Zur Rose-Aktie: Wie ist die Kursexplosion zu werten?

03.02.23 um 18:19

Aktionäre und Interessenten der Zur Rose Group reiben sich die Augen. Nein, es ist kein Scherz: Die Zur Rose-Aktie ist am Freitag im frühen Handel um +38% auf 54 SFR gesprungen, nachdem der Konzern den Verkauf seines Schweiz-Geschäft gemeldet hat. Wie ist dieser starke Kursanstieg zu werten?

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Die Schweizer Zur Rose Group mit Hauptsitz in Frauenfeld ist Europas größte E-Commerce-Apotheke und betreibt auch in Südeuropa den führenden Marktplatz für apothekenübliche Gesundheits- und Pflegeprodukte. In Deutschland ist sie mit der Marke DocMorris vertreten. An der Börse hat das Unternehmen derzeit einen Wert von 611,8 Millionen SFR.

Schweiz-Geschäft verkauft

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Der Versandkonzern verkauft das gesamte Schweiz-Geschäft an die Migros-Tochter Medbase. Der Kaufpreis beträgt 360 Millionen SFR und ist in mehreren Tranchen fällig. Er ist auch an das Erreichen von EBITDA-Zielen in 2023 gebunden.

Konzentration auf B2C-Kerngeschäft

Zur Rose wird sich damit zentral auf das Versand-Geschäft in Deutschland konzentrieren, wo die Online-Apotheke bereits heute den größten Umsatzanteil erwirtschaftet. Das Gesamtmarktvolumen der Bundesrepublik beläuft sich auf rund 50 Milliarden €.

Zur Rose-Chef Walter Hess kommentierte die Fokussierung so:

Mit klarem Fokus auf unser B2C-Kerngeschäft werden wir die Patienten und Kunden noch stärker ins Zentrum stellen. Zudem wird unsere hervorragende Position für den bevorstehenden E-Rezept-Rollout in Deutschland durch diese Transaktion noch weiter gestärkt.

Zur Vereinfachung der Rezeptausstellung plant das Bundesgesundheitsministerium die Einführung von elektronischen Rezepten (E-Rezept). Erste Versuche wurden bereits Ende 2022 durchgeführt. Bis zur endgültigen Freigabe dürfte es zwar noch etwas dauern, aber das Volumen dürfte danach rasant wachsen. Das E-Rezept-Rollout dürfte die gesamte Branche der Versandapotheken befeuern.

Geschäftsentwicklung positiv

Die zuletzt gemeldeten Geschäftszahlen der Zur Rose Group sind insgesamt positiv zu bewerten. Der Umsatz im ersten Halbjahr 2022 mit 823,9 Millionen SFR lag geringfügig unter dem des Vorjahreszeitraums.

Die Ertragslage hat sich zuletzt verbessert: Das Unternehmen arbeitet zwar noch defizitär, der bereinigte EBITDA-Verlust reduzierte sich jedoch um 37 Millionen SFR auf -49,2 Millionen SFR.

Break-Even-Programm forciert

Um die Margen zu steigern, hat der Schweizer Konzern das Break-Even-Programm auf den Weg gebracht. Kernelemente davon sind die Steigerung der Produktivität, Kosteneinsparungen sowie Marketingoptimierung.

In der Ergebnisrechnung soll sich das insgesamt in Höhe von 130 Millionen SFR bemerkbar machen. Erste Erfolge machen sich in der Bruttomarge sichtbar, die um 0,6 Prozentpunkte auf 14,8% gestiegen ist. Bei voller Entfaltung dieser Maßnahmen will der Medikamente-Händler schon in diesem Jahr den Break-Even-Point erreichen.

Auswirkungen des Deals auf die Aktie

Das Hauptproblem der Zur-Rose-Gruppe ist die geringe Rendite. Sowohl operativ als auch untern Strich hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren einen Verlust erzielt. Die schlechten Ergebnisse wirkten sich verheerend auf den Aktienkurs aus. Im vergangenen Jahr stürzte das Papier um rund -83% ab.

Ob der jüngste Kursanstieg nachhaltig ist, ist zu bezweifeln. Das sehen auch Analysten so, die ihre bisherigen Kursziele, die im Konsens bei 38 SFR liegen, nicht erhöht haben.

Kurs ist zu hoch

Meiner Meinung nach ist der Kurs der Zur-Rose-Aktie zu hoch für einen Einstieg. Der jüngste Kurssprung ist zwar berechtigt, da das Unternehmen jetzt nahezu schuldenfrei ist; der Ausbau des B2C-Bereiches dürfte aber hohe Investitionen mit sich bringen. Ob die Gewinnschwelle 2023 erreicht wird, muss sich ebenfalls noch zeigen.

Der Kurs dürfte sich daher in den nächsten Tagen wieder korrigieren.

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