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Steinhoff: Neuanfang mit diesen Wachstumsperlen?

Simon Ruic / 27.05.22 / 11:02

Eine südafrikanische Steinhoff-Tochter (WKN: A14XB9) meldet trotz Omikron-Ausbrüchen und sogar Ladenplünderungen beeindruckende Halbjahreszahlen. Nachdem der Vergleich im Schadensersatzprozess im Frühjahr rechtsgültig geworden ist, hat der in Finanznot geratene Mutterkonzern mit seinen profitablen Beteiligungen die Chance auf ein Revival.

Die Steinhoff International Holding ist ein weltweit tätiger Einzelhandelskonzern mit Sitz in Amsterdam und operativer Zentrale in der südafrikanischen Metropole Johannesburg. Das 1964 vom deutschen Unternehmer Bruno Steinhoff gegründete Unternehmen beschäftigt rund 100.000 Mitarbeiter und war gemessen am Umsatz zeitweise der zweitgrößte Möbelhändler Europas. Der Börsenwert des Unternehmens ist derzeit auf 650 Millionen € taxiert.

Pepkors beeindruckendes Wachstum

Pepkor ist eine südafrikanische Steinhoff-Tochter mit Fokus auf den Einzelhandel. Am Freitag legte die Holdinggesellschaft ihre vorläufigen Zahlen für das am 31. März beendete erste Geschäftshalbjahr vor. Kurzum: Alles weist auf eine sehr gesunde Erholung hin nach dem Omikron-Ausbruch in Südafrika im abgelaufenen Quartal und den Plünderungsschäden durch die Unruhen im Land.

So erhöhte sich der Umsatz von Pepkor in den sechs Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um +3,3% auf 42 Milliarden ZAR (2,5 Milliarden €). Ohne die mittlerweile verkauften Stores der Marke „John Craig“ beträgt das Wachstum +3,7%. Im Vergleich zum letzten Vor-Corona-Halbjahr betragen die Zuwächse sogar +15,4%.

Das ist insbesondere bemerkenswert, da Ende März 161 Geschäfte noch geschlossen waren, die in den Unruhen im Juli 2021 in den Provinzen KwaZulu-Natal und Gauteng geplündert worden waren. Aktuell warten noch 70 Stores auf ihre Wiedereröffnung. Die Umsatzentwicklung wurde zudem von Einbußen bei der Kleinkreditvergabe in Pepkors Fintech-Arm gebremst.

Kräftige Gewinnsteigerungen bei Pepkor

Ergebnisseitig kletterte der operative Gewinn in dem Geschäftshalbjahr um +19,1% auf 5,7 Milliarden ZAR, der Überschuss nach Steuern betrug 3,3 Milliarden ZAR. Der Gewinn je Aktie (EPS) steigerte sich um über +28% auf 0,91 ZAR, das bereinigte EPS immerhin um +12% auf 0,80 ZAR.

Die Differenz begründet sich im Wesentlichen durch einen Sondereffekt. So profitierte Pepkor bei der kräftigen Gewinnsteigerung in den sechs Monaten vom Ergebnis der Steinhoff-Vergleichsvereinbarungen: In dem Zusammenhang wurde eine Haftungserklärung von Pepkor nichtig. Die dafür gebildeten Rückstellungen konnte die Holding ergebniswirksam auflösen.

Im Berichtszeitraum hat Pepkor 479 der in den Juli-Unruhen zerstörten Stores (87%) wiedereröffnet. Die Geschäftsausfälle und der Wiederaufbau sind dabei größtenteils durch Versicherungen abgedeckt. Für die Betriebsunterbrechungen hat die Gesellschaft 440 Millionen ZAR geltend gemacht und 171 Millionen ZAR bislang erhalten. Für die Plünderungsschäden stehen dem Einzelhandelskonzern 1 Milliarde ZAR zu, 500 Millionen ZAR sind davon bislang in die Kassen des Unternehmens geflossen. Damit stehen noch Versicherungseinnahmen von 769 Millionen ZAR aus, die die nächsten Quartale der Steinhoff-Tochter gewinnsteigernd beeinflussen werden.

Dank sinkender Arbeitslosenzahlen, mehr Tourismus und einer wirtschaftlichen Erholung in Südafrika erwartet Pepkor für das Geschäftsjahr 21/22 (per Ende September) eine ungebrochen positive Entwicklung. Das Management hält an seinem Ziel fest, rund 300 neue Stores in dem Zeitraum zu eröffnen.

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Starke Entwicklung auch bei der Pepco Group

Pepkor erweist sich mit den starken Zahlen wieder einmal als Cash Cow von Steinhoff. Es ist jedoch nicht die einzige Wachstumsperle im Portfolio der südafrikanischen Holding. Mindestens genauso erfolgreich wirtschaftet die Pepco Group, eine 78%-Tochter von Steinhoff. Die Namensverwandtschaft kommt nicht von ungefähr: Die vor allem in Osteuropa präsente Pepco Group gehörte einst zum Pepkor-Portfolio.

So hatte im April auch Pepco mit seinen Niedrigpreis-Läden für sein erstes Geschäftshalbjahr ein starkes Wachstum und ein Beschleunigung seines aggressiven Wachstumskurses ausgewiesen. Der Konzernumsatz stieg zwischen Oktober und März gegenüber dem Vorjahreszeitraum um +17,3% auf knapp 2,4 Milliarden €. Ursprünglich hatte die Steinhoff-Tochter für die kommenden 10 Jahre 11.200 neue Stores geplant. Nun spricht das Management in dem Zeitraum bereits von bis zu 20.000 Neueröffnungen.

Chance auf einen Neuanfang

Der Mutterkonzern Steinhoff versinkt derweil weiterhin in einer immensen Schulden- und Zinslast. Die Kapitalkosten für die Altlasten betragen jährlich rund eine Milliarde €. Mit den profitablen Töchtern ist jedoch zumindest die Chance vorhanden, den riesigen Schuldenberg schrittweise abzutragen – vorausgesetzt, dass die extrem hohen Zinssätze, die man bislang akzeptieren musste, reduziert werden.

Der nun rechtsgültige Vergleich im Schadensersatzprozess bietet die Gelegenheit für einen Neuanfang. So könnte in einigen Jahren aus einem existenzbedrohten Konzern mit untragbaren Schadensersatzforderungen eine hochverschuldete, aber operativ profitable Gesellschaft mit werthaltigen Assets werden.

Für ein ernsthaftes Investment bei Steinhoff ist es aus meiner Sicht jedoch noch zu früh. Es dürften noch einige Jahre ins Land ziehen, bis der einstige Vorzeigekonzern wieder annähernd zu altem Glanz finden kann. Als Zockerpapier eignet sich der Titel jedoch weiterhin allemal.

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