fbpx
Registrieren
Registrierung Du has Konto? Login.
/ 16.08.19 / 13:29

freenet: Großer Krach mit Sunrise Communications?!

Wie freenet (WKN: A0Z2ZZ) heute früh per Ad hoc-Meldung mitteilte, wird die Gesellschaft gegen den geplanten Zusammenschluss der Schweizer Sunrise Communications mit UPC Schweiz stimmen. Als Großaktionär des potenziellen Käufers Sunrise hielt freenet zuletzt rund 24,5% des Aktienkapitals, so dass diese Entscheidung den geplanten Merger stark in Frage stellt. Das Management von freenet nannte dabei gleich mehrere Gründe für diese Entscheidung, die den Schweizern nicht gefallen dürfte.

So hält der Vorstand von freenet Sunrise für hervorragend im Markt positioniert, so dass die Gesellschaft auch als weiterhin eigenständiges Unternehmen über exzellente Perspektiven verfüge. Dies zeige sich auch in der kontinuierlichen Outperformance gegenüber Wettbewerbern seit dem Börsengang. Daher sei es für die Aktionäre von Sunrise nicht zumutbar, dass das Unternehmen für den geplanten Merger Zugeständnisse mache, die für die Altaktionäre (und somit natürlich auch freenet) nachteilig seien.

Diese Ansicht scheine bei Anlegern weit verbreitet, wie die negative Kursreaktion der Aktie auf den angekündigten Merger zeige. Konkret erachten die Verantwortlichen bei freenet den Kaufpreis für zu hoch und die aufgezeigten Synergie-Effekte für zu wenig plausibel. Ferner trügen ausschließlich die Anteilseigner von Sunrise die dadurch bedingten hohen Risiken, besonders in finanzieller Hinsicht. Um dies abzufedern solle daher der größte Profiteur der Transaktion, Liberty Global, stärker in die Verantwortung genommen werden.

Die Vorstellungen von freenet CEO Christoph Vilanek

Aufgrund der thematisierten Bedenken möchte freenet auf der Generalversammlung von Sunrise gegen die, für den Kauf von UPC Schweiz notwendige, Kapitalerhöhung stimmen. Kein Wunder, denn käme es zu einer solchen Kapitalerhöhung, müsste freenet entweder mitmachen und somit frisches Geld zur Verfügung stellen oder würde alternativ verwässert, so dass die Beteiligung an der fusionierten Sunrise-UPC deutlich sinken würde.

Doch wie sehen die Vorstellungen von freenet CEO Christoph Vilanek eigentlich konkret aus und wie sind diese zu bewerten? Nun, Vilanek möchte, dass Liberty Global nach Abschluss der Transaktion eine Beteiligung an Sunrise-UPC in Höhe von 20-30% des Aktienkapitals hält. Dann, so sein Kalkül, wäre auch nur eine Kapitalerhöhung im Volumen von maximal einer Milliarde Schweizer Franken notwendig, die freenet mitgehen könnte. Denn so müsste man nur ca. 225 Mio. Euro in die Hand nehmen.

freenet CEO Christoph Vilanek

Positive und negative Aspekte dieses Vorgehens

Dem Vorgehen von freenet kann man sicherlich positive, aber auch negative Dinge abgewinnen. Grundsätzlich halte ich es für sehr gut, dass freenet den geplanten Merger sowie die dazu notwendige Kapitalerhöhung nicht einfach abnickt. Zumal die angeführten Bedenken auch nicht aus der Luft gegriffen sind. Allerdings stellt sich mir schon die Frage, ob man die ganze Angelegenheit nicht besser intern geklärt hätte.

Zumal der freenet Vorstand den Merger zwar prinzipiell kritisiert, ihn letzten Endes aber wohl nur deshalb ablehnt, weil man selbst derzeit – nach dem Desaster um CECONOMY im vergangenen Jahr – die finanziellen Mittel nicht hat, um diesen zu unterstützen. Dies zeigt sich sehr deutlich darin, dass man ja einer Kapitalerhöhung um bis zu einer Milliarde Schweizer Franken zustimmen würde. Wenngleich die Forderung, dass sich Liberty Global nicht einfach nur eine goldene Nase verdienen, sondern auch an den Risiken beteiligen soll, grundsätzlich richtig ist.

Stein des Anstoßes - der geplante Merger von Sunrise Communications und UPC Schweiz, hier: Kunde auf dem Weg zu einer Sunrise-Filiale...

Fazit: Die freenet Aktie bleibt leider nur eine Halteposition!

Letztlich ist es nicht nur das gute Recht des Managements von freenet, sondern sogar seine Pflicht, die Interessen der eigenen Aktionäre zu schützen. Dies tut man zweifellos, zumal jeglicher Merger immer mit Risiken behaftet ist. Das beste Beispiel hierfür ist sicherlich der, einst noch als "Hochzeit im Himmel" gefeierte, Zusammenschluss von Daimler und Chrysler, der Daimler nichts als Ärger eingebracht hat. Wenn der freenet Vorstand den geplanten Merger von Sunrise und UPC Schweiz wirklich so kritisch sieht, sollte man konsequent sein und ihn komplett verhindern.

Statt dessen aber zeigt man den Beteiligten Kompromisse auf, wie sie ihn womöglich doch noch retten können. Dies wirkt letzten Endes wenig glaubwürdig. Zumal die Performance von Sunrise in den letzten Jahren deutlich besser war als die von freenet, was schon auf eine gewisse Managementqualität bei den Schweizern schließen lässt. Daher sehe ich die Aktie von Sunrise Communications auch an schwachen Tagen und somit zu Kursen um 72 Schweizer Franken als Kaufkandidaten an, wohingegen das freenet Papier für mich nur eine Halteposition bleibt. Und das auch nur wegen der hohen Dividende...

Zugehörige Kategorien: Dividenden-Aktien
Weitere Artikel
Kommentare