André / 08.09.21 / 8:16

Harrow Health: Garantierte 7,2% Rendite p.a. bis 2026 – so geht's!

Einkommensinvestoren haben einen zunehmend schwereren Stand: Die Renditen für REITs, Dividenden-Aktien, US-Vorzugsaktien und Anleihen sinken erbarmungslos. Wer sein Rendite-Niveau erhalten möchte, muss zunehmend stärker ins Risiko gehen. Manchmal finden sich jedoch noch Perlen, die eine lukrative Rendite zu überschaubarem Risiko anbieten. Der neue 8,625% Baby Bond von Harrow Health mit Laufzeit bis 2026 (ISIN: US4158582084) ist so ein Fall.

Baby Bonds (kleine Emissionen mit einem Ausgabepreis zwischen 25 und 100 US$ je Anteilsschein) und US-Vorzugsaktien waren seit jeher gute Fischgründe für Einkommensinvestoren. Häufig sind die Emissionen zu klein für große, professionelle Anleger, sodass der Kuchen mehrheitlich zwischen Privatanlegern aufgeteilt wird. Dies bedeutet zwangsläufig mehr Ineffizienz, weshalb findige Anleger immer wieder auf tolle Schnäppchen stoßen können.

High Yield bedeutet nicht automatisch Schrott

Häufig habe ich schon von Anlegern gehört, dass sie Hochzins-Papiere nicht mit der Kneifzange anfassen werden. Gleichzeitig halten dieselben Anleger aber wie selbstverständlich Aktien von Small Caps, die genau diese Anleihen ausgeben. Die überwiegende Mehrheit der Nasdaq-Unternehmen sowie sonstiger Small- und Midcaps hat kein Investment-Grade-Rating. Oder die Unternehmen verzichten aus Kostengründen gleich ganz auf ein entsprechendes Rating.

Dies bedeutet nicht weniger, als dass diese Anleger neben dem Eigenkapital-Risiko auch noch das Anleihe- und Fremdkapital-Risiko tragen. Denn Anleihen und Kredite werden im Ernstfall zuerst bedient. Doch wird dieses erhöhte Risiko mit Kursgewinnen zuverlässig regelmäßig vergütet? Nur bedingt. High Yield Investments sind daher nicht so unattraktiv und riskant, wie sie gerne dargestellt werden. Schließlich geht es nicht darum, auf eine noch positivere Unternehmensentwicklung zu wetten, die weitere Kursgewinne rechtfertigen würde. Ein einfaches „Weiter so“ reicht, um Zinsen und Anleihe zu tilgen.

Harrow Health Baby Bond: 7,2% Verzinsung für geringes Risiko?

Auch das Pharma-Unternehmen Harrow Health (WKN: A2PBJD) fällt in diese Kategorie. Harrow Health konzentriert sich auf Medikamente in der Augenheilkunde und besitzt drei Beteiligungen an Unternehmen mit bereits zugelassenen Medikamenten und einer klinischen Entwicklungspipeline. Darüber besitzt Harrow Health Royalty-Rechte für vier Wirkstoffe in der voll finanzierten Entwicklung. Nach einem deutlichen Geschäftseinbruch im Covid-Jahr 2020 entwickeln sich die Geschäfte derzeit sehr positiv. Entsprechend positiv sind Analysten auch für die Aktie und die Zukunft des Unternehmens gestimmt.

Wir interessieren uns aber nicht für die Aktie und damit auch nicht für die Wachstumsaussichten. Wir gucken auf die aktuelle Bilanz und welche potenzielle Risiken einer Bedienung der gerade ausgegebenen Baby-Bond-Anleihe mit großzügigen 8,625% Verzinsung entgegenstehen könnten. Die Anleihe wird nur in den USA unter dem Ticker HROWL gehandelt. Die Anleihe läuft bis zum 30. April 2026 und wird dann zu 25 US$ zurückgekauft. Bei einem aktuellen Kurs von 26,46 US$ ergibt sich bis Laufzeitende eine Verzinsung von 7,2% („Yield to Call“).

Mehr Cash als Schulden

8,625% Zinsen klingen sehr üppig. Deswegen ist es wichtig, ob Harrow Health diese auch bezahlen kann. Im Q2-Bericht weist Harrow Health ganze 72,8 Millionen US$ an Cash aus, wovon 55 Millionen aus der HROWL-Platzierung stammen. Zusätzlich hält das Unternehmen Aktien mit einem bilanziellen Gegenwert von 12 Millionen US$ an Eton Pharmaceuticals (unter dem Ticker ETON gehandelt). Die restlichen kurzfristigen Aktiva decken in etwa die kurzfristigen Verbindlichkeiten ab. Die langfristigen Verbindlichkeiten belaufen sich auf 71 Millionen US$ und liegen damit unterhalb der Cashbestände. Auch gut zu wissen: Die sonstigen Verbindlichkeiten stammen aus Vorzugsaktien, die im Ernstfall erst nach der Anleihe bedient werden würden.

Im operativen Geschäft von Harrow Health läuft es 2021 wieder rund. Bereits im ersten Halbjahr konnte ein positiver Cashflow von 8 Millionen US$ im operativen Geschäft erzielt werden. Die Anleihe wurde also nicht platziert, um Löcher in der Bilanz eines verlustigen Unternehmens zu stopfen. Auch der Aktienkurs hat sich im Laufe der letzten 12 Monate positiv entwickelt und fast +60% zugelegt. Nahe des Allzeithochs dürfte es also den Aktionären nicht zu schwer fallen, weitere Aktien zu emittieren, falls notwendig.

Was kann schiefgehen?

Gibt es einen Haken? Wenn, dann wäre der Haken, dass es an der Börse eine 100%ige Garantie nicht gibt. Sollte das Unternehmen die für den Kauf weiterer Beteiligungen und Royalties aufgenommenen 55 Millionen US$ unklug einsetzen, dann wäre das auch für die Anleiheeigentümer schlecht. Mit den aktuellen Geschäftszahlen dürfte es dem Unternehmen aber nicht schwerfallen, die Anleihe zu refinanzieren oder weiteres Eigenkapital aufzunehmen.

Positiv ist auch der bisherige Track Record des Managements. CEO Mark Baum adressierte Bedenken bezüglich unkluger Investitionen in einem Aktionärsbrief wie folgt:

Wenngleich es keine finanzielle Garantie für Harrow-Aktionäre gibt, hat unser Team doch, was ich als einen „besser-als-guten“ Track Record bezeichnen würde, wenn es um die Generierung von Shareholder Value geht. Wir haben rund 250.000 US$ verwendet, um Eton Pharmaceuticals zu starten, und 350.000 US$ um Surface Ophtalmics aufzubauen. Und wir haben weniger als 1 Million US$ bezahlt, um Melt Pharmaceuticals zu starten...Zu guter Letzt – ImprimisRx ist seit seiner Gründung sehr schön gewachsen...

Dem ist wenig hinzuzufügen! Zumindest bisher hat sich das Management sehr gewissenhaft und verantwortungsvoll in seiner Expansion gezeigt.

Fazit: Überdurchschnittliche Rendite für überschaubare Risiken

Auf den ersten Blick sieht der mit 8,625% üppig verzinste Baby Bond von Harrow Health (Ticker: HROWL) nach Risiko aus. Ein Blick in die Bilanz des Unternehmens zeigt aber, dass das Unternehmen für ein Wachstumsunternehmen recht konservativ gemanagt ist. Bereits der Cashbestand des Unternehmens übersteigt die langfristigen Verbindlichkeiten, zudem arbeitet das Unternehmen auch noch profitabel. Nichts ist sicher auf dieser Welt, doch in diesem Fall lege ich mich fest: Die bis zum Ende der Laufzeit erzielbaren 7,2% p.a. in einer Nullzins-Welt sind die einzugehenden Risiken durchaus wert!

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Interessenkonflikt: Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Anteile des besprochenen Unternehmens und hat die Absicht, diese je nach Marktsituation – auch kurzfristig – zu veräußern und könnte dabei insbesondere von erhöhter Handelsliquidität profitieren.

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