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Uniper: Staatshilfe naht – jetzt zuschlagen?

Simon / 05.07.22 / 12:00

Die Aktie des Energieversorgers Uniper (WKN: UNSE01) stürzt am Montag erneut steil abwärts – diesmal um mehr als -27%. Bis zum Mittag erholt sich der Kurs leicht um +2,2% auf 11,56 €. Noch am heutigen Dienstag will der Bund laut Medienberichten die Gesetzesgrundlage dafür schaffen, um das MDAX-Unternehmen mit Krediten und einem staatlichen Einstieg vor der Insolvenz zu bewahren. Ist die Rettung des Gashändlers eine Chance für mutige Anleger?

Uniper erzeugt Strom aus Kohle und Gas und zählt zu den drei größten Gashändlern in Deutschland. Der Düsseldorfer Konzern ist 2016 durch Abspaltung aus dem Essener Energiekonzern E.ON entstanden. Seit März 2020 gehört das Unternehmen mehrheitlich dem finnischen Energiekonzern Fortum.

Seit Ende 2021 kämpft der MDAX-Konzern aufgrund der enorm gestiegenen Gaspreise mit Liquiditätsproblemen. Die Situation hat sich durch den Krieg in der Ukraine und die in der Folge stark reduzierten Gaslieferungen aus Russland nochmals deutlich verschlechtert.

Vergangenen Mittwoch teilte das Unternehmen schließlich mit, dass es seine Gewinnziele für das erste Halbjahr kassiert und „bis auf Weiteres keinen neuen Ausblick“ gebe. Tags darauf stürzte die Uniper-Aktie um knapp -15% ab.

Bund arbeitet an Schutzschirm für Uniper

Am Montag ging es schließlich ein weiteres Mal steil abwärts – diesmal um mehr als -27% auf 11,32 €. Der Auslöser war ein Bericht des Spiegels, wonach das Bundeswirtschaftsministerium „unter Hochdruck“ an einem Schutzschirm für den gebeutelten Gashändler arbeite.

Der Bund will demnach eine Rechtsgrundlage schaffen, um den von der Insolvenz bedrohten MDAX-Konzern retten zu können. Am Sonntagabend haben sich die Spitzen der zuständigen Ministerien den Angaben zufolge auf einen Gesetzesentwurf geeinigt, der es dem Staat ermöglicht, Kredite oder Bürgschaften für ein angeschlagenes Energieunternehmen zu gewähren – oder selbst als Anteilseigner einzuspringen.

Die Regelungen ähneln jenen, mit denen der Bund Unternehmen wie Lufthansa und TUI während der Corona-Pandemie vor dem Ruin bewahrt hat. Nach Bloomberg-Informationen wird es sich bei den Stabilisierungsmaßnahmen für Uniper um eine Mischung aus Krediten und der Anteilsübernahme am Unternehmen handeln. Es könnten demnach Hilfsgelder von bis zu 9 Milliarden € fließen, berichtete der Nachrichtendienst unter Berufung auf eine mit der Sache vertraute Person.

Idealerweise soll die Gesetzesänderung noch am heutigen Dienstag vom Bundeskabinett gebilligt werden, damit der Bundestag das Werk noch in dieser Woche, der letzten vor den Sommerferien, als Anhang des sogenannten Ersatzkraftwerke-Bereitstellungsgesetzes beschließen könne, heißt es weiter in dem Spiegel-Bericht. Der staatliche Schutzschirm soll bis 2027 befristet sein.

Die Bundesregierung arbeitet übereinstimmenden Medienberichten zufolge außerdem an einem Umlagesystem, das mögliche drastische Preissprünge gleichmäßiger auf Gaskunden verteilen soll. Auch dieser Mechanismus soll heute quasi huckepack durchs Parlament gebracht werden.

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Uniper-Kollaps bedroht gesamtwirtschaftliches Wachstum

Es wird deutlich, dass die Zeit drängt, da Uniper das Wasser offensichtlich bis zum Halse steht. Während sich der Gashändler derzeit ersatzweise mit deutlich teurerer Ware aus nicht-russischen Quellen eindeckt, muss er weiterhin Lieferverträge mit Stadtwerken und Industriekonzernen bedienen, die langfristig zu weitaus günstigeren Konditionen geschlossen wurden.

Im Falle einer Insolvenz von Uniper drohe ein fatale Kettenreaktion auf den Energiemärkten, warnte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, und verglich ein solches Ereignis mit dem Zusammenbruch der Großbank Lehman Brothers zu Beginn der Finanzkrise 2008.

Habecks Aufrufe zur Sparsamkeit haben bereits Wirkung gezeigt. Laut Daten des Bundesverbands für Energie- und Wasserwirtschaft wurde in Deutschland im Mai rund ein Drittel weniger Gas verbraucht als im Vorjahreszeitraum.

Dennoch glaube ich, dass in der öffentlichen Wahrnehmung bislang noch völlig unterschätzt wird, wie tiefgreifend die Wertschöpfungsketten miteinander verwoben sind und wie stark die konjunkturellen Bremseffekte wären, wenn Firmen Produkte nicht mehr liefern können, weil ihnen das Gas ausgeht.

Der Chemieriese BASF etwa stellt als größter Gasverbraucher Deutschlands wichtige Vorprodukte für fast alle Industrien her. Wenn den Gießereien, die Motorblöcke für die Automobilindustrie herstellen, das Gas ausgeht, werden keine Autos mehr gebaut.

Angesichts der potenziell verheerenden Folgen einer Uniper-Insolvenz für die deutsche Wirtschaft halte ich die geplanten Rettungsmaßnahmen des Bunds für angemessen. Die Einbußen der großen Gasversorger werden damit de facto sozialisiert, um größeren Schaden für die Wohlfahrt jedes einzelnen Bürgers abzuwenden.

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Aktie rigoros meiden

Für Uniper-Aktionäre sind die Entwicklungen der vergangenen Tage starker Tobak: Seit Mittwoch rutschte der Titel um -30% ab, seit der Eskalation des Ukraine-Konflikts um über -70%. Bis zum Vormittag hat sich jedoch eine leichte Kurserholung um gut +2,2% auf 11,56 € eingestellt.

Neueinsteigern, die jetzt eine Chance wittern, rate ich aber, von dem MDAX-Papier lieber Abstand zu nehmen. Uniper ist derzeit ein Spielball der geopolitischen Entwicklung, deren Ausgang nicht vorhersehbar ist.

Wer bereits investiert ist, sollte ebenfalls darüber nachdenken, eventuell die Reißleine zu ziehen und Verluste zu realisieren. Es dürfte einige Jahre dauern, bis bei dem Konzern auf eigenen Beinen stehend wieder Gewinne sprudeln.

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