PayPal-Aktie: Wird US-Kreditkrise zum Kurskiller?

PayPal
05.03.24 um 7:07

Die PayPal-Aktie (WKN: A14R7U) läuft dem seit Monaten aufwärts marschierenden Gesamtmarkt hinterher. Nun könnten Rekordschulden der US-Verbraucher das Konsumklima kippen lassen. Droht dem Online-Bezahldienst der nächste große Schock?

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ℹ️ PayPal vorgestellt

  • PayPal betreibt den weltweit bekanntesten Online-Bezahldienste. Im letzten Quartal nutzten über 430 Millionen Verbraucher weltweit den Service für Online-Überweisungen und die Bezahlung von Rechnungen im Internet.
  • Das Unternehmen mit Sitz in San José im US-Bundesstaat Kalifornien ist Teil des Nasdaq 100 und des S&P 500 Index.
  • PayPal hat einen aktuellen Börsenwert von ca. 71 Milliarden US$.

Ein Problem wächst heran

Die PayPal-Aktie ist in den vergangenen Monaten deutlich zurückgeblieben hinter der Entwicklung des breiten Markts. Das ist überraschend, wenn man bedenkt, dass die Finanzbranche zuletzt zu den fünf leistungsstärksten Sektoren der US-Wirtschaft gehört.

Dieser Aufschwung bei Anbietern von Zahlungsabwicklungs- und Finanzdienstleistungen ist auf größtenteils auf folgende Faktoren zurückzuführen: höhere Einkommensströme und verbesserte Margen aufgrund höherer Zinssätze sowie robuste Verbraucherausgaben und entsprechende Transaktionsvolumina.

Inmitten dieses positiven Trends wächst jedoch gerade ein massives Problem heran.

Kreditkartenschulden auf Rekordniveau

Unter Marktbeobachtern vergrößern sich zunehmend Bedenken aufgrund rapide wachsender Kreditausgaben.

Im Schlussquartal 2023 erreichten die Kreditkartenschulden von US-Verbrauchern einen neuen Rekordwert von 1,13 Billionen US$, was gegenüber dem Vorjahreszeitraum einem gewaltigen Sprung von +14,5% entspricht.

Diese Entwicklung spricht für eine immer größer werdende Fragilität des Konsumklimas, die noch verstärkt wird von steigenden Zinssätzen. So betragen die Dispozinsen in den USA derzeit durchschnittlich knapp 25%, oft liegen sie über 30%.

Besorgniserregend ist zudem der Rückgang der privaten Sparquote auf gerade einmal 3,7%. Vor der Covid-Pandemie pendelte dieser Wert immerhin um 9%, bevor er ab April 2020 zeitweise auf den Höchststand von 32% hochschnellte.

Auch diese Entwicklungen deutet darauf hin, dass der Durchschnitts-Amerikaner einen immer dünner werden Puffer gegen finanzielle Schocks hat. Ein Problem, das sich voraussichtlich auch auf die gesamtwirtschaftliche Widerstandsfähigkeit auswirken wird.

PayPal kann kurzfristig auch profitieren

Das Hochschnellen der Kreditkartenschulden hat potenziell weitreichende Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung von PayPal.

Der Payment-Anbieter ist schließlich abhängig vom Konsumverhalten – und die erhöhte finanzielle Fragilität der US-Verbraucher dürfte sich bald dämpfend auf das Kaufverhalten auswirken und auf die Nutzung von Finanzdienstleistungen.

Die Amerikaner könnten bald deutlich vorsichtiger mit ihren Ausgaben und finanziellen Verpflichtungen werden, was sich negativ auf PayPals Kredit- und Ratenzahlungsdienste auswirken könnte.

Das ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. So wurde in der Vergangenheit schon oft dokumentiert, dass sich Verbraucher in ähnlichen Szenarien stärker auf alternative Zahlungsmethoden wie PayPal konzentrieren, um ihre Budgets zusammenzuhalten.

Zurück zur inneren Stärke

In der Gesamtbetrachtung zeigt sich, dass die erhöhte finanzielle Anfälligkeit der Amerikaner kein gutes Omen für die globale Konjunktur ist, für PayPal kurzfristig aber eine geschäftsbelebende Wirkung haben kann.

Auch abseits der makroökonomischen Entwicklungen hat das PayPal-Management um CEO Alex Chriss in den letzten Monaten einen Kurs eingeschlagen, der sich positiv auf Wachstum und Margen auswirken dürfte.

Nach einer Welle teurer Übernahmen, die einen Flickenteppich von Plattformen geschaffen haben, fokussiert sich das Unternehmen wieder auf die innere Stärke. Einerseits schöpft es neues Umsatzpotenzial mit der strategischen Initiative des „Buy now, pay later“-Modells.

Durch die Einführung von PayPal Complete Payments (PPCP) hat der Dienstleister zudem eine starke Dynamik erzielt bei Kundenakquisitionen und Transaktionsvolumen im Bereich kleine und mittelständische Unternehmen.

Aktie günstig wie lange nicht

Obwohl die Marktreaktion auf die 2024er Prognose von PayPal negativ war und die Konkurrenz im Fintech-Sektor stärker wird, sehe ich PayPal zu aktuellen Kursen als ein attraktives langfristiges Investment.

Mit einem Vorwärts-KGV (2025e) unter 14 liegt PayPal derzeit im Discount-Regal des US-Tech-Olymps. Mittelfristig stehen die Zeichen jedoch wieder auf starkem Wachstum, sodass bald wieder Kurse über 100 US$ gerechtfertigt sind.

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Interessenkonflikt: Mitarbeiter von sharedeals.de halten Aktien des besprochenen Unternehmens PayPal. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Sie beabsichtigt, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnten dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.

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