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/ 26.09.19 / 17:01

Pantaflix: Management feiert sich wieder einmal selbst, aber...

Auch die, einstmals von einigen als deutsche Antwort auf Netflix gefeierte und folglich an der Börse hochgejubelte, Pantaflix (WKN: A12UPJ) hat heute früh ihre aktuellen Halbjahreszahlen vorgelegt. Wie üblich hat sich das Management um CEO Nicolas Paalzow wieder ein wenig selbst gefeiert. So wird in der entsprechenden Ad hoc-Meldung vom "höchsten, jemals in einem ersten Halbjahr erzielten Umsatzniveau" fabuliert.

Das mag zwar faktisch richtig sein, tatsächlich hat Pantaflix den Quartalsumsatz zuletzt gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum nur von 13,8 Mio. auf 14,5 Mio. Euro und somit um gerade einmal knapp +5,1% gesteigert. Die ungleich größere Netflix hat hier stets ein deutlich stärkeres Umsatz- und sogar Gewinnwachstums ausgewiesen. Wenngleich es der Gesellschaft zugleich gelungen ist ihre Verluste einzudämmen, wird letzten Endes immer noch ein Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von -1,1 Mio. Euro (nach -3,1 Mio. Euro im Vorjahr) ausgewiesen.

Doch ich möchte meinen Tenor gegenüber Unternehmen und Aktie nicht zu negativ werden lassen. So gibt es zumindest einige positive Dinge, wenngleich diese in erster Linie die Film- und Serienproduktionen der Tochtergesellschaft Pantaleon Films betreffen. Zumal man hier mit der sechsteiligen Serie "Das letzte Wort" sogar erstmals eine Produktion für das Vorbild Netflix produzieren darf.

Neue Vorstandsmitglieder, die alten Probleme

Zudem betont Pantaflix in der Ad hoc-Meldung die solide finanzielle Ausstattung dank liquider Mittel in Höhe von 9,1 Mio. Euro und feiert die beiden neuen Vorstandsmitglieder Thilo Schlüter (COO) und Manuel Uhlitzsch, die ausgewiesene Digital- und Medienexperten sowie erfahrene Business-Developer seien. Doch meines Erachtens bringen solche neuen Köpfe nichts, wenn der Gesellschaft letztlich doch das Geld für entsprechende Investitionen fehlt.

So gibt beispielsweise Netflix über 2,5 Mrd. US-Dollar im Jahr nur für das Marketing aus. Die 9,1 Mio. Euro, die Pantaflix selbst als "solide Finanzausstattung" bezeichnet, verbrennt Netflix also nur durch Marketingausgaben in weniger als zwei Tagen. Vor diesem Hintergrund wird Pantaflix auch niemals ein ernsthafter Wettbewerber für Netflix werden können. Ohne diese Phantasie jedoch handelt es sich bei der Gesellschaft schlicht und einfach um eine Film- und Serienproduktionsfirma.

Die beiden neuen Vorstandsmitglieder bei Pantaflix, Thilo Schlüter (COO) (links) und Marcel Uhlitzsch (rechts)

Das meine ich gar nicht mal negativ. Nur werden solche Unternehmen eben auch mit ganz anderen Maßstäben bewertet. So erscheint mir eine Bewertung mit einem KUV von eins sowie einem KGV von 12-15 absolut angemessen. Zuletzt erzielte Pantaflix im Geschäftsjahr 2018 jedoch einen Jahresumsatz von gut 35 Mio. Euro bei weiterhin anhaltenden Verlusten. Im absoluten "Best Case" könnte man daher vielleicht einen Börsenwert von rund 35 Mio. Euro rechtfertigen.

Fundamental fairer Wert und charttechnische Verfassung der Aktie

Leider sind wir von einem solchen "Best Case" jedoch meilenweit entfernt. So schreibt der Vorstand selbst, dass es aufgrund von zeitlichen Verschiebungen zu entsprechenden Schwankungen in der Geschäftsentwicklung kommen kann. Ferner ist Pantaflix noch immer meilenweit von der Erreichung einer nachhaltigen Profitabilität entfernt. Zu guter Letzt haben wir auch keine Megahausse an der Börse, die eine absurd hohe Bewertung von Smallcaps ermöglichen würde.

Auch aus rein charttechnischer Sicht gibt es aktuell leider wenig Hoffnung für die Aktie und somit auch die Aktionäre. So mag der kleine Kurssprung zuletzt nett gewesen sein, der übergeordnete Abwärtstrend konnte dadurch jedoch nicht geknackt werden. Daher drohen auch aus rein charttechnischer Sicht bald wieder deutlich Kursrückgänge in der Aktie. Konkret würde hier ein Rückgang unter die Marke von 1,75 bis 1,80 Euro zur Generierung eines Verkaufssignal führen.

Eigentlich wollte Pantaflix die "deutsche Antwort auf Netflix" werden. Doch daraus wurde und wird wohl nichts mehr.

Fundamental erscheint die Aktie, gerade im gegenwärtigen Marktumfeld, mit einer Market Cap. von gut 31 Mio. Euro schon sehr hoch bewertet zu sein. So ließe sich aus fundamentaler Sicht durchaus ein Kursrückgang auf 1,50 Euro rechtfertigen. Charttechnisch sieht es nicht viel besser aus. So würde ein Rücksetzer unter 1,75 bis 1,80 Euro ein charttechnisches Verkaufssignal mit Kurszielen bei 1,60 Euro sowie später 1,50 und sogar 1,20 Euro generieren. Mittel- bis langfristig rechne ich persönlich daher hier sogar mit Kurszielen unterhalb von einem Euro!

Zugehörige Kategorien: Small CapsTechnologie-Aktien
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