HHLA-Aktie: Das könnte spannend werden

14.11.23 um 11:03

Die Aktie des Hamburger Hafenlogistikers HHLA (WKN: A0S848) reagiert auf die neuen Geschäftszahlen kaum, sie aktuell steht bei 16,40 €. Im September sprang der Kurs nach der Ankündigung eines Übernahmeangebotes auf 16,75 € – das entspricht dem Übernahmepreis. Jetzt, gegen Ende der Übernahmefrist, regt sich Widerstand gegen die Übernahme. Kommt die Übernahme oder wird sie abgesagt?

hhla.de

ℹ️ HHLA vorgestellt

Die Hamburger Hafenlogistik AG, HHLA, gehört zu den führenden Hafenlogistik-Konzernen des Hamburger Hafens. Weitere Terminals betreibt die Gesellschaft in Cuxhaven sowie in der ukrainischen Stadt Odessa. Sie übernimmt auch die Verwaltung und Vermietung der Hamburger Speicherstadt. Die Marktkapitalisierung beträgt rund 1,2 Milliarden €.

Übernahme ungewiss

Im September unterbreitete die Schweizer Container-Schifffahrt-Unternehmen MSC den Aktionären ein Übernahmeangebot. Der Preis pro Aktie wurde mit 16,75 € angegeben – das entsprach einem Aufschlag zum damaligen durchschnittlichen Kurs von knapp +50%.

Vorausgegangen war ein Deal mit der Stadt Hamburg. Diese ist mit rund 70% der größte Aktionär an der HHLA AG. Der Freefloat dürfte mittlerweile nur noch bei rund 20% liegen. Geplant war, dass Hamburg weiterhin Mehrheitsaktionärin mit 51 % bleibt; der Anteil von MSC soll 49% betragen.

Lange wurde das Übernahmeangebot nicht wichtig genommen, jetzt gegen Ende der Frist regt sich Widerstand. Hier sind drei Parteien aktiv. Einerseits wird der Deal von politischen Kräften kritisiert. Daneben haben die Arbeitnehmer gegen die Übernahme demonstriert, hier geht es um sichere Arbeitsplätze. Der dritte Akteur ist das Vorstandsmitglied Jens Hansen. Als der Vorstand und Aufsichtsrat das Übernahmeangebot begrüßten und die Aktionäre zur Annahme aufforderten, teilte Hansen mit, dass er seine 52 Aktien behalte.

In der Summe könnte das die Übernahme gefährden. Sollte die komplette Übertragung bis zum 20. November nicht erfolgen, gibt es eine zweiwöchige Verlängerungsfrist. Eine Anhebung des Übernahmepreises hat MSC abgelehnt.

Es wird jetzt sehr spannend, ob die Übernahme kommt.

Gewinn eingebrochen

Was sich in den Vorquartalen angedeutet hatte, setzte sich im dritten Quartal weiter fort. Der am 14. November veröffentlichte Quartalsbericht zeigt, dass der Konzern unter der stark rückläufigen Konjunktur leidet. Der Containerumschlag an den Terminals der HHLA ging deutlich zurück. Der Konzernumsatz in den ersten neun Monaten reduzierte sich um 7,1% auf 1,1 Milliarden €.

Deutlich stärker sind die Auswirkungen bei der Ertragslage. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum reduzierte sich das operative EBIT um mehr als die Hälfte auf 75,6 Millionen €. Beim Konzerngewinn ist der Rückgang mit rund 71% auf 11,9 Millionen € noch deutlicher ausgefallen.

Angela Titzrath, Vorstandsvorsitzende der HHLA, kommentierte die Lage sehr allgemein:

Die eingetrübte konjunkturelle Lage wirkt sich weiterhin auf die Geschäftsaktivitäten der HHLA als international tätiges Logistikunternehmen aus.

Sie verwies darauf, dass große Investitionen anstünden, um die Wettbewerbsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Diese werden um 20 Millionen € auf 270 bis 320 Millionen € angehoben.

Der Ausblick für das laufende Geschäftsjahr wurde bestätigt. Allerdings ist er sehr allgemein verfasst – danach sollen sich Umsatz und Ertrag deutlich verschlechtern.

Was bedeutet das für die Aktionäre?

Hier kommt es auf den Zeitpunkt des Einstieges an. Wer die Aktie unter dem Übernahmepreis erworben hat, profitiert von dem höheren Angebot. Aktionäre, die vorher zu deutlich höheren Kursen eingestiegen sind, sind die Verlierer bei diesem Deal.

Wird die Übernahme abgesagt, dürfte der Kurs wieder deutlich fallen. Bis er dann wieder auf das jetzige Niveau ansteigt, kann es lange dauern.

Aus meiner Sicht kann es daher keine Empfehlung geben. Seitens der Analysten gibt es auch keine wesentliche Entscheidungshilfe. Warburg Research hat sein Kursziel exakt an den Übernahmepreis angepasst.

Mein Fazit: Aktionäre mit Gewinn sollten über einen Verkauf nachdenken. Für Aktionäre mit Verlusten könnte das Warten auf die Verlängerungsfrist interessant sein. Ob es dann doch zu einer Anhebung des Übernahmepreises kommt, ist ungewiss.

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