Amazon.com: Was ist von den Zahlen zu erwarten?

von (sh)  /   31. Januar 2019, 20:40  /   unter Technologie-Aktien  /   2 Kommentare

In den USA läuft die sogenannte Berichtssaison schon wieder auf Hochtouren. So meldeten gestern Abend – nachbörslich – Unternehmen wie Facebook, Microsoft, PayPal, Qualcomm oder auch Tesla ihre aktuellen Quartalszahlen. Besonders zu überzeugen wusste dabei Facebook, so dass die Aktie heute förmlich nach oben schießt. Etwas enttäuscht hat hingegen Tesla. Heute geht der Zahlreigen aber schon munter weiter, u.a. mit dem Quartalsbericht von Amazon.com (WKN: 906866).

Nachdem von den sogenannten FANG-Aktien (Facebook, Amazon.com, Netflix und Alphabet, vormals: Google, darum: FANG) Netflix ein wenig enttäuscht aber Facebook voll überzeugt hat, steht jetzt natürlich die Frage im Raum was Amazon.com heute Abend – nachbörslich – wohl vermelden wird. Schauen wir uns dazu erst einmal an, was Amazon.com selbst so in Aussicht gestellt hat und wie die Konsensschätzungen der Analysten aussehen.

Amazon.com selbst zeigte sich zuletzt recht vorsichtig

Mit Veröffentlichung der letzten Quartalszahlen senkte Amazon.com den eigenen Ausblick, was seinerzeit auch ein Grund für einen rund -10%igen Kursrutsch war. So prognostizierte der eCommerce-Gigant für das wichtige Weihnachtsquartal einen Umsatz zwischen 66,5 und 72,5 Mrd. US-Dollar, im arithmetischen Mittel also 69,5 Mrd. US-Dollar. Bis dato hatten die Analysten im Durchschnitt noch einen Quartalsumsatz in Höhe von 73,8 Mrd. US-Dollar erwartet. Zum erwarteten Gewinn je Aktie äußerte sich Amazon.com dagegen nicht.

Umso erstaunlicher sind die Konsensschätzungen der Analysten. Denn obwohl Amazon.com – auf Basis der eigenen Prognosen – seinen Umsatz gegenüber dem Vorquartal um ca. 13 Mrd. US-Dollar (oder fast +23%) steigern möchte, rechnen die Experten mit einem leichten Gewinnrückgang auf 5,55 US-Dollar je Aktie (nach 5,75 US-Dollar je Aktie im letzten Quartal). Allerdings gibt es durchaus gute Gründe für diese vorsichtigen Erwartungen.

Amazon.com hat zuletzt, nach massivem öffentlichem Druck, die Löhne in den USA deutlich angehoben

Denn nach massivem politischen Druck, unter anderem durch den Senator Bernie Sanders, hat Amazon.com zuletzt die Löhne seiner Mitarbeiter in den USA deutlich angehoben. Kurzfristig mag das den demokratischen Sozialisten Bernie Sanders sowie die betroffenen Mitarbeiter zwar freuen. Allerdings schaufeln diese sich damit langfristig ihr eigenes Grab. Denn aufgrund dieser steigenden Lohnkosten möchte Amazon.com zukünftig verstärkt auf Roboter setzen. Dennoch wirken diese Lohnerhöhungen kurzfristig natürlich erst einmal belastend auf den Gewinn.

Da Amazon.com darüber hinaus auch weiterhin sehr stark in seine Expansion investiert, scheinen die Analysten mit ihrer skeptischen Grundhaltung auf den ersten Blick durchaus richtig zu liegen. Allerdings hat Amazon.com zuletzt in schöner Regelmäßigkeit die Analystenerwartungen toppen können. Wobei man jedoch gerade im Weihnachtsquartal – aufgrund der oftmals viel zu optimistischen Umsatz- und Gewinnschätzungen – gerne mal schlechter als von den Profis erwartet abgeschnitten hat.

Diffuse Gesamtlage, aber durchaus Grund zum Optimismus!

Alles in allem ist das natürlich eine sehr diffuse Gesamtlage. Amazon.com selbst zeigte sich sehr vorsichtig, die Analysten sind dementsprechend ebenfalls sehr vorsichtig. Dafür gibt es auch durchaus gute Gründe wie beispielsweise die deutlichen Gehaltserhöhungen für die US-Mitarbeiter. Dennoch glaube ich, dass die Stimmung aktuell zu negativ ist, so dass Amazon.com die Erwartungen von Anlegern und Analysten wohl übertreffen können wird.

Denn um Weihnachten sind die Amerikaner stets in großer Kauflaune, es handelt sich eben um eine Konsumgesellschaft. Dank hervorragend laufender US-Wirtschaft hatten sie auch das Geld dazu. Nicht umsonst vermeldete Amazon.com schon vor einigen Wochen, dass das Weihnachtsgeschäft sehr gut gelaufen sei. Da Amazon.com zuvor jedoch die Erwartungen gedämpft hatte, sind Anleger und Analysten nicht gerade besonders euphorisch gestimmt.

Fazit: Amazon.com dürfte besser als erwartete Quartalszahlen vermelden, aber…

Daher rechne ich mit einem klaren Übertreffen der vorsichtigen Erwartungen – und zwar sowohl Top wie Bottom Line, also bei Umsatz und Gewinn. Ich kalkuliere deshalb mit einem Quartalsumsatz von mehr als 70,0 Mrd. US-Dollar sowie einem Ergebnis von über 6,00 US-Dollar je Aktie. Damit hätte Amazon.com im Geschäftsjahr 2018 einen Gesamtumsatz in Höhe von mehr als 230,5 Mrd. US-Dollar (+29,7%) sowie einen Gewinn je Aktie von ca. 20,05 US-Dollar (+226%). Damit weist die Aktie ein KUV 2018 von ca. 3,66 bei einem KGV 2018e von ca. 86 auf.

Das ist nicht günstig, aber angesichts des immer noch eminent starken Wachstums auch nicht exorbitant hoch. Trotzdem wird damit der Ausblick in meinen Augen wichtiger werden als das eigentliche Quartalsergebnis. In 2019e sollte Amazon.com daher einen Jahresumsatz von mindestens 278 Mrd. US-Dollar (+20,6%) bei einem Gewinn je Aktie von mindestens 28,00 US-Dollar anstreben. Schafft man das, hätte die Aktie meines Erachtens ein Kurspotenzial von +15% bis Jahresende, was einem Kursziel in Höhe von 1.985 – aufgerundet 2.000 US-Dollar – entspricht!

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2 Kommentare

  1. (sh) 31. Januar 2019 22:08

    Die Zahlen von Amazon.com sind da und so schlecht lag ich nicht. Umsatz in Q4 bei 72,4 Mrd. US-Dollar und Gewinn je Aktie 6,04 US-Dollar: https://www.marketwatch.com/story/amazon-holiday-sales-were-better-than-expected-produce-3-billion-in-profit-2019-01-31

  2. (sh) 1. Februar 2019 00:12

    Aufgrund eines eher schwachen Ausblicks – es gibt wohl Probleme in Westeuropa und mit Whole Foods Market – sieht Amazon.com ein schwächeres Wachstum in Q1/2019. In der Folge könnte auch das gesamte Jahr 2019 schwächer als erwartet ausfallen. Dies befürchten zumindest die Anleger und schicken die Aktie nachbörslich auf Tauchstation. Sie verliert zurzeit mehr als 75,00 US-Dollar bzw. gut -4,5% auf knapp über 1.640,00 US-Dollar.

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