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Sascha / 29.07.19 / 16:35

Takeaway.com nimmt nächsten Wettbewerber aus dem Spiel

Zu den größten Gewinnern an den europäischen Aktienmärkten zählt heute das Papier der britischen Just-Eat (WKN: A1100K). Grund hierfür ist die Bestätigung, dass sich das Unternehmen in fortgeschrittenen Gesprächen über eine Übernahme durch den niederländischen Wettbewerber Takeaway.com befindet.

Dabei sollen die Niederländer, die sich in der Vergangenheit bereits das Deutschlandgeschäft von Delivery Hero gesichert haben, bereit sein bis zu 5 Mrd. Britische Pfund (ca. 5,5 Mrd. Euro) auf den Tisch zu legen.

Allerdings findet diese Übernahme, wie bei Übernahmen in dieser Größenordnung üblich, mittels eines Aktientauschs statt. Dadurch dürften am Ende die Altaktionäre von Just-Eat die Mehrheit an dem neuen Großkonzern halten. Kein Wunder daher, dass die Aktie von Takeaway.com nur leicht zulegen kann, wohingegen die Aktie der Briten mit einem Kursplus von über +25% regelrecht explodiert. Diese Übernahme schlägt dabei sogar so hohe Wellen, dass in den USA die Aktien von GrubHub und Uber Zugewinne verzeichnen können

Generell gilt der Markt für Essensauslieferungen als wachstumsstarker Zukunftsmarkt. Nach der Übernahme des Deutschlandgeschäfts von Delivery Hero scheint zudem der Zusammenschluss mit Just-Eat nur der nächste logische Schritt zu sein. Allerdings sollte die Anteilseigner, bei aller Euphorie, nicht vergessen, dass der entsprechende Markt hart umkämpft ist und auch bleibt. Zudem wird man mit Essensauslieferungen allein wohl keinen solchen Börsenwert rechtfertigen können. Die Phantasie ist daher auch eine andere.

Jeff Bezos und Amazon.com lassen grüßen!

Viele schauen sich nämlich bei Internetunternehmen die größte Erfolgsgeschichte an – und die hat zweifellos Jeff Bezos mit Amazon.com geschrieben. Gestartet als kleiner Online-Buchhändler, dominiert der Internetgigant heute den eCommerce nahezu weltweit, abgesehen von abgeschotteten Ländern wie China oder gar Nordkorea. Allerdings startete Bezos eben auch klein, nämlich mit dem Verkauf von Büchern.

Daher sehen viele gewisse Parallelen. So mögen die Essenslieferanten zunächst mit der Auslieferung von Essen starten. Haben sie jedoch erst einmal entsprechende Logistiknetzwerke aufgebaut, können diese womöglich auch für andere Auslieferungen genutzt werden. Natürlich fällt einem da sofort die Auslieferung von Paketen ein, für die Amazon.com und Co. ja zukünftig sogar Drohnen einsetzen wollen.

Was aber, wenn Takeaway.com – die durch ihre aggressive Akquisitionsstrategie langsam zum Monopolisten in dieser Branche avancieren – Kooperationsverträge, beispielsweise mit Supermarktketten wie Edeka oder Rewe abschließen kann? Dann könnte hier noch einmal richtig Drive in diesen Markt kommen, was dann irgendwann auch die aktuellen Bewertungen rechtfertigen würde.

Essenslieferung durch Takeaway.com - die Niederländer konsolidieren den Markt aktiv!

Das Problem ist, dass die Anleger die Zukunft schon vorweg genommen haben

Genau das jedoch ist auch das große Problem. Denn ich schrieb ja nicht umsonst, dass dann die aktuellen Bewertungen mal gerechtfertigt sein könnten. Die Anleger an der Börse haben hier also, wieder einmal, die (durchaus positive) Zukunft vorweg genommen. So weisen die Aktien der Branche, sofern die entsprechenden Unternehmen überhaupt schon profitabel arbeiten, exorbitant hohe Bewertungen auf.

So wird eine Just-Eat beispielsweise derzeit mit einem KGV 2019e von knapp 80 bewertet, eine GrubHub sogar mit einem KGV 2019e von über 130. Natürlich steht auch ein entsprechend starkes Wachstum dahinter – so konnte GrubHub seinen Jahresumsatz zwischen 2015 und 2018 nahezu verdreifachen (was einem durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstum um ca. +40,7% entsprach).

So hat man sich vergangenen Dezember bereits das Deutschlandgeschäft von Delivery Hero gesichert, zu dem auch Foodora gehört.

Abverkauf durch Großaktionäre könnte für Ausverkauf sorgen

Doch am Ende zählt eben der Gewinn und der war bei GrubHub zuletzt sogar rückläufig (von knapp 99 Mio. US-Dollar in 2017 auf knapp 78,5 Mio. US-Dollar (ca. -20,7%) in 2018. Daher sollten sich Anleger schon die Frage stellen, ob Aktien wie Delivery Hero (die durch den Verkauf des Deutschlandgeschäfts eine Beteiligung an Takeaway.com halten), Just-Eat oder auch Takeaway.com nicht langsam zu teuer sind.

Ich jedenfalls würde keine der genannten Aktien auf diesem Kursniveau mehr kaufen! Zumal sowohl der Großaktionär Delivery Hero, als auch die Altaktionäre von Just-Eat, dank der starken Kursgewinne bei Just-Eat und Takeaway.com durchaus Interesse an Gewinnmitnahmen haben könnten. Initiieren diese Großaktionäre jedoch ihren Ausstieg, könnte dies kurzfristig zu einem Ausverkauf dieser Aktien führen.

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