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Sascha / 13.11.19 / 13:00

LEONI: Weiterhin auf Messers Schneide!

Lange Zeit gehörte die Aktie von LEONI (WKN: 540888) zu meinen Favoriten im Bereich der Automobilzulieferer. Nahe den Höchstkursen von über 60 Euro wurde ich jedoch skeptisch, was sich im Nachhinein als richtig erwiesen hat.

Das grundsätzliche Problem aller Automobilzulieferer ist, dass sie sehr abhängig von der Automobilkonjunktur sind – und diese wiederum ist sehr zyklisch. Denn nicht jeder braucht jedes Jahr ein neues Automobil. Und gerade wenn die Konjunktur generell schwächelt, wird eine so große Anschaffung von Verbrauchern gerne mal zurück gestellt.

Doch dieser Schwachpunkt betrifft natürlich auch die Kunden der Automobilzulieferer, nämlich die Autobauer. Wobei diese natürlich mehr Möglichkeiten haben darauf zu reagieren. Leider führt deren Reaktion auf eine sich abschwächende Automobilkonjunktur dann jedoch stets zu zusätzlichem Druck auf die Automobilzulieferer. Denn die Autobauer versuchen in schwierigen Zeiten natürlich die Preise zu drücken, so dass die Automobilzulieferer doppelt leiden.

Bisher ist es auch noch keinem mir bekannten Automobilzulieferer gelungen diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Nicht mal Branchengiganten wie Continental oder Schaeffler haben es, allen Versuchen zum Trotz, geschafft. Insofern ist das etwas, mit dem diese Branche wohl leben muss. Dementsprechend müssen es auch die Aktionäre solcher Unternehmen. Daher sind Investments in Automobilzulieferer meines Erachtens keine guten langfristigen Investments, können sich aber sehr wohl kurzfristig auszahlen. Wie aber sieht es aktuell bei LEONI aus?

Wenn das Unternehmen die aktuelle Krise überlebt...

Nun, wie jeder weiß, ist der große China-Boom in der Automobilbranche vorbei. Vielmehr steht die Branche derzeit von mehreren Seiten unter Druck. Da sind zum Einen die Schummeleien (insbesondere beim Diesel), zum Anderen aber auch die Klimaschutzbewegung. Letztere sorgt einerseits für Fahrverbote, andererseits jedoch auch für eine massive Subventionierung der Elektromobilität. Nicht ganz umsonst möchten daher Autokonzerne wie VW zukünftig ihre komplette Flotte elektrisieren.

Und dann kommt auch noch US-Präsident Donald Trump und droht den europäischen Branchenriesen Schutzzölle an. Kein Wunder, dass angesichts dieser Gemengelage sowohl die Kunden verunsichert sind und sich zurückhalten, was wiederum zu entsprechender Vorsicht bei den Autobauern führt. Dabei wäre gerade der politisch gewollte Siegeszug der Elektromobilität durchaus eine Chance für LEONI. Denn schließlich braucht man in Stromern ebenfalls eine ganze Menge Kabel und Kabelstränge, wie sie eben LEONI im Angebot hat.

Doch leider lässt sich ein Siegeszug der Elektromobilität nicht sozialistisch planen, weshalb LEONI derzeit extrem unter Druck steht. Dies kann sich mittel- bis langfristig ändern, aber... wenn LEONI dieses Potenzial mittel- bis langfristig ausschöpfen möchte, gilt es aktuell erst einmal zu überleben. Ob das aber gelingt, ist die große Frage. Denn LEONI hat sich zuletzt nicht ganz umsonst einen erfahrenen Sanierer an Bord geholt.

Vorgelegtes Zahlenwerk allerdings erneut erschütternd

Das heute vorgelegte Zahlenwerk, dass an der Börse mit einem Kursrückgang um mehr als -10% quittiert wird, ist jedenfalls erneut erschütternd. So hat LEONI zuletzt in Q3 einen Quartalsumsatz von 1,15 Mrd. Euro (nach 1,205 Mrd. Euro im Vorjahr) erzielt und damit erneut einen Umsatzrückgang hinnehmen müssen. Zugleich fielen auch der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) mit -17 Mio. Euro sowie der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) mit -67 Mio. Euro negativ aus.

Einen kleinen Lichtblick gab es immerhin beim Cash Flow. Hier wurde das Minus zuletzt deutlich, von -141 Mio. auf nur noch -12 Mio. Euro reduziert. Allerdings arbeitet man weiter an der Restrukturierung des Konzerns, was natürlich mit entsprechenden Sanierungskosten verbunden ist. Im Rahmen der Sanierung möchte man daher nicht nur weitere Stellen abbauen, sondern insbesondere auch sein Kabelgeschäft veräußern. Angeblich gibt es hierfür auch mehrere Interessenten, so dass der Prozess gut verlaufe.

Folglich hat das Management sogar die eigene Prognose nochmals bestätigt. Während diese jedoch noch vor wenigen Wochen bei den Marktteilnehmern ganz gut ankam, sehen diese das heute deutlich realistischer. Zumal jeder weiß, dass der geplante Verkauf der Kabelsparte ein Notverkauf ist, was den Preis entsprechend drücken dürfte. Sehr realistisch sehen dies übrigens die Analysten von JPMorgan, die die Aktie angesichts der heute vorgelegten Quartalszahlen auf „Underweight“ mit Kursziel 7,60 Euro bestätigen.

Turn-Around immer möglich, aber derzeit noch immer sehr unwahrscheinlich

Die Aktie von LEONI notierte noch Ende 2017/Anfang 2018 bei über 60 Euro. Anschließend wurde sie, infolge mehrerer Gewinnwarnungen, bis auf ein Tief bei rund acht Euro regelrecht ausverkauft. Während ich die Kurse von über 60 Euro schon damals als übertrieben ansah, kann ich mir nach den heute vorgelegten Quartalszahlen bald durchaus nochmal ein Abverkauf in Richtung der bisherigen Tiefs vorstellen. Denn LEONI steht nach wie vor sehr schlecht da und könnte durchaus komplett scheitern.

Sollte das Unternehmen dagegen die gegenwärtige Krise überleben, wäre anschließend durchaus auch ein großes Comeback möglich. Zwar dürften im Zuge eines Comebacks die Höchstkurse von über 60 Euro utopisch bleiben, auf längere Sicht wären jedoch durchaus wieder Kursziele bis 25 Euro möglich. Derzeit braucht man sich darum jedoch als Anleger noch keine Gedanken zu machen, weil das Management erst einmal das Überleben der Gesellschaft sichern muss. Daher ist die Aktie auch noch kein Kaufkandidat im Hinblick auf einen (möglichen) Turn-Around.

Fazit: Die Charttechnik weist uns den Weg!

Vielmehr gehe ich davon aus, dass sie kurzfristig einige Zeit zwischen 11 und 14 Euro herum dümpeln wird. Zeichnet sich dann eine nachhaltig erfolgreiche Sanierung ab, wird es irgendwann in der Zukunft zu einem charttechnischen Ausbruch über die 14 Euro Marke kommen. Damit würde dann ein Kaufsignal mit Kurszielen um 18 Euro sowie später 22,50 bis 23 Euro generiert. Zeichnet sich dagegen ein Exitus ab, wird es zunächst unter die Marke von 11 Euro und anschließend auch unter das bisherige Tief um acht Euro gehen.

Damit wiederum würde die Aktie ein charttechnisches Verkaufssignal mit einem ersten Kursziel bei sechs Euro sowie später 4,50 bis fünf Euro generieren. In diesem Fall stünde letztlich sogar ein möglicher Totalverlust im Raum. Schon wegen dieses möglichen Totalverlusts ist das Chance/Risiko-Verhältnis (CRV) der Aktie aktuell zu schlecht als das man hier schon auf einen Turn-Around spekulieren könnte. Warten wir einfach mal ab, denn die Charttechnik wird uns hier wohl den Weg weisen!


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