SMA Solar: Solarbranche mit Comeback, aber…

von (sh)  /   12. April 2019, 18:12  /   unter Technologie-Aktien  /   Keine Kommentare

Es ist noch gar nicht so lange her, da war ich noch ein großer Freund der Aktie des deutschen Wechselrichterproduzenten SMA Solar (WKN: A0DJ6J). Als ich seinerzeit erstmals zum Einstieg in die Aktie blies, notierte diese noch unterhalb von 20,00 Euro. In der Spitze vervielfachte sich der Titel dann bis auf über 60,00 Euro. Zu diesen Kursen fand ich die Aktie dann relativ teuer und sah wenig weiteres Kurspotenzial, weshalb ich Gewinnmitnahmen anregte.

Darüber hinaus riet ich dazu einen Stoppkurs im Bereich um 45,00 Euro einzuziehen, um so Kursgewinne von +100% abzusichern. Tatsächlich fiel die Aktie dann auch deutlich zurück, zunächst aufgrund der Ankündigung von Schutzzöllen auf Solarprodukte durch den seinerzeit neu gewählten US-Präsidenten Donald Trump. Allerdings beruhigte sich die Situation schnell wieder, zumal SMA Solar über kaum ein nennenswertes US-Geschäft verfügte und verfügt.

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Härter traf das Unternehmen daher der zweite Schlag, nämlich die massive Streichung von Subventionen für die Solarbranche in China. Zum Einen, weil SMA Solar in Asien durchaus tätig war, zum Anderen aber auch deshalb, weil so chinesische Billigproduzenten ihre Wechselrichter zu absoluten Kampfpreisen auf den europäischen bzw. deutschen Markt warfen. Kein Wunder also, dass die Aktie in der Folge alle zuvor erzielten Kursgewinne komplett wie abgab.

Neues Management muss sich erst noch beweisen

Prinzipiell konnte man dem damaligen Management von SMA Solar um den seinerzeitigen CEO Pierre-Pascal Urbon eigentlich gar keine großen Vorwürfe machen. Denn besonders der Schlag der chinesischen Regierung traf alle Marktteilnehmer überraschend, so dass das Management schon über hellseherische Fähigkeiten hätte verfügen müssen, um das auch nur zu erahnen. Nachdem die Katze allerdings dann aus dem Sack war, hätte der Vorstand viel drastischere Maßnahmen ergreifen und deutlich besser mit dem Kapitalmarkt kommunizieren müssen.

Leider war der langjährige CEO dazu jedoch nicht mehr in der Lage, so dass sein Abgang nach mehreren Gewinnwarnungen die logische Konsequenz war. Das Problem ist nur, dass das neue Management noch zu kurz in Amt und Würden ist, um schon zu beurteilen, ob es die Gesellschaft besser im Griff hat. Positiv ist jedoch anzumerken, dass Großaktionäre wie insbesondere die skandinavische Danfoss-Gruppe hinter dem Unternehmen und wohl auch hinter dem neuen Management stehen. Zumindest hält Danfoss bisher weiter an seiner Kapitalbeteiligung fest.

Zukunftsaussichten der Solarbranche hellen sich auf, aber…

Obwohl sowohl die Beteiligung der Unternehmensgründer (knapp 55% des Aktienkapitals) als auch von Danfoss (20% des Aktienkapitals) grundsätzlich positiv zu bewerten sind, hat SMA Solar nicht nur aktuell, sondern auch in der Zukunft große Herausforderungen zu meistern. Denn zwar sind die Wechselrichter des Konzerns qualitativ besser als die asiatischer Billigproduzenten. Allerdings sind die Qualitätsunterschiede inzwischen nicht mehr so groß, als ob sich die Kunden noch großartig dafür interessieren.

Daher greifen diese tendenziell zu den günstigeren asiatischen Wechselrichtern, so dass die Company aus Niestetal (bei Kassel) nicht mehr umhin kommt den Preiswettbewerb mitzugehen. Dies wiederum führte zuletzt stets dazu, dass trotz steigender Absatzzahlen die Umsatz- und Gewinnentwicklung negativ war. Letztlich haben wir daher hier die paradoxe Situation, dass ein Unternehmen aus einer Wachstumsbranche tendenziell leider sukzessiven weiter schrumpft. Und Aktien solcher Unternehmen mögen Anleger nun mal nicht!

Umsatz- und Gewinnentwicklung negativ und keine nachhaltige Trendwende in Sicht

Zwar konnte SMA Solar seine Verbindlichkeiten von 2014 bis 2018 von seinerzeit knapp 630 Mio. Euro auf zuletzt „nur“ noch knapp 565 Mio. Euro reduzieren. Allerdings reduzierten sich dabei auch die liquiden Mittel auf zuletzt „nur“ noch gut 140 Mio. Euro. 2014 hatten diese noch bei 184 Mio. Euro gelegen und waren zwischenzeitlich sogar mal bis auf knapp 235 Mio. Euro (2017) angestiegen. Noch ist die Verschuldungssituation des Unternehmens zwar unbedenklich. Allerdings braucht man eben in absehbarer Zeit einen nachhaltigen Turn-Around.

Davon ist jedoch bisher noch nichts zu sehen. Zwar stieg der Jahresumsatz von 2014 auf 2015 um ca. +24,1% an. Seitdem aber sank er sukzessive auf zuletzt nur noch 760,9 Mio. Euro. Auch im laufenden Geschäftsjahr ist bestenfalls mit einer Stabilisierung zu rechnen. Auch die Gewinnentwicklung ist nicht wirklich schön gewesen. Nach herben Verlusten in 2014 (knapp 180 Mio. Euro) kam es zwar 2015, 2016 und 2017 zu schwarzen Zahlen, selbst der kumulierte Gewinn (ca. 74 Mio. Euro) war jedoch kleiner als der Verlust des Jahres 2014.

Darüber hinaus verzeichnete man dann im letzten Geschäftsjahr 2018 schließlich erneut einen Verlust in Höhe von mehr als 175 Mio. Euro. Vor diesem Hintergrund muss man die Frage stellen, warum das Unternehmen in den drei einigermaßen guten Jahren 2015, 2016 und 2017 überhaupt eine Dividende ausgezahlt hat. Diese wurde folgerichtig in 2018 wieder gestrichen und auch für das laufende Geschäftsjahr 2019 sollte man als Anteilseigner nicht mit der Ausschüttung einer Dividende kalkulieren.

Fazit: Deutsche Solarbranche quasi tot, SMA Solar auch nur für Zocker!

Zusammenfassend muss man daher konstatieren, dass die deutsche Politik in Sachen Förderung erneuerbarer Energien, insbesondere was die Solarbranche betrifft, total gescheitert ist. Der deutsche Steuerzahler hat mit Milliarden den Aufbau der Solarbranche in China gefördert, nicht mehr und nicht weniger. Darum sind Solarunternehmen wie Conergy, Q-Cells oder Solarworld schon lange in der Insolvenz verschwunden. SMA Solar wehrt sich noch gegen dieses Schicksal, es ist aber langfristig nicht sicher, dass man diesen Kampf ausgerechnet in Niestetal gewinnt.

Vor diesem Hintergrund eignet sich auch die Aktie von SMA Solar nicht für Anleger, zumindest nicht für solche mit einem mittel- bis langfristigen Anlagehorizont. Kurzfristig kann das natürlich anders aussehen, denn da die Flut irgendwann alle Schiffe hebt, könnte auch diese Aktie im Zuge einer Kursrally im Solarsektor nochmals höhere Kurse sehen. Mit einem Kurssprung über die Marke von 23,00 Euro würde beispielsweise ein charttechnisches Kaufsignal mit Kursziel 28,00 Euro erzeugt, das man dann spielen kann. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!

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