Adyen: Für Anleger, denen Wirecard einfach zu heiß ist!

von (sh)  /   06. Juni 2019, 18:21  /   unter Technologie-Aktien  /   Keine Kommentare

Im DAX dreht sich ja schon seit einiger Zeit fast alles um Wirecard. Immer wieder gibt es Attacken von Seiten der Londoner „Financial Times“ (FT), kürzlich schloss sich dann sogar das deutsche „Handelsblatt“ an. Generell bleibe ich jedoch beim Ergebnis meiner Analyse, dass der fundamental faire Wert von Wirecard zwischen 160,00 und 175,00 Euro liegt – sofern keine neuen, substanziellen Unregelmäßigkeiten aufgedeckt werden. Ich kann jedoch sehr gut verstehen, dass vielen Anlegern die extrem hohe Volatilität dieser Aktie für ein Investment zu groß ist. Für all diese Anleger habe ich heute eine Alternative mitgebracht, nämlich die Aktie von Adyen (WKN: A2JNF4).

Wie Wirecard ist auch Adyen ein Zahlungsabwickler, die Geschäftsmodell gleichen sich sehr. Allerdings arbeitet Adyen viel mehr mit großen, bekannten Unternehmenskunden zusammen als Wirecard, als Vorzeigekunden nennen die Niederländer immer gerne eBay, Netflix und Spotify. Diese Fokussierung auf größere Unternehmenskunden bietet dabei – wie sollte es auch anders sein? – einerseits gewisse Vorteile, andererseits aber natürlich auch gewisse Nachteile. Wobei es immer im Auge des Betrachters (Anlegers!) liegt, ob man etwas als Vor- oder Nachteil ansieht.

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Der Vorteil von Adyen ist nämlich sicherlich, dass es an der Bilanz des Unternehmens bisher nichts zu mäkeln gab. Weder die Journalisten der „Financial Times“ noch andere haben jedenfalls bis heute jemals irgendwelche Vorwürfe gegen Adyen erhoben. Schon aus diesem Grund ist der Kursverlauf der Aktie auch weit weniger volatil als beim deutschen Konkurrenten Wirecard. Auf der anderen Seite jedoch sind auch die Gewinnmargen bei Adyen deutlich niedriger als dies bei Wirecard der Fall ist, was Experten genau auf diese unterschiedliche Kundschaft zurückführen.

Deutlich bessere Bonität bei eBay und Co…

Die große Frage, die Sie sich als Anleger stellen müssen, ist: Halten Sie es für schlüssig, dass Wirecard, aufgrund einer anderen Zusammensetzung seiner Kundschaft, rund vier Mal so hohe Margen ausweisen kann wie Adyen? Diese Frage ist leider selbst für mich sehr, sehr schwierig zu beantworten. Sicherlich ist es richtig, dass ein Großkonzern wie eBay eine hervorragende Bonität aufweist und ein solcher Kunde somit sicherlich geringere Margen abwirft als ein kleiner Einzelhändler aus Südostasien, keine Frage.

Aber es geht hier immerhin um sage und schreibe rund vier Mal so hohe Margen. Andererseits handelt es sich jedoch in letzter Konsequenz auch um recht geringe Margen, so dass der Faktor vier extremer erscheint als er in Wirklichkeit ist. Wiederum andererseits aber scheinen die Ausfälle bei den schwierigeren Kunden von Wirecard relativ gering zu sein, denn sonst würden die Ausfälle ja auf die Margen drücken. Man kann es also drehen und wenden wie man will, es gibt sowohl für die Fans wie auch die Kritiker von Wirecard sehr gute Argumente.

Diese Unternehmen gehören zu den wichtigsten Kunden von Adyen

Ein boomender Markt – auch Adyen ist ein Wachstumsunternehmen!

Da uns solche Vergleiche zwischen Adyen und Wirecard uns nicht wirklich weiter bringen, lasse ich Sie lieber sein. Konzentrieren wir uns lieber auf die Geschäftsentwicklung von Adyen sowie die fundamentale Bewertung der Aktie im Hinblick auf diese. So erzielte der niederländische Konzern im Geschäftsjahr 2018 einen Jahresumsatz von 349 Mio. Euro (+60%) sowie einen operativen Gewinn (bereinigtes EBITDA) von 182 Mio. Euro (+83%).

Damit wurden die Analystenprognosen, die bei einem Jahresumsatz von nur 335 Mio. Euro sowie einem operativen Gewinn von 158 Mio. Euro lagen quasi pulverisiert, was übrigens durchaus ein Punkt ist, der auch für Wirecard spricht. Denn offensichtlich boomt der Markt, in dem die beiden Konzerne unterwegs sind, zurzeit tatsächlich. Kein Wunder, dass sich angesichts dieser vorgelegten Zahlen die Anleger von der unveränderten Prognose des Managements etwas enttäuscht zeigten.

Fundamentale Bewertung extrem hoch, aber…

So rechnet das Management von Adyen weiterhin mit einem Umsatzwachstum zwischen +25% und +33% p.a. sowie einer Steigerung der EBITDA-Marge von zuletzt bereits starken 52% auf zukünftig über 55%. Rechnet man dies mal hoch, so läge der Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2022e bei über 1,1 Mrd. Euro sowie das EBITDA bei knapp 610 Mio. Euro. Dem steht aktuell ein Börsenwert von ca. 20,62 Mrd. Euro gegenüber.

Damit läge das KUV 2022e bei ca. 18,7 sowie das KGV 2022e bei ca. 52. Dies erscheint natürlich extrem hoch, insbesondere was das Kurs-Umsatz-Verhältnis betrifft. Dies liegt jedoch an den exorbitant hohen Margen, die der Konzern schon heute erzielt – und die in Zukunft ja auch noch weiter gesteigert werden dürften. Da zudem die Bonität der Kunden, und dadurch bedingt auch die Planungssicherheit, bei Adyen besser ist als bei Wirecard, geht das m.E. jedoch voll in Ordnung.

Die Zahlungsabwicklung bei Adyen, das ist wahrlich kein Hexenwerk!

Aktie vor charttechnischem Kaufsignal?!

Insofern kann ich auch nachvollziehen, dass die Aktie kurzfristig vor der Generierung eines charttechnischen Kaufsignals zu stehen scheint. Dazu müsste die Aktie nur noch die laufende Seitwärtskonsolidierung zwischen 615,00 und 735,00 Euro nach oben aufbrechen, was mit Kursen ab 750,00 Euro der Fall wäre. Ein solches charttechnisches Kaufsignal würde der Aktie somit eine Kursrally in Richtung der runden Marke von 900,00 Euro ermöglichen.

Sollte es dagegen, wider Erwarten, zu einem charttechnischen Ausbruch auf der Unterseite kommen, läge ein Verkaufssignal mit Kursziel 475,00 Euro vor. Insofern sollte man – wenn man aktuell in die Aktie einsteigt – auf jeden Fall mit einem Stoppkurs arbeiten, um mögliche Kursverluste zu begrenzen. Ich würde diesen Stoppkurs knapp unterhalb der Marke von 600,00 Euro und somit konkret bei 576,82 Euro setzen. Adyen ist also wirklich eine gute, weil durchaus sehr solide, Alternative zu Wirecard!

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