Evotec – großes Kaufsignal oder doch nochmal abwärts?

von (sh)  /   27. März 2019, 10:39  /   unter Biotech-Aktien, Technologie-Aktien  /   Keine Kommentare

Eine der stärksten Aktien am deutschen Aktienmarkt war in den letzten Monaten das Papier des Hamburger Biotechunternehmens Evotec (WKN: 566480). Dies ist insofern etwas erstaunlich, da es sich ja um einen durchaus spekulativen Nebenwert aus der Biotechbranche handelt. Grundsätzlich ist diese Branche zwar sehr aussichtsreich, schon weil wir Menschen immer älter werden. Allerdings kann es in der Entwicklung von Medikamenten eben auch mal zu Fehlschlägen kommen, wie man zuletzt ja erst bei Biogen und deren Alzheimer-Medikament Aducanumab gesehen haben.

Wie also kommt es, dass sich ausgerechnet die Evotec-Aktie so stabil zeigen konnte? Nun, ich habe dafür zwei Gründe ausgemacht: Erstens verfügt das Unternehmen (mit Novo A/S und Oetker) über einige treue Großaktionäre. Zweitens hat der erst im Jahr 2009, also vor fast genau zehn Jahren, als neuer CEO zum Unternehmen gestoßene Dr. Werner Lanthaler vom Konkurrenten MorphoSys gelernt und ein einzigartiges Geschäftsmodell aufgebaut. Dieses zeichnet sich dadurch aus, dass Evotec von seinen Forschungserfolgen profitieren kann, die Risiken jedoch auslagert.

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Konkret funktioniert dieses Geschäftsmodell so: Evotec forscht, im Auftrag von großen Pharmakonzernen wie Sanofi, an neuen Medikamenten. Dafür wird man entsprechend entlohnt. Kommt es jedoch zu Forschungserfolgen, werden zusätzliche Prämienzahlungen an Evotec fällig. Scheitert man hingegen bei seinen Forschungen, werden keinerlei Strafzahlungen fällig. Somit lohnen sich Forschungserfolge für Evotec zwar besonders, Rückschläge kann man jedoch relativ leicht wegstecken bzw. verkraften.

Dr. Werner Lanthaler: Vom CFO bei Intercell zum CEO von Evotec

Bevor Dr. Werner Lanthaler am 6. März 2009 das Zepter bei Evotec in Hamburg übernahm, war er Finanzvorstand des österreichischen Biotechunternehmens Intercell (inzwischen mit der französischen Vivalis in Valneva aufgegangen). Seinerzeit erreichte Intercell eine gewisse Berühmtheit, weil kein Geringerer als Microsoft-Gründer Bill Gates dem Unternehmen einen Besuch abstattete, was manch einen Anleger sogar von einem entsprechenden Investments des damals noch reichsten Mensch der Welt in Intercell träumen ließ.

Doch Dr. Lanthaler sah seine Arbeit bei Intercell wohl nach dem gelungenen Börsengang anno 2005 sowie einer gelungenen Kapitalerhöhung zur Finanzierung der weiteren Forschung 2006 als beendet an. Daher suchte er nach neuen Herausforderungen, so dass das Angebot von Evotec gerade Recht kam. Er nahm es an und fand zunächst ein Unternehmen vor, dass nach dem Ende des Neuen Marktes ein kleiner Sanierungsfall war. Kein Wunder also, dass die Aktie damals – kurz nach der Finanzkrise – ein Pennystock war, also unter einem Euro notierte.

Neue Besen kehren gut, der neue CEO räumte auf

Dr. Lanthaler erwies sich dabei als absoluter Glücksgriff. Denn da er zuvor als Finanzvorstand (CFO) gearbeitet hatte, wusste er natürlich, wo er aus finanzieller Sicht den Hebel ansetzen musste. Das aber können viele „Chefbuchhalter“. Gerade bei einem vergleichsweise jungen, innovativen Biotechunternehmen ist es jedoch wichtig auch die Technologie im Blick zu behalten. Dies gelang ihm jedoch hervorragend, wobei ihm sicherlich zugute kam, dass ja auch die Intercell ein junges, innovatives Biotechunternehmen gewesen ist.

Daher sanierte Dr. Lanthaler die Gesellschaft in relativ kurzer Zeit, ohne dabei jedoch die wichtigsten Mitarbeiter (Forscher) vor den Kopf zu stoßen und ohne die Investitionen in die Technologieplattform zu stark zu beschneiden. Die Anleger an der Börse dankten ihm dies auch umgehend. Daher notierte die Aktie zum Jahresende 2009, also gerade mal gut neun Monate nach dem Amtsantritt des neuen CEOs, schon wieder über 2,00 Euro und hatte sich damit etwa verdreifacht. Wobei ich nicht verhehlen möchte, dass dabei sicherlich auch der seinerzeit neu begonnene Bullenmarkt einen gewissen Anteil an dieser tollen Kursentwicklung hatte.

Umsatz- und Gewinnentwicklung zuletzt

Von 2014 bis 2018 gelang es Evotec seinen Jahresumsatz von 89,5 Mio. auf 375,4 Mio. Euro mehr als zu vervierfachen. Dies entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstum um ca. +61,3%. Wobei dabei sicherlich die Akquisition der US-amerikanischen Aptuit für 300 Mio. US-Dollar seinen Teil dazu beitrug. Im gleichen Zeitraum gelang es Evotec das operative Ergebnis (EBIT) von -4,1 Mio. Euro auf deutlich über 60 Mio. Euro zu drehen.

Wobei es von 2016 auf 2017 ja sogar einen Gewinnrückgang um ca. -20% gegeben hatte. Von 2015 bis 2018 entsprach dies mehr als einer Verviereinhalbfachung des Gewinns vor Zinsen und Steuern (EBIT) respektive einem jährlichen Gewinnwachstum von gut +67%, wobei diese Rechnung eben wegen des zwischenzeitlichen Gewinnrückgangs gar nicht sonderlich sinnvoll erscheint.

Aktie erscheint fundamental nicht zu teuer, aber…

Auf Basis der nun vorgelegten Geschäftszahlen für 2018 lag der Jahresumsatz bei 375,4 Mio. Euro sowie einem EBIT von über 60 Mio. Euro. Auf Basis dieser Geschäftszahlen wird die Aktie gegenwärtig mit einem KUV von knapp neun sowie einem KGV von ca. 54 bewertet. Dies ist sicherlich nicht sehr günstig, allerdings für ein stark wachsendes, profitables Biotechunternehmen auch nicht übermäßig teuer.

Für das bereits laufende Geschäftsjahr 2019e kalkuliere ich mit einem Jahresumsatz von über 410 Mio. Euro sowie einem EBIT von knapp 110 Mio. Euro. Damit liegt die Bewertung auf Basis meiner Umsatz- und Gewinnschätzungen für 2019e bei einem KUV 2019e von ca. 8,3 sowie einem KGV 2019e von ca. 48. Insofern würde die Aktie durchaus noch über ein gewisses Kurspotenzial verfügen.

Fazit: Kein Schnäppchen, aber trotzdem interessant!

Zusammenfassend muss ich daher konstatieren, dass die Evotec-Aktie sicherlich kein Schnäppchen mehr ist, wenngleich sie auch nicht total überteuert erscheint. Aus rein charttechnischer Sicht müsste die Aktie daher auch „nur“ noch überzeugend über die Marke von 23,50 Euro hinaus ansteigen, um ein Kaufsignal mit Kursziel im Bereich bis 28,00 Euro zu generieren. Dabei gibt es nur zwei Probleme.

Erstens sieht jeder charttechnische Laie, dass die Aktie kurz vor einem Kaufsignal steht, so dass womöglich schon viele Trader darauf setzen. Wo aber sollen dann noch die Käufer herkommen, die für dieses Kaufsignal sorgen? Zweitens haben quasi alle Anleger eine Übertreffung der Prognosen für 2018 erwartet, worin sie nun ja auch bestätigt wurden. Daher fehlt ein wenig der positive Überraschungseffekt, wenngleich die vorgelegten Geschäftszahlen schon extrem gut ausgefallen sind.

Zusammenfassend glaube ich daher, dass die Aktie zwar früher oder später den charttechnischen Ausbruch schaffen und das Kaufsignal liefern wird. Allerdings kann es durchaus noch ein wenig dauern bis es soweit ist. Kursrücksetzer in Richtung 20,00 oder sogar 18,00 Euro wären somit aus meiner Sicht gute (Nach)Kaufgelegenheiten. Das Kursziel in Höhe von 28,00 Euro sehe ich jedoch erst auf Sicht einiger Wochen bzw. Monate als realistisch an.

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