ASML-Aktie bricht ein: Besteht Grund zur Sorge?

17.04.24 um 9:58

Die ASML-Aktie (WKN: A1J4U4) bricht am Mittwochmorgen zeitweise um über -7% ein und ist damit der mit Abstand schwächste Wert im europäischen Leitindex EuroStoxx 50. Was sorgt für so große Enttäuschung beim Chipmaschinenbauer?

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ℹ️ ASML vorgestellt

  • ASML mit Sitz im niederländischen Veldhofen ist ein international führender Ausrüster für die Halbleiterindustrie.
  • Im Bereich Lithographie-Systemen ist das Unternehmen weltweiter Technologie- und Marktführer. Die komplexen Maschinen werden zur Herstellung von effizienten und leistungsstarken Mikrochips benötigt.
  • Zu den Kunden von ASML gehören alle großen Chiphersteller der Welt.
  • Der Börsenwert liegt aktuell bei 348 Milliarden €, das macht ASML zum wertvollsten Technologiekonzern in Europa.

Der Auftragseingang bricht ein

Grund für den massiven Kurseinbruch der ASML-Aktie ist ein überraschend deutlicher Rückgang des Auftragseingangs im ersten Quartal 2024. Während der niederländische Konzern zum Jahresende 2023 noch einen Rekordauftragseingang verbucht hatte, waren es im Auftaktquartal des neuen Jahres „nur“ 3,6 Milliarden €. Das ist weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres und liegt deutlich unter den Analystenschätzungen, die im Schnitt von fast 5,5 Milliarden € ausgingen.

Positiv überraschen konnte ASML hingegen beim Gewinn. Er lag mit 1,22 Milliarden € leicht über den Markterwartungen. Der Umsatz belief sich auf 5,29 Milliarden €, wovon die Hälfte auf den chinesischen Markt entfiel.

Ebenso positiv zu werten ist die Tatsache, dass das Management des Chipindustriezulieferers nach wie vor zu seiner Jahresprognose steht. Für das Gesamtjahr peilen die Niederländer einen Umsatz in Höhe von 27,6 Milliarden € an. ASML rechnet mit einer stärkeren Geschäftsentwicklung in der zweiten Jahreshälfte.

Analysten sind immer noch bullish

In Erwartung eines höheren Auftragseingangs haben viele Analysten noch in den letzten Tagen ihre Kursziele für die ASML-Aktie angehoben. Die Deutsche Bank erhöhte ihr Kursziel von 880 auf 1.000 €. Noch bullisher zeigte sich die Schweizer Großbank UBS, die den fairen Wert der Aktie nun bei 1.050 statt bei 880 € sieht.

Größter Bulle unter den Banken ist derzeit die amerikanische Citi Group, die an ein Kursziel der ASML-Aktie von 1.250 € glaubt. Gegenüber dem aktuellen Kursniveau sehen die Citi-Analysten damit ein Upside von über +40%.

Es wird spannend zu sehen, ob und wie Analysten ihre Kursziele in den kommenden Tagen revidieren werden. Ich gehe davon aus, dass ein Großteil der Banken die Prognosen trotz des kurzfristigen Einbruchs des Auftragseingangs unangetastet lässt.

Abwärts statt seitwärts?

Durch den Kurssturz zur Wochenmitte ist die ASML-Aktie auf ihre Unterstützungszone bei ca. 860 € zurückgefallen. Ob der Seitwärtstrend der letzten Wochen nun durch einen Abwärtstrend abgelöst wird, werden erst die kommenden Tage zeigen.

Eine völlig übertriebene Reaktion

Ich halte den heutigen Kursrückgang der ASML-Aktie für völlig übertrieben. Der Konzern hat mit einem kurzfristigen Rückgang des Auftragseingangs zu kämpfen. Nicht mehr und nicht weniger. Die Prognose für das Gesamtjahr, geschweige denn die mittel- und langfristige Perspektive, hat sich nicht verändert. Die starke Chipnachfrage treibt auch das Geschäft von ASML an.

Ich bin seit Jahren ein großer Fan der ASML-Aktie. Es gibt in meinen Augen kaum ein Tech-Unternehmen mit einem größeren technologischen Burggraben als die Niederländer. Chiphersteller, die die neuesten Generationen leistungsstarker und hocheffizienter Mikrochips herstellen, kommen an ASML überhaupt nicht vorbei.

Kein anderes Unternehmen kann bei Lithografiemaschinen ASML auch nur annähernd das Wasser reichen. An diesem Quasi-Monopol wird sich aufgrund der enormen technischen Komplexität der Systeme auch in den kommenden Jahren nichts ändern.

Gefahr droht deshalb nicht von technologischer Seite, sondern vielmehr aus der Politik. ASML ist einer der wichtigsten Grundlagenkonzerne für die globale technologische Führung in der Chipherstellung. Deshalb ist es den USA ein Dorn im Auge, dass die Europäer nach wie vor so viele Systeme nach China liefern. Washington will die Ausfuhr der neuesten Maschinengenerationen an seinen größten globalen Konkurrenten verbieten.

Ich sehe die politischen Drohgebärden gelassen. Trotz der Streitigkeiten zwischen Washington und Peking hat die ASML-Aktie in den letzten zwölf Monaten um gut +50% zugelegt und mehrfach ein neues Allzeithoch aufgestellt. Das wird Europas wertvollstem Technologiekonzern auch in den kommenden Monaten gelingen.

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Interessenkonflikt: Der Autor hält Aktien des besprochenen Unternehmens ASML. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Der Autor beabsichtigt, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnte dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.

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