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Plug Power: Das könnte für Anleger im Desaster enden

Redaktion / 11.11.22 / 12:27

Die Plug-Power-Aktie (WKN: A1JA81) ist nach dem Q3-Finanz-Update am Donnerstag um +16,5% auf 17 US$ hochgeschossen. Ein starker Auftragsbestand und eine aggressive Q4-Prognose ließen den Markt über die erneut miserablen Quartalsergebnisse hinwegsehen. Der Wasserstoff-Spezialist wird sich enorm strecken müssen, um seine Jahresziele noch zu erreichen. Sollten Anleger darauf wetten?

Plug Power ist ein US-amerikanischer Entwickler von Wasserstoff-Brennstoffzellensystemen und dazugehörigen Plug-and-Play-Lösungen. Die Firma aus Latham in der Nähe von New York wurde 1997 als Joint Venture zwischen DTE Energy und Mechanical Technology gegründet. Sie gilt als technologischer Spitzenreiter und ist beliebt bei Anlegern wegen ihre Kooperationen mit Amazon und Walmart.

Nach Börsenschluss am Dienstag meldete Plug Power eine weitere Reihe miserabler Quartalszahlen. Quintessenz: Das Kerngeschäft des Unternehmens im Bereich Materialtransport ist nach wie vor ein absolutes Desaster. Die Anleger kümmert's wenig: Aufgrund eines starken Auftragsbestands und einer aggressiven Q4-Prognose nahm der Markt den Zwischenbericht positiv auf und bugsierte die Plug-Aktie am Donnerstag um +16,5% hoch auf 17 US$.

Kerngeschäft im Jahresvergleich rückläufig

Umsatz und Gewinn pro Aktie verfehlten die Konsenserwartungen um Längen, während die GenDrive-Lieferungen im Jahresvergleich um etwa -23% zurückgingen und die Wasserstoff-Infrastrukturinstallationen um fast -20%. Dank eines verbesserten Produktmixes sank der Umsatz mit Materialtransportprodukten im Vergleich zum dritten Quartal nur leicht.

Die konsolidierte Bruttomarge zeigte nur sehr geringe Fortschritte gegenüber dem Vorquartal und dem Vorjahreszeitraum – selbst nach Bereinigung um 8,6 Millionen US$ an Gewährleistungskosten, die größtenteils mit der jüngsten Vereinbarung mit Amazon über die Lieferung von grünem Wasserstoff im Zusammenhang stehen.

Plug Power hat im dritten Quartal weitere 9,6 Millionen US$ aus der sogenannten „Verlustrückstellung für Dienstleistungen“ aufgelöst, die im letzten Jahr gebildet wurde, um für erwartete, massive Verluste im Dienstleistungsgeschäft in der Zukunft vorzusorgen. Bereinigt um die Auflösung hätte die Bruttomarge im Servicebereich bei -164,1% gelegen und damit im Wesentlichen auf dem Niveau des letzten Quartals.

Der Mangel an greifbaren Fortschritten bei den Dienstleistungsmargen zeigt sich auch im Leasinggeschäft des Unternehmens, das als „Power Purchase Agreements“ (PPA) bezeichnet wird. Da die Rechnungslegungsvorschriften keine Vorabverluste bei Serviceverträgen für geleaste Anlagen zulassen, spiegelt die schwache Bruttomargenleistung in diesem Segment weiterhin den wahren Zustand des Servicegeschäfts des Unternehmens wider.

Aggressive Q4-Prognosen

Nachdem die Konsensschätzungen für Q3 um Meilen verfehlt wurden, muss Plug Power die Einnahmen im laufenden Quartal um mindestens +75% gegenüber dem Vorquartal steigern, um das untere Ende der kürzlich revidierten Jahresprognosen zu erreichen.

Bei der Telefonkonferenz prognostizierte das Management für Q4 eine Verdoppelung der Produktverkäufe gegenüber dem Vorquartal, was ausreichen würde, um die Mitte der revidierten Spanne zu erreichen.

Leider ist das Management nach wie vor dafür berüchtigt, zu viel zu versprechen und zu wenig zu halten, sodass Anleger diese Aussagen mit dem entsprechenden Augenmaß betrachten sollten.

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Verpasste Ziele für Elektrolyseur-Lieferungen

Im Juli behauptete CEO Andy Marsh beispielsweise, dass das Unternehmen im Jahr 2022 Elektrolyseure mit einer Leistung von 200 Megawatt (MW) ausliefern werde. Auf der Telefonkonferenz zum zweiten Quartal im August prognostizierte er 140 Millionen US$ an Elektrolyseur-Lieferungen für die zweite Hälfte dieses Jahres, aber im Investorenbrief zum dritten Quartal verweist das Unternehmen nur darauf, dass es „auf dem Weg ist, 60 bis 100 MW an Elektrolyseur-Stacks im vierten Quartal 2022 zu produzieren“, ohne irgendeine Art von Lieferprognose zu geben.

Betrachen wir einmal das Best-Case-Szenario: Q4 Elektrolyseur-Produktion am oberen Ende der Spanne, alle Elektrolyseure werden an Dritte verkauft, rechtzeitige Auslieferung und Umsatzrealisierung. Selbst dann würden die Q4-Elektrolyseureinnahmen des Unternehmens wahrscheinlich immer noch einen Bruchteil der 140 Millionen US$ betragen, die das Management noch vor drei Monaten prognostiziert hatte.

Barmittelverwendung und Liquidität

Der negative freie Cashflow für das Quartal belief sich auf fast 300 Millionen US$. Aber am Ende des dritten Quartals verfügte Plug Power immer noch über etwa 2,7 Milliarden US$  an frei verfügbaren Barmitteln und zur Veräußerung verfügbaren Wertpapieren.

Geht man davon aus, dass das Unternehmen im laufenden Quartal 200 Millionen US$ und im nächsten Jahr weitere 1,5 Milliarden US$ verwendet, würde die Liquidität bis Ende 2023 auf etwa eine Milliarden US$ sinken.

Starker Anstieg des Auftragsbestands

Dennoch war nicht alles schlecht am dritten Quartal von Plug Power, da der Rückgang im Kerngeschäft Materialtransport im Jahresvergleich nicht so ausgeprägt war wie im zweiten Quartal.

Darüber hinaus gelang es dem Unternehmen, den Auftragsbestand im Vergleich zum Vorquartal um fast +45% auf 931,7 Millionen US$ zu erhöhen. Das ist vor allem auf die Buchungen für Elektrolyseure zurückzuführen, die von 77,1 Millionen US$ am Ende des zweiten Quartals auf 266,7 Millionen US$ angestiegen sind. Es handelt sich hier wahrscheinlich um den Großauftrag von New Fortress Energy (NFE) im Zusammenhang mit der geplanten grünen Wasserstoffanlage in Beaumont, Texas.

Schlüsselprojekt für grünen Wasserstoff in der Schwebe

Leider gibt es immer noch eine große Diskrepanz zwischen der Zahl des Auftragsbestands, die im Quartalsbericht des Unternehmens auf Formblatt 10-Q angegeben wurde, und dem 1,5 GW-Elektrolyseur-Auftragsbestand, den das Management in seinem Investorenbrief feierte, der nach den jüngsten Annahmen von Morgan Stanley etwa 750 Millionen US$ an Einnahmen bedeuten würde.

Die auffällige Differenz ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass noch keine endgültige Investitionsentscheidung für die von H2 Energy Europe geplante 1-GW-Anlage für grünen Wasserstoff in Esbjerg, Dänemark, getroffen wurde. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt halten wir es aufgrund des Mangels an erneuerbaren Energien und der erforderlichen Pipeline-Infrastruktur für unwahrscheinlich, dass das Projekt durchgeführt wird.

Selbst wenn die dänische Regierung in naher Zukunft zusätzliche Ausschreibungen für Offshore-Windkraftanlagen und den Bau von Pipelines genehmigt, wird die erforderliche Infrastruktur nicht vor 2026 betriebsbereit sein, so Peter Kristensen, Leiter der Abteilung Strategie und Entwicklung des staatlichen Gasversorgers Evida.

Ursprüngliche Produktionsziele für grünen Wasserstoff verfehlt

Die Unternehmensleitung gab auch einen aktuellen Überblick über die derzeit im Bau befindlichen Wasserstoffanlagen. Es sei daran erinnert, dass nur die Anlagen in Georgia, Texas und New York tatsächlich grünen Wasserstoff produzieren werden, während die Anlagen in Tennessee und Louisana Nebenprodukt-Wasserstoff vom strategischen Partner Olin (OLN) verwenden werden.

Die Zielvorgaben für die Produktionskapazität hat das Management im Laufe des Jahres sukzessive verschoben. Auf der Telefonkonferenz von Plug Power im ersten Quartal ging CEO Andy Marsh von einer Produktionskapazität von 70 Tonnen grünem Wasserstoff pro Tag zum Jahresende aus. Im nächsten Earnings Call wurde das Ziel auf „Inbetriebnahme von 70 Tonnen grünem Wasserstoff im Jahr 2022“ verwässert.

Auf dem Jahressymposium  im vergangenen Monat hat Plug Power das Ziel auf „etwa 50 Tonnen Inbetriebnahme in diesem Jahr“ reduziert, während es im Investorenbrief vom Dienstag heißt: „Wir sind weiterhin zuversichtlich, das Jahr 2022 mit 45-50 TPD in Betrieb genommener Wasserstofferzeugungsanlagen zu verlassen.“ Anleger sollten insbesondere das Fehlen des Wortes „grün“ in der jüngsten Aktualisierung beachten.

Kurzum: Plug Power wird das Jahr 2022 wahrscheinlich mit läppischen 2,5 Tonnen pro Tag grüner Wasserstoffproduktion in seinem Werk in Georgia beenden, verglichen mit 70 Tonnen, die das Management zu Beginn des Jahres prognostiziert hatte.

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Bislang fast nur leere Versprechen

Bei Plug Power bleibt alles beim Alten: Das Management preist die Zukunftsaussichten des Unternehmens an, während das Kerngeschäft der Materialhandhabung weiterhin im Argen liegt.

Darüber hinaus kommt die viel gepriesene Transformation bisher nicht so voran, wie vom Management prognostiziert, da das Unternehmen seine Ziele sowohl für die Auslieferung von Elektrolyseuren als auch für die Produktionskapazität von grünem Wasserstoff zum Jahresende weit verfehlen wird. Da legen wir uns an dieser Stelle mal fest.

Obwohl der Auftragsbestand im Vergleich zum Vorquartal erheblich gestiegen ist, besteht nach wie vor eine große Diskrepanz zwischen den 1,5 GW, die das Management im Investorenbrief angepriesen hat, und den tatsächlichen Buchungen, die in den Unterlagen des Unternehmens angegeben sind.

In Anbetracht der anhaltenden Probleme ist es schwer vorstellbar, dass Plug Power auch nur annähernd die vom Management für 2023 prognostizierten Einnahmen von 1,4 Milliarden US$ erreichen wird und das Unternehmen das Jahr mit einer kostendeckenden Betriebsmarge abschließt.

Investoren sollten sich daher zurückhalten, bis Plug Power endlich damit beginnt, seine Ziele auf einer kontinuierlichen Basis zu erreichen.

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