das US-Gericht unter Vorsitz von Richterin Lucy Koh der Argumentation der FTC und entschied, dass Qualcomm gewisse Geschäftspraktiken ändern müsse.

So sah die Richterin eine monopolartige Marktstellung des Unternehmens, dass dieses zu seinen Gunsten ausnutze. Mit Bekanntgabe dieses Urteils begann die Aktie logischerweise deutlich zu fallen. War sie in den Wochen zuvor, aufgrund der Einigung mit Apple, noch von unter 60,00 auf über 90,00 US-Dollar gestiegen, fiel sie nun wieder unter die Marke von 70,00 US-Dollar zurück. Da half auch die Nachricht, dass Qualcomm umgehend Berufung gegen dieses Urteil eingelegt habe, nichts mehr.

Lucy Koh – die US-Richterin, die mit ihrem Urteil einen erneuten Kursrutsch der Qualcomm Aktie auslöste

Kursverlauf nur auf den ersten Blick rational…

Insgesamt ist Qualcomm somit ein gutes Beispiel für die generelle Verrücktheit an den Börsen dieser Welt zurzeit, die an den US-Börsen besonders ausgeprägt zu sein scheint. So mieden die Anleger an der NASDAQ das Papier lange Zeit aufgrund der Unsicherheit bzgl. der gerichtlichen Auseinandersetzung mit Apple. Als es hier dann zu einer Einigung gekommen war, wurde die Aktie dann gekauft als gäbe es morgen keine Papiere mehr, völlig ungeachtet des noch immer anhängigen Gerichtsverfahrens durch die FTC.

Dabei war dieses, wie wir spätestens heute wissen, nicht weniger wichtig. Wenngleich natürlich das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen ist. Auch die Analystengilde hat sich hier, mal wieder, nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Denn nach der Einigung mit Apple kamen die Analysten mit ihren Kaufempfehlungen kaum noch hinterher, so dass die meisten Analysten inzwischen Kursziele von 100,00 US-Dollar und mehr für den Titel ausgegeben haben. Das habe ich zwar auch, allerdings schon vor der Einigung mit Apple.

Umsatz- und Gewinnentwicklung zuletzt und im laufenden Geschäftsjahr 2019e

Schauen wir uns mit diesem ganzen Wissen im Hinterkopf mal die Umsatz- und Gewinnentwicklung des Konzerns in den vergangenen Jahren an. Dazu muss man wissen, dass das Geschäftsjahr von Qualcomm immer zum 1. Oktober beginnt und somit per 30. September endet. So hat der Konzern im Geschäftsjahr 2015 (per 30. September) noch einen Jahresumsatz in Höhe von ca. 25,28 Mrd. US-Dollar erzielt.

Bis zum Geschäftsjahr 2018 sank dieser sukzessive auf zuletzt nur noch ca. 22,73 Mrd. US-Dollar. Dies entsprach einem Umsatzrückgang um gut -10% respektive ca. -3,25% p.a. Zugleich sank auch der Nettogewinn, mit Ausnahme des Geschäftsjahres 2016, letztlich immer weiter, was in 2018 sogar zu einem Nettoverlust in Höhe von ca. -4,86 Mrd. US-Dollar führte. Der Grund hierfür waren jedoch negative Einmaleffekte aufgrund der geplatzten Übernahme von NXP Semiconductor.

Qualcomm ist der unangefochtene Weltmarktführer im Bereich der 5G-(Modem-)Chips

In den ersten sechs Monaten des bereits laufenden Geschäftsjahr 2019 fuhr Qualcomm einen Umsatz in Höhe von gut 9,82 Mrd. US-Dollar sowie einen Nettogewinn von gut 1,73 Mrd. US-Dollar ein. Damit sollte es im Gesamtjahr 2019 zwar nur noch zu einem Jahresumsatz von weniger als 20 Mrd. US-Dollar. Dank der Zahlungen von Apple werden es dann jedoch am Ende wohl mehr als 24 Mrd. US-Dollar. Zugleich dürfte der Nettogewinn bei über sechs Mrd. US-Dollar liegen.

Fazit: Die Einigung mit Apple macht Aktie zum klaren Kaufkandidaten!

So schlecht das Urteil von Richterin Koh aus Sicht von Qualcomm und seinen Anteilseignern zuletzt auch gewesen sein mag, die Einigung mit Apple ist deutlich wichtiger. So wird Qualcomm schon im laufenden Geschäftsjahr massiv von den Milliardenzahlungen des Smartphone-Giganten profitieren. Zumal man bei diesen Zahlungen nicht wirklich von Einmaleffekten sprechen kann, denn der Vertrag läuft ja letztlich über sechs Jahre.

Aktuell wird an der Börse somit ein voraussichtlicher Jahresumsatz von gut 24 Mrd. US-Dollar sowie ein voraussichtlicher Nettogewinn von gut 6 Mrd. US-Dollar nur noch mit einer Market Cap. von ca. 81,5 Mrd. US-Dollar belegt. Dies entspricht einem KUV 2019e von ca. 3,37 sowie einem KGV 2019e von ca. 13. Dies ist, dank der deutlichen Kursverluste infolge des Urteils von Richterin Koh, wiederum extrem günstig.

Aber Qualcomm hat darüber hinaus noch mehr Chips zu bieten…

Wahrscheinlich ist Qualcomm damit jetzt wieder eine der, wenn nicht sogar die günstigste, Chipaktie an der NASDAQ. Vor diesem Hintergrund würde ich den Titel zu Kursen unterhalb von 70,00 US-Dollar einsammeln und halte an meinem Kursziel von 100,00 US-Dollar weiterhin fest. Allerdings war die Aktie schon zuletzt, aufgrund diverser Gerichtsstreitigkeiten, ein Spielball nervöser Anleger und wird das wohl noch eine Zeit lang bleiben. Wer kauft, braucht daher sehr gute Nerven, wird aber am Ende höchstwahrscheinlich auch entsprechend reich entlohnt.

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