Administrator / 14.07.16 / 17:25

Biodel: Hinweise auf Verkauf von Assets; neue Merger-Details

Ein gestern von Biodel (WKN: A1JZU5) veröffentlichtes Proxy Statement lässt nicht nur das kommende Shareholders' Meeting und damit den angekündigten Merger mit der Biotech-Gruppe Albireo näher rücken, sondern liefert auch hochspannende Details zur geplanten Transaktion.

Dem Proxy Statement zufolge beliefe sich der Liquidationswert in einem entsprechenden Szenario auf 0,36 USD je Aktie. Deutlich größere Chancen auf Wertsteigerung sieht Biodel bei Abschluss des Mergers, zu welchem Aktionären ausdrücklich geraten wird. In der Kalkulation noch nicht enthalten sind mögliche Einnahmen aus einer laufenden Schadensersatzklage gegen den Unilife-Konzern sowie insbesondere aus dem Verkauf der vorhandenen Diabetes- beziehungsweise Insulin-Assets des Unternehmens. Spannend: Biodel plant offenbar deren Veräußerung vor Abschluss des Mergers!

Asset-Verkauf vor Merger-Abschluss?

Laut den Angaben im Proxy Statement kamen am 26. April dieses Jahres Verantwortliche von Biodel, Albireo sowie der Finanzdienstleister Ladenburg Thalmann und Guggenheim Securities in New York zusammen, um unter anderem über die Veräußerung von Biodels Insulin-Assetes zu beratschlagen. In einem Meeting am 12. Mai unterrichtete Interimschef Gary Gemignani das Board of Directors über «Bemühungen, Flexibilität zu behalten, um seine Diabetes-Assetes möglicherweise vor Abschuss zu monetarisieren». Noch am gleichen Tag besprachen Biodel und Albireo im Rahmen einer Telefonkonferenz Biodels «Fähigkeit», seine Assets eventuell im Zeitraum zwischen Unterzeichnung der Merger-Vereinbarung und dessen Abschluss zu monetarisieren oder anderweitig zu verwerten. Biodel befindet sich augenblicklich in genau diesem Zeitfenster!

53 unverbindliche Angebote

Wie Seite 105 des Proxy Statements verrät, erhielt Biodel insgesamt 53 unverbindliche Angebote hinsichtlich eines potenziellen Mergers, von denen wiederum 30 in Vertraulichkeitsvereinbarungen mündeten. Das Angebot Albireos wurde Biodel am 10. Februar zugestellt und schlussendlich als das vielversprechendste auserwählt. Es scheint nicht unwahrscheinlich, dass sich unter den verbliebenen Kontakten ein Abnehmer für Biodels Diabetes-Assetes findet. Sollte ein Verkauf im Vorfeld des Mergers nicht vollzogen werden, könnte dieser auch noch später durch das neu geschaffene Albireo Pharma erfolgen. Hiervon würden dann auch Albireo-Aktionäre profitieren, zu denen bekanntlich führende Venture-Capital-Firmen sowie der britische Pharmariese AstraZeneca gehören.

Ankeraktionäre stocken auf

Nicht zuletzt gibt das Proxy Statement einen interessanten Einblick in die Aktionärsstruktur Albireos und dessen kommende Finanzierungsrunde, die noch vor Abschluss des Mergers erfolgen soll und weitere 10 Millionen USD in die Kasse spült. Die größten Aktionäre des Unternehmens untermauern hierbei ihr Vertrauen in Albireos Wirkstoff-Pipeline und unterstreichen durch eine Lock-up-Vereinbarung zusätzlich ihr langfristiges Engagement.

albo_investment

31 Millionen Dollar aus Japan

Klar ist: Die Biodel-Aktie bliebe auf aktueller Kursbasis von rund 0,33 USD insbesondere nach dem Merger fundamental dramatisch unterbewertet und dürfte sich auf kurz oder lang ihrem fairen Wert anpassen. Ein neuer Indikator für den Wert der einzubringenden Albireo-Assets sind die bislang geleisteten Voraus- und Meilensteinzahlungen in Höhe von 31 Millionen USD, die Albireo für sein in Phase 3 befindliches Verstopfungs-Medikament Elobixibat bis dato von seinem japanischen Partner EA Pharma erhalten hat. Laut Albireo-CEO Ron Cooper mache man in Japan «großartige Fortschritte». Ein Zulassungsantrag könnte hier schon im kommenden Jahr erfolgen. Auch was die Verpartnerung von Elobixibat in den USA und Europa angeht, zeigt sich Cooper zuversichtlich.

SD-Leser wissen bereits, dass Albireo noch weitaus mehr zu bieten hat und die Ende des Jahres erreichte Marktkapitalisierung im deutlich dreistelligen Millionen-Bereich liegen könnte. Stand jetzt käme das kombinierte Unternehmen auf eine Bewertung von lediglich 60 Millionen USD, von der rund ein Drittel auf derzeitige Biodel- und zwei Drittel auf Albireo-Aktionäre entfiele. Mindestens die Hälfte der 60 Millionen wird laut Plan nach dem Zusammenschluss durch Barmittel gedeckt sein. Merke: Allein 40 Millionen USD an Investitionen flossen seinerzeit im Rahmen eines Series A Financings in Albireo. Weitere 10 Millionen USD wurden vor Merger-Abschluss zugesagt. Schon bei einer reinen Addition dieser Beträge mit Biodels Cashbestand käme man auf eine deutlich höhere Bewertung.

Überraschender Geldregen?

Völlig unberücksichtigt bleiben hierbei die möglichen Erlöse aus der Veräußerung der Diabetes-Assets, die im Zuge einer Sonderdividende direkt an aktuelle Biodel-Aktionäre fließen könnten. Auch eine Einigung im Rechtsstreit mit Unilife würde einen zusätzlichen Geldregen bedeuten. Zu beachten ist außerdem, dass sich Albireo über die Jahre hinweg hervorragend entwickelt und seine Pipeline erfolgreich vorangetrieben hat, was unter anderem die frühen Zahlungen von EA Pharma belegen. Auch Albireos Ex-Partner Ferring aus der Schweiz leistete seinerzeit eine seiner größten Investitionen für Lizenzrechte, um Elobixibat weiterentwickeln und in den USA und Europa vermarkten zu können. Aufgrund eines von Ferring verschuldeten Studienfehlers, der nicht in Zusammenhang mit der Performance des Medikaments steht, kann Albireo die Rechte für diese extrem bedeutenden Territorien ein weiteres Mal vergeben und erneut auf satte Einnahmen hoffen. CEO Cooper geht davon aus, dass die bislang vorliegenden Studiendaten bei weiteren Verpartnerungen helfen werden.

Unseren Beobachtungen zufolge wird der Streubesitz Biodels seit Monaten immer weiter ausgedünnt. Abgabebereite Anleger, die möglicherweise noch aus der 30 Millionen Dollar schweren Kapitalerhöhung zu 0,92 USD je Aktie im April letzten Jahres stammen und auf Teufel komm raus ihre Positionen liquidieren wollen, werden immer wieder dankend empfangen. In den vergangenen Tagen stieg der Kurs unter vergleichbar hohem Volumen, während er mit geringen Stückzahlen immer wieder nach unten gezogen wird. Einige clevere Value-Investoren und Merger-Beteiligte dürften das extrem niedrige Kursniveau zur Kenntnis genommen haben und sich mehr und mehr für die anstehende Kurskorrektur positionieren. Größere Adressen könnten hingegen auf die Merger-Beschlussfassung im Rahmen des kommenden Shareholders' Meetings sowie den folgenden Reverse Split warten, der eine Zusammenlegung der Aktien im Verhältnis 30 zu 1 vorsieht. Von dem daraus resultierenden neuen Aktienpreis erwartet sich Biodel laut Proxy Statement erhöhtes Investoreninteresse und gesteigertes Handelsvolumen.

Für uns bleibt Biodel eindeutig der Biotechtipp des Jahres mit einem fundamental einzigartigen Chance-Risiko-Profil und reihenweise möglichen Kurskatalysatoren vor der Brust.

Interessenkonflikt
Der Autor dieser Publikation hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Aktien des hier besprochenen Unternehmens Biodel und hat – wie andere Aktionäre auch – eventuell die Absicht, diese – auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnte dabei insbesondere von erhöhter Handelsliquidität profitieren. Hierdurch besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Bitte beachten Sie unseren vollständigen Haftungsausschluss und weitere Hinweise gemäß §34b Abs. 1 WpHG in Verbindung mit FinAnV (Deutschland) unter: sharedeals.de/haftungsausschluss.

Zugehörige Kategorien: Biotech-AktienSmall Caps
Weitere Artikel
Kommentare
Sharedare77 / 15.07.16 / 10:26 Uhr Das Papier wird seit Wochen/Monaten "hochgelobt" mit super Perspektiven. Ich habe hierzu Fragen: O Warum spiegelt sich diese (Deutsche) Euphorie nicht am amerikanischen Markt in Zahlen wieder? O Warum findet man kaum mehr in amerikanischen Trade-Foren etwas aktuelles zu Biodel/Albireo? O Es wird aktuell immer nur von den positivsten Argumenten ausgegangen, kann auch einmal offensichtlich aufgezeigt werden, was im schlechtesten Fall für den "Biodel" Aktionär passieren könnte durch die Merger-Übernahme? Welche Tricks& Kniffe könnten angewendet werden, dass der Kleinaktionär wieder in die Röhre sieht und nur die großen Absahnen? Für eine Erklärung hierzu schon jetzt vielen Dank! Das wären weitere wichtige Punkte um sich für den Kauf oder Verkauf dieses Papiers zu entscheiden.
Redaktion / 15.07.16 / 11:58 Uhr Hallo Sharedare77, danke für Ihren Beitrag. Ihre Skepsis mit Blick auf den noch niedrigen Aktienkurs können wir nachvollziehen. Letztendlich halten wir uns aber an Fakten, von denen wir glauben, dass sie sich auf kurz oder lang entsprechend auch auf den Kurs auswirken werden. Dies hat sich bei unseren selektierten "Value Plays" über Jahre bewährt. Die geringe Aktivität rund um diesen Wert in amerikanischen Foren bewerten wir mittelfristig als sehr positiv. Wenn die Aktie schon jetzt in aller Munde und vor allem in allen Depots wäre, würde die zukünftige Euphorie schnell abflachen. Es dürfte sich zudem kaum jemand so intensiv mit dem Wert beschäftigt haben, wie unsere Redaktion. Wir sind bemüht, die Fakten verständlich aufzubereiten, so dass jeder auf Basis auf dieser leicht eine unabhängige Entscheidung treffen kann. Es gibt ständig Beispiele für stark unterbewertete Aktien, die für sehr lange Zeit unter dem Radar laufen. Die Unterbewertung bleibt zwar von vielen nicht unerkannt, doch sehen die meisten Anleger noch keine Notwendigkeit zur Investition, solange weiterhin spürbare Abgabebereitschaft in einem Wert besteht. Dies ist hier noch der Fall. Die möglichen Hintergründe haben wir erörtert. Risiken, die der Merger bzw. ein Nichtzustandekommen des Mergers mit sich bringen, werden im Rahmen von Pflichtangaben im aktuellen Proxy Statement beschrieben. Wir denken, dass die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Merger-Abschlusses deutlich überwiegt. Das größte Risiko für den Kurs im Anschluss des Mergers wären Negativmeldungen bzgl. der klinischen Albireo-Assets, insbesondere rund um den Leitwirkstoff A4250, der in viele Indikationen expandieren könnte und für den es einen extrem wertvollen Priority Voucher der FDA geben könnte. Wer alle bisherigen Informationen zusammenträgt, weiß, dass Albireo nach zwei vorläufigen Untersuchungen in der laufenden Phase 2 Studie ein positive Zwischenfazit ziehen kann. Sicherheit und Wirksamkeit des Wirkstoffs sind demnach gegeben, ein positiver Studienabschluss im aktuellen zweiten Halbjahr demnach wahrscheinlich. Selbst bei einem Misserfolg von A4250 verfügt Albireo neben dem weiteren Phase 2 Wirkstoff A3384 und einigen sehr spannenden pre-klinischen Assets mit Elobixibat über ein in der Entwicklung weit fortgeschrittenes potenzielles Medikament in Phase 3, deren Abschluss ebenfalls im laufenden zweiten Halbjahr ansteht. In Japan, wo Elobixibat mit EA Pharma verpartnert ist, gibt es mit Amitiza derzeit nur ein vergleichbares Medikament, das Nachteile gegenüber Elobixibat haben soll. Dennoch jagt Amitizia derzeit von einem Umsatzrekord zum nächsten und spielte allein in den USA im ersten Quartal dieses Jahres über 100 Millionen USD an Umsatz ein (http://www.nasdaq.com/article/sucampo-beats-earnings-revenues-on-strong-amitiza-sales-cm590509). Albireo erhielt laut Proxy Statement bis dato über 30 Millionen USD an Voraus- und Meilensteinzahlungen von EA Pharma, was Bedeutung und Potenzial des Medikaments unterstreicht. Allein der aktuelle Status Elobixibats würde ein Scheitern sämtlicher anderer Entwicklungen Albireos auf Basis der aktuellen Bewertung aus unserer Sicht mehr als nur auffangen, da die gesamte Pipeline Albireos Stand jetzt lediglich rund 30 Millionen USD an Value zugesprochen bekäme. Dies entspricht nicht mal den bisherigen Zahlungen von EA Pharma an Albireo für Elobixibat. Wichtigster Indikator für einen bald stark steigenden Kurs sind für uns jedoch Management und Ankeraktionäre Albireos. Eine vielversprechendere Zusammensetzung ist für uns kaum vorstellbar. Hierzu gehört nicht nur der ehemalige Europachef Bristol Myers in der Rolle des CEOs, sondern unter anderem auch Boardchef David Chiswell, der seinerzeit Cambridge Antibody Technology gründete, das 2006 für umgerechnet über 1 Milliarde Dollar an AstraZeneca verkauft wurde. Die im Zuge des Mergers neu ausgegebenen Aktien sind in sicheren, langfristigen Händen. Das Gleiche gilt im Übrigen auch zunehmend für den Streubesitz Biodels. Es sollte daher für die Beteiligten ein Leichtes sein, zu gegebener Zeit schnell ein faires Kursniveau herbeizuführen, um zumindest Buchveruste zu vermeiden. Mögliche Kurskatalysatoren bis Jahresende: - Verkauf der Diabates-Assets (zusätzlicher Erlös für Aktionäre) - Einigung im Rechtsstreit mit Unilife (zusätzlicher Erlös für Aktionäre) - Erfolgreiche Merger-Abstimmung auf kommendem Shareholders Meeting - Abschluss des Mergers - Reverse Split und damit einhergehend neue Käuferschichten - Positive Phase 2 Studiendaten zu A4250 - Meeting mit FDA bzgl. Festlegung eines Pivotal Trials (Finanzierung durch Merger gesichert) - Positive Phase 3 Studiendaten zu Elobixibat und Ankündigung eines Zulassungsantrages - Verpartnerung von Elobixibat in USA/Europa - Überführung pre-klinischer Assets in die klinische Entwicklung - weitere Partnerschaften/Kooperationen Bitte beachten Sie, dass alles hier Kommentierte lediglich die Meinung der Redaktion widerspiegelt. Der Autor ist aus Überzeugung selbst im Besitz der besprochenen Aktie, kann aber nicht ausschließen, diese auch kurzfristig zu verkaufen. Somit besteht ein Interessenkonflikt. Viele Grüße, Ihre Redaktion
Sharedare77 / 15.07.16 / 12:58 Uhr Sehr geehrte Redaktion, herzlichen Dank für die sehr umfrangreiche Erläuterung. Es zeigt, dass auch einige Ihrer Chatuser Ihre weiteren Informationen (Antwort hier) für sehr nützlich finden! ;O) Besten Dank und einen schönen Tag!
Omegastern83 / 17.07.16 / 9:02 Uhr Danke für dieses ausgiebige statement, dies bekräftigt das halten meiner 47K shares. Mfg