Netflix mit Quartalszahlen: Das ist sehr kritisch!

von (sh)  /   18. Juli 2019, 8:04  /   unter Technologie-Aktien  /   Keine Kommentare

Gestern Abend, nachbörslich, meldete der Videostreaming-Gigant Netflix (WKN: 552484) seine aktuellen Quartalszahlen. Anschließend ging die Aktie auf Tauchstation und verlor knapp -12% an Wert. Auf den ersten Blick eine erstaunliche Reaktion, denn grundsätzlich waren die vermeldeten Quartalszahlen nicht so schlecht. So verzeichnete Netflix in Q2/2019 einen Umsatz in Höhe von 4,92 Mrd. US-Dollar (+25,9%) sowie einen Nettogewinn von 271 Mio. US-Dollar (-29,4%).

Damit lag der Quartalsumsatz zwar minimal unter, der Nettogewinn jedoch – trotz des deutlichen Rückgangs gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal – deutlich über den Erwartungen. Eigentlich müsste man also von einem Non-Event sprechen. Eigentlich, denn weit wichtiger ist bei Netflix natürlich das Nutzerwachstum. Hier jedoch fielen die vorgelegten Zahlen ernüchternd aus.

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So kam es im Heimatmarkt, den USA, sogar zu einem leichten Rückgang der Nutzerbasis von zuletzt 60,2 auf nunmehr nur noch 60,1 Mio. Insgesamt steigerte Netflix seine Nutzerzahl im abgelaufenen Quartal nur um 2,7 Mio. Hier hatte der Konzern selbst eigentlich mindestens 4,7 Mio. neue Nutzer angepeilt. Noch optimistischer waren die Analysten, die mit 5 Mio. und mehr neuen Abonnenten kalkuliert hatten.

Netflix-Management wiegelt ab…

Kein Wunder also, dass die Anleger die Aktie in einem Anflug von Panik nachbörslich ausverkauften. Denn das Geschäftsmodell von Netflix basiert quasi darauf die Nutzerbasis immer weiter zu steigern. Nur dann nämlich steigen die Einnahmen – und diese wiederum braucht der Konzern, um in immer neue Inhalte zu investieren. Mit anderen Worten: Es gibt für Netflix aktuell nichts schlimmeres als fehlendes Nutzerwachstum!

Daher wiegelt das Management auch ab. So sei das zweite Quartal traditionell das schwächste Quartal für das Unternehmen. Man sei jedoch sehr zuversichtlich dafür im bereits begonnenen dritten Quartal wieder ein deutlich stärkeres Nutzerwachstum erreichen zu können. Konkret prognostizieren das Management um CEO Reed Hastings für Q3/2019 ein Nutzerwachstum um sage und schreibe sieben Millionen neue Abonnenten.

Bleibt trotz eines enttäuschenden zweiten Quartals optimistisch: der langjährige CEO von Netflix, Reed Hastings

Analysten bleiben zuversichtlich, Anleger sind dagegen skeptisch!

Während die Analysten das durchaus zu schlucken scheinen und daher weitestgehend optimistisch bleiben, scheinen die Anleger davon jedoch nicht überzeugt zu sein. Tatsächlich kann ich die deutlich skeptischeren Investoren sehr gut verstehen. Denn wie Netflix seine Anzahl an neuen Nutzern im laufenden Quartal gegenüber dem Vorquartal nahezu verdreifachen möchte, entzieht sich auch meiner Kenntnis.

Wichtig um dieses Ziel zu erreichen ist, laut CEO Reed Hastings, dass Netflix werbefrei bleibt. Zwar sei es richtig, dass man durch den Verkauf von Werbung einen zusätzlichen Umsatzstream erhalten würde. Allerdings würden dies viele aktuellen Nutzer nicht akzeptieren und neue Nutzer abschrecken. Daher verzichte man darauf zugunsten des Ziels in absehbarer Zeit die eigene Nutzerbasis von aktuell bereits über 150 Mio. weiter steigern zu können.

Laut Analysten die aktuell wichtigste Serie von Netflix: Stranger Things

Fazit: Enttäuschendes Quartal könnte die Aktie länger belasten!

Zusammenfassend muss ich konstatieren, dass Netflix in der Tat ein recht enttäuschendes zweites Quartal abgeliefert hat. Die Zuversicht des Managements bzgl. des laufenden Q3/2019 halte ich für Zweckoptimismus. Denn generell ist es so, dass sich die Konjunktur weltweit immer mehr eintrübt, was Netflix nicht gefallen kann. Schließlich können und werden Menschen, wenn ihnen weniger Geld zur Verfügung steht, durchaus mal auf Unterhaltungsangebote wie Netflix verzichten.

Hinzu kommt dann noch der zunehmende Wettbewerbsdruck, da Technologiegiganten wie Apple aber auch klassische Inhalteanbieter wie Walt Disney in den Videostreaming-Markt vordringen. Daher könnten die nun vorgelegten Quartalszahlen durchaus eine längere Saure-Gurken-Zeit für Netflix-Aktionäre einleiten. Ich jedenfalls halte kurz- bis mittelfristig einen Kursrückgang in Richtung 250 US-Dollar für möglich – und Analysten-Kursziele von 450 US-Dollar und mehr gegenwärtig für absurd!

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