Covestro: Darum ist die Aktie gefährlich

Covestro
19.01.24 um 7:29

Der Kursverlauf der Aktie von Covestro (WKN: 606214) ist sehr volatil, seit Mitte Dezember befindet er sich im Rückwärtsgang und steht aktuell bei knapp 48 €. Hintergrund für diese Schwankungen sind die Übernahmegespräche mit Adnoc (Ölkonzern aus Abu Dhabi). Diese Gespräche verlaufen extrem langsam, die Gründe hierfür sind nicht bekannt. Was bedeutet das für die weitere Kursentwicklung?

stock.adobe.com/Andreas Prott

ℹ️ Covestro vorgestellt

  • Covestro ist ein Werkstoffhersteller, der als Abspaltung aus dem Bayer-Konzern hervorgegangen ist.
  • Neben dem Hauptsitz in Leverkusen unterhält der Konzern rund 50 Niederlassungen weltweit.
  • Die Polymer-Produkte werden unternehmensseitig in Performance Material und Solution & Specialties untergliedert.
  • Der Konzern wird an der Börse mit rund 9 Milliarden € bewertet.

Unsicherheit setzt sich fort

Das erste Übernahmeangebot über 55 € pro Aktie soll informierten Kreisen nach seitens des Covestro-Managements abgelehnt worden sein. Dieser Preis entspreche nicht dem wahren Unternehmenswert. Daraufhin soll Adnoc das Angebot auf 57 € erhöht haben – dies entspricht einem Unternehmenswert von 11 Milliarden €. Mitte Dezember sickerten Informationen durch, dass das Angebot auf 60 € erhöht worden sei.

Das sind alles keine offiziellen Unternehmensnachrichten, seitens Covestro und Adnoc dringen keine offiziellen Daten nach außen. Dies spricht einerseits für das Management, andererseits wächst die Unsicherheit bei den Anteilseignern. Es fällt auf, dass sich die Gespräche schon über einen längeren Zeitraum ziehen und noch immer ergebnisoffen sind.

Der Streitpunkt dürfte der tatsächliche Unternehmenswert sein. Bei einer Bewertung der jetzigen Unternehmenssituation ist der angebotene Übernahmepreis je Aktie akzeptabel. Zurzeit kämpft das Unternehmen, wie die gesamte Chemiebranche, mit einer schwachen Nachfrage. Der Grund  ist das schwache konjunkturelle Umfeld.

Aus dem am 27. Oktober veröffentlichten Quartalsbericht wird ersichtlich, dass der Umsatz um 22,7% auf 3,5 Milliarden € gesunken ist. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum sank das operative EBITDA um 8,3% auf 277 Millionen €. Unterm Strich fiel ein Nettoverlust von 31 Millionen € an.

Hohe Lagerbestände

Der zweite Aspekt ist, dass die Kunden noch immer auf hohen Lagerbeständen sitzen. Im Zuge der Lieferkettenprobleme Ende 2022/Anfang 2023 wurden große Mengen eingekauft und auf Lager gelegt. Diese Bestände werden jetzt vorrangig abgebaut. Erst bei normalisierten Beständen ist wieder mit einer höheren Nachfrage seitens der Kunden zu rechnen.

Wird von einer Konjunkturerholung ausgegangen, dürfte der Übernahmepreis zu niedrig sein. Eine steigende Nachfrage führt dann zu einer deutlichen Ertragsverbesserung. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass das Unternehmen eine Restrukturierung hinter sich hat. Dadurch wurde die Kostensituation deutlich verbessert.

Ein weiterer Aspekt könnte das neue Management um Christian Baier sein, der sein Amt im Oktober letzten Jahres antrat. Seine Motivation bei der Übernahme dieses Postens war mit Sicherheit nicht, eine Übernahme abzuwickeln.

All diese Faktoren führen zu einer großen Unsicherheit bezüglich des Gelingens der Übernahme.

Was bedeutet das für den weiteren Kursverlauf?

Um es gleich vorwegzusagen, die Unsicherheit bleibt weiterhin bestehen. Je nach Nachrichtenlage oder Meinungen wird es zu Auf- und Abwärtsbewegungen kommen. Die Aktie bleibt weiterhin ein Spielball und wird sich dementsprechend volatil verhalten.

Sollte die Übernahme scheitern, ist mit einem starken Kursrückgang zu rechnen. Der Kurs dürfte sich mittelfristig jedoch wieder erholen. Ich gehe davon aus, dass sich die Ertragslage in der zweiten Jahreshälfte wieder verbessert.

Bei den Analysten herrscht ebenfalls keine klare Meinung. Barclays bewertet die Aktie mit 61 € – das deutet auf ein Gelingen der Übernahme hin. UBS sieht den fairen Wert bei 40 €, deren Analysten demnach ein Scheitern der Übernahme erwarten.

Sollte Adnoc sein Angebot nochmals verbessern, ist eine Ablehnung kaum noch möglich.

Mein Fazit: Momentan eignet sich die Aktie nur für spekulative Anleger, die mit einem Gelingen der Übernahme rechnen.

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