Illumina-Aktie: „Barbar“ Carl Icahn wütet – Kaufchance?

Ibrahim Sonay
08.05.23 um 8:02

Die Illumina-Aktie (WKN: 927079) hat seit Mitte 2021 eine schlechte Performance abgeliefert. Sie hat sich gegenüber dem damaligen Kurs mehr als halbiert, aktuell steht sie bei 199,66 US$. Die jüngsten Nachrichten fordern bedachtes Handeln.

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Illumina ist eine Biotech-Firma mit dem Schwerpunkt der DNA-Sequenzierung und der Genforschung. Hier zählt sie weltweit zu den führenden Forschungsunternehmen. Über Partnerschaften mit Pharmakonzernen werden dann entsprechende Medikamente hergestellt. Sitz der Gesellschaft ist San Diego im US-Bundesstaat Kalifornien.

Während der Corona-Pandemie war die Aktie wie einige andere Papiere in der Biotechnologie sehr stark gestiegen, das ist nun vorbei. Für die zukünftige Kursentwicklung ist wieder das Tagesgeschäft maßgebend.

Das erste Quartal übertroffen

Am 26. April öffnete Illumina die Bücher für das erste Quartal dieses Jahres. Die Analysten der Wall Street konnte das Unternehmen beim Gewinn je Aktie deutlich übertreffen. Schätzungen beliefen sich auf 0,006 US$, geliefert wurden 0,08 US$. Im Vorjahr waren es noch 1,07 US$.

Auch beim Umsatz wurden die Erwartungen übertroffen. Analysten schätzten einen Umsatz von 1,07 Milliarden US$, vorgelegt wurden 1,09 Milliarden US$.

Die Überraschung sollte positiv stimmen – tut sie aber nicht.

Carl Icahn in bekannter Manier

Kürzlich hat sich nämlich Großinvestor Carl Icahn, genannt der „Barbar“, einen Anteil von 1,4% an Illumina gesichert. Icahn ist bekannt dafür, kein Blatt vor dem Mund zu nehmen, und übt auch bei Illumina starke Kritik an der Führungsebene.

Nicht nur wegen der Übernahme des Krebstestentwicklers Grail im Jahr 2021, die ohne rechtliche Absegnung vonstattenging, sondern auch wegen des zuletzt geführten CNBC-Interviews von CEO deSouza regte sich Carl Icahn auf. Der CEO kündigte eine starke Nachfrage nach den diagnostischen Testdiensten von Illumina an.

„Illumina-CEO Francis deSouza scheint zu glauben, dass er alle Menschen die ganze Zeit täuschen kann“, schrieb Icahn. „Diejenigen, die nicht in der Lage sind, Doppeldeutigkeit zu entziffern, könnten tatsächlich den Eindruck bekommen, dass Illumina gute Arbeit leistet!“, fügte er hinzu.

Margen reduzieren ein Fehler

Carl Icahn reagierte ebenfalls auf die Kostensenkungspläne, die Illumina vorgestellt hatte, um die Margen zu verbessern. Er nannte sie „außerordentlich anspruchslos“. Laut Unternehmen werden diese Pläne helfen, die Betriebsmargenziele von 24% im Jahr 2024 und 27% im Jahr 2025 zu erreichen.

Diese Margenziele seien „weniger als bescheiden“ entgegnete Icahn. Er argumentierte, dass es „Jahre dauern wird, bis sie realisiert werden, wenn sie überhaupt erreicht werden“.

Sorgenkind Grail

Icahn äußerte ebenfalls Kritik an deSouzas positiven Äußerungen über die Übernahme von Grail durch Illumina, die 7,1 Milliarden US$ gekostet hat. Im CNBC-Interview sagte deSouza, der Deal sei „sinnvoll“, da Illumina den Markt für Grails Früherkennungstest für verschiedene Krebsarten erheblich erweitern könne.

Das Umsatzwachstum von Grail, immerhin 100% während des Quartals im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, kam bei Icahn überhaupt nicht gut an. Dazu sagte er, deSouza habe es versäumt, die Öffentlichkeit über eine Anfang dieses Monats von der Federal Trade Commission herausgegebene Stellungnahme zu informieren, die besagte, dass der Deal Wettbewerb und Innovation ersticken würde.

Innovationen und Partnerschaften

Illumina hat neue, bahnbrechende Sequenzierungsverfahren der „NovaSeg X-Serie“ angekündigt. Hierfür besteht schon jetzt eine hohe Nachfrage, diese wird sich umsatzmäßig aber erst 2023 auswirken.

Neue Partnerschaften mit AstraZeneca sowie der Mindero Foundation sind ebenfalls wichtige zukunftsorientierte Ereignisse. Die Tochtergesellschaft Grail hat mit dem Lebensversicherer Hancock einen Rahmenvertrag abgeschlossen, nachdem diese die Kosten für einen Bluttest übernehmen. Hier könnte sich ein zusätzlicher, bedeutender Markt bei der Früherkennung von Krebs auftun.

Raus mit dem CEO?

Dass Icahn einen Sitze im Vorstand von Illumina anstrebt, ist kein Geheimnis. Dazu drängt er das Unternehmen außerdem, die Übernahme von Grail rückgängig zu machen und fordert Illumina auf, den CEO Francis deSouza „sofort“ zu verdrängen.

Korrektur nutzen?

Illumina war an der Börse noch nie wirklich günstig bewertet. Und auch heute wirkt die aktuelle Marktkapitalisierung von rund 31 Milliarden US$ mit diesen Umsätzen zu hoch.

Es stehen aktuell einige Gefechte im Unternehmen aus. Nicht nur der Grail-Deal und die damit verbundenen Gerichtsprozesse, sondern auch Carl Icahn macht der Biotech-Firma zu schaffen. Er wird nicht umsonst der „Barbar“ genannt.

Diese Punkte machen Illumina auf den ersten Blick zwar verwundbar und zu risikoreich. Doch haben wir hier mit Illumina den klaren Marktführer im Bereich der DNA und somit eine Möglichkeit, einen Big Player ins Auge zu fassen. Anleger könnten also meiner Meinung nach in Erwägung ziehen, die aktuelle Kurskorrektur zu nutzen.

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