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Sascha / 14.11.19 / 15:41

Qiagen: Übernahmegerüchte beflügeln die Aktie heute, doch...

Die Aktie des deutsch-niederländischen Biotechausrüsters Qiagen (WKN: A2DKCH) gehört heute zu den größen Gewinnern am Aktienmarkt. Grund hierfür sind Übernahmegerüchte, über die zuerst der US-Finanznachrichtendienst Bloomberg berichtet.

Laut Bloomberg prüft das Management von Thermo Fisher Scientific derzeit die Vorlage eines Übernahmeangebots für Qiagen. Der Kaufpreis könnte demnach bei acht Milliarden US-Dollar liegen, was rund 35 US-Dollar je Aktie (knapp 32 Euro je Aktie) entsprechen würde.

Die Aktie von Qiagen, übrigens auch mal wieder ein Überlebender des Neuen Marktes, macht daraufhin heute natürlich einen Satz nach oben. So notiert der Titel aktuell mit knapp 33,50 Euro im europäischen Handel sogar schon knapp 5% höher als das angeblich kommende Übernahmeangebot. Vor diesem Hintergrund stellt sich natürlich die Frage, ob man die Aktie heute, in diese kleine Euphorie hinein, nicht verkaufen sollte.

Da bisher noch kein konkretes Übernahmeangebot für Qiagen durch Thermo Fisher Sientific vorliegt, müssen wir zur Beurteilung dieser Frage wohl oder übel auf die drei Faktoren fundamentale Bewertung, charttechnische Verfassung sowie das Sentiment gegenüber der Aktie zurückgreifen. Schauen wir uns daher an, wie die Aktie auf Basis dieser drei Faktoren aktuell zu bewerten ist!

Fundamental betrachtet kein Schnäppchen mehr

Zuletzt konnte Qiagen seinen Jahresumsatz von knapp 1,3 Mrd. auf gut 1,36 Mrd. Euro und somit um mehr als +5% steigern. Zugleich gelang es dem Unternehmen jedoch beim Nettogewinn um mehr als +30% zu wachsen. Dies zeigt, dass es bei Qiagen zuvor ein enormes Kostensenkungspotenzial gab, dass das Management sehr gut adressieren konnte. Dennoch nahm der langjährige CEO Peer M. Schatz kürzlich seinen Hut.

Vielleicht auch deshalb wurde der Konkurrent Thermo Fisher Scientific auf den Konkurrenten, der tatsächlich sehr gut ins eigene Portfolio passen würde, aufmerksam. Allerdings stellt sich die Frage, ob man tatsächlich dazu bereit ist gut den 22fachen Jahresnettogewinn, der zudem zuletzt ja noch durch entsprechende Kostensenkungsmaßnahmen aufgebessert wurde, auf den Tisch zu blättern. Ich jedenfalls denke, dass die Bewertung von Qiagen damit nahezu ausgereizt erscheint.

Charttechnisch zuletzt wieder deutlich verbessert, aber...

Aus charttechnischer Sicht hat die Aktie zuletzt eine wilde Berg- und Talfahrt hinter sich. So kletterte der Titel noch bis in den April hinein auf rund 37 Euro. Dann setzte eine erste, nach einer solchen Kursrally durchaus normale, Korrektur ein, die die Aktie auf unter 31 Euro zurückführte. Anschließend erreichte sie dann erneut fast die vorherigen Hochs, konnte diese jedoch nicht mehr übertreffen, was letztlich aus charttechnischer Sicht zur Ausbildung eines Doppeltopp führte.

Vollendet wurde diese Doppeltopp-Formation schließlich dann mit dem Rutsch unter 29 Euro, womit das charttechnische Kursziel bei rund 21 Euro lag. Tatsächlich fiel die Aktie, insbesondere im Zuge der Ankündigung des Abgangs des CEOs Peer M. Schatz, dann auf etwa 22,50 Euro. Ausgehend von diesem Tief befindet sie sich zuletzt jedoch wieder auf Erholungskurs. Dabei hing sie in den vergangenen Tagen am charttechnischen Widerstand bei 29 Euro fest, der nun jedoch – dank der Übernahmegerüchte – geknackt werden konnte.

Damit hat die Aktie ein kurzfristiges charttechnisches Kaufsignal mit Kursziel 35 Euro geliefert, das heute jedoch schon beinahe abgearbeitet werden kann. Insofern würde es mich aus rein charttechnischer Sicht nicht wundern, wenn – sollte Thermo Fisher Scientific wirklich ein Übernahmeangebot vorlegen wollen – das Übernahmeangebot letzten Endes bei 35 Euro je Aktie liegen würde. Womit Qiagen mit rund acht Milliarden Euro und nicht acht Milliarden US-Dollar bewertet würde...

Fazit: Aktie weist kein gutes Chance/Risiko-Verhältnis mehr auf!

Bisher steht ja noch nicht mal fest, ob es zu einem Übernahmeangebot kommen wird oder nicht. Sollte es dazu kommen, dürfte dieses irgendwo zwischen 35 US-Dollar (knapp 32 Euro) und 35 Euro je Aktie liegen. Aktuell notiert der Titel mit knapp 33,50 Euro nahezu punktgenau in der Mitte dieser genannten Range. Im absoluten „Best Case“ wären hier also noch knapp +5% zu holen, wobei man dafür seine Aktien aber auch letzten Endes an den Bieter, also wohl Thermo Fisher Scientific, veräußern muss. An der Börse jedenfalls wird die Aktie kaum bis genau 35 Euro steigen.

Demgegenüber steht jedoch das Risiko, dass sich Thermo Fisher Scientific, auch aufgrund der genannten fundamentalen Fakten, doch noch gegen ein Übernahmeangebot entscheidet oder dieses niedriger als 35 Euro je Aktie ausfällt. Einer Kurschance von, im absoluten „Best Case“, etwa +5% steht hier also ein erhebliches Rückschlagspotenzial gegenüber. Damit ist das Chance/Risiko-Verhältnis (CRV) aktuell einfach zu schlecht für einen Kauf der Aktie.

Wer die Aktie jedoch bereits in seinem Portfolio hat, muss sie jetzt nicht zwingend sofort verkaufen, wenngleich die Euphorie heute schon sehr groß erscheint. Generell wären daher zumindest Teilgewinnmitnahmen sicherlich kein Fehler. Das einzige, was hier den Kurs derzeit jedenfalls noch weiter befeuern könnte, wäre ein Übernahmekampf um Qiagen. Allerdings fällt mir außer Thermo Fisher Scientific aktuell kein anderer potenzieller Kaufinteressent ein.


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