Ionos-IPO: Börsengang ein Schnäppchen für Anleger?

Marco Messina
27.01.23 um 12:51

Europas Internet-Spezialist United Internet (WKN: 508903) wird endlich seine Tochter Ionos (WKN:A3E00M) an die Börse bringen. Die Eckdaten des IPOs sorgen allerdings für einige Überraschungen!

Ionos ist nach eigenen Angaben mit mehr als 8 Millionen Kundenverträgen und weltweit über 90.000 Servern der führende europäische Anbieter von Hosting-Dienstleistungen, Cloud-Services und Cloud-Infrastruktur. Im Jahr 2018 aus dem Zusammenschluss von 1&1 Internet und dem Berliner IaaS-Anbieter ProfitBricks entstanden und noch als 1&1 Ionon firmierend, ist daraus mittlerweile die Ionos Cloud hervorgegangen.

Cloud-Infrastruktur und klassische Websites

Ionos bietet neben den europäischen Aktivitäten insbesondere in Nordamerika Web Presence- & Productivity-Lösungen sowie Cloud-Infrastruktur und Cloud Solutions an. Das umfassende Produktportfolio reicht von Domains und Webhosting über klassische Websites und Do-It-Yourself-Angebote, von E-Commerce und Online-Marketing-Tools bis hin zu vollwertigen Servern und IaaS-Lösungen.

Börsengang mit Überraschungen

Mit der Ionon Group SE sehen wir den ersten größeren Börsengang in Deutschland seit dem Börsendebüt der Porsche-Aktie im September 2022. So völlig überraschend kommt der Gang auf das Börsenparkett nicht, haben es die Spatzen doch seit Tagen von den Dächern gepfiffen.

Aber sowohl die Zeichnungsbedingungen als auch der Zeitpunkt haben heute den einen oder anderen Investor dann doch erstaunen lassen.

Dabei sagt Ionos-CEO Achim Weiß:

Wir glauben, dass wir ideal positioniert sind, um vom unaufhaltsamen Trend der Digitalisierung zu profitieren. Das positive Feedback zahlreicher Investoren bestärkt uns in unserer Überzeugung, dass der Börsengang unseren erfolgreichen Wachstumskurs stärken wird.

Das Unternehmen befindet sich mit rund 75,1% derzeit noch im mehrheitlichen Besitz von United Internet. Die restlichen 24,9% der Anteile werden von einem verbundenen Unternehmen der Warburg Pincus gehalten.

Noch, denn beide Aktionäre wollen sich im Rahmen des IPOs von rund 15% ihrer Anteile trennen – und das anscheinend zum Schnäppchenpreis für die Zeichner der Papiere.

Lukrative Zeichnungsbedingungen für Anleger?

Gemeinsam wollen beide Aktionäre inklusive Greenshoe-Option knapp über 24 Millionen Aktien zu einer Preisspanne zwischen 18,50 und 22,50 € anbieten. Und genau in diesen Details steckt unheimlich viel Sprengstoff.

Zu einem würde der Freefloat nach Ausübung der Greenshoe-Option nur mickrige 17,3% betragen, was wieder einmal nicht Fisch und nicht Fleisch ist. Der Freefloat ist so gering, dass hier schon der Kurs bereits mit kleineren News in die eine als auch andere Richtung bewegt werden könnte.

Attraktive Bewertung

Einen ähnlich niedrigen Freefloat haben wir vor einiger Zeit bei Vantage Towers gesehen, was dann relativ schnell in einem Übernahmeangebot endete. Allerdings ist die Bewertung, zu der die Aktien an den Mann oder die Frau gebracht werden sollen, auf den ersten Blick äußerst attraktiv.

Mit maximal rund 3,15 Milliarden € Bewertung liegt das Angebot doch deutlich unter den Schätzungen die „mit der Sache vertrauerte Insider“ noch bis vor wenigen Tagen als mögliche Bewertung gegenüber mehreren Medien mitgeteilt haben.

Demnach sollten ursprünglich doch bis zu 5 Milliarden € erlöst werden, und das ließ den Aktienkurs von United Internet von knapp 18 € im Dezember auf fast 23 € vor wenigen Tagen anziehen.

Damit wäre das Paket, dass United Internet an Ionos aktuell noch hält, mit rund 2,36 Milliarden € zu bewerten. Und das, obwohl die United Internet-Aktie gerade mal auf eine Marktbewertung von 4 Milliarden € kommt.

Vielleicht war diese Größenordnung dann am Markt nach einem sogenannten „market-surrounding“ doch nicht zu erzielen, schließlich fließt der IPO-Erlös ausschließlich in die Taschen der Altaktionäre und nicht in die Gesellschaft selber.

Wiederkehrende Erlöse sorgen für gute Skalierbarkeit

In 2021 konnte das Unternehmen Umsatzerlöse in Höhe von rund 1,1 Milliarden € verbuchen, von denen vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sowie um Sondereffekte bereinigt 32%  als operativer Gewinn hängen blieben. Für 2022 ist eine Steigerung der Einnahmen um 15 bis 18% geplant.

Dieses Umsatzvolumen ist ziemlich immun gegen Risiken und wirtschaftliche Schwankungen. Satte 90% der Einnahmen stammen aus Abo-Modellen und sind wiederkehrende Umsätze!

Mittelfristig sollen die Umsätze jährlich um rund 10% gesteigert werden und es soll eine bereinigte operative Marge von über 30% erzielt werden, so hatte United Internet noch im November 2022 auf einem Investorentag in London verkündet.

Zu den wichtigsten Ionos-Rivalen zählen GoDaddy aus den USA mit einem jährlichen Umsatz in 2022 von voraussichtlich rund 4 Milliarden US$, einem EBITDA in Höhe von 719 Millionen US$ und einer Marktkapitalisierung in Höhe von rund 12 Milliarden US$. Außerdem zu beachten ist die französische, nicht an einer Börse notierte OVH Cloud.

Aktie unbedingt zeichnen oder eher nicht?

Meiner Meinung nach besteht für Anleger bei diesem IPO und diesen Eckdaten, vorbehaltlich der Veröffentlichung des Wertpapierprospekts, ein exzellentes Chancen-Risiko-Verhältnis. Die Bewertung scheint fair und nicht zu ambitioniert zu sein. Sicherlich sollten Anleger natürlich das Marktumfeld immer im Auge behalten.

Investoren könnten Ionos-Anteile voraussichtlich zwischen dem 30. Januar und dem 7. Februar zeichnen. Der erste Handelstag auf dem Börsenparkett wird voraussichtlich für den 8. Februar erwartet.

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