Sascha / 13.10.21 / 14:49

CRISPR Therapeutics, Editas, Intellia: Was ist da los?

Wie kürzlich bekannt wurde, erhalten der Angelsachse David MacMillan und der Deutsche Benjamin List den Nobelpreis für Chemie für die Entwicklung der asymmetrischen Organokatalyse. Ihre direkten Vorgänger waren Emmanuelle Charpentier und Jennifer A. Doudna für ihre Entwicklung einer Methode zur Genom-Editierung. Dabei handelt es sich um die CRISPR/Cas-Methode, die in erster Linie von den drei Biotechunternehmen CRISPR Therapeutics (WKN: A2AT0Z), Editas Medicine und Intellia Therapeutics weiter erforscht wird.

CRISPR Therapeutics ist ein in der Schweiz ansässiges Biotechunternehmen, das unter anderem von Emmanuelle Charpentier mitgegründet wurde. Sowohl der deutsche Bayer-Konzern als auch der US-Biotechgigant Vertex Pharmaceuticals setzen auf eine Zusammenarbeit mit den Schweizern, an denen Bayer sogar eine Beteiligung hält. Editas Medicine, vormals Gengine, wurde beim Start unter anderem massiv von Bill Gates finanziell unterstützt. Dagegen setzen Novartis und Regeneron Pharmaceuticals auf eine Zusammenarbeit mit Intellia Therapeutics.

Bekannte US-Investoren setzen auf die CRISPR/Cas-Methode...

Editas Medicine wurde seinerzeit unter dem Namen Gengine unter anderem von Jennifer A. Doudna mitgegründet. Die spätere Nobelpreisträgerin verließ die Gesellschaft jedoch Mitte 2014 aufgrund juristischer Differenzen über das geistige Eigentum an Cas9. 2015 stieg dann Microsoft-Mitgründer Bill Gates ein und investierte 120 Millionen US$. Was sich spätestens mit dem erfolgreichen Börsengang Anfang des Jahres 2016 als gutes Geschäft entpuppte.

Emmanuelle Charpentier war hingegen an der Gründung von CRISPR Therapeutics beteiligt, wo sie inzwischen ebenfalls ausgeschieden ist. Zuletzt saß sie dort immerhin noch im Aufsichtsrat, auch hier ist sie mittlerweile raus. Somit sind die beiden Nobelpreisträgerinnen für Chemie von 2020 inzwischen wieder in der Forschung tätig, Doudna an der University of California, Berkeley, Charpentier als Leiterin der Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene in Berlin.

Aber die von den beiden mitgegründeten und seit Jahren börsennotierten Unternehmen existieren weiterhin. Da diese drei Unternehmen die einzigen drei mit entsprechenden Lizenzen zur weiteren Erforschung der CRISPR/Cas-Methode sind, stehen sie bei vielen bekannten US-Investoren wie Cathie Wood ganz oben auf der Favoritenliste. Auch wenn die Unternehmen inzwischen Unterlizenzen vergeben haben und so beispielsweise selbst die deutsche Evotec in diesem Bereich tätig ist. Es sind sozusagen die drei einzigen Pure Plays.

Während Intellia Anlegerherzen höherschlagen ließ, enttäuschten die anderen

Vor einigen Wochen bekamen die Aktien der drei Pure Plays einen Schub. Grund hierfür war die Meldung von Intellia Therapeutics, dass die NTLA-2001-Therapie gegen Amyloidose einerseits sehr gut wirke und es andererseits so gut wie keine Nebenwirkungen gebe. Dies wurde von vielen schon als endgültiger Durchbruch der CRISPR/Cas-Methode gefeiert und beflügelte daher auch die Aktien von CRISPR Therapeutics und Editas Medicine.

Leider konnten die beiden Wettbewerber zuletzt aber nicht mit Intellia Therapeutics mithalten. So fielen die Daten zur CRISPR-Therapie EDT-101 gegen die angeborene Lebersche Amaurose (eine angeborene Funktionsstörung des Pigmentepithels der Netzhaut) Anfang Oktober eher ernüchternd aus. Gestern Abend konnte dann auch CRISPR Therapeutics mit seinen Daten zur CAR-T-Zellen-Krebstherapie ebenfalls nicht vollumfänglich überzeugen.

So meldete CRISPR Therapeutics, dass bei 58% der 26 Studien-Patienten mit großem B-Zell-Lymphom die Tumore schrumpften und es bei 38% sogar keine Anzeichen von Krebs mehr gab. Allerdings scheint die Behandlung länger zu dauern, als ursprünglich gedacht, was die Kosten in die Höhe treiben würde. Zudem fallen die Daten damit auch nicht viel besser aus als bei den CAR-T-Zelltherapien Kymriah von Novartis sowie Yescarta von Gilead Sciences. Was nun natürlich Zweifel am Nutzen und damit einer FDA-Zulassung aufkommen lässt.

Intellia schon immer und auch weiterhin mein Topfavorit

In der Vergangenheit habe ich schon den ein oder anderen Artikel über die CRISPR/Cas-Branche geschrieben. Dabei sah ich die Aktie von CRISPR Therapeutics stets kritisch, weil hier der Name des Unternehmens meines Erachtens auch zu „Marketingzwecken“ gewählt wurde. Meine Nummer 2 war Editas Medicine, wohingegen ich das Papier von Intellia Therapeutics stets als meinen Topfavoriten nannte.

Diese Einschätzungen scheinen sich nun auch durch die Forschungsergebnisse immer mehr zu bestätigen. Wie es ausschaut, haben die beiden erstklassigen Biotech- respektive Pharma-Unternehmen Regeneron Pharmaceuticals und Novartis auf das richtige Pferd gesetzt, wohingegen die zuletzt weniger gut geführten Vertex Pharmaceuticals und Bayer danebenzuliegen scheinen.

Vor diesem Hintergrund bleibe ich dabei, dass zwar grundsätzlich alle drei Aktien nicht völlig uninteressant sind. Dies gilt umso mehr, als dass sich ja besonders CRISPR Therapeutics und Editas Medicine zuletzt deutlich verbilligt haben. Aber trotzdem oder besser gerade deshalb bevorzuge ich persönlich unverändert das Papier von Intellia Therapeutics. Zumal auch dieses ja zuletzt etwas gelitten hat und nun günstiger zu haben ist!

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