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Sascha / 06.11.19 / 19:05

NextCure: Biotechaktie auf Achterbahnfahrt (mal wieder!)

Am gestrigen Dienstag schoss die Aktie des Biotechunternehmens NextCure (WKN: A2PHHE) den Vogel ab. Denn der Titel konnte sich aus dem Stand mehr als verdreifachen, wofür es auch einen Grund gab. Doch dazu gleich mehr.

Wichtiger zu wissen ist nämlich, dass NextCure erst im Mai diesen Jahres zu seinerzeit 15 US-Dollar je Aktie an die Börse ging (und durch den IPO brutto 75 Mio. US-Dollar einnehmen konnte). Denn folglich lief ausgerechnet gestern die Haltefrist der Altaktionäre ab, so dass diese den Kurssprung so richtig abfeiern können.

Doch warum kam es überhaupt zu diesem Kurssprung? Nun, das Unternehmen meldete, dass erste klinische Tests eines Medikamenten-Kandidaten gegen schmal-zelligen Lungenkrebs bei einer handvoll Patienten vielversprechend verlaufen sind. Dazu muss man wissen, dass das Medikament auf einem Siglec-15 (S15)-Antikörper mit Namen NC318 basiert und schon im März bei einem getesteten Patienten zu einer vollständigen Remission führte.

Daher lösten diese neuen vielversprechenden Testergebnisse wohl bei manchen Anlegern Träume aus, dass es NextCure tatsächlich in absehbarer Zeit gelingen könnte ein Medikament gegen (schmal-zelligen) Lungenkrebs entwickeln zu können. Dies wäre natürlich ein absoluter Blockbuster (so werden Medikamente mit einem Jahresumsatz von mindestens einer Milliarde US-Dollar in der Branche genannt), zumal insbesondere viele Raucher unter diesem Lungenkrebs leiden.

Träumen ist natürlich erlaubt, aber...

Träumen ist natürlich – auch an der Börse – erlaubt. Und völlig ausschließen, dass NextCure erfolgreich sein wird, kann man heute natürlich nicht. Genauso wenig kann man jedoch heute schon annehmen, dass eben dies gelingt. Insofern sollten solche Träumereien nicht zu solch exorbitanten Kursgewinnen von mehr als +200% führen. Und tun sie es doch, dann muss man eben anschließend auch wieder mit einem entsprechenden Absturz der Aktie rechnen.

Intercept Pharmaceuticals, die einst wegen Hoffnungen auf ein Hepatitis-Medikament auf über 500 US-Dollar nach oben schossen, sind hier ein sehr gutes, mahnendes Beispiel. Denn heute werden für diese Aktie nur noch knapp 80 US-Dollar bezahlt – und im Tief waren es sogar nur noch etwa 50 US-Dollar. Dies zeigt sich dann auch heute bei der Aktie von NextCure, die zur Stunde rund -20% auf etwa 75 US-Dollar verliert.

Die Vergleiche in einigen US-Finanz-Foren mit dem Krebsmedikament Keytruda aus dem Hause Merck & Co. sind daher völlig überzogen und fehl am Platz. Auch wenn die Aktie natürlich ein Schnäppchen wäre, wenn NextCure wirklich erfolgreich wäre. Denn immerhin brachte alleine Keytruda Merck & Co. zuletzt einen Jahresumsatz von 12,4 Mrd. US-Dollar ein. Der aktuelle Börsenwert von NextCure beträgt dagegen gerade einmal knapp 1,5 Mrd. US-Dollar.

Fazit: Nur Träumer glauben an Kursziele über 500 US-Dollar, aber wir sind Realisten!

Wenn man von einem Jahresumsatz in Höhe von nur 12 Mrd. US-Dollar für ein solches Krebsmedikament ausgeht, könnte sich die Aktie von NextCure alleine bei einer Bewertung mit einem KUV von nur eins etwa verachtfachen. Das Kursziel läge dementsprechend dann in der Tat bei 500 US-Dollar und mehr. Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg – und niemand weiß, ob es auf diesem Weg zu Rückschlägen kommt oder es letztlich sogar ein kompletter Fehlschlag wird.

Da wir hier bei sharedeals.de keine Träumer, sondern Realisten sind, möchten wir an dieser Stelle zur Vorsicht mahnen. Denn für das, was NextCure bisher geschafft hat, ist selbst der Börsenwert von knapp 1,5 Mrd. US-Dollar (nach der gestrigen Verdreifachung sowie der heutigen Korrektur um -20%!) noch sehr hoch. Denn der Jahresumsatz der Gesellschaft lag sowohl 2017 als auch 2018 bei genau Null. Dafür aber gab es, aufgrund der kostenintensiven Forschungsarbeit, einen Nettoverlust von zunächst knapp -15,5 Mio. US-Dollar sowie zuletzt knapp -22,8 Mio. US-Dollar.

Auch im laufenden Geschäftsjahr 2019e dürfte der Jahresumsatz noch weit unter 10 Mio. US-Dollar liegen, wohingegen sich der Nettoverlust auf über -25 Mio. US-Dollar ausweiten wird. Zwar erscheint NextCure mit einer aktuellen Cashposition von über 135 Mio. US-Dollar für einige Jahre durchfinanziert. Allerdings ist der Börsenwert dennoch exorbitant hoch, ich würde sogar schreiben wollen viel zu hoch. Was natürlich den Altaktionären (Start-up-Investoren) angesichts der nun ausgelaufenen Haltefrist in die Karten spielt. Ein Schelm...


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