Suchergebnisse
Alle Ergebnisse anzeigen
Sascha / 14.12.21 / 12:27

Westwing Group: Pandemie ade – wie tief fällt die Aktie?

Auch wenn es mir viele Leserinnen und Leser nicht glauben mögen, ist die Covid-19-Pandemie aus meiner Sicht sowie aus Sicht der Börsianer vorbei. Ich bin gespannt, wann die deutsche Politik ebenfalls zu dieser Erkenntnis gelangt, befürchte hier aber das Schlimmste. Genau wie für den Kurs der Aktie der Westwing Group (WKN: A2N4H0).

Die Westwing Group ist ein deutsches E-Commerce-Unternehmen mit Hauptsitz in München, das sich auf Produkte aus dem Home & Living-Segment spezialisiert hat. Die Gesellschaft gibt an, dass die Geschäftsidee von Delia Lachance, zuvor Fischer, stammt, die während ihrer Tätigkeit als Redakteurin für die Frauenzeitschrift „Elle“ eine Marktlücke im Bereich Möbel und Wohnaccessoires erkannte. Tatsächlich existiert in den USA jedoch schon seit 2002 der Konkurrent Wayfair (damals: CSN Stores), der nahezu das gleiche Geschäftsmodell verfolgt.

Absturz der Aktie nach dem Börsengang

Das Unternehmen wurde im April 2011 von Delia Lachance sowie ihren Mitgründern Stefan Smalla, Tim Schäfer, Matthias Siepe und Georg Biersack offiziell ins Leben gerufen. Dank dem von Zalando kommenden Biersack gelang es dem Gründerteam schnell, genügend Investoren zu finden, so dass man schon im August des gleichen Jahres online gehen konnte. Sieben Jahre später, im August 2018, wurde das Unternehmen schließlich in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Bereits am 9. Oktober 2018 kam es zum Börsengang an der Frankfurter Börse. Die Bookbuildingspanne für die seinerzeit zur Zeichnung angebotenen 114,4 Millionen Aktien (plus Greenshoe von 660.000 Stück) lag zwischen 23,00 und 29,00 €, ausgegeben wurde der Titel in der Mitte dieser Spanne zu 26,00 €. Der erste Börsenkurs wurde mit 26,49 € festgestellt. Anschließend wurden so hohe Kurse zunächst nicht mehr bezahlt, die Aktie fiel bis Ende September 2019 auf unter 2,00 €.

Rettung dank der Covid-19-Pandemie

Für viele, ich gebe zu auch für mich, war das Unternehmen quasi ein Insolvenzkandidat. Denn zwar hat das Geschäftsmodell grundsätzlich schon funktioniert, es stellte sich jedoch die Frage nach der Nachhaltigkeit. Denn insbesondere so schwere Dinge wie Möbel über das Internet zu verkaufen, ist nicht einfach. Schließlich haben Kunden – dank dem Fernabsatzgesetz – gewisse Rechte, und die Retouren sind schon bei deutlich E-Commerce-affineren Produkten wie Kleidung oder Schuhen ein großes Problem.

Doch dann kam die Covid-19-Pandemie inklusive entsprechender Lockdowns. Kunden konnten und/oder wollten kaum noch in klassische Möbelgeschäfte gehen, plötzlich boomte auch in diesem Bereich der E-Commerce. In der Folge explodierte der Umsatz bei Unternehmen wie home24 oder eben auch Westwing und zugleich auch der Gewinn. Die Aktie wurde vom Insolvenzkandidaten zum Corona-Gewinner, Anleger prügelten sich an der Börse fast schon um sie.

In der Spitze schoss der Titel so auf über 50 €. Doch mit dem Abebben der Covid-19-Pandemie kam es zuletzt bereits zu einer Kurshalbierung. Dies dürfte meines Erachtens erst der Anfang vom Ende sein. Ja, Westwing war ein Corona-Gewinner und bleibt es auch. Das Unternehmen konnte schließlich ein, zwei herausragende Geschäftsjahre verbuchen und sich so ein gewisses Polster schaffen.

Aber die hochgesteckten Erwartungen, die aus der Hoch-Zeit der Pandemie stammen, wird man nicht erfüllen können. Mittelfristig sehe ich die Aktie daher wieder unter 10,00 €.

Westwing Group: Jetzt diskutieren!

Hochwertige Diskussionen und echte Informationsvorsprünge: Profitiere ebenso wie Tausende andere Anleger von unserem einzigartigen Live Chat, dem Forum der neuen Generation für die Westwing-Aktie.

Zugehörige Kategorien: Internet & KonsumSmall Caps
Weitere Artikel
Kommentare
Peter / 14.12.21 / 16:43 Uhr Soll das eine Analyse sein? Was ist mit Umsatz, Cash, Wachstumsaussichten, Margen? Ohne diese Dinge zu betrachten irgendwelche Kursziele rauszuhauen, das ist selbst für sharedeals zu billig. Peter B.
Sascha Huber / 14.12.21 / 19:35 Uhr Hallo Peter, logischerweise liegt jedem meiner Texte eine eingehende Analyse zugrunde. Darum geht es hier aber nicht. Diese Bude war nahezu insolvent und wurde nur durch die Covid-19-Pandemie gerettet, die nun zu Ende ist. Es tut mir ja sehr leid Sie aus Ihren Bullenträumen wecken zu müssen, aber so ist das nun mal. Die Aktie hat sich ja nicht umsonst bereits mehr als halbiert und "the trend is your friend!". Aber nur für Sie ein kurzer Blick auf die Fundamentals: Die Bude ist derzeit an der Börse nahezu punktgenau 450 Millionen Euro "wert". Demgegenüber stand ein Jahresumsatz von 433 Millionen Euro sowie ein EBITDA von 50 Millionen Euro im Pandemiejahr 2020. Im gesamten Geschäftsjahr 2021 soll der Jahresumsatz auf 510 bis 550 Millionen Euro steigen sowie ein bereinigtes EBITDA zwischen 42 und 55 Millionen Euro eingefahren werden. Dies entspräche einem Umsatzwachstum zwischen +18% und +27% sowie einer EBITDA-Marge zwischen acht und zehn Prozent. Das hat man zuletzt nochmals bestätigt. Das Problem dabei: Nach drei Quartalen hat man erst 373 Millionen Euro sowie ein EBITDA von rund 31 Millionen Euro eingefahren. Q3/2021 war mit einem Quartalsumsatz von nur 103 Millionen Euro sowie einer roten null beim EBITDA alles andere als berauschend. Das Weihnachtsgeschäft müsste also super laufen. Denn nur für das untere Ende der eigenen Prognosen zu erreichen, müsste man einen Quartalsumsatz von 137 Millionen Euro sowie ein EBITDA von 11 Millionen Euro einfahren. Die Analysten dürften aber das arithmetische Mittel als Konsenserwartungen führen, ergo einen Jahresumsatz von 530 Millionen Euro sowie ein EBITDA von 48,5 Millionen Euro. Dazu müsste Westwing dann schon einen Quartalsumsatz von 157 Millionen Euro sowie ein EBITDA von 17,5 Millionen Euro schaffen. Sie mögen das ja "glauben", ich tue es nicht. Vielmehr rechne ich damit, dass sie mit viel Glück das untere Ende der Umsatzprognosen sowie ein EBITDA von knapp 45 Millionen Euro schaffen könnten. Das ist aber schon mein "Best Case". Die Börse wird dann entsprechend reagieren. Denn ich halte für dieses Unternehmen selbst schon ein KUV von eins für zu viel. Ein KGV von mindestens 15 ist es ganz sicher. Denn dazu müsste die Gesellschaft ihren Gewinn nachhaltig um mindestens +15% p.a. steigern. Selbst von 2020 auf 2021, wo die Pandemie noch stützte, reicht es wohl nicht mehr zu einer Gewinnsteigerung. Denn schon die eigene EBITDA-Prognose von - im Best Case - 52 Millionen Euro würde nur ein Gewinnwachstum von +4% implizieren. Werden es dagegen die 48,5 Millionen Euro, ist es ein kleiner Gewinnrückgang. Und bestätigen sich sogar meine Befürchtungen, entspräche es einem Gewinnrückgang um -10%. Viele Grüße, Sascha PS: Die auf dem "Capital Markets Day" in Aussicht gestellten langfristigen Ziele klingen fast schonn nach Wirecard. Westwing nämlich wird mit hoher Wahrscheinlichkeit weder 2024/2025 die Umsatzmilliarde (in Euro) schaffen, noch ein bereinigtes EBITDA von 100 Millionen Euro einfahren. Ich würde da sogar Wetten halten, wenn Sie möchten.
Peter / 14.12.21 / 21:28 Uhr Warum nicht gleich so fundiert? Wie ich schon schrieb: entscheidend ist, ob man wächst oder nicht. Warum gehen Sie davon aus, dass man 15% p.a. nicht schafft? Ja, es sieht aktuell nicht danach aus, aber warum sehen Sie kein Potential? Halten Sie E-Commerce bei Möbeln und Dekokram für ausgereizt? Ich seh das langfristig (5 Jahre+) einfach anders. Peter
Sascha Huber / 15.12.21 / 12:47 Uhr Hallo Peter, warum Artikel sind wie Sie sind, müsste ich "privat" mit Ihnen besprechen. Sie können aber absolut sicher sein, dass ich nur über Aktien von Unternehmen schreibe, die ich sehr, sehr gut kenne. Okay? ;) Was Ihre weitere Frage betrifft... sie werden im laufenden Geschäftsjahr 2021 schon kaum dieses Wachstum schaffen. Beim Umsatz vielleicht noch, beim Gewinn sieht selbst die eigene, optimistischste, Prognose nur +4% vor. Dabei hat man 2020 und auch 2021 noch vom Sonderfaktor Covid-19-Pandemie profitiert. Was passiert wohl, wenn der wegfällt? Ansonsten ist es so, dass Sie glauben können was immer Sie möchten. Genau wie ich auch. Ich sehe diesen Dissens zwischen uns gar nicht als problematisch an. Denn jeder Käufer braucht einen Verkäufer und umgekehrt. Ergo steht jedem Optimisten immer auch ein Pessimist gegenüber. Sie sind in diesem Fall der Optimist, ich eben der Pessimist. Wahrscheinlich können wir beide unsere Sichtweise sehr gut begründen. Aber nur die Zeit wird zeigen, wer richtig(er) liegt. Dies wird sich dann auch im Börsenkurs widerspiegeln. Grundsätzlich fand ich Ihre Kritik an meinem Artikel gar nicht so schlecht. Denn in der Sache war sie ja konstruktiv und zumindest aus Ihrer Sicht berechtigt. Nur solche Sätze wie "das ist selbst für sharedeals zu billig" mag ich nicht. Darüber habe ich mich ein wenig geärgert. Aber ich denke, dass wir nun alles geklärt haben. Daher wünsche ich Ihnen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest sowie einen guten Rutsch. Wir können ja beide die Aktie im Auge behalten und dann zu gegebener Zeit nochmal über sie diskutieren. Deal? Viele Grüße, Sascha