Registrieren
Registrierung Du has Konto? Login.
Sascha / 11.10.19 / 13:13

BioNTech: US-IPO verläuft durchwachsen

Das auf die Entwicklung personalisierter Impfstoffe gegen Krebs spezialisierte Mainzer Biotechnologie-Unternehmen BioNTech (WKN: A2PSR2) hat es also, wenn auch unter großen Schwierigkeiten, tatsächlich geschafft – die Aktie (genauer: der ADS) ist nun an der NASDAQ gelistet.

Allerdings musste man, um den Börsengang noch zu retten, den Anlegern große Zugeständnisse machen. So wollte BioNTech eigentlich 13,2 Mio. ADS zwischen 18 und 20 US-Dollar an den Mann bringen. Jetzt wurden es leider nur 10 Mio. ADS zu 15 US-Dollar.

Somit wurden auch "nur" 150 Mio. US-Dollar (brutto) anstatt rund 250 Mio. US-Dollar erlöst. Zudem fiel der ADS gleich am ersten Handelstag unter den Ausgabepreis von 15 US-Dollar, das Papier ging mit einem Minus von mehr als -5% zu 14,24 US-Dollar aus dem Handel. Heute zeigt sich der Titel jedoch vorbörslich stark und wird aktuell außerbörslich zu 15,90 US-Dollar gehandelt. Doch letztlich spielt das keine so ganz große Rolle. Vielmehr sollte man, als interessierter Anleger, das mittel- bis langfristige Kurspotenzial beurteilen. Genau das möchte ich in diesem Artikel tun.

Dabei ist mir klar, dass eine solche Einschätzung einer Aktie immer in gewisser Weise subjektiv ist. Dies gilt gerade in der Biotechbranche, in der man ja die Aussichten für Medikamente beurteilen muss, in besonderer Weise. Vielleicht auch deshalb zeigte sich der Titel schon bei gestrigen Börsendebüt sehr volatil und setzt dies heute offenbar fort. Anscheinend sind sich die Anleger in der Beurteilung der Aussichten noch nicht einig. Denn zwar ging der ADS gestern mit einem dicken Minus aus dem Handel, verzeichnete aber zunächst große Kursgewinne und später eben große Kursverluste.

Unternehmen scheint auf Sicht von drei bis vier Jahren durchfinanziert zu sein...

Hätte BioNTech den IPO wie ursprünglich geplant zu 20 US-Dollar je ADS durchführen können, hätte dies etwa einer Marktkapitalisierung von 4,5 Mrd. US-Dollar entsprochen. Aufgrund der Zugeständnisse, die man beim Preis machen musste, liegt diese nun bei "nur" noch gut 3,3 Mrd. US-Dollar. Demgegenüber stand 2018 ein Jahresumsatz von gut 127,5 Mio. US-Dollar (+107,1%) bei einem Nettoverlust in Höhe von gut -48 Mio. US-Dollar. Obwohl der Nettoverlust damit im Vergleich zu 2017 fast halbiert wurde, gibt es natürlich noch kein KGV.

Zumal diese Reduzierung des Nettoverlusts nur vorübergehender Natur war. Denn schon im laufenden Geschäftsjahr 2019 dürfte sich dieser wieder, auf dann mehr als -100 Mio. US-Dollar, verdoppeln. Damit dürfte der Cashbestand, der durch den IPO ja noch weiter aufgestockt wurde, die weitere Forschungsarbeit der kommenden drei bis vier Jahre durchfinanzieren. Normalerweise sind aussichtsreiche Biotechs nur für maximal zwei bis drei Jahre durchfinanziert.

BioNTech, hier der Firmensitz in Mainz, forscht an Impfstoffen gegen Krebs und erhielt dafür Geld von der Bill & Melinda Gates-Stiftung...

Trotz der Zugeständnisse beim IPO-Preis fundamental sehr hohe Bewertung

Im laufenden Geschäftsjahr 2019 dürfte BioNTech einen Jahresumsatz von über 210 Mio. US-Dollar sowie einen Nettoverlust von über -100 Mio. US-Dollar einfahren. Damit weist die Aktie ein KUV 2019e von fast 16 auf, so dass die Aktie sicherlich nicht als Schnäppchen bezeichnet werden kann. Nur mal zum Vergleich: Etablierte deutsche Biotechunternehmen wie Evotec weisen derzeit ein KUV 2019e von rund sieben auf.

Zwar mag das Wachstum bei BioNTech höher sein, dies gilt hier jedoch leider in erster Linie für das Umsatzwachstum. Denn anders als Evotec ist BioNTech noch nicht profitabel. Natürlich sind die Aussichten für das Unternehmen – Stichwort: personalisierte Medizin – hervorragend. Aber das schützt auch dieses Unternehmen nicht davor, dass man letztlich doch scheitern kann. So habe ich persönlich schon viele Unternehmen, die als aussichtsreich gefeiert wurden, am Ende scheitern sehen.

Ein Forscher (Mitarbeiter) im Labor bei BioNTech. Die Mainzer kooperieren unter anderem mit dem Pharmagiganten Pfizer.

Fazit: Dieser ADS eignet sich auf diesem Kursniveau nur für sehr spekulative Anleger!

Obwohl BioNTech also beim IPO-Preis den Anlegern schon deutlich entgegen gekommen ist, erscheint die Bewertung nach wie vor alles andere als günstig. Auf Basis der fundamentalen Daten jedenfalls wäre wohl bestenfalls ein Börsenwert in Höhe von knapp 1,6 Mrd. US-Dollar angemessen. Dies wiederum würde einem ADS-Kurs von etwa 7,25 US-Dollar entsprechen. Derzeit kann man den Titel daher wohl nicht als Kaufkandidaten bezeichnen.

Dies könnte sich natürlich auf längere Sicht ändern. Denn wenn BioNTech weitere Forschungserfolge verzeichnen – und diese auch in eine entsprechend positive Umsatz- und vor allen Dingen Gewinnentwicklung umsetzen – kann, sähe die Sache anders aus. Mir persönlich wären das aber noch zu viele wenn und abers. Daher sollten, wenn überhaupt, nur sehr spekulative Anleger den Titel ins Auge fassen respektive kaufen. Wobei das ja generell für Biotechs gilt...

Weitere Artikel
Kommentare