Administrator / 07.08.14 / 14:36

Solutions 30: Wachstumsstory aus Frankreich wird "deutsch"

solutions30Ein kleiner Blick über den Tellerrand ins benachbarte Frankreich: Die an der Pariser Börse gehandelte Solutions 30 SE (WKN: A0LEPP) schreibt eine durchaus beeindruckende Wachstumsstory, steigert ihre Ergebnisse kontinuierlich und dürfte im laufenden Jahr erstmals die Schwelle von 100 Millionen Euro Umsatz erreichen. Das Serviceunternehmen für digitale Technologien ist eigenen Angaben zufolge der größte europäische Anbieter seiner Branche und möchte unter anderem in Deutschland noch stärker wachsen. Hierfür stehen gleich mehrere Zukäufe deutscher Firmen auf der Agenda. Der Konzernumsatz soll so mittelfristig auf 350 bis 450 Millionen Euro steigen. Der Aktienkurs des Unternehmens konnte innerhalb des letzten Jahres bereits rund 50% zulegen. Mittlerweile ist auch ein Zweitlisting in Deutschland ein Thema. Wir sprachen mit Vorstandschef Gianbeppi Fortis über das Geschäftsmodell, die Perspektiven sowie über eine Reihe guter Gründe für ein Investment in Solutions 30.

Sehr geehrter Herr Fortis, seit Gründung - damals noch unter dem Namen PC 30 - konnte die heutige Solutions 30 SE ein stetiges Umsatz- und Gewinnwachstum verzeichnen. Beschreiben Sie uns doch kurz, was genau Ihr Unternehmen macht und was ihr Erfolgsgeheimnis ist.

Gianbeppi Fortis: Unser Ziel ist es, die modernen digitalen Technologien für jedermann gianbeppi-fortiszugänglich zu machen. Privaten Haushalten wie Unternehmen gleichermaßen. Dazu schließen wir mit den großen, internationalen Konzernen wie beispielsweise Orange, Vodafone oder Hewlett Packard langjährige Partnerschaften, auf deren Basis wir Installationen und Wartungen im Namen unserer Kunden durchführen. Solutions 30 wurde 2004 in Frankreich gegründet und wir sind heute neben Frankreich in Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Italien und Spanien tätig. Wir möchten dazu beitragen, dass in einer Welt voll technologischem Wandel, der immer schneller stattfindet, Privatpersonen genauso wie Firmen Zugang zu diesen komplexen Technologien haben - dank unseres schnellen und effizienten Eingreifens. Dabei hängt die Geschwindigkeit unseres Wachstums sicherlich mit der Schnelligkeit des Wandels der neuen Technologien zusammen, die die Nutzer mit dem Internet verbinden.

Solutions 30 bietet Wartungslösungen für die folgenden fünf Branchen an: IT und Telekommunikation, Zahlungsverkehr, Sicherheit, Energie und Gesundheit. Wie ist die Umsatzverteilung der einzelnen Branchen und welchen Branchen trauen Sie die größten Wachstumsraten zu?

Gianbeppi Fortis: Die folgende Grafik zeigt den Umsatzmix der Solutions 30 SE im abgelaufenen Geschäftsjahr (2013). Zirka ein Viertel dieser Umsätze wurde bereits außerhalb Frankreichs generiert. Unser internationales Wachstum beschleunigt sich immer mehr, besonders dank unserem Wachstum in Deutschland.

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In Bezug auf die einzelnen Marktsegmente, die wir bedienen, sind drei besonders hervorzuheben – und das in all den Ländern in denen wir vertreten sind:

  • High-Speed-Internet: Sei es durch Glasfaser oder Koaxialkabel, alle Länder in Europa investieren verstärkt in die Leistungsfähigkeit ihrer jeweiligen Netzwerke. Wir haben uns genau auf diese Technologien spezialisiert und pflegen langfristige Beziehungen zu den großen europäischen Telekomgesellschaften.
  • Energie: Die europäischen Versorger wechseln zu intelligenten Stromnetzen und sind dabei darauf angewiesen den Stromverbrauch effizienter ablesen zu können. Wenngleich dieser Wandel grundsätzlich auf der ganzen Welt passiert, so hat Frankreich hier eine Vorreiterrolle inne. In Frankreich sollen sämtliche Strom- und Gaszähler kurzfristig ausgetauscht und durch intelligente (digitale) Zähler ersetzt werden. Die bereits laufenden Ausschreiben haben ein Umsatzvolumen (der Teil, der für Solutions 30 interessant ist) in Höhe von 1,5 Milliarden Euro für Strom und 350 Millionen Euro für Gas.
  • Zahlungsverkehr im Einzelhandel: In allen Ländern sind Geräte für die Zahlung mit EC- oder Kreditkarte kontinuierlich auf dem Vormarsch. Derzeit setzt sich der NFC-Standard (für die Kontaktlose Zahlung mittels Kreditkarte oder Smartphone) immer mehr durch. Auch traditionelle Geldautomaten verzeichnen noch ansprechende Wachstumsraten.

Zusätzlich haben wir die Marke CARE30 registriert, die für Dienstleistungen im Healthcare-Bereich eingesetzt werden soll. Die Umsätze aus diesem Segment werden aber erst in ein paar Jahren eine relevante Größenordnung erreichen.

In Frankreich tut sich ja einiges in der Energiebranche. So sollen „intelligente“ Strommessgeräte die analogen Zähler großflächig ablösen. Eine dementsprechende Ausschreibung findet gerade statt. Solutions 30 hat an der Ausschreibung teilgenommen. Wie beurteilen Sie die Chancen hier zum Zuge zu kommen und was hätte das für Auswirkungen auf den Umsatz von Solutions 30?

Gianbeppi Fortis: In Frankreich wurde hierzu bereits im Jahre 2010 ein Pilotprojekt gestartet in dem 250.000 der insgesamt 35 Millionen Strommeßgeräte ausgetauscht wurden. Solutions 30 konnte ein Drittel dieses Auftrages für sich gewinnen, wodurch wir in Frankreich zu dem größten Anbieter für Installation und Wartung von intelligenten Stromzählern für die nationalen Stromversorger geworden sind. Gemessen an der Größe der Ausschreibung und unserer gewonnenen Erfahrung gehe ich davon aus, dass die Ergebnisse dieser Ausschreibungen eine nicht unerhebliche Auswirkung auf unseren Umsatz in den kommenden drei Jahren haben sollte.

Die Halbjahresergebnisse waren ansprechend. So wurde der Umsatz im ersten Halbjahr um 26 Prozent auf 54,2 Millionen Euro gesteigert. Mit welchem Umsatz rechnen Sie für das Gesamtjahr und welche Margen sind dabei denkbar?

Gianbeppi Fortis: Historisch betrachtet konnte Solutions 30 im zweiten Halbjahr stets höhere Umsätze generieren als in den ersten sechs Monaten eines Jahres. Folglich gehen wir für 2014 von einem zweistelligen Umsatzwachstum aus (im vergangenen Jahr wurde ein Umsatz von 94,2 Millionen Euro erwirtschaftet). Ferner rechnen wir mit einer verbesserten Margensituation, da der Umsatz organisch wächst und organisches Wachstum geht bei uns stets mit einem Margenwachstum Hand in Hand.

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Im vergangenen Jahr haben Sie den Firmensitz der Gesellschaft von Frankreich nach Luxemburg verlegt und die Gesellschaftsform von einer französischen S.A. in eine europäische SE gewandelt. Wie kam es zu diesem Schritt?

Gianbeppi Fortis: Auslöser für die Verlegung des Firmensitzes ist unser Bestreben in Zukunft verstärkt in Deutschland zu wachsen. Deshalb haben wir uns im vergangenen Jahr dazu entschlossen, den Firmensitz nach Luxemburg zu verlegen und die Gesellschaftsform einer „SE“ (Société Européenne) anzunehmen. Luxemburg liegt ja genau zwischen Frankreich und Deutschland und die „SE“ spiegelt unseren Fokus, der auf ganz Europa und nicht nur auf Frankreich liegt, perfekt wider. Ein angenehmer Nebeneffekt ist die Steuerlast, die bereits im laufenden Jahr deutlich sinken wird.

Neben dem Sprung nach Luxemburg steht aktuell Deutschland im Fokus. Im vergangenen Jahr konnten Sie zwei Firmen übernehmen, weitere Zukäufe sind geplant. Erzählen Sie und doch ein wenig mehr hierüber.

Gianbeppi Fortis: Wir bewegen uns in einem sehr fragmentierten Markt und haben in den vergangenen fünf Jahren ein Dutzend sehr ansprechender M&A-Aktivitäten durchgeführt. Diese Strategie möchten wir nun in Deutschland fortführen, wo es in unserem Bereich sehr viele Gesellschaften mit einem regionalen Fokus gibt. Dementsprechend haben wir im Oktober des vergangenen Jahres ein kleines Unternehmen aus dem Großraum Stuttgart übernommen und im Januar dieses Jahres einen signifikanten Anteil einer Gesellschaft aus Köln erworben. Weitere Zukäufe sind Teil unserer Strategie und wir suchen derzeit aktiv nach Möglichkeiten in München, Hamburg und Berlin. Nach den Akquisitionen folgt die Einführung sowohl unserer Software als auch unserer Arbeitsabläufe um im Anschluss in der Lage zu sein, deutsche Kunden mit einem auf sie angepassten Angebot zu begeistern.

Neben dem externen Wachstum im Deutschland gibt es auch personelle Zuwächse. Wir haben gehört, dass der Aufsichtsrat der Solutions 30 SE bald Verstärkung aus Deutschland erhält. Dabei soll es sich um einen Fachmann aus der Telekommunikationsbranche handeln. Was dürfen Sie uns hierüber bereits verraten?

Gianbeppi Fortis: Zum derzeitigen Zeitpunkt kann ich diese Frage nicht beantworten. Nur soviel: Unser Aufsichtsrat ist mit sehr bekannten und einflussreichen Persönlichkeiten aus der Industrie und Wirtschaft besetzt. Dementsprechend ist es unser Bestreben, den Aufsichtsrat zu erweitern und internationaler aufzustellen. Dementsprechend macht es Sinn, den Aufsichtsrat gemäß den Ländern zu besetzen, in denen wir unseren Umsatz erwirtschaften. Gegen Ende des Jahres wird es hierzu mehr Informationen geben.

Schließlich werden nun auch verstärkt Aktivitäten im Bereich der Investor Relations in Deutschland gestartet. Kapitalmarktkonferenzen, Research, Roadshows. Was ist passiert, was wird noch passieren?

Gianbeppi Fortis: Wir waren bereits auf Roadshow in München und Hamburg und wir haben ein sehr gutes Feedback erhalten. Weitere Roadshows in Frankfurt und Berlin sind durch aus denkbar. Darüber hinaus werden wir dieses Jahr noch an ein bis zwei ausgesuchten Kapitalmarkt Konferenzen teilnehmen. Ein Research ist ebenfalls bereits in der Mache. Von einem in Deutschland sehr bekannten und angesehenen Analysten. Schließlich haben wir unsere Investor Relations Abteilung durch Zuwachs aus Deutschland komplettiert. Ein Zweitlisting in Deutschland wäre ebenfalls denkbar.

Derzeit besteht die Aktionärsstruktur der Solutions 30 noch vornehmlich aus französischen Fondsgesellschaften. Wer sind die Hauptaktionäre und welche namhaften Investoren wurden bereits gewonnen?

Gianbeppi Fortis: Derzeit gibt es rund 5 Millionen ausstehende Aktien (nachdem wir viermal Gratisaktien ausgegeben haben) und die Mehrzahl der Aktien wird durch französische Fonds gehalten. Zu den bedeutendsten gehören P2C, Dorval Finance, Sycomore, Alto Invest und Sigma Gestion. Mein persönliches Bestreben ist es, die Invstorenbasis breiter und internationaler aufzustellen. Im Besonderen stehen institutionelle Investoren aus Deutschland ganz oben auf der Wunschliste.

Nennen Sie uns doch abschließend noch ein paar gute Gründe für ein Investment in die Aktien der Solutions 30 SE.

Gianbeppi Fortis: Solutions 30 feiert derzeit das elfte Jahr seit Bestehen. In all diesen Jahren haben wir stets ein zweistelliges Wachstum vermelden können. Unsere Umsätze sind allein in Frankreich auf rund 75 Millionen Euro angewachsen, insgesamt sind wir in sechs europäischen Ländern aktiv und ich bin absolut überzeugt, dass wir in jedem dieser Länder an die derzeitige Umsätzgröße aus Frankreich heranwachsen können. Somit steht einem Umsatzanstieg auf 350 Millionen Euro bis 450 Millionen Euro mittelfristig nichts im Wege. Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass wir der größte Anbieter unserer Branche in Europa sind und dass Größe gerade in unserem Bereich von essentieller Bedeutung ist! Wenn man sich dann die technologische Entwicklung vor Augen führt, so fällt auf, dass mehr und mehr miteinander vernetzte Geräte auf den Markt kommen. Intelligente und selbstständig berichtende Stromzähler, schnelles und extrem leistungsfähiges Internet, NFC Zahlungsmodule. All das ist heute. Für die Zukunft sehe ich viele weitere vernetzte Geräte, die in ihrer Gesamtheit zu „intelligenten Häusern“ führen werden. E-care, sprich Häusern und Wohnungen, die die medizinische Überwachung und Versorgung von einer immer älter werdenden Bevölkerung auch zu Hause sicherstellen. Ich habe keinerlei Zweifel, dass Solutions 30 in den von uns adressierten Märkten für viele weitere Jahre alle Türen für ein überdurchschnittliches Wachstum offenstehen.

Herr Fortis, vielen herzlichen Dank für das Interview!

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