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/ 13.08.19 / 11:50

Paragon: Verbrannte Erde nach Gewinnwarnung!

Es ist noch gar nicht so lange her, da gehörte Paragon (WKN: 555869) zu den absoluten Geheimtipps am deutschen Aktienmarkt. Dies war insofern interessant, da das bereits 1988 gegründete Unternehmen noch im Jahr 2009 Insolvenz angemeldet hatte. Und das, obwohl man im Jahr 2000 durch den Börsengang am Neuen Markt eine Menge Geld einsammeln konnte. Aber als Spezialist für Automobilelektronik wollte man nun, im zweiten Anlauf und angesichts des anstehenden Siegeszugs der Elektromobilität, alles besser machen.

Zwar dauerte es ein wenig bis die Anleger diese Story vom großen Comeback kauften. Aber letztlich ließen sie sich doch von den guten Aussichten überzeugen. Zumal Paragon mit der Ausgründung der Tochtergesellschaft Voltabox – einem Hersteller von Batteriesystemen (Akkus) – die Phantasie der Anleger noch weiter befeuerte. Schließlich wollte man die Tochtergesellschaft ebenfalls an die Börse bringen, was letztlich ja auch gelang.

Spätestens hier hätten Anleger dann aber langsam hellhörig und somit skeptisch werden müssen. Denn der Börsengang von Voltabox war bei weitem nicht so erfolgreich wie ursprünglich in Aussicht gestellt. Zwar konnte die Aktie noch am oberen Ende der Bookbuildingspanne emittiert werden und brachte Erstzeichnern Zeichnungsgewinne von mehr als +25%. Doch schon wenige Wochen nach dem Börsengang ging die Aktie dann in eine – bis heute anhaltende – Talfahrt über.

Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR): Vorwürfe der Falschbilanzierung...

Dabei gab es schon zum damaligen Zeitpunkt gute Gründe für die Talfahrt beider Aktien. So hatte nämlich die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) gleich mehrere Fehler in den Bilanzen von Paragon und Voltabox festgestellt. Fast schon frech mutet in diesem Zusammenhang die Aussage von Paragon an, dass man die Sache als erledigt ansehe. Noch frecher jedoch war, dass sowohl Paragon als auch Voltabox noch im Mai die eigenen Prognosen bekräftigte.

So wollte Paragon in 2019e eigentlich einen Jahresumsatz zwischen 230 und 240 Mio. Euro bei einer EBIT-Marge von rund 8% erzielen, was einem EBIT zwischen ca. 18,2 und 19,5 Mio. Euro entsprochen hätte. Bei Voltabox sahen die unternehmenseigenen Planungen für 2019e einen Jahresumsatz zwischen 105 und 115 Mio. Euro bei einer EBIT-Marge zwischen acht und neun Prozent vor, was einem EBIT zwischen 8,4 und 10,35 Mio. Euro entsprochen hätte.

Steht aktuell schwer unter Beschuss: Voltabox Aufsichtsratschef und Paragon CEO und Großaktionär Klaus Dieter Frers

Mutter und Tochter mit Gewinnwarnungen, beide Aktien stürzen ab

Auf Basis der gestern Abend, natürlich mal wieder nachbörslich, veröffentlichten Gewinnwarnungen von Mutter und Tochter sehen die neuen Prognosen nun wie folgt aus: Paragon erwartet in 2019e nur noch einen Jahresumsatz zwischen 200 und 210 Mio. Euro bei einer nunmehr negativen EBIT-Marge. Demnach soll am Ende ein EBIT zwischen -2,0 Mio. und -4,2 Mio. Euro herauskommen.

Voltabox kalkuliert jetzt nur noch mit einem Jahresumsatz zwischen 70 und 80 Mio. Euro bei einer ebenfalls negativen EBIT-Marge. Hier wird das EBIT am Ende wohl zwischen -5,6 Mio. und -7,2 Mio. Euro liegen.Begründet wird diese extrem negative Entwicklung dabei vom Management mit der teilweisen Verschiebung eines Großauftrags an die US-amerikanische Tochter Voltabox of Texas in das Jahr 2020 sowie der Umstellung auf die neueste Technologie bei einem wichtigen Zulieferer, der zu einer Produktionsunterbrechung führen wird.

Anders als bei Varta, laufen die Geschäfte bei Voltabox gegenwärtig nicht rund...

Bei Bilanzunregelmäßigkeiten gilt immer: Finger weg!

Angesichts der Heftigkeit der beiden Gewinnwarnungen stürzen beide Aktien heute völlig zu Recht total ab. So belaufen sich die Kursverluste bei Paragon inzwischen auf ca. -40%, wohingegen sich der Aktienkurs von Voltabox mehr als halbiert hat. Im Prinzip gab es den Vorwurf einer aggressiven Bilanzierung gegen Paragon und Voltabox schon immer, spätestens seit Mai waren dank der DPR Bilanzierungsfehler hochoffiziell bekannt.

Mein Credo lautet, dass ich persönlich die Finger von Aktien lasse, bei denen es Vorwürfe bzgl. der Bilanzierung gibt. Auch deshalb war ich lange Zeit skeptisch bei Wirecard und bin bis heute auch nicht voll überzeugt von dieser Aktie. Die Beispiele Paragon und Voltabox zeigen mir einmal mehr, dass es richtig ist bei Aktien solcher Unternehmen Vorsicht walten zu lassen. Von mir jedenfalls haben Sie niemals eine positive Bewertung von Paragon und/oder Voltabox gelesen.

Leider wird es wohl auch noch längere Zeit dabei bleiben müssen. Denn nach den gestrigen Gewinnwarnungen sind die beiden Aktien zunächst einmal verbrannt. Natürlich kann es sein, dass Daytrader ("Zocker") diese Aktien – angesichts der heutigen massiven Kursverluste – morgen oder in den nächsten Tagen ein wenig hoch kaufen, so dass es zu einer entsprechenden Gegenbewegung kommt. Sollte dies aber so sein, wäre das in meinen Augen nichts weiter als eine nochmalige, vielleicht letzte, sehr gute Verkaufsgelegenheit!

Zugehörige Kategorien: Small CapsTechnologie-Aktien
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Kommentare
Maria Haschemi / 13.08.19 / 13:38 Uhr Ich will Lehr verkaufen. mein Geld will ich von zuständig Bank zurück kriegen ich werde kelage gegen zuständig Bank machen.