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Redaktion / 25.06.20 / 7:45

Wirecard: Das ist die Pleite! (Update)

Bei einem Blick in die Medien könnte man meinen, die Kunden liefen Wirecard (WKN: 747206) in Scharen davon und eine Insolvenz des skandalerschütterten DAX-Konzerns stehe unmittelbar bevor. Ist das wirklich so? Bei uns gibt's den Faktencheck.

Klar ist: Wirecard ist ein riesiger Betrugsfall. 1,9 Milliarden Euro, die eigentlich dem Unternehmen gehören sollten, sind nicht auffindbar. Wer welche Schuld trägt, wie viele Umsätze gegebenenfalls frei erfunden wurden, weiß noch niemand. Interessant ist, dass Finanzchef Alexander von Knoop immer noch im Amt bleiben darf.

Haben sich Ex-Wirecard-Vorstände – vielleicht zusamen mit Dritten – auf Kosten des Konzerns selbst bereichert? Nicht nur in diesem Fall dürfte eine Klage des Unternehmens gegen seine ehemaligen Manager hohe Erfolgsaussichten haben.

Es ist nach wie vor schwer vorstellbar, dass Wirecards Geschäftsmodell erstunken und erlogen und nicht zumindest in großen Teilen zukunftsträchtig und profitabel ist. Viele namhafte Kunden haben sich in der Vergangenheit positiv zu Wirecard geäußert. Die Beschreibung "Innovationsführer" scheint zutreffend.

Was kann CEO Freis noch retten?

Gestern wurde bekannt, dass der neue "Aufräumer" James Freis zumindest kurzfristig auf die weitere Unterstützung der Banken setzen kann. Letztere wollten sich erst einen Überblick über die Überlebensfähigkeit des eigentlich von der Coronakrise profitierenden Konzerns machen, hieß es. Um diese zu sichern, stehen bei Wirecard diverse Maßnahmen im Raum, darunter auch potenzielle Verkäufe von Geschäftseinheiten.

Laut den bisher kommunizierten Zahlen hat Wirecard bereits in den ersten 9 Monaten des vergangenen Jahres 930 Millionen Euro Umsatz in Europa und 142 Millionen Euro in den USA und Afrika erlöst und dabei in diesen Regionen zusammen fast 300 Millionen Euro EBITDA erwirtschaftet. Ob sich der Bilanzskandal auch auf diese Teile erstreckt: unklar! Sollten die Zahlen stimmen, dürfte es Wirecard jedenfalls gelingen, aus eigener Kraft aus der Krise hervorzukommen.

Wichtig wird sein, dass Wirecard den Großteil seiner Kunden behält. In den Medien bekommt man den Eindruck, dass diese derzeit alle davonliefen, doch in Wahrheit ist das nicht mal von einer Handvoll bekannt. Das Unternehmen verfügt eigenen Angaben zufolge über mittlerweile weit über 300.000 Kunden. Einer der wichtigsten, der deutsche Lebensmitteldiscounter Aldi, soll aktuellen Informationen zufolge derzeit weiterhin auf Wirecard bauen und die weitere Entwicklung abwarten. Von anderen Großkunden ist Ähnliches zu hören. Die Masse an kleineren Kunden dürfte ohnehin nicht die Möglichkeit besitzen, schnell umzuschwenken.

Aktie vor dem nächsten Zock?

Nach einem +80%-Zwischenzock in dieser Woche notiert die Wirecard-Aktie mittlerweile auf einem neuen Allzeittief bei rund 12 Euro. Angesichts der Medienlage, in der ein fragliches 1-Euro-Kursziel eines Analysten zuletzt mehr Beachtung gefunden hat als die vorläufige Rettung des Unternehmens durch die Banken, verwundert das wenig.

Update 10:30 Uhr
Der Worst Case ist mittlerweile eingetreten und das Unternehmen hat Insolvenz aufgrund drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung beantragt. Wir gehen davon aus, dass der operative Geschäftsbetrieb nun einen regelrechten Einbruch erfährt. Die Aktie ist nun als Insolvenzzock nur noch für die härtesten Spekulanten interessant!

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Interessenkonflikt: Herausgeber, Mitarbeiter und NBC-Clubmitglieder halten selbstverständlich Aktien des besprochenen Unternehmens Wirecard. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Autor, Herausgeber, Mitarbeiter und NBC-Clubmitglieder beabsichtigen die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnten dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.

Zugehörige Kategorien: Finanznachrichten
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Kommentare
Hans Fritsche / 25.06.20 / 8:29 Uhr Sie sind tatsächlich eine der wenigen, die objektiv berichten. Auch bei seriösen Adressen wie FAZ und ntv werden die Dinge durcheinander gebracht. Viele Vorverurteilungen ohne Fakten. Das merkwürdige an der Geschichte ist, dass nicht wirklich erkennbar ist, dass sich Herr Braun bereichert hätte oder Kredite von Banken erschlichen wurden. Das unterscheidet den Fall Wirecard auch ganz erheblich von Enron. Mit freundlichen Grüßen HF
Jakub / 25.06.20 / 8:36 Uhr Euer Artikel spiegelt in einem Punkt genau wieder was Sache ist: Wirecard ist zu diesem Zeitpunkt ein reines Zockerpapier und nichts für schwache Nerven. Interessant für Daytrader und Spekulanten, aber sicherlich sollte keiner seine Altersvorsorge darauf aufbauen. Ich würde es daher wirklich begrüßen wenn ihr hier mehr Realität ins Spiel bringen würdet. Vom "Macher" Braun schwenkt ihr ohne Umschweife über zum "Aufräumer" Freis, und spielt die Dinge die nun Stück für Stück offenbart werden gefährlich runter. Kein Wort zu den Haftbefehlen gegen Braun und aller Voraussicht nach auch gegen seine Komplizen. Kein Wort zum Vorwurf des Insiderhandels, Kreditabstufungen, und damit einhergehenden Kostensteigerungen und senkungen von Bruttomargen. Verkäufe von Geschäftseinheiten und die Restrukturierung (falls überhaupt möglich) würden eine komplette Neubewertung erfordern und sollten die potenzielle Wachstumsgeschichte ordentlich ausbremsen. Sowas muss doch erwähnt werden. Bei über 90% Kursverlust in wenigen Tagen, selbst wenn ein Re-Bound stattfinden sollte, sollten sich die Leser doch auch darüber bewusst sein, dass der Weg zurück zu den dreistelligen Kursen sehr unwahrscheinlich ist. Viele vergessen das ja gerne wenn sie nur auf die Euros schauen, aber wenn eine Aktie um 90% fällt, um wieviel muss sie wieder steigen um wieder dort anzukommen wo sie vorher war? Wenn die Aktie von 100 auf 10 Euro fällt, dann muss sie sich verzehnfachen um wieder bei 100 anzukommen. Jeder Anleger muss sich nun fragen, wie wahrscheinlich ist das in diesem Fall? Sind bei dem was nun passiert in absehbarer Zeit 1000% realistisch drin?