Facebook: Kommt Libra oder die Aufspaltung?

von (sh)  /   25. Juli 2019, 19:08  /   unter Technologie-Aktien  /   Keine Kommentare

Gestern Abend, nachbörslich, legte das weltgrößte Soziale Netzwerk Facebook (WKN: A1JWVX) seine aktuellen Quartalszahlen vor. Trotz hoher Strafzahlungen zeigten sich Analysten und Anleger mit dem Zahlenwerk zufrieden. Dabei ist die entscheidende Frage bei Facebook meines Erachtens längst eine andere. Nämlich einerseits ob die geplante Kryptowährung Libra tatsächlich kommt oder doch nicht. Sowie darüber hinaus, ob der Konzern womöglich aufgespalten wird.

So wurde erst vor wenigen Tagen bekannt, dass die US-Regierung von Präsident Donald Trump formelle Ermittlungen („Antitrust Probe“) gegen Alphabet (Google), Amazon.com, Apple sowie eben Facebook eingeleitet hat. Das Ziel dieser Ermittlungen ist es zu beweisen oder zu widerlegen, ob einer oder mehrere dieser großen Technologiekonzerne seine jeweilige Quasi-Monopolstellung missbraucht hat, um damit Kunden zu schädigen.

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In einer ersten Reaktion auf diese Meldungen gerieten die Aktien dieser vier Konzerne etwas unter Abgabedruck. Doch die Anleger kauften auch diesen Dip sofort, so dass sie letztlich völlig unbeschädigt blieben. Allerdings zeigen die nun eingeleiteten Ermittlungen, dass der Druck auf diese Weltmarktführer immer stärker wird. Meines Erachtens wird es daher am Ende sicherlich zu dem ein oder anderen Kartellverfahren kommen.

Amazon.com und Facebook sind meine beiden Topfavoriten für ein Kartellverfahren

Am wenigsten wahrscheinlich halte ich dabei am Ende ein Kartellverfahren bei Apple. Denn der Konzern aus dem kalifornischen Cupertino verfügt eigentlich über genügend Konkurrenz. Schließlich ist Apple ja nicht mal der Weltmarktführer für Smartphones. Etwas schwieriger ist die Sache da schon bei Alphabet (Google). Denn immerhin ist die Suchmaschine Google der klare Weltmarktführer und dominiert auch den US-Markt. Allerdings ist dort Microsoft mit Bing weitaus stärker als in Europa. Darüber hinaus gibt es in anderen Geschäftsbereichen wie den selbstfahrenden Autos ohnehin genügend Konkurrenz.

Von daher mag Alphabet (Google) gefährdeter sein als Apple, ich halte ein Kartellverfahren hier jedoch ebenfalls für unwahrscheinlich. Womit ich bei Facebook angekommen bin. Facebook selbst ist das weltgrößte Soziale Netzwerk und verfügt hier durchaus über eine monopolartige Marktstellung. Zumal man mit Instagram und WhatsApp noch weiter Pfeile im Köcher hat. Zwar hängt das Geschäftsmodell letztlich an der Online Werbung, wo es ja große Konkurrenten gibt. Trotzdem könnten die US-Kartellwächter eine zu dominante Marktposition von Facebook im Bereich der Medien feststellen.

Zumal Facebook vielen Politikern in den USA, auch wegen seiner Verfehlungen zuletzt, ohnehin ein Dorn im Auge ist. Ich erachte die Wahrscheinlichkeit für ein Kartellverfahren gegen Facebook daher für sehr hoch. Wobei sie wahrscheinlich bei Amazon.com noch größer ist. Denn Amazon.com gilt vielen als der Zerstörer des US-Einzelhandels und dominiert den eCommerce sowohl in den Vereinigten Staaten als auch international, mit Ausnahme von China und Entwicklungsländern. On top kommt dann noch der Zwist zwischen Amazon-Gründer, -Großaktionär und -CEO Jeff Bezos sowie US-Präsident Donald Trump.

Kommt sie oder kommt sie nicht (und wenn ja, wie?): die von Facebook geplante neue Kryptowährung Libra

Vorgelegtes Zahlenwerk zweitrangig: Buy The Rumors, Sell The Facts

In diesem ganzen Gerangel sind daher auch die gestern Abend vorgelegten Quartalszahlen leider etwas untergegangen, obwohl diese prinzipiell sehr gut ausgefallen sind. So erzielte Facebook in Q2/2019 einen Quartalsumsatz von knapp 16,89 Mrd. US-Dollar sowie einen Nettogewinn in Höhe von knapp 2,62 Mrd. US-Dollar respektive 0,91 US-Dollar je Aktie. Dies lag zwar deutlich unterhalb der Konsensschätzungen der Analysten von 1,88 US-Dollar, bereinigt um hohe Milliardenstrafen hätte Facebook jedoch sogar 1,99 US-Dollar je Aktie verdient.

Darüber hinaus lag auch die Zahl der täglich aktiven Nutzer (DAU) mit 1,59 Mrd. leicht über den Erwartungen von 1,58 Mrd. Im Prinzip hätte das vorgelegte Zahlenwerk die Aktie daher deutlich beflügeln müssen, was auch zunächst noch der Fall war. Dann aber besannen sich die Anleger doch noch eines besseren und nahmen erst einmal ihre Gewinne vom Tisch. Ganz unverständlich ist dies nicht, da die Aktie ja bereits im Vorfeld des Quartalsberichts deutlich zulegen konnte. Buy The Rumors, Sell The Facts.

Mit Libra würde Facebook und damit Mark Zuckerberg noch mächtiger: Anstatt „In God We Trust“ hieße es dann wohl „In Zuck We Trust“.

Management hält sich bedeckt, Aktie ist nur noch eine Halteposition!

Ansonsten hielt sich das Management des Konzerns um CEO Mark Zuckerberg erst einmal bedeckt. Thematisiert wurden eher die Probleme der Vergangenheit sowie die damit verbundenen hohen Strafen – und weniger die Zukunftsaussichten. Einzig, dass sich das Wachstum zukünftig verlangsamen werde, wurde stets betont. Dabei wäre es viel interessanter gewesen wie das Management die Chancen für die Einführung der geplanten Kryptowährung Libra sowie die Gefahr eines Kartellverfahrens bewertet.

Aus meiner Sicht ist inzwischen klar, dass Libra niemals so kommen wird wie bisher geplant, was für die Anteilseigner schade ist. Denn mit Libra wäre Facebook wohl zum mit Abstand wertvollsten Konzern der Welt avanciert, ich hätte der Aktie für diesen Fall eine Vervierfachung der Market Cap. auf bis zu zwei Billionen US-Dollar zugetraut. Statt dessen erwarte ich nun – wie eingangs ausführlich dargelegt – die Eröffnung eines Kartellverfahrens, was den Aktienkurs eher belasten sollte. Ob dann am Ende wirklich eine Aufspaltung steht oder nicht, ist gar nicht so entscheidend.

Microsoft wurde auch nicht aufgespalten, trotzdem lief die Aktie viele Jahre lang nur seitwärts. Denn ein solches Kartellverfahren bindet eben enorme Ressourcen, die dem Unternehmen dann an anderer Stelle für die entsprechende Fortentwicklung fehlen. Aus diesem Grund halte ich die Aktie zu Kursen über 200 US-Dollar für ausreichend bewertet. Zwar wird es keinen Absturz geben, wie das noch vor rund einem Jahr der Fall war. Aber die beste Zeit dürfte nun hinter dem Titel liegen. Halten!

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