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Nio-Aktie läuft – was für eine Rallye jetzt noch fehlt

Simon Ruić / 15.12.23 / 13:27

Die Nio-Aktie (WKN: A2N4PC) baut ihre grüne Serie aus: Nach +10% in zwei Tagen klettert der Nasdaq-Titel am Freitag um weitere +3% hoch auf 8,10 US$. Nio-Präsident Qin hat zuvor große Ankündigungen gemacht, die etablierte Hersteller in Europa als Kampfansage verstehen dürfen. Unter den richtigen Bedingungen ist nun auch eine nachhaltige Kurserholung drin.

stock.adobe.com/Mike Mareen

ℹ️ Nio vorgestellt

Mit einer ungewöhnlichen Marketing-Strategie und dem Alleinstellungsmerkmal des Batterie-Tausch-Prinzips hat Nio sich im chinesischen E-Auto-Premium-Segment in wenigen Jahren eindrucksvoll etabliert. An der Börse hat das Unternehmen derzeit einen Wert von gut 14 Milliarden US$.

Grüne Serie

Die Nio-Aktie ist auf dem besten Weg, den dritten aufeinander folgenden Handelstag mit einem satten Kursgewinn zu beenden.

Nachdem der Nasdaq-Titel im freundlichen Börsenumfeld in den vergangenen beiden Sessions kombiniert rund +10% geklettert ist, geht es am Freitag vorbörslich weitere knapp +3% hoch auf 8,10 US$.

Zuvor hat das Unternehmen eine Ankündigung gemacht, die die Konkurrenz in Europa als Kampfansage verstehen darf.

Zwei neue Billig-Marken

Demnach wird der für seine Luxus-SUVs und -Limousinen bekannte Hersteller zwei neue Marken launchen, die sich auf preisbewusste Kunden fokussieren.

Die Marke „Firefly“ wird bereits im kommenden Jahr Kleinwagen nach Europa liefern, sagte Nio-Präsident Lihong Qin auf einer Online-Pressekonferenz. Zudem ist ein weiterer Ableger mit dem Namen „Alps“ geplant, der Autos für Familien herstellen soll und „möglicherweise nach 2025“ ausgerollt wird.

Zu den konkreten Preisen der beiden Billig-Marken machte Qin keine Angaben.

EU-Widerstand gegen China-Exporte

Es ist schon seit einer Weile bekannt, dass Nio auf den Zug aufspringen will, Autos für eine Budget-orientierte Kundschaft – insbesondere in Übersee – zu bauen.

Eine Reihe von chinesischen E-Auto-Herstellern expandiert derzeit in neue Regionen wie Süd-Amerika, Süd-Ost-Asien oder Europa, weil die Nachfrage im Heimatland derzeit spürbar nachlässt. Gegenüber den westlichen Konkurrenten, von denen die meisten die E-Mobilitäts-Transformation verschlafen haben, versuchen sie aus ihren Kostenvorteilen Kapital zu schlagen.

Dabei stoßen sie mitunter jedoch auf Widerstand: Die EU-Kommission untersucht derzeit, ob chinesische E-Auto-Importe gegen Wettbewerbsregeln verstoßen.

Partnerschaftsnetz ausgebaut

Die Rabattschlachten, die US-Rivale Tesla in China ausgelöst hat, haben Nios Rentabilität stark belastet.

Die Bruttomarge hat sich zuletzt miserabel entwickelt. Um Kosten zu sparen, hat das Unternehmen zuletzt 10% seiner Belegschaft gekündigt. Zudem erwägt man die Ausgliederung von Geschäftsbereichen wie der Batterieproduktion und ist Partnerschaften eingegangen, um den Ausbau des Batterietausch-Netzes zu finanzieren.

Des Weiteren wurden im November Kooperationen eingegangen mit Konkurrent Geely und dem staatlichen Unternehmen Changan Automobile. Es geht dabei unter anderem um die Entwicklung eines neuen Batteriepakets und einer neuen Chassis-Architektur.

Am Freitag fügte Präsident Qin, ohne Details zu nennen, hinzu, dass in der Zwischenzeit ein drittes Abkommen unterzeichnet wurde.

Wachstum nicht stabil

Nio hat derzeit zwei große Probleme: die schwache Margenentwicklung und die Tatsache, dass die Auslieferungszahlen von Monat zu Monat zu stark schwanken.

Im dritten Quartal hat das Unternehmen aber einen neuen Absatzrekord erzielt. Das zeigt, dass es insgesamt in die richtige Richtung geht. Nachdem das Jahresziel 2023 von 200.000 auf 156.000 Fahrzeuge eingedampft werden musste, ist für das Folgejahr immerhin wieder ein Wachstum von 50% vorgesehen.

Mit den ständigen Lieferrückgängen hat Nio jedoch einiges an Glaubwürdigkeit verloren, was sich freilich in der Kursschwäche der Aktie bemerkbar macht.

Gesamtwirtschaft im Fokus

Aus meiner Sicht ist die Nio-Aktie eine interessante Konjunkturwette.

Sollte die chinesische Wirtschaft auch 2024 unter den Erwartungen performen, wird das für die Autoindustrie zwar insgesamt ein schweres Jahr; Insbesondere kleinere Hersteller wie Nio würden gegen die Preispolitik von Tesla und BYD aber weiter an Boden verlieren.

Wenn China jedoch nun seinen Post-Covid-Aufschwung nachholt, eine weltweite Rezession ausbleibt und erste Zinssenkungen eintreten, würde ich auf eine starke Kurserholung der Nio-Aktie wetten. Mit seinen Alleinstellungsmerkmalen hätte der Hersteller gute Chancen, in der Heimat und auch in Übersee Marktanteile zu ergattern.

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