Tom Tailor: Gibt es ein Happy End?

von (mh)  /   22. Juli 2019, 8:00  /   unter Small Caps  /   Keine Kommentare

Die Aktie von Tom Tailor (WKN: A0STST) wird zum Spielball von Spekulanten: Das Papier machte am Freitag einen Satz nach oben um +83,51% auf 1,78 Euro. Von Unternehmensseite gibt es jedoch keine kursrelevanten Ad-hoc-Mitteilungen wie desöfteren in jüngster Vergangenheit. Die letzte News gab es vor rund einer Woche für Mode-Begeisterte zur Star-Kollaboration mit Nena und ihrer Tochter Larissa, die eine Herbstkollektion designen werden. 

Die einzigen relevanten News sind Stimmrechtsmitteilungen. Demzufolge hat der Fosun-Konzern seine Beteiligung an Tom Tailor per 12. Juli mehr als verdoppelt. Dem Handelskonglomerat rund um den Multimilliardär Guo Guangchang gehören nun rund 77% an der Modekette. Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen ist es nicht unwahrscheinlich, dass Leerverkäufer für die Kursturbulenzen verantwortlich sind. Hinter den Kulissen geht es hoch her. Gibt es ein Happy End?

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Die nächste Gerry Weber?

Ähnlich wie bei dem in der letzten Woche die Schlagzeilen bestimmenden Traditionsmodehaus Gerry Weber (wir berichteten), hatte Tom Tailor in der jüngeren Vergangenheit mit schrumpfenden Umsätzen zu kämpfen. Auch die Profitabilität verschlechterte sich zusehends. Nun sieht sich der Hamburger Bekleidungskonzern erhöhten Risiken gegenüber, welche die finanzielle Gesundheit des Unternehmens auf die Probe stellen.

Wachstum um jeden Preis – Sorgenkind Bonita

Ein Blick zurück: 2016 etablierte die in mehr als 30 Ländern präsente Tom Tailor Holding ein Sparprogramm. Das Online-Geschäft sollte ausgebaut werden, zudem wollte man in den Kernmärkten wachsen – mit ausbleibendem Erfolg. Der Wachstumspfad war klar abgesteckt, Übernahmen wurden durch hohe Kredite geschultert.

Quelle: Tom Tailor

Die von Tom Tailor selbst als „ambitioniert“ bezeichneten mittelfristigen Wachstumsziele waren wohl zu ambitioniert. Der Preis für das Wachstum war zu hoch und das rächt sich nun. Spiegelbildlich dafür steht die kriselnde Marke Bonita, deren Umsatz 2017 um -11,6% schrumpfte. Bonita-Kleidungsstücke – gedacht für Damen ab 50 – stapelten sich zuletzt in den Lagern. Im dritten Quartal 2018 beschleunigte sich der Umsatzrückgang, die Erlöse des Segments schrumpften um -19%.

Hierzu muss man wissen, dass der Zustand der deutschen Textilindustrie im stationären Fachhandel verheerend ist. Nach Angaben von Hachmeister & Partner war der Umsatz im letzten September deutschlandweit um 10,6% rückläufig. Ende 2018 dann auch der Paukenschlag: Tom Tailor musste auf Bonita Abschreibungen von über 100 Millionen Euro vornehmen, nachdem man eine Restrukturierung der Sparte nicht weiter verfolgte. Der Bereich sollte nun an einen holländischen Investor verkauft werden. Kreditgebende Banken stimmten dem jedoch im Mai nicht zu.

Hanseatische Frauenpower für den Weltkonzern: Mit neuen Kampagnen und Topmodel Toni Garrn wollte sich Tom Tailor schick machen, der Erfolg blieb bis dato aus. Quelle: Tom Tailor / dgap.de

Die Frage ist: Wie finanziert sich Tom Tailor weiter …

Bereits vor Jahren nahm die Tom Tailor Holding Kredite im deutlich dreistelligen Millionenbereich in Anspruch, unter anderem zur Übernahme der Bonita-Gesellschaften. Da man den Fokus wohl eher auf die Ergebnisse legte und die Banken ihr Geld jetzt wiedersehen wollen, wird die Verschuldung dem Casual-Wear-Ausstatter nun zum Verhängnis.

… und welche Rolle spielt Großaktionär Fosun?

Die Fosun Group, Ende 2018 schon größter Einzelaktionär, betonte im April die Absicht für ein „langfristiges Engagement als konstruktiver strategischer Partner für Tom Tailor.“ Mitte Juni erzielte das von Dr. Heiko Schäfer geleitete Modeunternehmen mit Fosun eine „erste Einigung“ über eine Brückenfinanzierung, im Rahmen derer Fosun Tom Tailor ein Darlehen von knapp 20 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Die Banken setzen parallel ihre Forderung über 7,5 Millionen Euro im Rahmen des Konsortialkredits aus und stellen gleichzeitig im Zuge einer „neuen Akkreditivlinie“ 30 Millionen Euro für Warenbestellungen bereit.

Gibt es nun ein Happy End?

Die Tom-Tailor-Aktie hatte sich monatelang über 2 Euro stabilisiert – bevor sie in den letzten Tagen nach unten wegbrach, bis auf 0,75 Euro am Donnerstag. Viel mehr als Stimmrechtsmeldungen ließ Tom Tailor nicht verlauten.

An der Börse wird die Tom-Tailor-Aktie mit nur noch rund 70 Millionen Euro bewertet. Ob sich eine Spekulation auf steigende Kurse für Aktionäre letztendlich lohnt, wird sich wohl bald entscheiden. Aktuell kaufen sich Spekulanten in den Titel ein und bestimmen die Richtung des Kurses. Fosun dürfte ein gewichtiges Wörtchen mitzureden haben bei der Zukunft von Tom Tailor.

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