ISRA Vision: Achtung, fertig – los?!

von (sh)  /   27. Februar 2019, 22:38  /   unter Dividenden-Aktien, Small Caps, Technologie-Aktien  /   Keine Kommentare

Die Aktie der ISRA Vision AG (WKN: 548810) gehört zu den zahlreichen Überlebenden des Neuen Marktes, aus denen langfristig etwas geworden ist. Meines Erachtens zeigen die Entwicklungen von Unternehmen respektive Aktien wie Bechtle, MorphoSys, Nemetschek, Qiagen, Sartorius oder United Internet nämlich, dass dieser besser als sein – am Ende ramponierter – Ruf war.

Rekapitulieren wir die damalige Zeit nochmal kurz: Am Neuen Markt waren zu dessen Hochzeit mehr als 350 Aktien gelistet. Es gab leider auch einige wenige Betrugsfälle, ich erwähne an dieser Stell nur mal ComROAD oder Phenomedia („die Moorhuhn Aktie“). Natürlich verfügten auch nicht alle Unternehmen, deren Aktien dort gelistet wurden, über ein nachhaltig erfolgreiches Geschäftsmodell.

Schließlich handelte es sich um ein Börsensegment, dass Startups den Weg an die Börse ebnen sollte – und bekanntlich scheitern 90% aller neu gegründeter Unternehmen in den ersten fünf Jahren. Wenn man sich das mal klar macht, sieht man schon, dass der Neue Markt besser als sein Ruf war. Denn bis heute sind deutlich mehr als nur 35-40 Aktien aus dieser wilden Zeit übrig geblieben. Wobei die Aktien der wirklich erfolgreichen Firmen es sogar auf neue Allzeithochs geschafft haben.

Was genau macht ISRA Vision?

Die Leserinnen und Leser, die schon seit Neuer Markt-Zeiten an der Börse dabei sind, könnten die ISRA Vision AG durchaus bereits kennen. Lustigerweise war diese Aktie damals aber – wie übrigens sehr oft – gar nicht so ein großer Highflyer. Vielmehr wurde zu Zeiten des Neuen Marktes eher das Papier des Konkurrenten Parsytec (Pattern) geliebt, auch weil diese Aktie zu den Favoriten des damaligen Star-Fondsmanagers Kurt Ochner gehörte.

Inzwischen jedoch hat ISRA Vision den einstigen Konkurrenten, der seitdem unter dem Namen ISRA Vision Parsytec firmiert, geschluckt – und sich dadurch eine Quasi-Monopolstellung in seiner Marktnische gesichert. Bei dieser Marktnische handelt es sich um Oberflächeninspektionssysteme. Konkret bedeutet dies, dass ISRA Vision spezielle Kameras entwickelt und produziert, mit deren Hilfe dann Oberflächen, bspw. von Autos, Handys, Medikamenten oder auch Nahrungsmitteln, automatisiert kontrolliert – und so letztlich fehlerhafte Exemplare aussortiert werden – können.

Die Kunden sind Global Player, das Wachstum beeindruckend!

Zu den Kunden von ISRA Vision gehören dabei zahlreiche Global Player. Zwar gibt es keine konkrete Kundenliste, aber auf jeden Fall sollen zahlreiche international bekannte Automobilhersteller wie Audi, BMW, Daimler, Ford, Honda, Hyundai, Opel, Seat, Volvo oder Volkswagen (VW) zu den Kunden der Gesellschaft gehören. Auch über die Smartphone-Giganten wie Apple oder Samsung wurde jedoch schon spekuliert.

Wer auch immer jedoch konkret auf der Kundenliste steht, es handelt sich bei der Darmstädter ISRA Vision definitiv um ein Wachstumsunternehmen. So steigerte der von CEO Enis Ersü geführte Konzern seinen Jahresumsatz alleine zwischen 2014 und 2018 um knapp +50%, von 102,50 auf 152,50 Mio. Euro. Im gleichen Zeitraum stieg der Jahresüberschuss sogar um knapp +80%, von 13,0 auf 23,1 Mio. Euro. Kein Wunder also, dass sich dementsprechend in dieser Zeit auch die Dividende von einst 0,078 Euro auf zuletzt 0,15 Euro je Aktie fast verdoppelte.

Das Wachstum geht weiter…

Doch trotz der bereits erreichten Größe dürfte das Wachstum noch längere Zeit weiter gehen. Zwar gibt es bis dato noch keinen belastbaren Ausblick des Managements um CEO Enis Ersü für das bereits laufende Geschäftsjahr 2019 (endet stets per 30. September). Aber alles andere als ein Umsatzwachstum auf mindestens ca. 165 Mio. Euro sowie ein Jahresüberschuss zwischen 25,5 und 26,0 Mio. Euro müsste man wohl als Enttäuschung betrachten.

2020 sollte ISRA Vision dann sogar einen Jahresumsatz von über 180 Mio. Euro bei einem Jahresüberschuss in Höhe von 28,0 bis 29,0 Mio. Euro erzielen. Auf Basis dieser, meiner Umsatz- und Gewinnprognosen läge die Bewertung der Aktie bei einem KUV 2020e von knapp vier bei einem KGV 2020e von ca. 24. Dies ist angesichts eines durchschnittlichen Gewinnwachstums von knapp +14% p.a. halte ich dies für nicht zu hoch. Zumal meine Umsatz- und Gewinnschätzungen sehr konservativ sind und durchaus deutlich übertroffen werden könnten.

Fazit: Für einen Quasi-Monopolisten wäre ein KGV bis 30 angemessen!

Denn sehr gute Wachstumsunternehmen werden in der Regel an der Börse mit einem sogenannten Price-Earnings-Growth Ratio (PEG) von bis zu zwei bewertet. Dies würde einem KGV von bis zu 28 – ich würde im konkreten Fall sogar ein KGV bis zu 30 akzeptieren! – entsprechen. Dies wiederum würde einem Unternehmenswert zwischen 855 und 870 Mio. Euro entsprechen. Aktuell weist die Gesellschaft eine Market Cap. von „nur“ rund 695 Mio. Euro auf.

Dementsprechend würde die Aktie über ein Kurspotenzial zwischen ca. +23% und +25% entsprechen. Dies wiederum ergibt dann Kursziele für die Aktie, die zwischen 39,00 und knapp 40,00 Euro liegen. In der Spitze wurden noch Ende August 2018 einmal knapp 60,00 Euro für den Titel hingelegt, was deutlich zu viel war und eine deutliche Korrektur zur Folge haben musste. Diese ist nun erfolgt, so dass sie nun wieder attraktiv erscheint.

Aus charttechnischer Sicht müssen Sie jedoch als Anleger hier noch ein wenig aufpassen. Denn das charttechnische Kaufsignal in der Aktie würde erst generiert, wenn sie mit Schwung über die Marke von 32,50/33,00 Euro klettert. Ob sie das schon in den nächsten Tagen oder Wochen schafft, kann leider nicht garantiert werden. Für mittel- bis langfristige Anleger ist der Titel jedoch bis 32,00/33,00 Euro kaufenswert, eben mit einem Kursziel von 39,00 bis 40,00 Euro auf Sicht von 12 Monaten.

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