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Heidelberger Druck: Gelingt der Turnaround?

Simon / 06.01.22 / 11:21

Hervorragend ist die Aktie von Heidelberger Druckmaschinen (kurz: Heideldruck; WKN: 731400) ins neue Jahr gestartet. Der Kurs kletterte am Montag um fast +12% auf 2,95 € – so hoch wie seit Mitte 2018 nicht mehr. Der Konzern hat sich vor etwas mehr als einem Jahr einen radikalen Umbau verordnet. Außerdem steht die Erschließung eines neuen Wachstumsmarkts im Fokus der Heidelberger. Kann das lange stagnierende Traditionsunternehmen den Turnaround schaffen?

Der baden-württembergische Präzisionsmaschinenbauer war lange Zeit weltweit führend bei Lösungen für die Printmedienindustrie. Das bereits 1850 gegründete Unternehmen bekam nach der Jahrtausendwende jedoch die nachlassende Bedeutung von Druckerzeugnissen zu spüren, da Medien und Werbung zunehmend digitalisiert werden. Hinzu gesellten sich bei den Heidelbergern auch einige hausgemachte Probleme.

Konzentration auf Digitalisierung

Um das Ruder rumzureißen, hat Heideldruck-CEO Rainer Hundsdörfer vor etwas mehr als einem Jahr einen Umbau des Konzern eingeleitet. Das SDAX-Unternehmen konzentriert sich künftig auf den Verpackungsdruck und die Digitalisierung.

Kunden können sich bei Heideldruck-Produkten auf mehr Software-Automatisierung einstellen. Hinzu kommen Abonnement-Modelle für Maschinen und Materialien, die sich am Druckvolumen orientieren. Die neuen Services werden durch eine Kooperation mit dem Rückversicherer Munich Re ermöglicht und dienen dazu, die Erlöse in Zeiten sinkender Maschinenabsätze zu verstetigen.

Neues Geschäftsfeld E-Mobilität

Zudem sind die Heidelberger in einen neuen Wachstumsmarkt eingestiegen: die Elektromobilität. Seit 2018 schon entwickelt und vertreibt der Maschinen-Spezialist die sogenannte Wallbox – ein kleines Ladesystem für E-Autos, das etwa an der Garagenwand angebracht wird. Erhältlich ist das Produkt bei Amazon, Vertriebspartner ist der Energieversorger Eon. Der Umsatz durch die Ladelösungen hat sich im vergangenen Geschäftsjahr auf 20 Millionen € verdoppelt. Nach Markteintritten in Österreich und der Schweiz bietet das Unternehmen die Wallboxen künftig auch in Frankreich, Polen und Ungarn an.

Die SDAX-Konzern erwarb zudem Technologie des Energieunternehmens EnBW, um auch für den öffentlichen Raum ein Lade-Produkt auf den Markt zu bringen. Ab Mitte kommenden Jahres planen die Heidelberger die ersten Ladesäulen, um neue Kunden bei Stadtwerken, Kommunen und Unternehmen zu gewinnen. Erst kürzlich hat Heideldruck in diesem Zusammengang eine strategische Zusammenarbeit mit dem Softwareriesen SAP vereinbart.

Endlich wieder Gewinne

Durch die Neuausrichtung hat sich das Geschäft der Heidelberger Maschinendruck AG rasant vom Corona-Einbruch erholt. Der Umsatz erhöhte sich im ersten Geschäftshalbjahr zwischen April und September 2021 um 22% auf 983 Millionen €. Das Auftragsvolumen war verglichen mit dem coronabedingt niedrigen Vorjahreswert 44% höher.

Durch den Verkauf der Software-Tochter Docufy für rund 20 Millionen € machte das Unternehmen unter dem Strich einen Gewinn nach Steuern von 13 Millionen € – nach einem Verlust in Vorjahr von 9 Millionen €. Bereits zum Ende des ersten Halbjahrs betrug der Cash-Bestand wieder 205 Millionen € – ein solides Polster für weitere Investitionen.

Seine Q3-Zahlen wird Heideldruck am 9. Februar bekanntgeben. Die Ziele für das Gesamtjahr hat das Management zuletzt bestätigt: Eine EBITDA-Marge zwischen 7 und 7,5% ist sicher ehrgeizig, aber realisierbar. Beim Umsatzziel (mehr als 2 Milliarden €) bleibt das Unternehmen allerdings unkonkret.

Fazit: Erholungsrallye geht weiter

Die Aussichten haben sich für Heideldruck im vergangenen Jahr deutlich aufgehellt. Mit der strategischen Neuausrichtung ist der Turnaround gelungen. Der SDAX-Konzern steht jetzt nicht mehr allein für den Verkauf von Druckmaschinen; für die digitale Zukunft wurde eine solide Basis geschaffen. Wie die Auftragslage zeigt, ist die Nachfrage nach hochwertigen bedruckten Verpackungen hoch.

Die Wallbox könnte sich noch zu einer wahren Perle im Produktportfolio entwickeln. Auch einen separaten Börsengang für den E-Mobilitätsbereich schließen die Heidelberger derzeit nicht aus. Ein solcher Schritt dürfte wohl reichlich Kapital anlocken.

Die Erholungsrallye der erst kürzlich in den SDAX zurückgekehrten Heideldruck-Aktie dürfte noch lange nicht vorbei sein. Da der Konzern bewiesen hat, dass er wieder Geld verdienen kann, ist auch die seit über 10 Jahren unerreichte 5 €-Marke wieder ins Sichtfeld der Anleger gerückt.

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