Uber Technologies: Wie Lyft, also abwärts?

von (sh)  /   10. Mai 2019, 21:38  /   unter IPO & Börsengänge, Technologie-Aktien  /   Keine Kommentare

Nun ist es also vollbracht! Der Betreiber eines Transportnetzwerks, Uber Technologies (WKN:A2PHHG), ist endlich an die Börse gegangen. In der Vergangenheit war das Startup eines der heißesten Unternehmen im Silicon Valley überhaupt. So beteiligten sich zahlreiche erfolgreiche, prominente Venture Capital-Geber in mehreren vorbörslichen Finanzierungsrunden an Uber. Fast schien es, als könne der Wert dieses „Einhorns“ („Unicorn“) nur steigen.

So flossen insgesamt, im Zuge von sage und schreibe 23 vorbörslichen Finanzierungsrunden, knapp 25 Mrd. US-Dollar in das Startup. In der Spitze wurde diese dabei vorbörslich mit weit über 100 Mrd. US-Dollar bewertet. Damit war und ist Uber sicherlich ein Paradebeispiel dafür, dass der Wahn der damaligen „Dotcom Bubble“ langsam wieder an die Börse zurückgekehrt ist. Denn bis heute ist Uber nicht profitabel.

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Zugleich aber zeigte Uber auch, dass Startups mit einem interessanten Geschäftsmodell problemlos Geld zu ihrer Finanzierung einsammeln können. Daher konnte man es lange Zeit vermeiden an die Börse zu gehen. Nach einigen Skandalen, die letztlich den Mitgründer und damaligen CEO Travis Kalanick seinen Posten kosteten, drängten die Investoren zuletzt jedoch wohl immer ungeduldiger auf den Börsengang (IPO).

Börsengänge von Lyft und Uber sind kein gutes Zeichen!

Nun ist es keineswegs so, dass ich Uber nicht für börsenreif halten würde. Das einstige Startup ist nämlich längst zu einem weltweit tätigen Konzern herangewachsen, der im Geschäftsjahr 2018 einen Jahresumsatz von sage und schreibe 11,27 Mrd. US-Dollar einfahren konnte und weiterhin stark wächst. Zur Wahrheit gehört jedoch auch ein Nettoverlust in Höhe von sage und schreibe -1,8 Mrd. US-Dollar, der die Story schon wieder deutlich relativiert.

Insofern steht zu vermuten, dass den zahlreichen Venture Capital-Gebern von Uber die Sache auch langsam etwas heiß wird und sie nur auf einen IPO gedrängt haben, um so den Exit-Kanal Börse nutzen zu können. Ganz grundsätzlich ist das nicht verwerflich. Denn Geldgeber von Startups ziehen sich, weil sie ja Startups finanzieren möchten, gerne mal zurück, wenn das einstige Startup eine gewisse (kritische) Größe erreicht hat. Dies ist hier der Fall.

Allerdings zeigt nicht nur der Börsengang von Uber, sondern noch viel mehr die fundamentale Bewertung von Uber, dass wir uns wohl eher in der Endphase der langjährigen, im März 2009 gestarteten, Hausse befinden. Dabei befindet sich das, inzwischen von Ex-Expedia-CEO Dara Khosrowshahi geführte Unternehmen, in bester Gesellschaft. So erscheinen nicht nur viele Software-as-a-Service (SaaS) Anbieter recht teuer, sondern auch der große Konkurrent Lyft!

Uber, zahlreiche Fahrer warten am Flughafen auf Gäste

Kein gutes Omen – Lyft befindet sich im freien Fall…

Dabei wurde Lyft lange Zeit, quasi als eine Art zweite Uber („CopyCat“), ebenfalls sehr hoch gehandelt. Zunächst schien der Börsengang von Lyft daher auch ein voller Erfolg zu werden. So wurden die Aktien des Uber-Konkurrenten kürzlich noch zu 72,00 US-Dollar und damit sogar deutlich oberhalb der zuvor genannten Preisspanne von 60,00 bis 66,00 US-Dollar am Markt platziert. In den ersten Handelsstunden schoss die Aktie dann schließlich sogar bis auf weit über 85,00 US-Dollar nach oben – aber nur um anschließend um so tiefer abzustürzen.

Dies war sicherlich kein gutes Omen für den Börsengang von Uber. So sah sich das Management von Uber um CEO Dara Khosrowshahi gezwungen seinen Plan, nämlich das Uber beim IPO eine Marktkapitalisierung von mindestens 100 Mrd. US-Dollar zugestanden wird, aufzugeben. Womit Uber letztendlich doch nur der zweitgrößte Börsengang eines Technologieunternehmens an der NYSE – hinter der Alibaba Group – ist. Die Nummer 1 an der NASDAQ war, ist und bleibt hingegen weiterhin Facebook.

Fundamentale Bewertung nicht mehr so exorbitant hoch

Wie eben bereits erwähnt hat Uber im Zuge seines IPOs seine Bücher öffnen müssen. Dadurch wissen wir, dass 2018 bei einem Jahresumsatz von 11,27 Mrd. US-Dollar ein Nettoverlust in Höhe von -1,8 Mrd. US-Dollar eingefahren wurde. Somit lag das Umsatzwachstum bei knapp +42,1%. Das durchschnittliche Umsatzwachstum der vergangenen beiden Geschäftsjahre lag durchschnittlich sogar bei ca. +71,2%.

Zugleich ist Uber jedoch noch meilenweit von der Erreichung des Break-even-Punktes entfernt. Dennoch muss man klar positiv herausstreichen, dass das Unternehmenswachstum – auch und gerade unter Berücksichtigung der schon erreichten Größe des Konzerns – absolut beeindruckend ist. Insofern ist das Unternehmen meines Erachtens auf einem guten Weg in Richtung einer nachhaltigen Geschäftsentwicklung, sprich: der Erreichung der Profitabilität.

Zum Ausgabepreis von 45,00 US-Dollar wies Uber Technologies somit einen Börsenwert von rund 75,5 Mrd. US-Dollar auf. Leider gelang der Aktie kein guter Börsenstart, so dass sie aktuell schon für weniger als 45,00 US-Dollar zu haben ist. Dementsprechend beträgt die aktuelle Marktkapitalisierung auch „nur“ noch ca. 72,6 Mrd. US-Dollar. Auf Basis dieser Bewertung liegt das KUV 2019e bei knapp fünf, wobei aufgrund anhaltender Verluste auch weiterhin kein KGV berechnet werden kann.

Kunde bei Nutzung der Uber App, er ruft einen Fahrer

Fazit: Eine Aktie für hartgesottene Spekulanten

Schaut man sich die Entwicklung von Uber seit der Gründung vor 10 Jahren, also im Jahr 2009, an, ist diese beeindruckend. Auch die Bewertung der Gesellschaft wirkte zeitweise abenteuerlich. Zuletzt jedoch sind wohl einige Menschen doch etwas zur Besinnung gekommen. So erscheint der letztlich gewählte IPO-Preis von 45,00 US-Dollar durchaus angemessen. Zumindest ist ein KUV 2019e von knapp fünf aktuell für Technologiewerte in den USA nicht mehr exorbitant teuer.

So weisen insbesondere die Aktien von Software-as-a-Service Unternehmen wie Twilio oder Workday deutlich höhere Umsatzmultiple auf. Umso überraschender und damit kritischer muss man den Kursverlauf der Aktie heute betrachten. Zumal sicherlich zahlreiche institutionelle Anleger, besonders Fondsmanager, ja keine vollen Zuteilungen an Uber-Aktien im Zuge des IPOs bekommen haben und daher eigentlich über die Börse zukaufen müssten.

Täten sie dies in größerem Umfang, müsste die Aktie sich jedoch zumindest stabil halten, wenn nicht sogar Zugewinne verzeichnen. Nichtsdestotrotz halte ich Uber jetzt und in Zukunft für eine durchaus spannende Story. Ein wenig erinnert mich, insbesondere die Häme und Kritik aufgrund des nicht so gelungenen Börsengangs, an die IPOs von Tesla oder Facebook. Beide Aktien haben jedoch die damaligen Lacher langfristig Lügen gestraft.

Mit anderen Worten: Ein KUV 2019e von knapp fünf ist immer noch eine üppige Bewertung. Aber Uber ist klarer Weltmarktführer in einem zukunftsträchtigen Markt, so dass diese Bewertung fundamental durchaus angemessen erscheint. Verzeichnet Uber mittel- bis langfristig weiterhin Erfolge, hat die Aktie somit durchaus noch viel Luft nach oben. Aber wie die Geschäftsentwicklung hier verlaufen wird, kann Ihnen, liebe Anleger, heute noch niemand sagen. Daher eignet sich die Aktie bis auf weiteres nur für hartgesottene Spekulanten. Alle anderen Anleger sollten erst einmal am Rande bleiben und die Kursentwicklung beobachten!

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