ZipRecruiter-Aktie -23%: Das steckt dahinter

23.02.23 um 11:21

Die Aktie des Online-Stellenvermittlers ZipRecruiter (WKN: A3CQ3L) ist gestern um fast -23% auf 17,99 US$ abgestürzt. Investoren strafen die jüngsten Geschäftszahlen und insbesondere den enttäuschenden Ausblick des Unternehmens ab. Ist die Lage wirklich so schlimm oder bietet sich Anlegern jetzt eine Kaufchance?

stock.adobe.com/Timon

ZipRecruiter ist ein moderner Personalvermittler mit Hauptsitz in Santa Monica im US-Bundesstaat Kalifornien, welcher einen zweiseitigen Marktplatz sowohl für Arbeitssuchende als auch für Arbeitgeber anbietet. Außerdem gibt es mehrere Softwarelösungen wie zur Rationalisierung von Bewerbungsprozessen oder zum Schalten von Jobanzeigen auf über 1000 Websites gleichzeitig. Das Unternehmen ist 2021 an die Börse gegangen und aktuell 1,98 Milliarden US$ wert.

Kursrallye jäh gestoppt

Eine beeindruckende Kursrallye der ZipRecruiter-Aktie, die Ende Dezember 2022 begonnen hatte, ist am Donnerstag jäh gestoppt worden. Von 15,60 US$ ging es um mehr als +50% auf 23,81 US$ rauf.

Doch den Härtetest in Form von Geschäftsergebnissen hat das Papier nicht bestanden. Wir hatten Anleger in diesem Artikel zuletzt davor gewarnt, dass es angesichts des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds – Stichwort Rezession – holprig werden könnte.

Gutes Ergebnis 2022, aber...

Im Jahresvergleich betrachtet steht das Unternehmen ziemlich gut da. Der Umsatz wurde 2022 gegenüber 2021 um satte 22% auf 904,6 Millionen US$ gesteigert. Auch das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) kann sich mit 184,9 Millionen US$ sehen lassen, denn die bereinigte EBITDA-Marge betrug 20%.

Der Nettogewinn für das Gesamtjahr 2022 betrug 61,5 Millionen US$. Das entspricht einer Nettogewinnmarge von 7%.

...der Ausblick enttäuscht

Wo liegt also das Problem, wenn die Zahlen für 2022 insgesamt gut waren? Ganz einfach: Es sind die enttäuschenden Aussichten, welche die Erwartungen klar verfehlen. Schon im vierten Quartal verzeichnete ZipRecruiter nur noch einen Umsatz von 210,5 Millionen US$, das war ein Rückgang um 4% im Vergleich zum Vorjahr.

Für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres verdunkelt sich das Bild weiter, denn hier werden nur noch 179 Millionen US$ Umsatz prognostiziert. Das wäre ein kräftiger Rückgang von 21% im Jahresvergleich.

CEO Siegel zeigt sich selbstbewusst

CEO Ian Siegel erklärt die missliche Lage so:

In den ersten Wochen des Jahres 2023 haben die Arbeitgeber ihre Einstellungspläne gemildert und die Rekrutierungsbudgets als Reaktion auf ein zunehmend unsicheres makroökonomisches Umfeld gekürzt.

Die Umsatzprognose für 2023 basiere laut Siegel auf der Annahme, dass die herausfordernden makroökonomischen Bedingungen während des gesamten Jahres anhalten.

Gleichzeitig demonstriert der ZipRecruiter-Chef aber auch Selbstbewusstsein, wenn er sagt, er glaube „an die Stärke unserer Marke und unser flexibles Geschäftsmodell“. Siegel untermauert dies mit dem Hinweis auf die Prognose, dass die bereinigte EBITDA-Marge bei 24% liegen werde, also höher als im Jahr 2022.

Es dürfte schwierig werden

Die US-Wirtschaft und der US-Arbeitsmarkt haben sich in den vergangenen Monaten trotz der scharfen Zinserhöhungen der US-Notenbank insgesamt relativ robust gezeigt.

Doch umfängliche Stellenstreichungen bei nahezu allen großen Tech-Firmen wie Meta, Microsoft & Co. haben bereits angezeigt, dass es auf dem Job-Markt schwierig werden dürfte. Und ZipRecruiter spürt es ja schon im ersten Quartal.

Was bedeutet das für die ZipRecruiter-Aktie?

Meiner Meinung nach verfügt das Unternehmen über ein intaktes und vor allem zukunftsfähiges Geschäftsmodell. Die App zählt seit langem zu den am besten bewerteten und am meisten heruntergeladenen in diesem Bereich.

Außerdem hatten wir schon zuletzt herausgestrichen, dass das Geschäft von ZipRecruiter nicht nur aus klassischem Software-as-a-Service mit regelmäßigen Einnahmen besteht, sondern dass auch Provisionen für die Mitarbeitervermittlung fließen.

Vorsichtig agieren

Mutige Anleger können daher meiner Ansicht nach den Kurssturz durchaus zum vorsichtigen Positionsaufbau nutzen. Sie sollten sich aber darüber im Klaren sein, dass der Titel volatil mit möglichen weiteren Rücksetzern bleiben wird. Hier heißt es also, langfristig zu denken.

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